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Joachim Krause:
SCHÖPFUNG contra EVOLUTION ?

GLAUBE und NATURWISSENSCHAFT

im Spannungsfeld von Weltbildern und Bibelverständnissen, Ideologie und Ethik

© Joachim Krause 2013

 

Text HIER auch als PDF

 

 

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image001.jpg

 

 

1. Glaube und Naturwissenschaft im dritten Jahrtausend?

 

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image002.jpgUnser Alltag ist ganz entscheidend geprägt von Naturwissenschaft und Technik.

Die Wissenschaft präsentiert uns immer neue faszinierende wie verwirrende Er­kenntnisse über den materiellen Auf­bau der Welt und über das Funktionieren und das Zusammen­spiel ihrer Teile. Technik – als angewandte Naturwis­senschaft – hat dem Menschen immer mächtigere Instrumente in die Hand gegeben, um die Welt nach seinen Vor­stellungen zu verändern und in Besitz zu nehmen.

Der alte Holzschnitt symboli­siert den Drang nach Er­kenntnis. Der Mensch balan­ciert auf und mit den vier Elementen (Feuer, Wasser, Luft und Erde). Er möchte verste­hen, was die Welt zu­sammenhält. Er greift nach den Sternen, und zugleich lebt er ge­fährlich: er könnte bei seinem Balance-Akt das Gleich­gewicht, die Kontrolle über sein Tun verlie­ren.

Welche Bedeutung, welche Auf­gabe hat in der heutigen Welt – mehr als zweitausend Jahre nach der Entste­hungszeit der Bibel – der christli­che Glaube, das Bekenntnis zum Schöpfer und das Nachdenken über Schöpfung? Kön­nen wir, sollen wir von Schöpfung reden trotz Darwin? Oder sind Glaube und Naturwis­senschaft eben doch grund­sätzlich ver­schie­dene Sichtweisen der Welt, ein­ander feindli­che Elemente wie Feuer und Wasser, zwi­schen denen wir uns ent­scheiden müssen, geht es um Entweder-Oder?

 

 

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image003.jpgAuf zwei Herausforderungen, die sich aus der Begegnung von Glaube und Naturwissenschaft ergeben, soll im weiteren genauer eingegangen werden:

 

Kap. 2.: Christlicher Schöpfungsglaube in der Begegnung mit den Weltbildern der Naturwissenschaften –
dargestellt an der Frage „Schöpfung contra Evolution ?“

Kap. 3.: Ethische Anfragen an Naturwissenschaft und Technik - dargestellt am Beispiel von Stammzell-Thera­pien und For­schung an menschlichen Embryonen

 

 

 

 

 

 

2. Schöpfung contra Evolution (!?)
Christlicher Schöpfungsglaube in der Begegnung mit den Weltbildern der Naturwissenschaften

 

2.1. Das Erleben der Welt als „Schöpfung“

 

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image004.jpgEin möglicher Zugang zur Welt kann sich von daher öffnen, dass die Welt als „Schöpfung“ erfahren wird.

Christen sprechen von der Welt, von der Natur als SCHÖPFUNG. Was mei­nen wir damit?

„Schöpfung“ – das ist ein Begriff mit vielen Farben. Er wird in sehr unter­schied­lichen Zusammenhängen ver­wendet: Christen bekennen sich zum „Schöpfer“, wenn sie das Glaubens­bekenntnis sprechen. Aber auch in der Verfassung des Freistaates Sachsen kommt der Begriff vor: dort, wo es um die Bewahrung der natürlichen Umwelt geht. Oder ein drittes Beispiel: Als 1987 das Klon-Schaf DOLLY in die Schlagzeilen der Weltpresse kam, fragten manche Zeitungen, ob nun der „achte Tag der Schöpfung“ angebro­chen sei. Wir könnten uns ja auch selbst die Frage stellen, ob der Begriff „Schöpfung“ uns etwas bedeutet, und was an ganz konkreten Inhalten ich damit verbinde. Hier sei stellvertretend das Ergebnis einer sponta­nen Umfrage in einer Ge­sprächsgruppe dargestellt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                       bebauen und bewahren

               Klonschaf DOLLY          7 Tage

          Anfang und Ende                      Jahreszei­ten

       Musik                                                      Blumen

   Liebe                                                                Gott

Arbeit                                                                    Ordnung

Freude    SCHÖPFUNG ?      Kiefernwälder

Urknall                                                               Leben               
     Morgenröte                                                Adam

         Entfaltung                                         Vielfalt
             Zufall oder Absicht?     bedrohte Schöpfung

                           Wasser schöpfen

 

Da entsteht ein vielfarbiges Bild, da wird das ganz Große (Kosmos) wie ganz Geringes (Blumen) benannt, der Ur­sprung der Welt und des menschlichen Daseins kommen genauso in den Blick wie „moderne“ Fra­gen nach dem ver­antwor­tungsbewussten Umgang mit der Welt (Gentechnik, Umweltprobleme), es geht um Staunen, Fragen und um Verant­wortung. Es wird deutlich: das Thema „Schöpfung“ hat mit MIR und es hat mit GOTT zu tun, neben gewichtigen Fra­gen nach dem Urgrund des Seins gehört das konkrete Erle­ben der Welt hier und heute, gehören ganz persönli­che Lebens-Erfahrungen verschiede­ner Menschen dazu.

Sich diese Vielfalt der Zugänge zum Thema „Schöpfung“ deutlich zu machen, ist wichtig, und sie hat auch gute bib­li­sche Tradition. In immer neuen Bildern und Gleichnissen bringt die Bibel das Thema „Schöpfung“ ins Gespräch: Da schildert die gewichtige Lehrerzählung im ersten Kapitel der Bi­bel, dass Gott diese Welt will und wie er sie Schritt um Schritt ins Da­sein ruft. Nach der Darstellung im zweiten Kapitel findet sich der Mensch in dieser Welt als einem Garten vor mit dem Auftrag, diesen anvertrauten Lebensraum zu „bebauen und zu bewahren“, die Welt zu gestalten, sie aber auch als gute Heimat für die Mitgeschöpfe zu erhalten. Oder denken wir an die Psalmen, die Lieder­sammlung der Bi­bel: dort sind Erfahrungen des Menschen in der Natur Anlass, dem Schöpfer für die gute Ordnung der Welt zu dan­ken. Ganz anders am Schluss des Hiob-Buches: Dort ist der Hinweis auf die unbegreiflich großartige Schöpfung die Antwort auf das für Menschen nicht erklärbare Handeln Gottes, der auch Leid und Katastrophen zulässt. Gleichnisse, die Jesus im Neuen Testament erzählt, nehmen Naturbilder auf und ma­chen an konkret erlebter All­tagserfahrung Wich­tiges vom Reich Gottes deutlich. Noch im letzten Kapitel der Bibel, der Offenbarung, ist von Schöpfung die Rede, und wieder kommen ganz neue Bilder in den Blick: der neue Himmel und die neue Erde, die als neue Schöpfung kommen sollen, wer­den nicht geschildert im nostalgischen Rückblick auf das Natur-Paradies des Anfangs, son­dern die Kulturerfahrung der Erzähler fließt ein: sie verwenden in ihrer Vision Bilder einer Stadt (das neue Jeru­salem), um von Schöpfung zu erzählen.

 

Herr, wie sind deine Werke so groß und viel.

Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Geschöpfe.

Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde.

Gibst du ihnen, dann werden sie satt an Gutem.

Nimmst du ihnen den Atem, so kehren sie zurück zum Staub der Erde.

Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern, allen Tieren des Feldes spenden sie Trank.

Im Schutz der Bäume bauen die Vögel ihr Nest, die hohen Berge gehören dem Steinbock.

Du lässt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, damit er Brot gewinnt von der Erde.

Sehe ich den Himmel, das Werk deiner Hände, den Mond und die Sterne, die du gemacht hast ...

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? Du hast den Menschen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Schöpfung.

Du hast ihm alles zu Füßen gelegt: all die Schafe, Ziegen und Rinder, auch die wilden Tiere, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer.

Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn, der Herr freue sich seiner Werke.

(Die Bibel, aus den Psalmen 8 und 104)

 

Das Reden von, das Nachdenken über „Schöpfung“ kann also sehr verschiedene Aus­drucksformen finden und sich in vielfältigen Inhalten verdeutlichen.

Auch im Jahre 2005 können die Ansätze, sich dem Thema zu nähern, sehr unterschied­lich aussehen:

·         Staunen, Loben, Danken (Wahr-Nehmen der Natur; Ausdruck in Liedern, Gedichten, Gebeten)

·         Wie erfüllen Menschen den Auftrag, „die Erde zu bebauen und zu bewahren“? (Umwelt-Verantwortung)

·         Leben ist in der modernen Medizin und Gentechnik in ganz neuer Weise in die Hand, in die Verfügung des Men­schen gegeben, und das führt zu neuen ethischen Fragestellungen (Retortenbabys, Organspende, Gen­technik, Ster­behilfe)

·         Auseinandersetzung mit Weltbildern und Menschenbildern, Weltanschauungen und Ideologien

Neben den traditionellen Fragestellungen, etwa zur Vereinbarkeit von Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie, kom­men zunehmend ethische Dimensionen in den Blick. Es geht um eine Güterabwägung bei der Nutzung neuer Tech­nologien, die Entscheidung über Befürwortung oder Ablehnung der Atomenergie oder von Angeboten der Gentechnik. Im Hintergrund stehen deutlich Fragen nach dem Sinn und dem Ziel des menschlichen Daseins.

 

Wenn Menschen die Welt als „Schöpfung“ erfahren – dann sehen wir uns die Welt nicht neutral von außen an, da ste­hen wir Menschen mittendrin, da sind wir unmittelbar beteiligt und betroffen: wir leben in Beziehungen (zur Natur, zu anderen Menschen, zu Gott), wir staunen, wir haben Gefühle.
Und wenn wir uns der Welt als „Schöpfung“ nähern, gehen die Fragen, die uns begegnen, in die Tiefe. Wir fragen nach dem Sinn und dem Ziel unseres Daseins:

 

Wer bin ich?

Woher komme ich und wo gehe ich hin?

Warum gibt es das Böse?

Was wird nach diesem Leben sein?

Hat das Leben einen Sinn?

Wohin führt es?

 

Christen suchen in ihrem Glauben, in der Bibel Antworten auf diese Fragen, sie erhoffen sich eine Deutung der verwir­renden Welt und Orientierung für ein gutes gelungenes Leben.

 

2.2. Der naturwissenschaftliche Blick auf die Welt

 

Wenn es um das Zurechtfinden in der Welt geht, haben Menschen auch ganz andere Fragen und Interessen. Wir können die Welt auch unter dem Blickwinkel der Naturwissenschaft betrachten (dazu gehört z.B. auch die Biologie mit ihrem Evolutionsmodell).

Wenn wir Naturwissenschaft betreiben, erleben wir die Welt nicht von innen, sondern wir betrachten sie mit Abstand, von außen her, und wir möchten Wissen gewinnen (im Sinne von Tatsachen, Fakten, Formeln):
WIE können wir uns die Welt erklären (Aufbau, Funktionen), wie können wir sie verstehen, wie sie in Besitz nehmen?

Zwei wichtige Begriffe aus der Naturwissenschaft unserer Zeit sind dabei in der Physik „Urknall“ (als Modell für das kosmische Drama, das sich seit 14 Milliarden Jahren abspielt), und in der Biologie: „Evolution“ (als Modell für die Entwick­lung des Lebens auf unserem blauen Planeten).

 

2.3. Schöpfung contra Evolution ?

 

Wie aber geht es mir, wenn die Begriffe aus der Welt des Glaubens und aus der der Naturwissenschaft unmittelbar nebeneinander stehen? Wie komme ich damit zu Recht?
Viele Menschen erleben auch heute die Begegnung zwischen Glaube und Naturwis­sen­schaft als konfliktbela­den. Manchmal begegnet das an unerwarteter Stelle. Mitte der 1990er Jahre war das Bundesverfassungsgericht aufgefor­dert, darüber zu ent­scheiden, ob es weiterhin statthaft sei, in bayerischen schulischen Unterrichtsräu­men (auch im Physik- oder Biologiekabinett) Kruzifixe an der Wand aufzuhängen. In die­sem eigentlich ganz an­deren Zusammen­hang stand folgender Le­serbrief in der Zeitung:

 

Wie fühlt sich ein Biologielehrer im Anblick des Gekreuzigten, wenn er über die Ent­wicklung des Menschen aus dem Tierreich spricht? Wird im bayerischen Geschichts­unterricht im An­blick des Kreuzes auch über Hexenverbrennungen, Folterungen und Verbreitung des christ­lichen Glaubens mit Feuer und Schwert gesprochen?
Die Religion im Klassenzimmer zwingt doch Schüler und Lehrer zur Heuchelei.
(FREIE PRESSE Chemnitz 6.9.1995)

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image005.jpgEine klare Aussage: christliche Symbole (der christliche Glaube) und moder­ner Bio­logie­unterricht (Naturwissen­schaft) passen nicht zusammen, und diese Trennung sollte auch konsequent vollzogen werden! Unter­liegt der Leser­brief­schreiber ei­nem Missver­ständnis, das man in Ruhe bereden und aufklären könnte? Oder wagt er es einfach, ei­nen schwelenden Konflikt endlich einmal deutlich auszusprechen, stellt Fragen, die eben nur diese eine Schlussfolge­rung zulassen?

Stelle ich mir manchmal vielleicht selbst die Frage, ob sich das Re­den von Schöpfung nicht doch schrittweise erledigt hat, überflüssig geworden ist – seit Natur­wissenschaftler wie Koper­nikus, Darwin oder Einstein uns die Welt ganz an­ders erklärt haben, als das in den Geschichten der Bibel geschieht? Hat die Bibel nicht doch recht mär­chen­hafte Züge, verbreitet ver­altete Vorstellungen, ist unwissen­schaftlich? Und war Kirche, jedenfalls als sie noch Macht hatte, nicht immer wieder auch wissen­schaftsfeindlich (klassisches Beispiel: Der Prozess der päpstlichen Inquisition gegen Galileo Galilei)?

Wie reagiere ich auf solche unbequemen Fragestellungen, die mich unsicher machen können?

Habe ich dann zwei säuberlich getrennte Schubladen: die eine mit der Auf­schrift „Na­tur­wissen­schaft“, in der ich alles ablege, was ich in der Schule und in den Medien über die Welt erfahre, und eine zweite Schub­lade, in der alles auf­bewahrt wird, was mit meinem Glauben zu tun hat? Sind Glaube und Na­turwissenschaft letztlich unver­einbar? Und muss ich dann im Kon­fliktfall als Christ jede Aussage der Bibel verteidi­gen – auch ge­gen die Weltbilder der Naturwis­senschaft?

Oder erlebe ich das Verhältnis ganz an­ders? Sind für mich gerade die Erkennt­nisse der Naturwissenschaft ein immer neuer Hinweis auf die Größe Gottes, auf die Schönheit sei­ner Werke, Anlass zum Stau­nen oder zur Dank­barkeit gegenüber dem Schöpfer?


 

? 7 Tage         Adam und Eva        10.000 Jahre

Sintflut  Schöpfung  Himmelsgewölbe

            ?

Ursuppe Evolution

                                           Naturgesetze und Zufall

allmähliche Entwicklung                           ?

14.000.000.000 Jahre Urknall

                Schwarze Löcher, Rote Riesen, Weiße Zwerge

                     ?

 

 

Ich denke, jeder von uns bringt da seine ganz eigenen Erfahrungen und Einsichten mit. Mancher erlebt die Naturwis­senschaft als Gegner, als Feind des christlichen Glaubens, ein anderer als anregenden und wichtigen Gesprächspart­ner.

 

Irritation: Darwin redet vom Schöpfer (!?)

„Es ist wahrlich etwas Erhabenes um die Auffas­sung, dass das Leben mit seinen verschiedenen Fähigkeiten vom Schöpfer ursprünglich nur wenigen oder gar nur einer einzigen Form ein­gehaucht wurde und dass, während dieser Planet nach dem ehernen Gravitationsgesetz seine Kreise zieht, aus ei­nem so schlichten Anfang eine unendliche Zahl der schönsten und wunderbarsten Formen ent­wickelt wurden und immer weiter entwickelt werden.“
(Charles Darwin, Biologe, letzter Satz in seinem Hauptwerk: „Die Entstehung der Arten ...“, 1859;
der Zusatz „vom Schöpfer“ wurde von Darwin von der 2. Auflage an eingefügt)

 

2.4. Wie bestimme ich mein Verhältnis zu Glaube und Naturwissenschaft?

Als grobes Raster ergeben sich drei Aspekte, die für die eigene Meinungsbildung wie auch in Gesprächen eine wich­tige Rolle spielen:

A)    Zum einen wird danach zu fragen sein, wie weit naturwissenschaftliche Erkennt­nis reicht, welche Möglich­kei­ten sich ihr bieten, aber auch, welche Grenzen ihr gesetzt sind (Kapitel 2.4.1).

B)    Zum zweiten geht es um mein persönliches Bibelverständnis. Wie lese und ver­stehe ich biblische Texte? Wo hel­fen sie mir zum Leben? (Kapitel 2.4.2.)

C)    Zum dritten geht es bei unserem Thema um die Fragestellung, ob und wie eine Be­gegnung zwischen Glaube und Naturwissenschaft stattfinden kann – ist Konfronta­tion unausweichlich (und welche Rolle spielen dabei Ideolo­gien), oder sind Ergän­zung und gegenseitige Bereicherung möglich, ein (wenn auch vielleicht kritisch zu führen­des) Gespräch auf einer Blumenwiese und an­derswo? (Kapitel 2.4.3.)

