zur startseite

weitere infos zum buch „Fremde Eltern“

 

 

 

Preisverleihung des 15. Ur-Krostitzer Jahresrings

am 13.12.2018 in Leipzig

 

Einblicke in die Glaubens- und Gefühlswelt deutscher Männer und Frauen während des Nationalsozialismus

Joachim Krause gewinnt den 15. mitteldeutschen Historikerpreis „Ur-Krostitzer Jahresring“

 

Joachim Krause aus Schönberg im Landkreis Zwickau hat den 15. mitteldeutschen Historikerpreis „Ur-Krostitzer Jahresring“ gewonnen. Mit seinem Werk ,,Fremde Eltern. Zeitgeschichte in Tagebüchern und Briefen 1933–1945“ überzeugte der Hobbyhistoriker die Jury und erhielt bei der heutigen Preisverleihung im Gewandhaus zu Leipzig ein Preisgeld von 1.500 Euro sowie eine goldene Nachbildung des Rings von Schwedenkönig Gustav II. Adolf.

 

 

Begründungen der Jury zur Preisvergabe

 

Gesamtsieger: Joachim Krause, Schönberg, „Fremde Eltern. Zeitgeschichte in Tagebüchern und Briefen 1933–1945"

 

Das Buch „Fremde Eltern. Zeitgeschichte in Tagebüchern und Briefen 1933– 1945“, das 2016 erstmals erschien und nun in dritter geänderter Auflage vor uns liegt, entspringt einem Dachbodenfund. Joachim Krause fand auf dem elterlichen Dachboden fast 2.000 Briefe und Tagebuchaufzeichnungen seiner Eltern Christian und Margarete Krause, die er schon als junger Mensch einmal in den Händen gehabt und dann unachtsam zur Seite gelegt hatte. Erst viel später, die Eltern waren verstorben, regte sich Interesse an dem Dachbodenfund, der dann genauer unter die Lupe genommen wurde. Gefragt werden konnte nicht mehr, die Zeit zwischen 1933 und 1945 war in Ost und West in den meisten Familien kein Thema gewesen. Aber Joachim Krause war dann doch „infiziert“, wie er selbst schreibt, und begann zu lesen. Er mühte sich durch die Sütterlinschrift und schrieb in mühevoller, monatelanger Arbeit mehr als 1.800 Briefe ab. Es sind die Briefe, die sich sein Vater und seine Mutter sowie sein Onkel, des Vaters Bruder Helmut, schrieben. Sie dokumentieren die Zeit zwischen 1933 und 1945, vor allem die Zeit des Zweiten Weltkrieges, der die beiden Brüder an die Front brachte. Helmut kam aus dem Krieg nicht zurück. In den Briefen findet sich nicht nur Privates, auch die Umstände jener nationalsozialistischen Zeit und des Krieges lassen sich erkennen. Es zeigt, wie diese jungen Menschen, Teenager, zur Machtergreifung Hitlers in den Sog der Gleichschaltung gerieten, wie ihr Denken jener Zeit aussah. „Ich habe meine Eltern dadurch noch einmal ganz neu kennengelernt. Manches bei der Lektüre ihrer Briefe und Tagebücher hat mich verwirrt und schockiert ...“ schreibt der Autor selbst. Und dabei stellt sich auch ihm die Frage: Wie war so etwas möglich?

Joachim Krause entschließt sich zum Abdruck jener Briefe, auch für die Öffentlichkeit. Diese Briefe dokumentieren eben nicht nur die privaten Umstände, sondern sie erlauben auch einen unverstellten Blick in die Zeit des Nationalsozialismus, in die Glaubens- und Gefühlswelt deutscher Männer und Frauen. Gerade die Briefe, die während des Zweiten Weltkriegs entstanden, beschreiben den Glauben an Führer und Reich und an den Endsieg, aber sie zeigen auch, dass nicht jede menschliche Regung durch diesen Glauben erstorben ist. Zweifel werden allmählich sichtbar. Der Autor, Joachim Krause, der Sohn, führt verständlich in das Buch ein, bevor ein wesentlicher Teil der vielen Briefe abgedruckt zu lesen ist. Originalfotografien, die von den beiden Frontsoldaten stammen, sind beigegeben. Der nützliche Anhang enthält eine Genealogie der Familie, was zum besseren Verständnis dient. Ein Sachregister und Abkürzungsverzeichnis gehören ebenso dazu wie ein Personenregister und Anmerkungen. Quellen sind entsprechend angegeben. Zum Abschluss findet sich ein prägnantes Essay von Christoph Dieckmann. Damit ist dieses Buch eine zeitgeschichtliche Quelle, die zu studieren nicht nur für Mitglieder der Familie Krause von Bedeutung ist. Solche Bücher sind noch viel zu wenig geschrieben. Joachim Krauses Buch ist ein faszinierendes Werk, das als authentisches Zeitzeugnis zum intensiven Lesen einlädt.