Es wird wichtig sein, dass ICH mir klar werde, wie MEINE Antworten in den drei Be­reichen aussehen, und dass ich vielleicht entdecke (und schmerzlich aushalten muss), dass an­dere Menschen in ihrem Nachdenken zu an­deren Ein­sichten und Schlussfolgerungen fin­den. Bei Konflikten kann es sehr wichtig sein, ICH-Sätze zu sagen („Ich erlebe, verstehe, deute das so...“), aber nicht mit dem Anspruch aufzutreten, gleich „für alle Christen“ oder „für alle vernünfti­gen Men­schen“ mit zu sprechen und damit dem Gesprächspartner – wenn er an­derer Meinung ist als ich – automa­tisch das Christ-Sein abzusprechen oder ihn als dumm einzustufen ...

 

Im weiteren wollen wir einer konkreten Frage nachgehen, die Menschen sich immer wieder gestellt haben:

Woher kommen wir - wir Menschen - und im weiteren Sinne: Woher kommt das Leben?

Was haben die Biologie und die Bibel dazu in ihrem jeweiligen Kontext zu sagen?
Es folgen jeweils einige allgemeinere Ausführungen zur Reichweite naturwissenschaftlicher Erkennt­nis und zu Fragen des Bibelverständnisses.

 


2.4.1. Naturwissenschaftliche Erkenntnis

 
2.4.1.1. Eine konkrete Frage: Woher kommt das Leben ?
            
Welche Antwort gibt die Biologie ?

 

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image006.jpgZunächst stellen wir unsere Frage an die Naturwissenschaft, an die Biologie als Wissenschaft vom Leben.

Wir blättern in Fachbüchern und Zeitschriften und erfahren: Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist unsere Erde vor 4,6 Milliarden Jahren entstanden, zunächst als ein glühender Ball, auf den ein ständiges Bombardement von Meteoriten niedergeht, auf dem Vulkanausbrüche alltäglich sind, die Ozeane kochen, in dessen Atmosphäre heftige Gewitter to­ben mit gewaltigen elektrischen Entladungen, und der ganze Planet ist umgeben von einer nicht gerade lebensfreund­lichen Atmosphäre: sie enthält keinen freien Sauerstoff !

Und trotzdem berichten die Geologen von fossilen Funden, die darauf hinweisen, dass es bereits „kurze Zeit“ später – vor 3,8 Milliarden Jahren - erste Lebens­formen gab, noch sehr einfach, aber das Leben hatte begonnen, die Erde zu erobern. Was war da passiert? Wie konnte aus unbelebter Materie Leben entstehen?

Die Lehrbücher bieten (im Kapitel „Evolution“) Erklärungen an, wie die ersten Schritte ausgesehen haben könnten. Hier ein konkretes Beispiel – es wurden die Originalüberschriften übernommen:

 

(Biologie heute, Lehrbuch für die Sekundarstufe II, SCHROEDEL Hannover, 2004, S.423ff.)

4. Chemische Evolution und die Anfänge des Lebens

4.1. Die Ursuppe
(Bildung von organischen Stoffen in der reduzierenden Atmosphäre)

4.2. Die Schwarzen Raucher
(Bildung von organischen Substanzen unter Mitwirkung von schwefelhaltigen Verbindungen in der Nähe unterseeischer Vulkanschlote)

4.3. Leben an Kristallen?
( Entstehung von organischen Stoffen an Pyrit-Kristallen (FeS2) im Ur-Ozean)

4.4. Viele Theorien – viele Fragen
(kritische Argumente gegen die zuvor aufgeführten Theorien; weitere Erklärungsansätze, z.B. unter Mitwirkung von Tonmineralien; „Wahrscheinlich ist, dass keine der Theorien allein richtig ist und dass möglicherweise alle Theorien einen Beitrag zu der endgültigen Vorstellung über die Entstehung des Lebens gegen werden.“

 

1) URSUPPE
(Suche nach Möglichkeiten der Entstehung von Lebensbausteinen unter den Bedingungen der Ur-Erde an der Erd­oberfläche; man hat z.B. versucht, die oben geschilderten Bedingungen der Ur-Erde im Labor nachzubauen; nach wenigen Ta­gen Versuchsdauer bildeten sich Lebensbausteine wie Aminosäuren, Fettsäuren, Harnstoff, Milchsäure, Zucker ...)

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image007.jpg2) SCHWARZE RAUCHER
(an Vulkanschloten auf dem Grund der Weltmeer sind eine Fülle von verschiedenen Lebensformen entdeckt worden, obwohl es dort absolut dunkel und weit mehr als hundert Grad heiß ist und Schwefelverbindungen das Wasser ver­giften; sind dort in der Tiefe vielleicht auch die ersten Lebensbausteine und Lebensformen entstanden?)

3) Oder ist das LEBEN AN KRISTALLEN entstanden, an deren Oberfläche bestimmte chemische Prozesse haben bevorzugt ablaufen können?

 

Das alles sind spannende Spekulationen. Viele Theorien werden in der Fachwissenschaft kontrovers diskutiert. Viele Fragen sind ungelöst, werden sich vielleicht nie eindeutig beantworten lassen.
Selbst wenn eines der vorgeschlagenen Modelle richtig sein sollte, wäre das nur die Erklärung für die Bereitstellung der notwendigen Bausteine für Lebewesen, das ist noch kein Leben! Wie dann Ei­weiße und Lebensmoleküle (DNS,RNS) sinnvoll zusammenspielen, dafür gibt es weitere spannende und komplizierte Modelle (z.B. Hyperzyklen – Kreisläufe), die in der Fachwelt diskutiert werden und umstritten sind.

Woher kommt das Leben? Wir bekommen auf unsere Frage durch die Biologie keine klaren endgültig überzeugen­den Antworten, eher erzeugt die Vielzahl der Erklärungsmodelle Verwirrung ...

Was sagt die Wissenschaft zu dieser Lage? Wir lesen dazu in einem modernen (und guten) Schullehrbuch:


 

Kapitel 6.7: Probleme in der Theorie von der Entstehung des Lebens

·         „Viele der Gedanken, die hier in den letzten Abschnitten bespro­chen wurden, beruhen auf Vermu­tungen und Spekulationen ...“

·         „... reproduzierbare Experimente sind nicht möglich ... so sind wir auf die Auswertung von Indizien angewie­sen ...“

·         „... muss man feststellen, dass die Evolutionstheorie über die Entste­hung des Lebens auf der Erde noch kein gesichertes Bild bieten kann ...“

(Schroedel Schulbuchverlag Hannover 1995, Materialien für den Sekundarbereich II, Lehrbuch BIOLOGIE, Kapitel EVOLUTION, S.103)

 

Die ungelösten Fragen werden nicht ausgeklammert, sondern gezielt thematisiert. Der hypothetische Charakter gän­giger Erklärungsmodelle („Ursuppe“ à organische Mole­küle àSelbstorgani­sationà Leben) wird hier als „Vermu­tungen und Spekulationen“ be­nannt. Wir werden vielleicht nie eindeutig wissen, wel­che Ereignisse vor langer Zeit zur Bildung der ersten Lebensformen geführt haben. Wis­senschaftszweige wie Abstam­mungslehre und Evolutionsbiologie sind in der glei­chen schwierigen Lage wie Historiker. Sie müssen versuchen, einen einmali­gen Vorgang, der in der Vergangenheit abgelaufen ist (ohne noch lebende Zeugen, die befragt werden könn­ten), zu rekonstruie­ren, wobei die Zahl und die Qualität der Befunde (der Fundstücke) in der Regel un­befriedigend ist und verschiedene Deutungen der „Indizien“ möglich sind. Die Schwierigkeit soll an folgendem Beispiel skiz­ziert wer­den: Wenn man beispielsweise alle wichtigen Fundstücke zu Vorfahren des heu­tigen Menschen (versteinerte Kno­chen, Zähne, Schädel, Fußabdrücke) auf der (in der Biologie akzeptierten) zugehöri­gen Zeitachse von einigen Millio­nen Jahren anordnet, liegt etwa aller 10000 Jahre ein solches Fundstück. Habe ich nun typische Zeitzeugnisse zur Verfügung, sind sie zeitlich richtig einge­ordnet – oder besteht das Puzzle, das ich mir lege, zum Teil aus falschen oder nur schlecht zusammenpassen­den Bausteinen? Es ist sicher ein spannendes Unterfangen, so die Geschichte der Menschheit zu rekonstruie­ren, aber es bleiben Unsi­cherheiten, das Bild ist „kein gesichertes Bild“.

 

Noch allgemeiner und ganz grundsätzlich gilt für die Erkenntnismöglichkeiten der Naturwissenschaften:

Naturwissenschaftliche Erkenntnis führt nicht zu endgültigen Wahrheiten. Das Wissen bleibt immer unvollkommen, vorläufig und ist verbesserungsbedürftig. Die Ergebnisse sind Modelle, Hypothesen, Theorien.

Eine letzte Einsicht ist besonders wichtig: aus naturwissenschaftlichen Erkenntnissen kann und darf man keine welt­anschaulichen Deutungen herleiten oder sie damit begründen. Aus den Erkenntnissen der Biologie oder Physik erge­ben sich keine zwin­genden, „wissenschaft­lich begründeten“ Schlussfolgerungen über den Sinn und das Ziel des menschlichen Daseins. Dieser Satz gilt für philosophierende Physiker und Biologen generell, unabhängig davon, ob ihre Äußerungen mir genehm sind (meine Weltsicht bestätigen) oder nicht. Auch Nobelpreisträger äußern sich in phi­losophischen Fragen nur als nachdenkliche Menschen und nicht mit der Autorität ihrer naturwissenschaftlichen Ver­dienste.
Abschließend seien noch zwei Zitate aus naturwissenschaftlichen Lehrbüchern mitgeteilt, die grundlegende Grenzen für den naturwissenschaftlichen Zugang zur Welt aufnehmen und deutlich sagen, dass auch im Zeitalter moderner Naturwis­sen­schaft weltanschauliche Deutungen des Da­seins „dem persönlichen Glauben über­lassen sind“.

 

Offene Naturwissenschaft

(a) Wissenschaftstheorie
„Das naturwissenschaftliche Weltbild kann nur ein Teilbild der Welt sein, und es kann nur ein vorläu­figes Bild sein ...

Was ist der Sinn der Evolution? ... Warum hat sie zum Menschen geführt, einem Wesen mit Geist? ...

Was steckt hinter dem, was die Naturwis­senschaft als „Zufall“ beschreibt? ...

Willensfreiheit und Sinn des Seins vermag die Biologie nicht zu deuten. ...

Solche Fragen lassen sich mit den Mit­teln der Natur­wis­senschaft nicht lösen, Ant­worten darauf sind dem per­sönlichen Glauben überlas­sen.“
(Linder Biologie; Bayerhuber/Kull: Lehrbuch für die Oberstufe, Stuttgart 1994, S.453,456)


(b) Kosmologie – Urknall

„Was oder wer hat die Ausgangsbedingungen gesetzt? ... physi­kali­sche Letztbegrün­dungen sind nicht möglich ...

Man kann das Auftauchen der Energie als „Schöp­fungsakt“ aus dem „Nichts“ im Sinne der christlichen Religion deuten ... Das Urknall-Modell schließt einen „Schöpfer“ nicht aus ...

Hat unser Leben in diesem Universum einen Sinn?
Eine Ant­wort kann nicht aus den physi­kalischen Erkenntnissen abgelei­tet werden.“

(W. Kuhn: Physik, Klasse 12/13 Band 2, Westermann, 1992)

 

Gewarnt wird hier vor unerlaubten Grenzüberschreitungen: mit der Ableitung von weltanschaulichen Deutungen wird der Geltungsbereich der Naturwissenschaften verlassen.

Sie können die folgenden Hintergrundinformationen auch überspringen und gleich in Kapitel 2.4.2.1. weiterlesen: Wo­her kommt das Leben? – Welche Antwort gibt die Bibel?

 

 

2.4.1.2. Hintergrund

 

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image008.jpg2.4.1.2.1. Anspruch und Grenzen der Naturwissenschaft

 

Wie sieht es mit dem Anspruch, mit den Möglichkeiten, aber auch mit den Grenzen natur­wissenschaftlicher Er­kenntnis aus?

Auf dem Holzschnitt wird symbolhaft das Suchen der Natur­wissenschaft deutlich. Die immer neu gestellte Frage heißt: Was steckt dahinter? Naturwissen­schaftler sind besonders neugierige Menschen. Sie möchten wis­sen, was hinter den Kulissen des Welttheaters ge­schieht, was die Welt im Inners­ten zusammenhält, welche Kräfte ihren Lauf bestimmen. Sie bezweifeln, dass unser Au­genschein uns die Welt so zeigt, wie sie wirklich ist. Auch allgemein akzeptierte Weltbil­der werden im­mer neu hin­terfragt. Gibt es vielleicht noch ganz andere Er­scheinungen, die wir bisher nicht kann­ten? Könnten sich im Lichte neuer, besserer Erklärungen und Theorien die vertrau­ten Weltbilder der Vergangenheit doch als falsch oder we­nigstens unvollkommen erweisen?

Neugier ist eine tolle Begabung, mit der wir Menschen beschenkt sind. Nach dem Ver­ständnis der Bibel haben wir auch unseren suchenden Verstand von Gott erhal­ten. Menschen dürfen ihre Begabungen nutzen, um die Welt zu ent­decken, aber auch, um sie umzugestalten und zu nutzen.

Der Auftrag Gottes an den Menschen:

„Und Gott segnete die Menschen und sprach zu ihnen:

Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vö­gel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“

(1. Buch Mose 1,28)
Der Mensch im Garten Gottes:

„Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Gar­ten Eden, damit er ihn bebauen und bewahren sollte“.

(1. Buch Mose 2,15)

 

Im ersten Kapitel der Bibel steht der Auftrag an den Menschen, sich die Erde „untertan zu machen“. Das ist zu man­chen Zeiten missver­standen worden als Ermächti­gung zur gnadenlosen Ausbeutung und Unterdrückung der Schöp­fung. Im biblischen Kontext wird aber deutlich, dass es hier nur um fürsorgliche Herrschaft im Auftrag Gottes gehen konnte. In ihrem zweiten Kapitel gibt die Bibel dem Men­schen eine zweite „Gebrauchsanweisung“ mit für den Weg in der Welt. Hier wird die Welt im Bild eines Gartens beschrieben, in den der Mensch gestellt wird mit dem Auftrag, die­sen Le­bensraum „zu bebauen und zu bewah­ren“ – er darf und soll ihn also gestalten (un­ter­suchen, verändern, nut­zen), aber zugleich als le­benswerte Hei­mat für Pflanzen, Tiere und Menschen erhalten.

 

Problemanzeige

Naturwissenschaft hat mit ihrem Suchen und Fragen in den letzten Jahrhunderten beein­druckende Erfolge ge­feiert. Sie hat versucht, in immer neuen Anläufen den materiellen Aufbau der Welt und das Funktionieren ih­rer Teile zu erklä­ren, und das Publikum hat die­sen Prozess mit Staunen, Faszination oder auch Verwirrung beglei­tet. Zum anderen ist es der Naturwissenschaft in ihrer praktischen Umsetzung, in Gestalt der Technik, gelungen, die Welt für den Men­schen in Besitz zu nehmen und diese (manchmal mit zwiespältigem Er­gebnis) zu verändern.

 

„Ich will die Welt retten.“

Craig J. Venter; Biochemiker,

(maßgeblich beteiligt an der Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes)

 

Die Erfolge (und Folgen) der Naturwissenschaft sind gewaltig und führen für viele Zeitge­nossen zu einer regel­rechten Wissenschafts-Gläubigkeit. Gerade für Men­schen, die mit Gott nichts mehr anfangen können, sind die mo­derne Na­turwissen­schaft und Medizin („Halbgötter in Weiß“) an seine Stelle getreten. Wo man früher von Gott erhoffte und er­wartete, dass er die Probleme dieser Welt (auf-)lösen und Not und Leid heilen werde, da wer­den heute über­mächtige Erwartungen an die Naturwis­senschaft herangetragen und von manchen ihrer Vertre­ter auch geschürt: sie soll nicht nur alle Fragen beantworten, sie soll auch in eine lichte, sorgenfreie Zukunft, in eine heile Welt führen.

 

2.4.1.2.2. Das Ergebnis wissenschaftlichen Suchens -
statt endgültiger Wahrheiten: Modelle, Hypothesen, Theorien

 

Auch wenn Naturwissenschaft von vielen Menschen als allmächtig bestaunt oder be­argwöhnt wird, ist ganz deut­lich zu sagen: Naturwissenschaft ist weder allwissend noch ist sie allmächtig!

Gute Naturwissen­schaftler haben zu allen Zeiten gewusst, dass sie „kleine Brötchen backen“, dass sie nicht für die ganze Wirklichkeit der Welt zuständig sind, dass sie nicht auf alle Fragen eine Antwort ge­ben können (und müssen).

Naturwissenschaft zu betreiben ist eine bestimmte Art, sich mit der Wirklichkeit der Welt auseinanderzusetzen. Dafür gibt es nicht nur klare Spielregeln (die naturwissen­schaftliche Methode), sondern diesem Zugang zur Welt sind auch Grenzen gesetzt, von denen hier nur einige knapp benannt werden sollen.

·         Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image009.jpgZum ersten geht (auch) die Naturwissenschaft in ihrem Tun von Annahmen aus, de­ren Gül­tigkeit und Richtig­keit vor­ausgesetzt werden, die sich aber nicht be­weisen las­sen (Axiome): So wird – ohne diese Annahme kann Na­turwissen­schaft einfach nicht sinnvoll arbeiten – vorausgesetzt, dass die Naturge­setze zu allen Zeiten und an je­dem Punkt des Universums in gleicher Weise gelten (so, wie wir sie heute auf der Erde erkennen). Oder es wird vorausgesetzt, dass der Kosmos „homogen und isotrop“ ist (d.h. dass Materie etwa gleich­mäßig ver­teilt ist und wir deshalb im uns zugänglichen Nahbereich „typi­sche Verhältnisse“ vor-finden). Allerdings unterliegen Axiome in der Natur-wissenschaft grundsätzlich immer der vorläufigen Geltung und der Überprüfbarkeit - wenn sie sich als falsch erweisen (dazu genügt eine entgegenstehende Beobachtung), muss ihr Geltungsbereich neu definiert oder es müssen die auf ihnen aufbauenden Theoriemodelle auf den Prüfstand gestellt und den neuen Einsichten angepasst werden.
Wir wissen auch nicht, ob im Universum nur die von uns bisher nach­gewiesenen Teilchen existieren. Derzeit ge­hen die meisten Astrophysi­ker davon aus, dass nur etwa 5 Prozent unseres Universums aus Stoff­lichkeiten be­stehen, die wir kennen, und dass 73% aus „dunkler Ener­gie“ und 22% aus „dunkler Materie“ bestehen („dunkel“ steht hier schlicht für das Nicht-Wissen). Wir wissen auch nicht, ob unser Kosmos nur von den vier uns bekannten Kräften beherrscht wird (diese sind: die starke und die schwache Kraft oder Wechselwirkung im Bereich atoma­rer Dimensionen, die elektromagnetische Kraft und die Schwerkraft) und ob diese in einer einheitlichen Theorie erklärt werden können.
Die Naturwissenschaft arbeitet mit Grundbegriffen (z.B. Energie, Masse, Materie, Raum oder Zeit), die eigent­lich Abstraktionen sind, de­nen keine eindeutige Wirklichkeit entspricht.

·         Zum zweiten ist Naturwissenschaft von ihrem Anspruch her der Versuch, die Welt mit den Mitteln des menschli­chen Verstandes zu erklären. Es ist sehr fraglich, ob die zwei Pfund grauer Gehirnzellen, die unser Schädel ein­schließt, in der Lage sind, das ganze Universum mit der Fülle und Vielfalt seiner Er­scheinungen wahrzuneh­men, zu verstehen und umfassend zu erklären. In unseren naturwissen­schaftlichen, von Menschen erdachten Modellen und Theorien wird die Natur überschaubar (gemacht). Wir wissen jedoch, dass die Struktur, die wir der Welt damit auferlegen, in den Grenzen unserer menschlichen Vorstellungskraft erfolgt und schon deshalb nicht voll­kommen ist.

·         Zum dritten erweist sich als Arbeitsgegenstand der Naturwissen­schaft, was man se­hen und anfassen kann, was sich zählen, wiegen und messen lässt. Dabei ist es grundsätzlich geblieben, auch wenn wir das Leis­tungsvermö­gen unserer Sinnesor­gane mit technischen Hilfsmitteln - z.B. beim Sehen mit Mik­roskopen oder Telesko­pen – deutlich ausweiten konnten. Wir wissen auf der einen Seite, dass das „Netz“, mit dem die Na­turwissenschaft das „Meer der Wirklichkeit“ durchfischt, viele inte­ressante Funde erfasst und festgehalten hat. Aber manches, was auch zur Wirklichkeit gehört, schlüpft einfach durch die viel zu groben Maschen dieses Netzes.

 

 

Naturwissenschaft hört die Realität gewissermaßen nur auf wenigen, ausgewählten Fre­quenzen ab.

Die Physik kann uns nur sagen, was ist. Wenn wir wissen wollen, was wir tun sollen, lässt sie uns im Regen stehen. Naturwissenschaften machen keine Aussagen über die vielfältige Welt der per­sönlichen Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle, die unser Leben so reichhaltig sein las­sen und bestimmen.


 

Nicht alle Aspekte von Wirklichkeit lassen sich mit naturwissenschaftlichen Methoden fassen

Ein Beispiel: MUSIK gehört zur Wirklichkeit vieler Menschen. Auch wer damit über­haupt nichts anfan­gen kann, auf den wirkt sie, indem er das Radio aus­schaltet oder ihr anderweitig entflieht. Musik beein­flusst unsere Stim­mung, macht uns nachdenklich oder beschwingt, manchmal bringt sie uns auch in Bewegung (im Tanz, beim Schunkeln, als Marschmusik). Musik hinterlässt unbe­zweifelbar Wirkungen, gehört also zur Wirklichkeit. Um das Phäno­men Musik besser zu verstehen, könnte nun ein Physiker um Aufklärung gebeten werden, der in Mes­sungen und Erläuterungen Spannendes zu schwingenden Saiten und Luftmolekü­len, zu Resonanzen und Fre­quenzen und Amplituden berichten könnte. Dann wäre vielleicht ein zweiter Natur­wissenschaftler, ein Neu­rophy­siologe, zu bitten, der erklären könnte, was vom schwingenden Trommelfell an sich im Inneren des Ge­hirns abspielt an chemischen und elektri­schen Vorgängen. Interessant sicher. Aber es wäre völ­lig irreführend anzu­neh­men, dass sich das Phäno­men „Musik“ so angemessen erfassen ließe. Wollte man das Erlebnis einer Beethoven-Symphonie mittels der im Konzertsaal gemessenen Luftdruckkurven dar­stellen, wäre das offenkun­dig eine Abbildung mit nicht angemessenen Mitteln. Ihr Ge­heimnis und ihre Wirk­lichkeit lassen sich (allein) mit den weiten Maschen des Net­zes der Wissen­schaft nicht „ergreifen“.

 

Viele Menschen meinen – durch das Lernen von „Gesetzmäßigkeiten“ in der Schule ent­sprechend geprägt –, Natur­wissenschaft sei nicht nur der einzig richtige Weg zur Erkennt­nis der Welt, sondern ihre Einsichten seien auch „objek­tiv“ (verstanden als allgemein gültig) und „wahr“ (nicht hinterfragbar).

Die Wissenschaftstheorie sagt dazu anderes: Die Erkenntnisse der Naturwissen­schaften können nie den Status end­gültiger, bewiesener, nicht mehr hinterfragbarer Wahr­heiten beanspruchen. Sie sind – das gilt jedenfalls grundsätzlich - vorläufige Einsichten, nicht nur verbesserungsbedürftig, sondern auch verbesse­rungsfähig. Was Naturwissen­schaft sagen kann, ist immer nur mit dem heutigen Da­tum gültig, und jeder Fachartikel, je­des dicke Lehrbuch müssten ei­gentlich mit der Einschränkung schließen, dass hier nach bestem Wissen und Gewissen dargestellt wird, was im Mo­ment die überzeugendste Erklä­rung eines Sachverhalts zu sein scheint, dass aber morgen oder in zehn oder in hun­dert Jahren jemand eine bessere und viel­leicht ganz andere Deutung für den gleichen Befund geben könnte. Und so besteht folgerichtig der Wissensfundus der Naturwissenschaft nicht aus endgültigen Wahrheiten, sondern aus Model­len, Hypothesen und Theorien. Natürlich muss neben diesen grundsätzlichen Feststellungen deutlich sein, dass na­turwissenschaftliches Forschen inzwischen in vielen Einzel-Bereichen zu Entdeckungen geführt hat, die wenigstens eine gute Annäherung an die Wirklichkeit darstellen und vielleicht auch nicht mehr verbessert werden können und müssen. So reicht die klassische Newton´sche Physik aus, um verlässliche Umlaufbahnen für Satelliten zu berechnen. Auch zuverlässig funktionierende Technik in unserem Alltag ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass viele Erkenntnisse doch einen hohen Wahrheitsgehalt erreicht haben.

Jedenfalls gibt es im Wissenschaftsbetrieb oft viel mehr offene Fragen als (wenigstens vorläufig) befriedigende Ant­wor­ten.

 

 

Was wir über unser Universum „wissen“

a) Kosmische Kennziffern (Bild der Wissenschaft 8/2003 S.51)

Eigenschaften

Wert

Unsicherheit

Alter des Universums (Milliarden Jahre)

13,7

± 0,2

Anteil der „normalen“ Materie (Prozent)

4,4

± 0,4

Anteil der (kalten) „dunklen Materie“ (Prozent

23

± 4

Anteil der gesamten Materie (Baryonen und „dunkle“ Materie) an der Gesamtdichte (Prozent)

27

± 4

Anteil der „dunklen Energie an der Gesamtdichte (Prozent)

73

± 4

Temperatur der kosmischen Hintergrundstrahlung (Kelvin)

2,725

± 0,002

 

b) „Das würde ich eine Krise nennen“ (Lee Smolin)

„Nur zu ein paar Prozent besteht unser Universum aus sichtbarer Materie. Für schätzungsweise 95 Prozent des kosmischen Inventars haben Forscher bislang wenig mehr als Namen, und schon die sind mysteriös genug: Dunkle Materie und Dunkle Energie. Das All ist erfüllt von etwas, was wir nicht sehen, und wird getrieben von einer Kraft, die wir nicht verstehen. ... Die Grundlagenphysiker driften zusehends weg von der Naturwissenschaft, hin zu reinen Mathematik ... Immer kühner türmen die Theoretiker ihre Gedankengebäude. Immer weiter entfernen sie sich von den Möglichkeiten der Experimentalphysik. ... Heute ist das meiste, was Theoretiker über die Grundlagen der Physik publizieren, nicht überprüfbar.“ …
„Heute zweifelt kaum noch ein Kosmologe an der Urknall-Theorie.“
(Die Zeit 29.3.07 S.29, 32)


 

Erkenntnisweg und Grenzen der Naturwissenschaft

Das Ziel bei der Behandlung der Wirklichkeit ist die Reduktion von Komplexität und das Aufsuchen von regelmäßig in gleicher Weise ablaufenden Vorgängen und von Zusammenhängen.

Die aus Beobachtungen abgeleitete Erkenntnis führt den Naturwissenschaftler zu einer Hypothese, die weiterentwi­ckelt wird zur Formulierung eines (Natur-)Gesetzes bzw. einer Theorie. Eine Theorie soll nicht nur beschreiben, son­dern auch begründet werden und Ursachen angeben. Die Angabe eines klar be­grenzten Anwendungsbereiches ge­hört dazu. Theorien sind nicht an der Erfahrung ablesbar, sie werden letztlich erraten. Theorienbildung wird in vielen Fällen durch Hintergrundüberzeugungen geleitet („Zeit­geist“). Allerdings müssen sich Theorien in harten Prüfungen bewähren: So müssen sie intersubjektiv (unabhängig von der Person des Experimentators) überprüfbar sein und dür­fen nicht im Widerspruch zu Experiment und Wirklichkeit stehen. Naturgesetze beschreiben die Natur nicht als solche, sondern so, wie sie unter den Voraussetzungen objektiver Erkenntnis erscheint. Grundsätzlich gilt dabei, dass die gefun­denen Gesetze jederzeit falsifizierbar sind (sich als „falsch“ erweisen können, z.B. durch nur einen wider­spre­chenden Befund), nie aber für alle Zukunft verifizierbar sind (sich als endgültig „wahr“ erweisen, in ih­rer Richtigkeit bewiesen werden können).

Ein naturwissenschaftliches Gesetz gilt genau so lange, bis es durch neue Erkenntnisse erweitert oder durch ein neues Gesetz abgelöst wird. Nachfolgetheorien heben ihre Vorläufer in der Regel nicht auf; die Vorläufer haben sich nicht als falsch erwiesen, die Nachfolgetheorien grenzen nur ihren Anwendungsbe­reich ein.

Die naturwissenschaftliche Erkenntnis kann im Detail sehr präzise sein, gilt aber nur für genau die Rah­menbedingun­gen (Fragestellungen), unter denen die Beobachtungen gemacht wurden.

(Auch die) Naturwissenschaft ist eine Wahrheit im historischen Gewand.

(nach Schwarke/Biewald S.38, Audretsch S. 18ff)

 

Grenzen der naturwissenschaftlichen Erkenntnis

 

„Ursprung, Anfang“

Die Frage nach dem Anfang und Ursprung ist natürlich keine wissenschaftliche Frage. ... Denn , genau gesagt, geben die Wissenschaften darauf keine Antwort ...
Ursprung des Universums ...
Ursprung des Lebens ...

Entstehung des Menschen (welches Kriterium für das Menschsein?) ...

Ursprung des Bewusstseins ...

 

„Hypothese, Theorie“

... dass der wissenschaftliche Diskurs über die Welt bestenfalls eine theoretische Erklärung liefert, die für den Augen­blick Geltung beansprucht, aber jederzeit durch neue Beobachtungen und Experimente widerlegt werden kann.

Auch wenn eine Theorie ... ein allgemeines Weltbild darstellt, in dessen Rahmen wissenschaftliche Methoden Anwen­dung finden, handelt es sich dennoch um eine Hypothese, die man in den Rang einer Theorie erhoben hat, weil sie so umfassend ist und so viele Fachgebiete sich in ihrem Rahmen bewegen können.. Zu diesen umfassenden Theorien gehören etwa die Darwinsche Evolutionstheorie, die Theorie des expandierenden Universums und das Standard­modell der Quantenphysik.
(ohne Relativitätstheorie kein GPS, ohne Quantenmechanik keine Kernspintomographie oder CD-Player JK)

 

„unmöglich“

... dass jede Wissenschaft ihren Gegenstandsbereich präzise abgrenzen muss. Da Wissenschaften niemals die Ge­samtheit des Wissens über die Gesamtheit aller Objekte in sich vereinigen, bestimmen sie durch die Abgrenzung ihres Gegenstandbereiches stets auch jenen Bereich, über den sie mit ihren Methoden unmöglich etwas auszusagen ver­mögen. Hierzu gehören z.B. alle Fragen, die den Ursprung der Dinge betreffen.

 

„Widerlegbarkeit“

... Oft bezeichnet man jede Information als wissenschaftlich, die durch Beobachtung und Experiment bestätigt wird. Implizit bedeutet diese Sichtweise, dass der wissenschaftliche Diskurs die Wirklichkeit der uns umgebenden Welt so objektiv und passiv wie möglich beschreibt. ... Tatsächlich spiegelt aber (nach Karl Popper) die wissenschaftlich Er­kenntnis die Realität der Welt nicht (objektiv und richtig) wider, sondern ist eine von unserem Verstand aufgestellte Hypothese, die wir vielfältigen Prüfungen unterziehen, damit die Außenwelt sie widerlegt oder bestätigt. Sagt die Natur „ja“, so ist es meist lediglich ein „vielleicht ja“. Sagt sie dagegen „nein“ – widerlegt sie also die Hypothese -, so ge­schieht dies kategorisch.
(Besteht eine Theorie einen Test nicht, mag ihr Erklärungspotenzial noch so groß sein – sie muss aufgegeben werden – bdw 12/03 S.48).

 

(Thesaurus der exakten Wissenschaften, Zweitausendeins Verlag, Frankfurt/Main, 2001)

 


 

2.4.2. Wie lese und verstehe ich die Bibel?

 

2.4.2.1. Eine konkrete Frage: Woher kommt das Leben ?
             Welche Antwort gibt die Bibel ?

Woher kommt das Leben? Viele Christen würden sagen: Das steht doch in der Bibel, gleich am Anfang, unter der Überschrift „Schöpfung“!

Wir machen also einen zweiten Anlauf: Wir lesen das erste Kapitel der Bibel. Die Bibel erzählt in gewaltigen Bildern, die in der folgen­den nüchternen Kurzfassung nicht angemessen wiedergegeben werden können.

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image010.jpg(Zusammenfassung von 1.Buch Mose Kap.1 bis Kap.2 Vers 4;
die Zahlen geben den jeweiligen „Schöpfungstag“ an):

+ Der „Grund“ (der Wille, der Anfang, das Fundament) dafür, dass es überhaupt eine „Schöpfung“ und darin Leben gibt, liegt in GOTT. Er ist ALLMÄCHTIG.
(Es gibt nur einen Gott, Sonne und Mond, Blitz und Donner, mächtige Tiere und Bäume sind keine Götter; alles ist Geschaffenes – der Mensch kann sich der Natur ohne Angst nähern, auch naturwissenschaftliche Fragen stellen!)
+ Gott ist SCHÖPFER (die Bibel verwendet hier ein besonderes Wort, das allein für das Handeln Gottes reserviert ist!);
Er schafft Ordnung und bringt Struktur in das Chaos des Anfangs (es gibt Licht und Finsternis 1, mit Himmel und Erde oben und unten 2, Land und Meer 3, Gestirne als Zeitgeber 4).
+ Die Erde wird ein geschützter (Wohn-) Raum für Leben.
+ Gott beteiligt die Geschöpfe an seinem Werk – geliehene, begrenzte Kompe­tenz - beauftragt das Land (den fruchtbaren Boden), Pflanzen hervor­zubringen 3; später ergehen Aufträge an die Gestirne, dann auch den Menschen
+ Gott schafft die Wassertiere und Vögel 5.
+ Das Land wird beauftragt, die landlebenden Tiere hervor­zubringen 6.
+ Am Ende will Gott, dass es Men­schen gibt 6 (als sein Gegenüber; und er schafft sie als Mann und Frau - das heißt, der Mensch ist Mensch nur in Bezie­hung zu anderen).
+ GOTT gibt den Menschen einen AUFTRAG, er setzt sie als verantwort­liche Haus­halter in seine Schöpfung ein.
+ Das ganze Schöpfungshandeln wird im Rhythmus von sechs „Tagen“ geschil­dert.
+ Gott meint es gut mit seinen Geschöpfen. Er handelt wie ein fürsorglicher VATER. Das (Wert-)Urteil Gottes über seine Schöp­fung lautet „es war alles sehr gut“.
+ Der siebente Tag ist heilig und ein Tag der Ruhe.

 

Es lassen sich  Kernaussagen heraus-„destillieren“, die der Text vermitteln will; einige Stichworte sind im vorstehen­den Text hervorgehoben.

 

Das christliche Glaubensbekenntnis nimmt den „Extrakt“ dieser Glaubensaussagen auf und fasst – noch knapper und in nüchternen Worten - zusammen:

 

„Ich glaube an GOTT den VATER, den ALLMÄCHTIGEN, den SCHÖPFER des Himmels und der Erde.“

 

Es geht hier nicht darum, einen trockenen Merksatz „nachzubeten“: Meine Antwort ist gefragt. Das Bekenntnis ist als Ich-Satz formuliert. Wenn ich es mir zu eigen mache, sage ich eine ganz persönliche Erfahrung aus, die ich nur sagen kann, wenn ich auch meine Welt als gute Heimat erfahre und bereit bin, mich unter den Auftrag des Schöpfers zu stellen. Dann gilt die „alte Geschichte“ nicht nur für „damals“, sie gewinnt BEDEUTUNG FÜR MICH HIER UND HEUTE! Genau in diesem Verständnis geht es in der Erklärung Martin Luthers zum 1. Artikel im christlichen Glau­bensbekenntnis nicht um abstrakte Fragen zur WELT-Schöpfung, sondern um die Frage, was Schöpfung für mein ICH, für meine Existenz als Mensch bedeutet (ausführlicher dazu auf Seite 22):

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“
Was ist das?

Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat …“

 

Ich bekomme Antworten auf ganz wichtige Fragen, das Bekenntnis im ersten Kapitel der Bibel enthält ein Angebot für die Deutung meines Daseins in die­ser Welt.
Es geht in dem Text der Bibel um den Urgrund, den Ursprung, es geht um den Sinn und um das Ziel meines Daseins. Woher? Warum? Wozu? Wohin? Diese Fragen finden hier eine Antwort. Der Text will mir Mut machen, daran zu glau­ben und darauf zu ver­trauen, DASS ich Gott mein Dasein verdanke und dass ich bei ihm gut aufgehoben bin.

Ich bekomme keine Antwort auf unsere Wissens­fragen: WIE ist das alles ganz konkret passiert? Das Geschehen wird nicht so genau erklärt, dass ich es als Mensch verstehen und naturwissenschaftlich ein­ordnen kann.

 

ICH verstehe die Bibel so, dass sie mir vorrangig Orientierung und Maßstäbe vermitteln will für ein gutes gott­gefälli­ges Leben in dieser Welt. Die Bibel ist nicht geschrieben zur Belehrung über naturwissenschaftliche Zusam­menhänge, sie ist damit auch kein brauchbares Lehrbuch für den Physik- oder Biologieunterricht im Jahr 2005!
Auch hier gilt also: keine unzulässige Grenzüberschreitung !

 

 

 

2.4.2.2. Hintergrund: Was habe ich für ein Bibelverständnis?

 

Für manche klingt diese Frage vielleicht unverständlich. Ist nicht für jeden Christen die Bi­bel das „Buch des Glau­bens“, bringen die dort niedergelegten Texte nicht je­dem Leser die gleichen Wahrheiten des Glaubens nahe?

Im Gespräch mit anderen Christen ergibt sich dann aber die (manchmal schmerzli­che) Einsicht, dass es das eine, für alle Christen gleichermaßen verbindliche Bibel­verständnis nicht gibt. Deswegen wird es wichtig sein, dass ich mir selbst klarmache, wie ICH die Bibel verstehe, was die Glaubenszeugnisse aus meiner Sicht bewir­ken (wollen). Und welche Rolle kommt dann den eindrücklichen Bildern zu, die die Bibel verwendet, den Sprachbil­dern, den Weltbildern? Wie verstehe ich die Schilderung der „FESTE“ (Firmament), die nach biblischer Darstellung (im 1. Buch Mose Kapitel 1) als feste Trennwand den Lebens­raum Erde vor der zurückgedrängten Urflut schützt? Wie ordne ich die „SIEBEN TAGE“ ein, den zeitlichen Rhyth­mus, in dem das Schöpfungswerk Gottes geschildert wird? Wie ist das mit ADAM und EVA als den ersten Menschen zu ver­stehen? Je nachdem, wie ich einzelne Bi­beltexte lese und verstehe, ergeben sich mehr oder weni­ger „heiße“ Reibungsflächen beim Vergleich mit der naturwissenschaftlichen Beschreibung der Welt.

Es könnte sein, dass Menschen im Streit über Darwinismus oder Urknall entdecken, dass sie ein unterschiedli­ches Bibelverständnis haben, und dass es vielleicht viel wichtiger wäre, darüber ein Gespräch zu führen, als sich gegensei­tig davon zu über­zeugen, welche Modelle der Naturwissenschaft schlüssiger sind (was nebenbei ge­sagt auch erfor­dert, sich mit der nötigen Gründlichkeit sachkundig zu machen!).

Ich möchte im Folgenden zwei Sichtweisen für das Verstehen der Bibel nebeneinander stellen. Beide Bibelverständ­nisse sind verbreitet und werden hier verkürzt und vergröbert darge­stellt, um die Unter­schiede deutlicher hervortreten zu lassen.

 

2.4.2.2.1. Das Bibelverständnis des Kreationismus (Schöpfungs-Wissenschaft)

 

Da ist zunächst das Bibelverständnis des „Kreationismus“. Hier werden die biblischen Aussagen zum Handeln Gottes in der Schöpfung (creatio) als Dokumentarbericht verstan­den und sind damit Ausgangspunkt für wissen­schaftliche Erklärungsmodelle der Welt auf streng biblischem Fundament.

 

Bibelverständnis I:
Kreationismus, Schöpfungs-Wissenschaft

·         Die Bibel ist von Gott Menschen „in die Feder diktiert“ worden; sie ist im uns vorliegen­den WORT­LAUT ver­bind­lich.

·         Wo die Bibel sich konkret äußert (Geschehensabläufe, Zeiträume, naturkundliche Mitteilungen), ist auch das heilsgeschichtlich verbindliche Wahrheit und eine Aussage, die geglaubt werden muss.

·         Beispiele:
Kosmos, Erde und Mensch sind in 6 Tagen (nach unserem Zeit- und Kalenderverständnis) geschaffen wor­den.
Das Alter der Welt beträgt nach den Zeitangaben der Bibel höchstens 10000 Jahre.
Die Sintflut hat als weltumgreifende Total-Katastrophe auch die höchsten Berge überflutet, Noahs Ar­che ist auf dem Berg Ararat (heute Türkei) gestrandet.
Für alle in der Bibel genannten Fakten können naturwissenschaftliche Beweise ge­sucht werden.

·         Biblische Darstellungen (z.B. zum Werden der Welt im 1. Buch Mose) sind Aussagen, die auch naturwissenschaft­li­che Sachverhalte richtig wiedergeben, und sie sollten als christliche wissenschaftli­che Al­ternative in den Physik- und Bio­logie-Unter­richt der Schule eingebracht wer­den.

 

In einem solchen Bibelverständnis finden viele Menschen eine tiefe Gewissheit und Ge­borgenheit. Der Wortlaut der Bibel bildet ihr festes Glaubens-Fundament. Weil der Glaube ihr Leben trägt, ist die ganze Bibel wichtig; kein Punkt, kein Komma dür­fen verrückt, keine Aussage hinterfragt oder relativiert werden. Die Angst ist: wenn auch nur ein klei­nes Stück aus dem biblischen Fundament herausgebrochen, in Frage gestellt, relativiert oder interpretiert wird, könnte dadurch der ganze Bau zum Einsturz gebracht werden.

Dass es in diesem Bibelverständnis notwendigerweise zu Widersprüchen zu den Er­klä­rungsmodellen der Na­turwis­senschaft kommt (Urknall-Hypothese, Evolutions-Theorie, Entwicklung in Milliarden von Jahren), ist klar: „Die Aufgabe (einer biblisch orientierten Schöpfungsforschung) ist ... nicht geringer, als eine alternative Kos­molo­gie, Biologie, Geo­logie auf heilsgeschichtlicher Grundlage zu erstellen ... Evolutions­kritik ist nur ein ers­ter Schritt im Rahmen einer un­ermesslichen Aufgabe ... Konkret: Wer das Gerichtshandeln Gottes in Bezug auf die biblisch und außerbiblisch be­zeugte Sintflutkatastrophe in seiner ganzen Schwere ernstnimmt, muss die Geolo­gie umschreiben.“ (H.W. Beck: Bio­logie und Weltanschauung, Reihe „Wort und Wissen“, Hänssler Neuhausen-Stuttgart, 1979).

 

Anfragen an das „kreationistische“ Bibelverständnis:
Wenn man sich auf den „eindeutigen Wortlaut der Bibel“ bezieht, ist zunächst zu fra­gen, welche Übersetzung der Ge­sprächspartner vor sich hat. In allen Übersetzungen sind im­mer auch Interpretationen, Verstehenshilfen, Deutungen, Auslegungen des Übersetzers mit eingeflossen. Außerdem machen bereits die in verschiedener Fas­sung vorliegen­den Ur-Texte zum Teil sehr unterschiedliche Angaben. So summieren sich in der hebräi­schen, samaritani­schen und griechischen Fassung des Alten Testaments die für die Zeit von Adam bis Noah gemachten Zeitangaben zu 1656, 1307 bzw. 2242 Jahren. Nicht einmal der Umfang der Bibel ist in der Christenheit ein­heitlich festgelegt. Die von Ka­tholiken ge­brauchte Bibel enthält im Alten Testament mehr Bü­cher als die Luther-Bibel. Und es gab in den ersten Jahrzehnten nach Jesus mehr als die uns überlieferten vier Evangelien, von denen aber einige „redaktionell ausgeson­dert“ wurden. Der uns verbliebene „Kanon“ auf­bewahrter biblischer Texte beruht also auf menschlicher Übereinkunft.

Kritisch anzufragen ist, ob in der kreationistischen Sichtweise letztlich nicht doch ver­sucht wird, Gottes Handeln wis­senschaftlich zu beweisen („Gottesbeweise“ - wo doch Gottes Handeln „unsere Vernunft übersteigt“). Ist der Zeithori­zont der Bibel mit unserem Kalen­derverständnis angemessen zu fassen? Was heißt das, wenn zum Beispiel in Psalm 90,4 steht: „Vor dir, Herr, sind tausend Jahre wie ein Tag“? Gilt bei Gott vielleicht doch ein anderes Zeitmaß? Wie gehe ich – als Wissen­schaftler - intellektuell z.B. mit dem Tatbestand um, dass Bohrungen im Eis der Arktis eindeutige Jahresschichten zeigen, die lückenlos aufeinander folgen, und dass dabei 900.000 Jahre Erd-Ge­schichte „archiviert“ sind? Hieß der erste Mensch wirklich Adam, wenn doch in der Bi­bel in 1.Mose 5,2 steht: „Als Mann und als Frau er­schuf er sie und nannte sie (beide!) „ADAM“ (das heißt: „Mensch“)?

Fazit: Eine kreationistische Sicht der Bibel hat spezifische Konsequenzen und führt ziemlich zwangsläufig zum Kon­flikt mit dem Weltbild der Naturwissenschaft.

 

2.4.2.2.2. Das historisch-kritische Bibelverständnis

 

Im historisch-kritischen Verständnis wird davon ausgegangen, dass man sich mit der  Bi­bel auch wissenschaft­lich („kritisch“) als einem Zeitzeugnis („historisch“ überlieferte Text­sammlung aus der Antike) auseinandersetzen kann.

 

Bibelverständnis II:
historisch-kritisches Verständnis

·         In biblischen Texten können die zeitgeschichtlichen Umstände der Entstehung, ihr „Sitz im Leben“ für die damali­gen Menschen, erschlossen werden. Oft ist es hilfreich, die verschiedenen li­terarischen Ausdrucks-For­men von den übermittelten Glaubens-Inhalten zu unterscheiden.

·         In der Bibel legen verschiedene Menschen Zeugnis ab von ihren persönlichen Glau­benserfahrun­gen. Sie re­den in einer konkreten Zeit und in einer konkreten Si­tuation zu anderen Menschen, und sie ver­wenden die damals (selbst-)verständli­chen Weltvorstellungen.

·         Reden von Gott ist uns Menschen anders nicht möglich als in der unvollkommenen Sprache von Bil­dern, Meta­phern, Gleichnissen. Der erzählerische Rahmen, die Art der literarischen Darstellung (Lieder, Chroniken, Parabeln, Paradoxa, Lehrtexte) haben sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt. Der Kern der Glau­bensaussagen, die tiefen Grundwahrheiten, die in immer neuer Weise erlebt und überliefert wurden, blei­ben dennoch zeitlos wichtig.

·         Die Bibel ist ein Buch des Glaubens, das zum Leben helfen will, das Werte und Orien­tierung vermit­telt. Die Bi­bel ist nicht geschrieben und geeignet als Lehrbuch für den naturwissenschaftlichen Un­terricht.

 

Von diesem Herangehen erhofft man sich ein besseres Verständnis der Texte. Es stellt den Ver­such dar, die Bibel in dem glei­chen Geist zu lesen, in dem sie geschrieben wurde. Der „Schatz“ des Glaubens wird von Menschen, „in ir­de­nen Gefäßen“ (Paulus), aufbe­wahrt und weitergege­ben.

 

Hier wird das Reden von Gott als offenes Geschehen verstanden, das nie zu fertigen, endgültigen Ant­worten kommt. Man könnte sagen – vergleiche dazu die Aussa­gen zu den Ergebnissen naturwissenschaftli­chen For­schens im Kapitel 2.4.1.2.2. – dass auch der Glaube, die Theologie immer neue „Hypothesen über Gott“ bil­den, die stam­melnd und stot­ternd und suchend in Gleichnissen, in Bildern wiedergegeben und weitergegeben werden, die aber un­voll­kommene Annä­herungen bleiben und nie endgültige Wahr­heiten (verstanden als Gewissheiten über Gott und sein Handeln im Sinne von Defini­tio­nen) dar­stellen. Allerdings gibt es auch hier eine Prüfinstanz: Religiöser Glaube muss sich genauso wie eine physi­kalische Theorie im Leben bewähren, zum Leben helfen.

 

Der Gedanke, dass religiöse Menschen in ihrem Glauben „Hypothesen über Gott“ bilden,
ist nicht neu. Der Theologe Heinz Zahrnt hat ihn schon vor Jahren zum Titel eines Buches gemacht:

 

„Soll ich meinen Glauben als Christ auf einen kurzen Satz bringen, so kann ich sagen: Ich habe eine gute Vermutung zu Gott. Denke ich aber über diese gute Vermutung nach, so ergeben sich nur Mutmaßungen über Gott. Das geht jedoch nicht allein dem Theologen so, sondern jedem Christen, der über seinen Glauben nachdenkt - und wer täte dies nicht? …

Dem Anliegen des Buches entspricht sein Titel »Mutmaßungen über Gott«. Der Ausdruck geht nicht auf Uwe Johnsons Roman »Mutmaßungen über Jakob« zurück, sondern stammt von Nikolaus von Kues (»coniecturae Dei«). Für den Kusaner ist Gott in seinem Wesen vom Menschen nicht zu erkennen und zu benennen. Weil er unsichtbar ist, gibt es nur Ansichten von ihm - Projektionen, je aus der Perspektive des Betrachters verschieden und entsprechend vielfältig und ungenau. Die Vielfalt und Ungenauigkeit bedeutet jedoch keine Beliebigkeit! Weil das Unendliche im endlichen Erkennen gegenwärtig ist, gibt die Welt dem Menschen Anhaltspunkte für seine Bilder von Gott an die Hand.

Mutmaßungen über Gott sind demnach keine grundlosen Behauptungen, sondern Aussagen mit Wahrheitsgehalt. Bieten sie auch keine endgültige Erkenntnis Gottes, so gewähren sie doch Teilhabe an seiner Wahrheit. Diese ständige Unfertigkeit aller Gotteserkenntnis versetzt den Menschen in Unruhe; sie nötigt ihn zu immer neuen Revisionen. Es gibt keine abgeschlossene kartographische Erfassung des Wesens Gottes - das Gelände muss immer neu erkundet und vermessen werden. …“

(Quelle: Q56 Zahrnt, Heinz: Mutmaßungen über Gott, Piper Verlag München Zürich, Taschenbuch 1997, S.11ff.)

 

Im historisch-kritischen Verständnis ist der Glaube kein abgeschlossenes, sondern immer ein offenes System. Nicht zu jeder Frage, die sich uns Menschen in dieser Welt stellt, steht eine endgül­tige und er­schöpfende Antwort in der Bibel (zum Beispiel zu der Frage, ob wir Gen­technik oder Atomenergie nutzen dürfen). Die Bibel bietet grundsätzliche Wertmaß­stäbe zur Orientie­rung an – aber ich darf und muss in meiner konkreten Lebens-Situation selbst nach Ant­worten suchen, Entscheidungen treffen und auch die Ver­antwortung für mein Handeln übernehmen.

 

Anfragen an das „historisch-kritische“ Bibelverständnis:

Darf man die Bibel, in der die zentralen Glaubenszeugnisse der Christenheit aufbe­wahrt sind, so lesen, analy­sieren, kritisch hinterfragen wie ein beliebiges anderes Schriftzeugnis der Antike?

 

Historisch-kritische Exegese (Bibelauslegung):

„Historisch muss eine Exegese sein, weil nicht nur Gott sich historisch feststellbar offenbarte, sondern diese Offenbarung ausgerechnet in Gestalt historischer Texte hinterließ: in der Bibel, deren Bücher von bestimmten Personen zu bestimmten Zeiten unter bestimmten Umständen zu Papyrus gebracht wurden.
Kritisch muss Bibelauslegung sein, weil nicht alles, was früher zur Bibel gesagt wurde, deshalb auch rich­tig sein muss. Vielmehr ist die Bibel mit stets neuen Augen zu lesen, und das bedeutet vor allem, selbst­kritisch und auslegungsgeschichtskritisch zu sein.“

(Georg Steffens, Leserbrief, IdeaSpektrum 6/2001)

 

Es kann sein, dass am Ende nur noch ein erbitterter Streit darum geführt wird, ob dieser halbe Satz nicht von einem späteren Redakteur hinzugefügt wurde, oder ob jene Erzäh­lung nicht an falscher Stelle in der Bibel eingeordnet wurde. Im wissen­schaftlichen Su­chen nach Ge­nauigkeit im Detail besteht die Gefahr, dass die eigentlich wichtigen In­halte, die dem Leser vermittelt werden sollen, zunehmend aus dem Blick geraten. Im Extremfall kann es sein, dass ein Theologe als Wissen­schaftler biblische Texte immer weiter seziert, Satzfet­zen immer neu ordnet – aber für seinen Glau­ben nichts gewinnt.

 

Der Schöpferglaube – als Teil des christlichen Glaubens insgesamt – stellt eine bestimmte und unver­wechselbare Weise dar, die Wirklichkeit wahrzunehmen. Er staunt über das Wunder des Daseins, klärt die Rätsel des Daseins auf, nutzt das nichtmenschliche Dasein zu menschlichen Zwecken und nimmt zugleich Rücksicht auf das nichtmenschliche Dasein.
(H.P. Gensichen)

 

 

 


2.4.3. Begegnung von Glaube und Naturwissenschaft –

Gespräch oder Kampf?

 

2.4.3.1. Gespräch

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image011.jpgWenn wir anderen Menschen begegnen, dann wird bald deutlich: Wir haben nicht alle die gleiche Welt-Sicht. Jeder von uns hat seinen eigenen Zugang zum Erfah­rungsbereich der Naturwissenschaften, er hat aber auch seine eigenen Glaubens­erfahrungen, sein persön­lich geprägtes Bibelver­ständnis.
Menschen machen Erfahrungen in der Welt (abhängig da­von, wie neugierig sie sind, wo­für sie sich interessie­ren, was ihnen an Bildung und Erziehung ange­boten oder vorenthal­ten wird), setzen sich mit ihr auseinander, denken über ihr eigenes Dasein nach, kommen zu ihrer persönlichen Deu­tung der Welt und le­ben in und mit ganz persönlichen Weltbil­dern. Diese sind so verschieden wie die Menschen – und daraus ergibt sich Ge­sprächs­bedarf, manchmal auch Auseinandersetzung.

Auf dem nebenstehen­den Bild wartet draußen vor dem Fenster die große Wirklichkeit der ganzen Welt, die uns um­gibt, wartet dar­auf, entdeckt zu wer­den. Und daneben stehe ICH vor dem Bild, das ich mir im Laufe meines bis­he­rigen Lebens von dieser Welt ge­macht habe, meinem „Welt­bild“. Wenn nun an­dere Men­schen ne­ben mir ste­hen – muss dann (kann dann) jeder das glei­che Weltbild haben wie ich, oder ist da nicht eine Galerie sehr unter­schiedlicher Bilder zu er­warten: wissen­schaft­lich ex­akte Fotogra­fien neben naiven, lebens­frohen Farb­klecksereien, No­tenblätter neben Colla­gen, poetische Texte neben einer nüchternen Zusammen­stellung von Fakten?
Menschen glauben vor allem (sie halten für wahr), was sie sehen. Deshalb haben und brauchen wir Weltbilder. Un­sere Weltbilder enthalten immer ein Stück von uns selbst – in ei­ner Ecke sind wir quasi selbst mit abgebildet. Bilder sind (von einem Rahmen) begrenzt: sie enthalten damit eine be­grenzte Weltsicht. Und (Welt-)Bilder, die in Lehrbü­chern in Form von bildlichen Darstellungen Gestalt gewonnen haben oder in Lehrsätzen niedergelegt sind, bein­halten eine Gefahr. Sie legen den Betrachter fest: so ist die Welt, ein für al­lemal!
Ich stelle mir vor: Eine Gruppe von Menschen trifft sich zur gleichen Zeit am gleichen Ort, auf einer Blumen­wiese. Alle sind in der gleichen natürli­chen Umwelt aufgewach­sen, in der gleichen Gesellschaft erzogen und geprägt worden. Und doch nehmen sie das kleine Stück Welt – diese Blumenwiese – ganz unter­schiedlich wahr.

 

 

 

Der Biologe holt vielleicht sein Bestimmungsbuch aus der Tasche, um als Wissen­schaftler genau zu erfassen, was da kreucht und fleucht. Im ebenfalls naturwissen­schaftlich ge­prägten Geologen findet er einen willkomme­nen Ge­sprächspartner, der anhand der vor­kommenden Pflanzen genau sagen kann, welche Boden- und Ge­steinsqualitäten hier vor­herrschen. Vielleicht gesellt sich ein Landwirt dazu, dem wie­der andere Gesichtspunkte wichtig sind: die Blu­men auf der Wiese sind zwar ganz nett anzusehen, aber damit hier in Zukunft ordentliche Futtererträge wachsen, sollte mal kräftig mit Kalk und Dünger nachge­holfen werden! Musisch begabte Men­schen (ein Maler, denken Sie an Dürers „Kleines Rasenstück“; ein Musiker – Smetana hat einmal „einen Fluss komponiert“, die „Moldau“) sehen die Welt durch ihre „Brille“. Ein Grundstücksmakler hat handfeste wirtschaftli­che Interessen, die seinen Blick auf die Wiese bestimmen: er schätzt Fläche und Hangneigung ab und entwirft im Kopf den Plan für ein Gewerbegebiet. Eine Person aus der Gruppe ist gerade verliebt, und ihre Weltsicht re­duziert sich auf eine Blüte, deren Blätter sie nach­denklich zerpflückt: sie liebt mich, sie liebt mich nicht ... Und dann ist da noch ein „sinnen­der Gast“, ein Mensch, der besonders empfänglich ist für philosophische oder religi­öse Gedanken­gänge, der sich auf die Wiese legt, alle Sinne „auf Emp­fang“ gestellt hat, und dem ein Danklied durch den Kopf geht.

Wer von ihnen allen hat nun mit seiner Weltsicht recht, hat das richtige Weltbild? Ich meine, hier wird sehr schnell klar, dass Kategorien wie „richtig oder falsch“, „wichtig oder unwichtig“ nicht passen. Jeder Mensch hat seinen Zugang zur Welt, er hat in „seinem“ Weltbild (in seinen Vorstellungen, seinem Verständnis und seiner Deutung der Welt) die für ihn prägenden, bedeutsamen Erfahrungen und Ein­drücke zusammenge­stellt in der Erfahrung und mit der Erwartung, dass sein Weltbild ihm hilft, sich in der Welt zu­rechtzufinden.

Diese ganz persönlichen Erfahrungen und Einsichten müssen einander jedoch – trotz ihrer Verschiedenartig­keit – nicht zwangsläufig ausschließen, sondern sie kön­nen sich auch fruchtbar wechselseitig ergänzen und be­reichern, und vielleicht auch zu (kritischen) Fragen anregen.

Ich meine, Christen dürfen neugierig sein auch auf die Aspekte der Wirklichkeit, die in den Naturwissenschaften ent­deckt und untersucht werden. Und vielleicht können sie in das Gespräch mit Naturwissenschaftlern Maß­stäbe des Glaubens einbringen, aus der bibli­schen Tradition, wenn es beispielsweise um den Sinn des menschlichen Daseins geht oder um die Verantwortung des Menschen beim „Untertan-Machen“ dieser Welt.

 

Warnung vor der Macht von (Welt-)Bildern ?

„Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“
(Die Bibel, Fassung der Zehn Gebote nach 2. Mose 20,4)

 

Übrigens: Berührungsängste oder gar Feindschaft zwischen der jüdisch-christlichen Glaubenstradition und der auf­strebenden Naturwissenschaft hat es nicht schon immer gegeben. Es sei daran erinnert, dass in vergangenen Jahr­hunderten in den Klöstern und an den theologischen Fakultäten der Universitäten immer auch die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Fragen ihren Ort hatte und befördert wurde (so entdeckte der Mönch Gregor Mendel bei Ex­perimenten in seinem Klostergarten Grundregeln der Vererbung und wurde zu einem der „Väter“ der modernen Gene­tik). In Deutschland standen bis ins 20. Jahrhundert die Schulen unter der Obhut der Kirchen, was die Beschäftigung mit Naturwissenschaften nicht behindert hat. Religions­geschichtlich steht fest, dass gerade der Monotheismus der jü­disch-christlichen Religion (es gibt nur einen Gott, und er steht seiner Schöpfung gegenüber) die Welt frei gemacht hat für die angstfreie Erforschung durch den Men­schen. In der Schöpfungserzählung 1. Mose 1 werden z.B. Sonne und Mond – in den antiken Kulturen durchweg als mäch­tige Gottheiten verehrt – zu Beleuchtungskörpern „degradiert“. Hinter Blitz und Donner verstecken sich keine Gotthei­ten, der Mensch darf die Natur neugierig befragen.

Der Bibel wohnt ein Impuls zur klarsichtigen Wahrnehmung der Wirklichkeit, zur Enträtselung der Welt und damit zum rationalen Umgang mit ihr und zu ihrer Nutzung inne.

Geht es – wenn sich Glaube und Naturwissenschaft begegnen – darum, zu klären, sich zu entscheiden, wer recht hat und wer nicht? Im vorstehenden Kapitel war bereits deutlich gemacht wor­den, dass sich unterschiedliche Sichtwei­sen der Welt und ihrer Deutung nicht ausschlie­ßen müssen, sondern einander auch sinnvoll und fruchtbar er­gänzen kön­nen. Einen glau­benden Menschen können gerade neue Erkenntnisse der Naturwissenschaft zum Staunen und zu noch tieferer Dankbarkeit gegenüber seinem Schöpfer führen. Und ein Na­turwissenschaftler hätte die Möglichkeit, in der Begeg­nung mit Werten und Maßstäben des Glaubens ethische Orientierung für sein Han­deln bei der Verände­rung der Welt zu finden. In dieser Sichtweise konkurriert der Glaube nicht mit dem naturwissenschaftlichen Wissen, er nimmt ihre Einsichten zur Kenntnis, aber er fügt die Aussage hinzu: „Gott hat das erschaffen.“ Dieser Satz hebt die bloße Fest­stellung, dass etwas ist, hoch hinaus aus dem Bereich der Selbstverständlichkeit. Und er ist mit einer ande­ren Tinte geschrieben als die Schrift der Wissenschaft. Man kann sagen, dass der Glaube die Melodie ist zum Text des Wis­sens.

 

2.4.3.2. Kampf

 

Es gibt die Begegnung zwischen Glaube und Naturwissenschaft auch als knallharte Konfrontation, als Kampf. Die bei­den Kontrahenten werden dann erlebt wie Feuer und Wasser, wie einander feindliche Elemente, die nicht mit­ein­ander verträglich sind. Wo eine sol­che Kampfsituation begegnet, hat man es in der Regel mit IDEOLO­GEN zu tun, auf einer Seite oder auch auf beiden.
Ein Ideologe erhebt immer den Anspruch, allein zuständig zu sein für die Erklärung und Deutung der Wirklich­keit. Er hat erschöpfende, endgültige Antworten auf alle Fragen, er verwaltet „ewige Wahrheiten“. Wenn doch verunsichernde Neuigkeiten auftauchen, gibt es nichts zu diskutieren, alle Antworten sind bereits vorgegeben (in der Dogmenweisheit un­antastbarer „heiliger“ Bücher – in dieser Weise wurde in DDR-Zeiten z.B. das „Kapi­tal“ von Marx und Engels be­nutzt – oder mit dem Hinweis auf die Autorität von „Führern“ oder „Lehrern“, oft mit deutlichen Zeichen von Personen­kult). Die „richtigen“ Ant­worten zu haben: das ist eine Frage des „Standpunktes“, oder es ist „Glaubenssache“. Die Welt von Ideologen ist klar geteilt in schwarz oder weiß, gut oder böse, richtig oder falsch. Es gibt kein (eigenes) Nachdenken und Prüfen und Abwä­gen. Es gibt nur den Weg der Entscheidung: ENTWEDER stehst Du hier (bei uns, auf der richtigen Seite) ODER dort (auf der letzt­lich falschen, feindlichen Position). Ideologie er­weist sich als er­starrte Weltanschauung, die nicht (mehr) offen ist für neue Einsichten und Erfahrun­gen. Bücherweisheit steht vor und über der konkreten Wirklichkeitserfahrung. Und die Begeg­nung mit Andersdenkenden wird schnell zu Auseinandersetzung und Kampf, in dem es oft nicht mehr um die Wahr­heit, sondern um Herrschaft und Macht geht.
Jeder von uns ist in der Gefahr, zum Ideologen zu werden, oder er könnte für ideolo­gische Zwecke missbraucht wer­den. Dieser Gefahr sind auch christlicher Glaube und Na­turwissen­schaft immer wieder erlegen. Zwei Beispiele seien in Erinnerung ge­rufen:

 

Beispiel 1: Der Fall Galilei
Der klassische „Krisenfall“ in der Auseinandersetzung der Kirche des Mittelalters mit der aufstrebenden Naturwissen­schaft ist mit dem Namen des Physi­kers Galileo Galilei verbun­den. Galilei hatte als erster beim Blick durch das neu entwickelte Fernrohr entdeckt, dass der Mond eine zerklüftete Ober­fläche besitzt, darüber hinaus auch, dass der Pla­net Ju­piter von vier Monden umkreist wird (wir wissen heute, dass der Jupiter sogar mehr als 50 Monde besitzt), dass die Sonne dunkle „Flecken“ aufwies, dass der Saturn Ringe hat und die Venus veränderliche mondähnliche „Phasen“ zeigt, welche auf einen Umlauf um die Sonne hindeuteten. Solche Entdeckungen passten aber nicht in das Weltbild sei­ner Zeit. Astronomen und (Natur-)Philosophen beriefen sich dabei auf den antiken Philosophen Aristo­teles, nach dessen Vorstellungen der Stoff der himmlischen Sphären („Quintessenz“) von grundsätzlich anderer Beschaffenheit sei als irdisches Material, und dass alle Himmelskörper ideale runde Körper seien. Die Krater und Furchen, die Galilei zu sehen meinte, mussten also Trug­bilder sein. Nach dem Weltbild des Aristote­les stand die Erde im Mittelpunkt der Welt. Sie war umgeben von „Kristallsphären“, Glas­schalen, die sich eine um die andere wölbten, und mit je einer die­ser Schalen kreisten Sonne und Mond sowie die Plane­ten, die „Wandelsterne“, um die Erde. Auch dem Jupiter war eine solche Sphäre zu­geordnet. Und nun war es einfach schwer vorstellbar, dass ihn eigene Monde umkreisen sollten – diese hätten sich ja bei jedem ihrer Umläufe um einen anderen Mittelpunkt als die Erde bewegt, und sie hätten die fest ge­dachte Kristall­schale durchstoßen müssen. Und weil nicht sein konnte, was (nach Lehrmeinung) nicht sein durfte, weigerten sich die Kritiker, durch das Fernrohr zu schauen. Ihr Motto lautete: „Ich habe mir meine Meinung be­reits ge­bildet, bitte beunruhigt mich nicht mit neuen Fakten!“ Gegen die Appelle Galileis zur Beobachtung stellten sie ihre dogmatischen Prinzipien. „Eine bezeichnende Episode aus jenem Kampf schildert Galilei selbst mit folgenden Worten: „Als ich den Professoren am Gymnasium zu Florenz die Jupitermonde zu zeigen wünschte, wollten sie weder diese noch mein Fernrohr sehen. Diese Menschen suchen die Wahrheit nicht in der Natur, sondern nur in der Verglei­chung der Texte.“ Den meisten war maßgebend, was Aristoteles über astronomische und physikalische Dinge ge­schrieben hatte. So erklärte ein geistlicher Würdenträger, als man ihm von den Sonnenflecken erzählte, er könne daran nicht glauben, weil er dreimal den Aristoteles durchgelesen und darin nichts über Sonnenflecken gefunden habe.“ (Fr. Dannemann: Wie unser Weltbild entstand, Kosmos, Franckh´sche Verlagshandlung, Stuttgart 1912, S.57)

Die Philosophen zogen zu ihrer Unterstützung die Theologen mit in den Konflikt hinein.

 

Im Fall Galilei verteidigte die Kirche nicht theologische Erkenntnisse, sondern das damals herrschende aristotelische Weltbild. Wie noch oft in der Geschichte machte sich die Kirche damit zum Anwalt des ge­rade waltenden „gesunden Menschenverstandes“.
(Schwarke/Biewald S.14)

 

Der offizielle Grund für die Verurteilung Galileis durch die Inquisition war nicht sein Eintreten für das kopernikanische Weltbild an sich (das die Sonne ins Zentrum gesetzt hatte), sondern weil Galilei angab, damit die Wahrheit zu vertre­ten, statt das neue Weltbild - angemessen – als Hypothese zu lehren (die Richtigkeit seiner Überzeugung konnte er damals tat­sächlich noch nicht durch Messungen beweisen). Daraus ergaben sich aber schwierige Deutungen für manche Aussagen in der Bibel (z.B. das Wunder des Josua Jos.10,12). Und für die Verkündigung von „Wahrheit“ fühlte sich allein die Kirche zuständig. (Stillman Drake: Galilei, Herder Freiburg o.J. S. 68ff)

Durch den Streit aber, wer die Wahrheit verkünden durfte, kamen noch ganz andere Dinge ins Wanken. Das neue Welt­system stellte, wenn es als Wahrheit verstanden wurde, das bisherige Weltverständnis auf den Kopf. Was sollten Be­griffe wie „oben“ und „unten“ (Himmel und Erde) nun noch meinen? Wenn der Himmel nicht mehr vollkommen war, wo war dann der Ort für das Heil? Ordnungen – auch in Bezug auf das „oben“ und „unten“ in der menschlichen Ge­sell­schaft - drohten ins Wanken zu kommen. Vielleicht haben die Kardi­näle ja auch geahnt oder gewusst, dass Galileis Beobachtungen die Tatsachen besser wie­dergaben als die bisherigen Weltvorstellungen, und sie haben nur - zu sei­nem eige­nen Schutz - das gemeine Volk mit solchen Neuigkeiten nicht beunruhigen, die Ord­nung nicht stören wollen. Derartige Bevormundung und Machtspiele gegenüber der aufkommenden Naturwis­sen­schaft sind aber auch Kenn­zeichen für ein selbstgerechtes und ideologisiertes Christentum.

 

Beispiel 2: Marxistische Ideologie
Jeder Jugendliche, der in der DDR die „Jugendweihe“ absolvierte, bekam obligato­risch das Buch „Weltall – Erde – Mensch“ geschenkt.

 

„Die Materie ist an keinen Ursprung gebunden;

sie ist ewig währender Bestand des Weltalls.“
(Weltall-Erde-Mensch, Berlin 1955, S.62)

 

Darin abgedruckt stand ein Dogma der marxistischen Staatsphilosophie, das zwar wie ein naturwissenschaft­li­cher Lehrsatz for­muliert ist, aber an dieser Stelle eine klare weltanschauliche Auf­gabe erfüllen soll: Ab­grenzung der eige­nen „wissenschaftlichen Weltanschauung“ von Irrmeinungen wie der christlichen Vorstellung, dass die Welt einen An­fang ge­habt habe (in der biblischen Aus­sage von der Schöpfung). Anderswo stand der Lehrsatz noch knapper so: „Grenzenlos in Raum und Zeit ist das Weltall.“ (H.Fuchß: Hat die Bibel recht?, Leipzig 1957 S.13).

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image014.jpgUnd dann gab es Schwierigkeiten. Ausgerechnet der Kronzeuge der mar­xistischen Ideologen, nämlich die Naturwis­senschaft, genauer die Phy­sik, machte neue Entdeckungen. Immer stärker verdichteten sich die Hinweise, dass die­ses Uni­versum sich nicht nur stän­dig aus­dehnt, sich entwickelt und verändert, sondern dass das Uni­versum offenbar in physikalischer Be­trachtung einen Anfang, einen Ursprung gehabt haben musste und auch einem (noch weitgehend unbe­stimmten) Ende zustrebt. Diese Theorie vom „Ur­knall“ aber passte den Ideologen gar nicht ins Weltbild. Und so wurden die neuen Er­kenntnisse der Wissenschaft einfach geleugnet und auch in wissen­schaftlichen Bü­chern lange als „reaktio­näre kapitalistische Verwir­rungsstrategie“ unter Denkverbot gestellt. Philosophische Lehrsätze legten die Physiker auf nicht zu hinterfragende „Glau­benssätze“ fest!

 

staatlich verordnete Ideologie in einem naturwissenschaftli­chen Sachbuch

'Zur philosophischen Deutung der Rotverschiebung: Die reaktio­näre Theorie von der „Ex­pansion des Weltalls“, von der „Expansion des Raumes“ hält keiner Kritik stand.' (Grundla­gen der marxisti­schen Philosophie, S.149/150). Die Theorie von der Expan­sion des Welt­alls ist in keiner Weise geeignet, die These von der Unendlich­keit des Weltalls in Raum und Zeit zu erschüttern.
(Kleine Enzyklopädie: Natur, Leipzig 1964, S.418)

 

Die überwiegende Mehrheit der Kosmologen arbeitet heute (2005) mit der Urknallhypothese als „Standardmodell“. Es sei aber darauf hinge­wiesen, dass einzelne Physiker auch Theorien entwickeln, die ein ewig existierendes Universum plausibel machen sollen (solche höchst spekulativen Ansätze vertritt z.B. Stephen Hawking).

 

Die Biologie in der Sowjetunion geriet für Jahrzehnte wegen ideologischer Scheu­klappen ins Abseits.
Das „lag vor allem am Anspruch des dialektischen Materialismus, im strengen Sinn Wissenschaft, unfehlbare Wissen­schaft zu sein und somit entscheidend und autoritativ in Sachfragen der Naturforschung eingreifen zu können; Vor 1935 hielten sich auch die sowjetischen Biologen an die bereits klassischen Vorstellungen: Genbegriff, Mendel-Gene­tik, Chromosomentheorie der Vererbung, Theorie der Mutation, Rekombination und Selektion als Grundlage der Populationsgenetik, Neodarwinismus als Erklärung der Evolution. … Lyssenko leugnete die Existenz von Genen und erklärte kurzerhand die bereits klassischen Theorien der Genetik und der Evolution für „idealistisch“, „bürgerlich“ und „metaphysisch“. … Im Prinzip stellten sich Lyssenko und seine Anhänger auf den Standpunkt, dass sich unter dem Einfluss der Umwelt die genetische Substanz ständig ändere, und zwar derart, dass die Umweltfaktoren die Richtung der Änderung direkt bestimmten. Derlei Vorstellungen („unvermittelte Vererbung“, „Vererbung erworbener Eigen­schaften“) waren zwar wissenschaftlich längst geprüft und widerlegt; sie kamen aber den Theoretikern des dialekti­schen Materialismus entgegen … im August 1948 wurde der „Lyssenkoismus“ schließlich zur einzigen auf der Grund­lage des Diamat beruhenden Biologie erklärt. Im Protokoll der betreffenden Sitzung heißt es: „Wir Vertreter der sowjeti­schen Biologie behaupten, dass die Vererbung von Ei­genschaften, die Pflanzen und Tiere in ihrem Entwick­lungspro­zess erwer­ben, möglich und notwendig ist. Damit steht jedem Biologen der Weg offen, die Natur der pflanz­lichen und tierischen Organismen zu lenken, sie durch die Lenkung der Lebensbedingungen … in der für die Pra­xis erforderlichen Richtung zu verändern.“ (Hans Mohr, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Zeitung „Das Par­lament“, B15/1992 S.10ff)

Das Dogma des Marxismus, dass die Umwelt den Men­schen forme, dass man also nur eine geeignete soziale Umge­bung schaffen müsse, und alle Menschen würden glücklich sein, hoch ge­bildet und arbeitsam – die­ses Dogma wurde hiermit auch der Natur verordnet. Nun sollte so­gar am Polarkreis Wein reifen. Und überall im Einzugsbe­reich des Sowjetsozialismus wurden die Kühe nun winters in „Offenställe“ (Ställe ohne Au­ßen­wände) getrieben, damit sie sich an härteres Klima bes­ser anpassen sollten. Die Kühe hielten sich nicht an die Vor­gabe der Theoretiker, sie wur­den krank und starben.

 

Ich möchte mich selbst und andere immer wieder dazu ermutigen, lebenslang mit offe­nen Sinnen durch die Welt zu gehen, auch lieb gewordene Einsichten immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, und sich nicht von Ideo­logen eine bestimmte Weltsicht vorschreiben zu lassen.

 

Einmaliger Schöpfungsakt ODER allmähliche Entwicklung des Lebens?

 

+ Bist du ein veredelter Affe oder ein Geschöpf Gottes?

+ Der Evolutionsglaube ist ein primitiver heidnischer Aber­glaube in einem moder­nen Mäntelchen.

+ Stell dir einmal vor, es hat keine Evolution stattgefunden. Dann müssten alle Wissen­schaftler anfangen zu glau­ben, dass Himmel und Erde, Pflanzen und Tiere und der Mensch von Gott erschaffen sind!

+ Glaubst du, dass die Bibel das inspirierte, unfehlbare Wort Got­tes ist? Sonst bleibt dir nichts anderes übrig als der primi­tive, heidnische Evolutionsglaube.

 

(Zitate aus: Dr. W. J. Ouweneel: Was lehrt die Bibel? Schöpfung oder Evolution, ver­vielfäl­tigte Broschüre, DDR 1980er Jahre)

 

 

 

 

2.5. Zusammenfassung

 

Für mich betrachten Glaube und Naturwissenschaft die Welt unter zwei verschiede­nen Blickwinkeln, die sich nicht ausschließen, sondern einander sinnvoll ergänzen. Dabei nimmt der Glaube wie die Naturwissenschaft jeweils nur ei­nen Teil der Wirk­lichkeit wahr, es gibt über sie hinaus noch weitere Annäherungen (Poesie, Medita­tion, Ökonomie, Musik, Psychologie usw.).

 

Im Glauben finde ich die Gewissheit, DASS Gott die Welt und auch mich gewollt und ge­schaffen hat, dass mein Da­sein einen Sinn und ein Ziel hat.

Die Naturwissenschaft fragt danach, WIE die Welt geworden ist und wie sie funktio­niert, und sie versucht das alles mit den Mitteln des menschlichen Verstandes zu er­klären.

 

Die Frage, WIE die Welt entstanden ist, wird durch die (derzeit favorisierte) Urknalltheorie zwar im Sinne eines An­fangs entschieden; die Frage nach dem WARUM aber bleibt ungeklärt.

Viele Aspekte unseres Themas habe ich wiedergefunden in einem alten Text, der von Martin Luther stammt:

 

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“

Was ist das?

 

Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat
samt allen Kreaturen,
mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder,
Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält;
dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken,
Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter;
mit allem, was not tut für Leib und Leben,
mich reichlich und täglich versorgt,
in allen Gefahren beschirmt
und vor allem Übel behütet und bewahrt;
und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher
Güte und Barmherzigkeit,
ohn all mein Verdienst und Würdigkeit:
für all das ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehor­sam zu sein schuldig bin.

 

(Martin Luther: Der Kleine Katechismus (1529), Erklärung zum ersten Ar­tikel des christlichen Glaubensbekenntnisses)

 

Das Nachdenken über Schöpfer und Schöpfung beginnt bei Luther mit ICH: „Schöp­fung“ ist überhaupt nur span­nend, weil ich sie er-leben, dabei sein kann, es geht zu­nächst um mich (und nicht um große, aber letztlich abstrakte Dinge wie etwa die ganze Welt oder den Anfang von allem). „Für Luther ist Schöpfung vor allem eine Beziehungskategorie. Die Dinge erweisen sich insofern als Gottes Schöpfung, als sie von Gott für mich geordnet sind. Die Welt wird als Teil einer Dreierbeziehung (Gott – Mensch – Welt) zur „Schöpfung“, insofern ihr ein Sinn zukommt.“ (Christian Schwarke / Roland Biewald: Weltbilder – Menschenbilder; Themenhefte Religion, Ev. Verlagsanstalt Leipzig, S.27)

Der Glaube bringt mir Vergewisserung, DASS Gott MICH gewollt hat.

Dann folgt aber gleich die Einordnung in den Zusammenhang. Es geht nicht allein um mich. Gott hat mich neben viele andere Geschöpfe gestellt, ich bin Geschöpf unter Milli­onen Arten von anderem Leben. Der Mensch ist Geschöpf - und kein Halbgott.

Und dann folgt noch eine Ergänzung – dass Gott seine Schöpfung auch jetzt noch er­hält. Das macht klar: das Nach­denken über Schöpfung ist nicht vorrangig an der Vergangenheit orientiert, an der Frage nach den Ur­sprüngen, son­dern Schöpfung erlebe ich hier und heute. Schöpfung geschieht ständig neu. Wenn eine Knospe sich öffnet, wenn ein Kind geboren wird, kommt eine neue Farbe in die Welt.

Weiter ist Luther dankbar dafür, dass Gott ihm „Vernunft und alle Sinne gegeben hat“, ratio­nalen Verstand und Ge­fühle. Die forschende Neugier und der erklärende Verstand sind Begabungen, die auch Christen dankbar nutzen dür­fen. Naturwissen­schaft zu betrei­ben, wenigstens deren Erkenntnissen offen zu begegnen, ist Christen nicht ver­boten.

Luther sagt, dass Gott ihm auch Kleider und Schuhe gegeben hat. Das ist natürlich Re­den in Bildern. Sicher wusste Luther, wo sein Schuster wohnt und wer seinen Mantel ge­näht hatte, ihm war klar, dass da menschliche Fertigkeiten unverzichtbar waren. Aber er wollte mit diesem Bild („gegeben von Gott“) deutlich machen, dass für ihn die Zuwen­dung Gottes bei allem Lebenswichtigen dazukommen muss, damit sein Leben gelingen kann.
Und das Bekenntnis zum Schöpfer mündet bei Luther in Dankbarkeit und Verant­wortung.

 

Hier noch ein zweiter Versuch, sich bei der Wanderung zwischen Glaube und Natur­wis­senschaft zurechtzufin­den.

 

Die Schöpfungsgeschichte ist kein Lehrbuch. Sie sagt uns nicht,

wie der Himmel funktioniert,

sondern wie wir dort hinkommen.

(George Coyne, Jesuitenpater und leitender Astrophysiker an der päpstlichen Sternwarte, 1995)

 

Der Chef-Astronom des Papstes hätte in seiner Muttersprache, dem Englischen, die Mög­lichkeit, sich eindeutig aus­zudrücken, nämlich ob er vom Himmel im religiösen Sinne spricht (heaven) oder von dem Himmel, den er Nacht um Nacht mit seinem Tele­skop betrachtet (sky). Im Deutschen müsste schon ein Gespräch über Himmel mit einer Defini­tion begin­nen (mit „Himmel“ meine ich ... ), sonst kann Verwirrung entstehen darüber, welche Ebene jetzt gemeint ist.

In dem hier zitierten Satz aber wird deutlich: Beide Zugänge zur Wirklichkeit sind dem glaubenden Physiker wichtig. Als Naturwis­sen­schaftler möchte er wissen, wie der Himmel funkti­oniert (sonst würde er nicht nächte­lang vor seinen Instrumenten sit­zen). Aber für sein Leben be­stimmend und existenziell wichtig ist die Hoff­nung, eines Tages in den ganz an­deren Himmel zu kommen, den er mit sei­nem Teleskop nie zu sehen bekommt.

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image015.gif 

 

 

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image016.jpg 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Elternpaar ist überglücklich. Nach beschwerlicher Schwanger­schaft dürfen sie ein gesundes Kind im Arm halten. „Was wir da erlebt haben, ist für mich ein Wunder, und wir sind Gott dankbar“, sagt der Mann.
Zu Hause liegt ein dicker Stapel Bücher, in dem die Entwicklung einer Schwan­gerschaft beim Menschen in allen Einzelheiten er­klärt wird, und er kennt auch den Arzt, der in den letzten Monaten immer wieder hilfreich eingegriffen hat.

 

 

 

Meditation zum Ersten Artikel im christlichen Glaubensbekennt­nis

(Jörg Zink)

 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,

Schöpfer des Himmels und der Erde.

 

Das bedeutet:

Ich staune über diese Welt.

Ich danke Gott für mein Leben.

Ich möchte glücklich sein

und glücklich machen mit allen Kräften.

Ich möchte alle Geschöpfe lieben,

die mir anvertraut sind, und sie schützen.

Ich kann und weiß mehr als sie,

aber sie sind nicht weniger als ich.

 

Ich staune über die Gedanken Gottes,

die so viel tiefer sind als die meinen,

über seinen Geist,

der so viel höher ist als meine Vernunft.

Ich bin überzeugt, dass ich von seiner Welt

nur das Geringe wahrnehme,

das meinem Geist entspricht,

und mir mehr verborgen ist,

als ich je sehen und begreifen werde.

 

Ich sehe keinen Widerspruch

zwischen meinem Wissen und meinem Glauben.

Dass es elektronische Rechner gibt,

was beweist das

gegen die Auferstehung vom Tode?

Ist ein Maulwurfshaufen ein Argument

gegen den Himalaja?

Je größer die Kunst ist,

die wir Menschen beherrschen,

desto größer wird mir Gott,

dessen Gedanken wir denken,

und ich bitte Gott,

mir Weisheit und Sorgfalt zu geben,

dass ich immer mehr von seiner Welt verstehe.

 

Ich glaube an den Schöpfer der Welt,

der Erde und des Himmels.

Der Welt, die ich sehe,

und der viel größeren,

von der ich nicht den Schatten

einer Ahnung habe.

 

Das ist wahr.

 

(aus: Jörg Zink: Die Welt hat noch eine Zukunft. Kreuz Verlag Stuttgart 1984, S.9

 

 

 

 

 

 

4. verwendete und weiterführende Literatur und Quellen:

·         Christian Schwarke / Roland Biewald: Weltbilder – Menschenbilder; Themenhefte Religion, Ev. Verlagsanstalt Leip­zig 2003

·         Kirchenamt der EKD, Texte94: Weltentstehung, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube in der Schule; Eine Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, 2008; Internet: www.ekd.de/download/ekd_texte_94.pdf

·         Hans Küng: Der Anfang aller Dinge – Naturwissenschaft und Religion, Piper München 2005

·         Jürgen Audretsch (Hrsg.): Die andere Hälfte der Wahrheit – Naturwissenschaft, Philosophie, Religion, Beck Mün­chen 1992

·         Arnold Benz: Die Zukunft des Universums – Zufall, Chaos, Gott?, Patmos Düsseldorf 1997

·         Hansjörg Hemminger, Wolfgang Hemminger: Jenseits der Weltbilder, Quell Verlag Stuttgart 1991

·         Joachim Krause: Ständig aktualisierte Sammlung von Fakten und Zitaten zum Themenbereich „Schöpfungsglaube, Naturwissenschaft, Evolutionstheorie, Schöpfungstheologie, Kreationismus …“ - http://www.krause-schoenberg.de/gn_faktensammlung_alles_aktuell.htm

·         Joachim Krause: „Wenn es in der Schule um Schöpfung, Evolution und Urknall geht … Naturwissenschaft in der Begegnung mit philosophischen und religiösen Fragen – In welcher Weise nehmen in Sachsen zugelassene Lehrbücher für die Fächer Biologie, Physik, Astronomie und Religion solche Grenzfragen auf?“ – Schulbuch-Analyse - eine ausführliche, kommentierte Materialsammlung – http://www.krause-schoenberg.de/SB30_schulbuchanalyse_komplett.htm

·         Joachim Krause: „GOTT würfelt nicht!“ - Wenn Naturwissenschaftler von GOTT reden – was meinen sie damit? Sammlung von Äußerungen von Aristoteles, Galilei, Newton, Darwin, Planck, Einstein, Hawking und anderen Naturwissenschaftlern – http://www.krause-schoenberg.de/SB17_nwler_und_gott.htm

·         Joachim Krause: „Kreationismus“, „Intelligent Design“, „Schöpfungs-Wissenschaft“ - Kritische Stimmen zur Evolutionstheorie und zur historisch-kritischen Auslegung der Bibel; Sammlung von Zitaten und Argumenten und deren (selbst-) kritische Bewertung – http://www.krause-schoenberg.de/SB18_kreationismus.htm

·         Joachim Krause: „Charles Darwin – Leben, Werk, Wirkung“ http://www.krause-schoenberg.de/SB28_darwin_leben_werk_wirkung.htm

·         Joachim Krause: „Was Charles Darwin geglaubt hat“, Buch, Wartburg-Verlag Weimar 2012;
Auszüge: http://www.krause-schoenberg.de/darwin_buch_info.htm

·         Joachim Krause: „Schöpfungstheologie“; Zitatensammlung aus drei Büchern von Eugen Drewermann zu Religion uns Naturwissenschaft (Herkunft des Menschen – Biologie – Kosmologie) - http://www.krause-schoenberg.de/SB21_schoepfungstheologie_drewermann_zitate.htm

·         Warum manche Mitmenschen keine Christen sein wollen, was sie am christlichen Glauben und an der Bibel irritiert – Atheisten (wie Richard Dawkins), Agnostiker, Unitarier – Originalzitate - http://www.krause-schoenberg.de/sachinfos_religionskritik.htm

 

 


5. Anhang

 

5.1. Thesen zum Kreationismus

 

(Dieses Papier wurde 1989 vom Beirat für Glaube und Naturwissenschaft beim Ev.-Luth. Landeskir­chenamt Sachsens erstellt und am 4. Mai 1990 durch die Kirchenleitung zustimmend zur Kenntnis ge­nommen;

veröffentlicht im Amtsblatt der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Dresden, 31. Juli 1990)

 

In den letzten Jahren ist das Gedankengut des sogenannten "Kreationismus" in  unseren Gemeinden  ver­breitet wor­den und hat - vor allem unter Jugendli­chen – zu Verwirrung und Verunsicherung geführt. Wir halten - in dem Wissen, dass es im Kreationismus sehr ver­schiedene Spielarten gibt - eine Ausei­nandersetzung mit bestimmten Formen und Inhalten für notwendig, vor allem, wenn sie ihren Aus­druck in agitatorischer Missionstätigkeit und der Verbreitung ge­wisser lite­rarischer Erzeugnisse finden.

 

1. Kreationismus

Der Kreationismus (auch "wissenschaftlicher Kreationismus" oder "Schöpfungswissenschaft") ist vor allem be­wegt von der Sorge, den christlichen Glauben gegenüber der Evolutions-Lehre zu verteidi­gen. Er erhebt die "Entscheidung für Schöpfung oder Evolu­tion“ zu einer zentralen Frage christlichen Glaubens und Be­kennens. Der Kreationismus sieht den Schöpfungsglauben durch den Entwicklungs­gedanken in der moder­nen Natur­wis­senschaft bedroht und leitet dar­aus ab, dass ein Christ der Evolu­tionslehre nur ablehnend be­gegnen kann. Den Nachweis für die Richtigkeit seiner Thesen führt der Kreationismus vor allem mit natur­wissen­schaftlichen Argu­menten und glaubt, dass zwischen moder­nen Erkenntnissen der Wissenschaft und dem Wortlaut der biblischen Überlieferung Harmonie herge­stellt und da­durch der Glaube des einzelnen ge­stärkt werden kann.

 

Wir stellen fest:

Der Kreationismus ist eine Bewegung, die in den 60er Jahren außerhalb der verfassten Kirchen in den USA entstan­den ist. Er nimmt Strömungen auf, wie sie die Geschichte der Kirche seit langem beglei­ten (Stand­punkte des Funda­mentalismus/Biblizismus). Der Kreationismus stellt die wich­tige Frage nach der Bedeu­tung, die naturwissenschaftli­chen Kenntnissen über die Welt zukommt, neu. Er wendet sich zu Recht gegen den Miss­brauch von Naturwissen­schaft im Dienste einer Weltanschauung. Er deckt auf, dass Wissenschaft heute zum Teil quasi-religiöse Züge auf­weist und den Anspruch erhebt, allein mit ihren Mitteln die Wirklich­keit der Welt erklären und Antwort auf Sinnfragen geben zu können.

Der Kreationismus hat recht, sofern er die Auseinandersetzung mit dieser Ideologisierung naturwis­sen­schaftli­cher Erkenntnisse fordert. Er übersieht aber, dass Naturwissenschaft nicht  notwendiger­weise Ideolo­gie oder antireligiös sein muss. In der Bekämp­fung seines Feindbildes ("Evolutionis­mus", "kommunistischer Atheismus") ideologisiert er selbst biblische und naturwissenschaftli­che Aussagen und erliegt der Gefahr, die je eigene, be­grenzte biblische und wissenschaftliche Sicht der Welt zu überfordern.

Die Position des Kreationismus kann uns weder theologisch noch naturwissenschaftlich überzeugen.

 

2. Bibelverständnis

Nach allgemeiner christlicher Überzeugung ist die Bibel von Gott inspiriert. Wie diese Überzeugung interpre­tiert wird, ist unter­schiedlich. Die Krea­tionisten schließen daraus, dass die Aussagen der Bibel in allen Berei­chen irrtumslos sind und keine Wider­sprüche enthalten. Sie erklären diese ihre Sicht der Heiligen Schrift für allein richtig und christlich. Bei Widersprüchen zwischen dem modernen Weltbild und der biblischen Über­lieferung ist der Wortlaut des Bibeltextes für Kreationisten wahr und verbind­lich (fundamentalistisches Bibel­verständnis).

Das theologische Interesse des Kreationismus konzentriert sich fast ausschließlich auf das Thema „Schöp­fung“, ver­standen als das Fragen nach dem Anfang der Welt und des Lebens. Durch Auswahl und Neuinter­pretation naturwis­senschaftlicher Befunde möchte er die Richtigkeit (Wahrheit) der bibli­schen Überlieferung beweisen und damit Glau­bens-Gewissheit wecken und stärken.

 

Wir stellen fest:

Die Kirchen haben in der Geschichte der Schriftauslegung gelernt, in der Heiligen Schrift Zeugnisse des Glau­bens und naturwis­senschaftliche Er­klärung der Welt zu unterscheiden. Demgegenüber schafft der Kreationis­mus erneut Verwir­rung, indem er Glaube und Wissen vermengt. Er wie­derholt damit in seiner Po­sition vergan­gene Etappen des Schrift­verständnisses und wird dem diffe­renzierten Stand heutiger Schrift­auslegung nicht ge­recht:

·         Danach ist die Bibel ein geschichtlich entstandenes Dokument. Wir vernehmen darin die Stimmen ver­schiede­ner Zeugen, die in unterschiedli­chen Situationen reden und die Sprache ihrer Zeit und de­ren Weltbil­der ver­wen­den. Indem glaubende Menschen den An­spruch und die Verheißung Gottes für ihr Leben ver­bindlich ver­neh­men, er­weist sich die Bibel als Hei­lige Schrift.

·         Weiterhin ist die Einsicht allgemein, dass die Texte der Bibel vorrangig nicht naturwissenschaftliche oder histo­ri­sche Informa­tion vermit­teln, sondern Glaubens-Zeugnisse sind. Diese Glaubensaussagen sind nicht ge­bunden an naturwissen­schaftliche Erkenntnis und werden daher auch nicht mit ihr hinfäl­lig (Kreationisten fes­seln dagegen Glaubensaussagen an eine bestimmte Weltsicht).

·         Glaube kann nur Vertrauen wagen, er stützt seine Gewissheit nicht auf Beweise, etwa solche natur­wissen­schaftli­cher Art.

·         Nach den heutigen Erkenntnissen der Bibelwissenschaft ist die Grundthese des Kreationismus (wörtliche Ver­bindlich­keit) schon allein auf­grund der unsicheren Quellenlage der biblischen Hand­schriften nicht haltbar (wel­cher Wortlaut welcher Quelle und in welcher Überset­zung ist verbindlich?).

Der Kreationismus redet auch verengt von Schöpfung. Christlicher Schöpfungsglaube ist nicht allein an der Vergan­genheit und an der Frage nach der Herkunft des Menschen interessiert. Im Gegensatz zu dieser kreatio­nistischen Engführung ist das biblische Zeugnis von Gott als dem Schöpfer schon im Alten Testament sehr vielfarbig: es begeg­net z.B. in den Schöpfungspsalmen (Psalm 8 oder Psalm 104), in Lehrerzählun­gen (1.Mose 1 und 2), bei den Pro­pheten (Jesaja 40ff) oder in den Weisheitsbü­chern (Hiob). Von Glaubenden ist zu allen Zei­ten auch das fortdauernde Schöpfer­handeln Gottes ("creatio continua") bekannt worden.

 

3. Naturwissenschaftliche Beweise für die Wahrheit biblischer Aussagen

Der Kreationismus führt den Nachweis für seine Thesen weitgehend mit naturwissenschaftlichen Ar­gumen­ten. Dabei legt der Wortlaut der Bibel für ihn den Rahmen und die Ergebnisse naturwissen­schaftlicher Arbeit von vornherein und nicht mehr hinterfrag­bar fest. Ziel ist die Suche nach Bele­gen, welche jede einzelne Aussage der Bibel bestätigen. Die Heilige Schrift wird dadurch zum Nach­schlagwerk für naturwissenschaft­lich und histo­risch zutreffende (richtige, wahre) Informationen. So begegnet dann z. B. 1.Mose 1 als Tatsa­chenbericht über den Ablauf der Weltschöpfung in ei­ner Ka­lenderwoche, aus Angaben in 1.Mose 1-11 wird ein Weltalter von etwa 6000 Jahren errechnet (schon die drei uns vor­liegenden schriftli­chen Fassungen des 1.Mose-Buches - hebräisch, griechisch und samaritanisch - enthalten in ihren Geschlechtsregistern er­heblich voneinander abwei­chende Altersan­gaben!), und die Sintfluterzählung (1.Mose 6-9) wird als Tatsa­chenbericht über eine historisch und naturwissenschaftlich erwiesene globale Katastrophe verstanden. Aus­wahl und neue Deutung natur­wis­senschaftlicher Befunde sollen es nach Ansicht des Kreatio­nismus möglich machen, die gesamte Kosmologie, Biologie, Geologie, die Geschichte der Welt und des Lebens alternativ zu den An­sichten der etablierten Naturwissenschaft und in völliger Über­ein­stimmung mit den Aussagen der Bibel darzustellen. Mit dem eigenen Standpunkt nicht harmo­nierende natur­wissenschaftliche Erkenntnisse werden negiert, hyperkritisch angezweifelt oder be­kämpft - auf der an­deren Seite begegnet bei willkommenen Fakten und Theorien eine unkritische Wis­senschafts-Gläubigkeit.

 

Wir stellen fest:

Naturwissenschaft kommt zu ihren Ergebnissen mit Hilfe bestimmter Arbeitsmethoden. Für wissen­schaft­liche Arbeit gibt es ver­bindliche Regeln. Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften sind von re­lativer Be­deutung (im Rahmen der gewählten Methode), prüfbar (weitgehend frei von subjektiven Ein­flüssen), vorläu­fig und wandelbar (d. h. grundsätz­lich immer verbesserungswürdig und verbesse­rungsfähig). Ergebnisse, die von vornherein fest­stehen und nicht hin­terfragt werden dürfen, wider­sprechen dem Grundan­satz wissen­schaftlicher Arbeit. Ergeb­nisse der Naturwissen­schaften dürfen nicht über ihren eigentlichen Geltungsbe­reich  hinaus  weitergehend  ge­deutet  und/oder  zur Grund­lage weltanschaulicher Aussagen gemacht wer­den ("objektive", "endgültige" oder "wahre" Erkennt­nisse; Aussagen zu Sinnfragen).

Naturwissenschaft macht "richtige" Aussagen nur über einen begrenzten Bereich der Wirklichkeit (durch Wahl der Methoden und durch prinzipielle Erkenntnis-Grenzen eingeschränkt).

Christen müssen (und dürfen) sich in ihrem Bekenntnis nicht auf  eine bestimmte naturwissenschaft­liche Theo­rie oder ein be­stimmtes Weltbild festlegen. Soweit der Kreationismus die etablierte Natur­wissenschaft kritisieren will, muss er das im Rahmen der allgemein anerkannten Regeln wissen­schaftlicher Arbeit tun.

Heute sind Kreationisten - entgegen ihrer eigenen Darstellung - eine Minderheit unter den Naturwis­sen­schaft­lern.

 

4. Christ und Schöpfung heute

Der Kreationismus erhebt den Anspruch, wichtige Fragen des christlichen Schöpfungsglaubens zu verhan­deln. In sei­ner Argu­mentation erhebt er die Stellung zu bestimmten naturwissenschaftlichen Theorien in den Rang von zentralen Glaubensfragen und fordert ein Bekenntnis: für seine Sicht der Bibel und der Welt. Christsein ent­scheidet sich für ihn letztlich am JA oder NEIN zur Evolutionstheorie. Die Auseinandersetzung wird als Glau­benskrieg gegen verzerrte Feindbilder geführt.

 

Wir stellen fest:

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse können christlichen Glauben weder begründen noch erschüt­tern. Im Streben nach Wahrhaf­tigkeit sollten Christen auch gegenüber dem Suchen der Naturwissen­schaften offen blei­ben.

Der Schöpfungsglaube ist heute vorrangig und in neuer Weise durch die Bedrohung der Schöpfung heraus­ge­fordert, die bedingt ist durch menschli­ches Fehlverhalten - auch im Bereich von Naturwis­senschaft und Tech­nik. Kirchen und Theologie stehen vor der Aufgabe, das Nachdenken über "SCHÖPFUNG" zu beleben und die Gemeinden in diesen Prozess stärker als bisher einzubezie­hen. Aber nicht nur den zerstörerischen Auswirkun­gen, auch dem ideologischen Missbrauch, der Verein­nahmung naturwissen­schaftlicher Erkennt­nisse ("wissen­schaftlich" begründete Weltanschau­ung, wis­senschaftliches Wahrheitsmonopol) ist zu wider­stehen. Hierzu sind manche Fragen des Kreationis­mus wich­tige Anregungen.

Aber der Kampf, so, wie ihn einige Kreationisten führen, ist für diesen Prozess nicht hilfreich. Er schafft im Ge­genteil Verwirrung in den Gemeinden und wird den heute anstehenden Herausforderun­gen weder aus der Sicht des Glau­bens noch aus der der Natur­wissenschaften gerecht.

 

5.2. Neue Offenheit

„Ist das Universum, in dem wir leben, nur eines unter vielen – oder ein Designer-Produkt, womöglich von kosmischen Ingenieuren in einem Labor kreiert ? ...
Physiker spekulieren über Zufall, Gott, Weltformeln und andere Universen. ...
Forscher grübeln, ob die lebensfreundlichen Werte der Naturkonstanten auf eine „tiefere Realität“ hinter der Physik deuten.

Die Suche danach führt zu abgründigen Rätseln – und kontroversen weltanschaulichen Betrachtungen.“
(Bild der Wissenschaft 8/06 S.34)

 

Die Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften hat zusammen mit 66 Partnerorganisationen weltweit dem so genannten Kreationismus eine Absage erteilt ... Die Akademien betonen aber auch, dass Evolution nicht allein Sa­che der Naturwissenschaften sei. Das Verständnis von Werten und der Sinnhaftigkeit des Lebens liege außerhalb ih­rer Reichweite und erfordere das Einbringen von sozialen, philosophischen, religiösen und politischen Aspekten.
(taz 30.6.06)

 

Alle Wissenschaft ist fehlbar, vorläufig, hypothetisch. ... Notwendige Kriterien zur Beurteilung von Theorien sind: Zir­kelfreiheit, Widerspruchsfreiheit, Erklärungswert, Prüfbarkeit, Testerfolg. Darüber hinaus wünschbar sind: Einfachheit, Anschaulichkeit, Breite, Tiefe, Lückenlosigkeit, Präzision, Axiomatisierbarkeit, Anwendbarkeit ... alle diese Kriterien reichen nicht aus, die einst erträumte Sicherheit wissenschaftlicher Erkenntnis wiederherzustellen, sie können aber doch dazu dienen, wissenschaftliche Hypothesen als zulässig und bewährt, sogar als zuverlässig oder vertrauenswür­dig auszuzeichnen. ... Selbst ein so gut bewährter, bisher nie widerlegter und in die gesamte Naturwissenschaft ein­gebundener Satz wie der Energiesatz könnte sich eines Tages doch als falsch erweisen. Auch Behauptungen über Unmögliches stehen deshalb grundsätzlich unter dem Vorbehalt möglichen Irrtums.
(Gerhard Vollmer: Biophilosophie, Reclam Stuttgart)

 

5.3. Arbeitsweise von Naturwissenschaft und Theologie

Beide Wissenschaften leben von nicht beweisbaren, vorausgesetzten Grundsätzen (Axiomen). Beide arbeiten mit zeitbedingten und überholbaren Theorien. Beide sind an die Grenzen menschlicher Erkenntnis gebunden (auch die Offenbarung ist uns nur in den Grenzen unseres Erkenntnisvermögens verfügbar).
Unterschiede bestehen im Erkenntnisinteresse und in den Methoden. Die folgende Übersicht listet einige Unter­schiede auf:

Naturwissenschaft
Theologie

orientiert am Allgemeinen

orientiert am Individuellen

eher auf Fakten gerichtet

eher auf Bedeutungen gerichtet

methodische Ausklammerung ethischer Interessen

Integration ethischer Interessen

methodische Ausklammerung des Subjekts (Ich)

methodischer Ausgang beim Subjekt (Ich)

interessiert an der Beziehung der Objekte zueinander (Natur­gesetze)

interessiert an der Beziehung des Subjekts (Ich) zum Ganzen der Weltwirklichkeit (Gott)

Methode: Beobachtung (von Naturvorgängen), Experiment (im Labor)

Methode: Erfahrung, Deutung

präparierte oder idealisierte Situationen (Reduzierung der komplexen Wirklichkeit, „Kunstwirklichkeit“)

Lebenswirklichkeit, einmalige, nicht wiederholbare Vorgänge

Sprache: Klassifizierung (Ordnungssysteme), Formel

Sprache: Mythos (Religion), Symbol, Begriff (Theolo­gie)

Theoriebildung: Systematisierung

Theoriebildung: Bekenntnis, Systematisierung (Theo­logie)

(nach: Schwarke/Biewald S.23,41; Audretsch S.33)

 

5.4. Glaube und natürliche Umwelt – aneinander gebunden oder ohne Berührung / Beziehung?

 

A) Kein religiöses Weltbild existiert ohne Rückgriff auf die Erkenntnis seiner jeweiligen Umwelt.

Religion muss Bezug nehmen auf die wirkliche, natürliche Lebensumwelt des Menschen.
(Schwarke/Biewald S.21))

 

oder

 

B) „... dass es hinsichtlich dessen, was die Heilige Schrift und die christliche Kirche unter Gottes Schöpfungswerk ver­steht, schlechterdings keine naturwissenschaftlichen Fragen, Einwände oder Hilfestellungen geben kann.“
(Karl Barth, Kirchliche Dogmatik, III/1)


 

5.5. Auch Christen müssen sich vor Grenzüberschreitungen hüten

 

A) christliche Theologie nähert sich der Wirklichkeit unter einem begrenzten Blickwinkel
Von anderen Wissenschaften unterscheidet sich die Theologie durch drei Merkmale:

Sie will zu behauptenden Aussagen über Gott und einen Sinn der Wirklichkeit kommen, der sich prinzipiell innerweltli­cher Erfahrbarkeit und Verfügung entzieht.

Sie erstrebt dieses Ziel vom Standpunkt des christlichen Glaubens, d.h. von einem inhaltlich schon umschriebenen Vorverständnis aus.

Sie bezieht sich auf eine soziologisch angebbare, vom Glaubensbewusstsein aus zugleich normativ umschriebene Gruppe: die Kirche.
(H. Häring / K.J. Kuschel, Art. Theologie in: Wörterbuch des Christentums, München 1995, S.1243)

 

B) Christlicher Glaube bringt ein bestimmtes Vorverständnis immer schon mit, das ihm bestimmte Wahrnehmungen und Deutungen der Wirklichkeit nahe legt bzw. überhaupt möglich macht.

 

C) „Christliche“ Argumente (z.B. in der Gentechnik-Debatte) werden auch nur im christlichen Kontext (und von Chris­ten) verstanden und geglaubt.

 

 

5.6. Das altorientalische Weltbild, von dem einzelne Bausteine auch in Texten der Bibel vorkommen

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image017.jpgDie Menschen der Zeit der Entstehung der Bibel haben sich die Welt so vorgestellt und beschrieben, wie sie aussieht und wie wir sie auch heute noch mit unseren Augen wahrnehmen.
Der Himmel scheint sich wie eine riesige halbku­gelförmige Glocke über uns zu wölben. Er ist blau, wie das Wasser in einem See. Darum muss dort oben auch Wasser sein, ein gewaltiges Meer, die Urflut („das Wasser oberhalb des Ge­wölbes“ 1. Mose 1,7). Das Himmels-„Gewölbe“ (1. Mose, 1,6) muss schon sehr fest sein, um die Wassermassen zu­rückzuhalten. Es heißt darum auch FESTE (in der lateinischen Bibel wurde das Wort mit FIRMA­MENTUM übersetzt – firmus = fest; wir sprechen heute noch von den Sternen am Firmament). Im Gewölbe eingebaut sind die „Schleusen des Him­mels“ (1. Mose 7,11), die sich bei Regen öffnen (bei der Sintflut bricht das Wasser katastrophal in den ge­schützten Lebensraum ein). Die Feste ruht auf den „Säulen des Himmels“ (Hiob 26,11). Die Erde ist eine vom Meer umspülte Scheibe. Sie wird gestützt von den „Säulen der Erde“ (Hiob 9,6). Unter der von Menschen. Tieren und Pflan­zen bewohnten Erde befindet sich die „Unterwelt“ (2. Petrus, 2,4), das „Reich des Todes“ (vgl. hier auch unser christli­ches Glaubensbekenntnis).

 

 

Die Künste und die Geisteswissenschaften haben die Grenzen der menschlichen Erfahrung erweitert und uns Einsichten und Erklä­rungen vermittelt, denen unverkennbar Wahrheit anhaftet, sie be­fassen sich mit dem Unerklärlichen, Abseitigen, Nichteinorden­baren, Unvorhersehbaren, Sinnlosen, Einmaligen, Einzigartigen, Wunderbaren, Absurden und Irrationalen;
(Kitty Ferguson: Gott und die Gesetze des Universums, Econ Düsseldorf 2002
Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: E:\Bibliotheken\Dokumente\eigene dateien nach 10-11-2012\meinehomepage\neu\SB13A_schoepfung-evolution-ausfuehrlich_2-2013-Dateien\image018.jpg

 

 

 

„... und dann passiert ein Wunder ...“

„Ich denke, Sie sollten hier bei

Schritt 2 etwas prä­ziser sein.“

 


5.7. Aussagen zu Glaube und Natur­wissen­schaft

 

A) Vater der Welt, was bewog Dich, ein kleines, schwa­ches Erdengeschöpf zu erheben, ... fast ein Gott, denn er denkt Deine Gedanken Dir nach.“
(Johannes Kepler, Astronom, 17.Jahrhundert)

B) Das naturwissenschaftliche Weltbild kann nur ein Teil­bild der Welt sein, und es kann nur ein vorläufi­ges Bild sein... Was ist der Sinn und das Ziel des menschli­chen Da­seins. Was steckt hinter dem, was die Natur­wissen­schaft als „Zufall“ be­schreibt?... Solche Fragen lassen sich mit den Mitteln der Na­turwissenschaft nicht lösen, Antwor­ten darauf sind dem persönlichen Glauben über­lassen.
(Linder BIOLOGIE; Bayerhuber/Kull: Lehrbuch für die Oberstufe, Stuttgart 1994)

C) Es ist wahrlich etwas Erhabenes um die Auffas­sung, dass das Leben mit seinen verschiedenen Fähigkei­ten vom Schöpfer ursprünglich nur wenigen oder gar nur einer einzigen Form ein­gehaucht wurde und dass, während dieser Planet nach dem ehernen Gravita­tionsgesetz seine Kreise zieht, aus ei­nem so schlich­ten Anfang eine unendliche Zahl der schönsten und wunderbarsten Formen ent­wickelt wurden und immer weiter entwickelt werden.
(Charles Darwin, Biologe, letzter Satz in seinem Hauptwerk: „Die Entstehung der Arten ...“, 1859,
die Ergänzung „vom Schöpfer“ wurde ab der 2. Auflage von Charles Darwin eingefügt)

D) Biblische Texte sind ihrem Wesen nach auf kon­krete Men­schen in konkreten Situationen bezo­gen... sie sind nicht Botschaft, die alle Menschen aller Zeiten in glei­cher Weise in ihrer Situation (be-)trifft.
(Johannes Hempel, Theologe 1998)

E) Je unbegreiflicher uns das Universum wird, um so sinnlo­ser erscheint es auch. Das Bestreben, das Uni­ver­sum zu verstehen, hebt das menschliche Le­ben ein we­nig über eine Farce hinaus und ver­leiht ihm ei­nen Hauch von tragischer Würde.
(Steven Weinberg, Kernphysiker, Nobelpreisträger Phy­sik 1979)

F) Ich erweise Gott meinen unendlichen Dank, weil er mich allein als ersten Beobachter bewunderungs­wür­diger Dinge ausersehen hat, die den bisherigen Jahr­hunder­ten verborgen geblieben waren.
(Galileo Galilei in einem Brief 1610)

G) (Leserbrief zum Urteil des Bundesverfassungs­ge­rich­tes über Kruzifixe in bayerischen Schulen)
Wie fühlt sich ein Biologielehrer im Anblick des Ge­kreu­zigten, wenn er über die Entwicklung des Men­schen aus dem Tierreich spricht?... Die Reli­gion im Klassenzimmer zwingt doch Schüler und Lehrer zur Heuchelei.
(Roland Müller, Leserbrief „Freie Presse“ 1995)


H) Die Schöpfungsgeschichte sagt uns nicht, wie der Him­mel funktioniert, sondern wie man dort hin kommt.
(George Coyne, Astronom der päpstlichen Sternwarte 1995)

I)   (Kosmologie/Urknall) Was oder wer hat die Aus­gangsbe­dingungen gesetzt?... Physikalische Letzt­begründungen sind nicht möglich... Man kann das Auftauchen der Ener­gie als „Schöpfungsakt“ aus dem „Nichts“ im Sinne der christlichen Religion deuten... Das Urknall-Modell schließt einen „Schöpfer“ nicht aus... Hat unser Leben in diesem Universum einen Sinn? Eine Antwort kann nicht aus den physikalischen Erkenntnissen abgeleitet wer­den.
(W.Kuhn: PHYSIK, Lehrbuch Klasse 12/13 Band 2, Westermann)

J)  Glaubst Du, dass die Bibel das inspirierte, unfehl­bare Wort Gottes ist? Sonst bleibt Dir nichts ande­res übrig als der primitive, heidnische Evolutions­glaube.
(W.J.Ouweneel, Kreationist, ca.1985)

K) Die Aufgabe (einer biblisch orientierten Schöpfungs­for­schung) ist ... nicht geringer, als eine alterna­tive Kosmo­logie, Biologie, Geologie auf heilsgeschichtli­cher Grund­lage zu erstellen. ... Evolutions­kritik ist nur ein erster Schritt im Rahmen einer unermesslichen Aufgabe... Konkret: Wer das Gerichts­handeln Gottes in Bezug auf die biblisch und außerbiblisch bezeugte Sintflutkatastro­phe in seiner gan­zen Schwere ernst nimmt, muss die Geo­logie umschreiben.
(Horst W. Beck, Studiengemeinschaft „Wort und Wis­sen“, 1979)

L)  Herr, wie sind Deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll Deiner Ge­schöpfe.
(Psalmbeter vor 2500 Jahren)

M) So wenig die Naturwissenschaften einen Gottes­be­weis hergeben, so wenig postulieren sie etwa, dass der Mensch eines Gottesglaubens nicht be­darf.
(Manfred Eigen, Evolutionstheoretiker, Nobelpreis Che­mie 1975)

N) Bist Du ein veredelter Affe oder ein Geschöpf Gottes?
(W.J.Ouweneel, Kreationist, ca.1985)

O) Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der gesetz­lichen Harmonie des Seienden offenbart, nicht an ei­nen Gott, der sich mit dem Schicksal und den Hand­lungen der Menschen abgibt.
(Albert Einstein 1921)

 

Welche Aussage spricht Sie besonders an, welche ärgert Sie, welche macht Sie neugierig?

 

 


 

ZUFALL in der Evolution

Der Zufall ist kein Lotteriespiel. Möglich ist nur, was das Vorhandene zulässt. Der „Zufall“ ist stark eingeschränkt, und viele Fehler, die durch Mutationen entstehen, werden vom Genom korrigiert. Ordnung baut auf Ordnung auf, Neues geht aus dem Vorhandenen hervor. So komplizierte Gebilde wie Augen entstanden nicht durch Zufall, sondern über sehr viele Zwischen- und Übergangsstadien. Evolution geht aus der Wechselwirkung eingeschränkter und sich wieder neu eröffnender Freiheitsgrade hervor. Der bloße Zufall ist so bedeutungslos wie die Unbestimmtheit im (sub)atomaren Bereich für die wirkliche Struktur der Materie.
Schließlich zweifelt doch niemand daran, dass sich auch im Gang der menschlichen Geschichte stets klare Ursachen und Zufälle miteinander vernetzt haben. Der tatsächliche Verlauf der Historie ist sehr wohl im Rückblick zu analysie­ren, auch wenn es viele Lücken zu überbrücken gilt. Voraussagbar wird Geschichte deshalb allerdings nicht. ... die historischen Großereignisse der Vergangenheit lassen sich natürlich nicht aus unserer Gegenwart erklären. Wer sol­ches für die Evolution fordert, verkennt ihre Geschichtlichkeit. ;
(Evolutionsbiologe Reichholf in: bdw 9/2007 S.38ff)

Mutationen sind ungerichtet. Sie werden zwar ausgelöst, also verursacht (und sind in diesem Sinne nicht absolut zu­fällig); ihre Ursachen sind jedoch mit ihren phänotypischen Auswirkungen nicht gesetzmäßig verknüpft. Die Mutatio­nen bringen daher ein Zufallselement in den Verlauf der Evolution. Auch Gendrift und Genrekombination sind Zufalls­faktoren. Selektion, Annidation und Isolation sind dagegen im wesentlichen deterministischer Natur. So kommt es zu dem charakteristischen konstruktiven Zusammenspiel von „Zufall und Notwendigkeit“ in der Evolution ...;
(Gerhard Vollmer: Die Unvollständigkeit der Evolutionstheorie, in: Kanitscheider, B. (Hrsg.): Moderne Naturphiloso­phie, Würzburg 1984, S.7)

 

„Ich habe bis jetzt das Wort „Zufall“ (engl. hier: chance! JK) gebraucht, wenn von Veränderungen die Rede war. die bei organischen Wesen ... auftreten. Das Wort „Zufall“ ist natürlich keine richtige Bezeichnung, aber sie lässt wenigs­tens unsere Unkenntnis der Ursachen besonderer Veränderungen durchblicken.“
(Charles Darwin: Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl, 1859, Zitat nach der Ausgabe: Reclam Leipzig 1980, S.146)

 

Mephisto:
“Daran erkenn ich den gelehrten Herrn!
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
Was ihr nicht fasst, das fehlt euch ganz und gar,
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.“;
(Goethe: Faust)

 

Naturwissenschaft – alles „nur“ Hypothesen und völlig beliebig?

Ohne die Maxwellschen Gleichungen der Elektrodynamik hätten wir weder Radio- noch Röntgengeräte,
ohne Albert Einsteins Relativitätstheorie weder GPS noch Satelliten-Wetterbilder,
und ohne die Schrödinger- und Dirac-Gleichung in der Quantenmechanik weder CD-Spieler noch Kernspin- und Positronen-Emissions-Tomografie zur Diagnose von Erkrankungen und zur Abbildung von Hirnaktivitäten. ...

(bdw 12/03 S.40)

 

 


Wie die Welt geworden ist ...

(schriftliche Antworten aus dem Religionsunterricht 3. und 4. Klasse)

 

Zuerst schuf Gott Licht. Er sagte: Es werde Licht. Er nannte das Licht Tag und die Dunkelheit Nacht. Später machte er den Himmel - damit wir geborgen sind. Viel später kam das Land. Und dann kamen die schönen Pflanzen. Nun kamen zuerst die Fische und Vögel, später dann alle anderen Tiere. Die Sonne kam auch noch und Sterne auch. Gott schuf uns zuletzt und schenkte uns die Erde. (Marie)

 

Es war zur Zeit, als Herr Gott sich Sorgen machte. „Nun habe ich so viele Planeten geschaffen, und noch niemand ist auf den Planeten, ich muss einen Planeten er­schaffen, wo Menschen und andere Lebewesen le­ben.“ Und so machte Gott diesen Planeten und nannte ihn Erde. Er regelte alles, was zu regeln war. Und so ging alles wie von selbst, und er schuf alles, was zu erschaffen war, und so entstand alles, was heute hier ist, und wir fühlen uns gut. (Lina)

 

Es war zur Zeit, da war die Erde noch nicht, wie wir sie heute haben. Erst war die Erde ein Felsbrocken. Gott hatte schon lange seinen Blick auf diesen Brocken geworfen. Und dann kam ihm die Idee, etwas aus diesem Bro­cken zu machen, weil alle Planeten so schön waren, nur die­ser Brocken nicht. Er schuf erst Wolken, aus denen er es regnen lassen konnte – damit Pflanzen wachsen konnten, schuf er eine Lufthülle. Dann wuchsen auch schon Bäume, Sträucher ... (Anja)

 

Es war zur Zeit, da war nur ein Atom da, das war Wasserstoff. Dieses Atom war er­hitzt und traf sich ganz zufällig mit noch einem Wasserstoff, da wurde sooooooooo viel Ener­gie frei­gesetzt, wie die ganze Erde an Energie in einer Minute verbraucht. Aber da gab es noch nicht die Erde. Helium entstand, und es fügten sich so viel Wasserstoff und Helium und das Ganze fusionierte sich zu der Sonne unter extre­mer Hitze. Viele Elemente kamen aus der Sonne und bildeten kleine Sonnen, aber um diese Sonnen bildete sich eine Kruste, die wuchs und wuchs. Da kamen ganz viele Planeten. Sie waren sehr heiß, und überall waren Vul­kane. (Cynthia)

 

Es war zur Zeit, als Gott die Erde schuf. Dann hat er den Himmel gemacht. Die Pflanzen haben die Erde auch mit gemacht, sie halfen Gott. Sie wollten was Großes machen: Sie haben einem Riesen den Kopf abgehackt und benutzten ihn als Planet. Den Planet haben sie noch aufgemotzt, und dann haben sich die Pflanzen auf den Planet gesetzt. Dann hat Gott die Menschen und Tiere ge­macht und sie auf den Pla­net gesetzt. (Markus + Georgia)

 

Es war zu der Zeit, wo Gott die Welt erschaffen hat. Erst hat Gott die Hälfte des Chaos aufge­räumt und dann die andere Hälfte. Dann hat er das Meer erschaffen, dann die Wiesen, Blu­men, Tiere und Wälder. Dann zum Schluss die Menschenaffen. (Robert)

 

„Mir aber gewähre Gott, nach meiner Einsicht zu sprechen
und zu denken, wie die empfangenen Gaben es wert sind...
Gott verlieh mir untrügliche Kenntnis der Dinge,
sodass ich den Aufbau der Welt und das Wirken der Elemente verstehe,
Anfang und Ende und Mitte der Zeiten,
die Abfolge der Sonnenwenden und den Wandel der Jahreszeiten,

den Kreislauf der Jahre und die Stellung der Sterne,

die Natur der Tiere und die Wild­heit der Raubtiere,

die Gewalt der Geister und die Gedanken der Menschen,

die Ver­schiedenheit der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln ...
Denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen“

(Die Bibel, Buch der Weisheit 7,15.17-20; 13,5)