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Faktensammlung
Klima – Energie – Umwelt – Lebensstil – Bevölkerungsentwicklung – Landwirtschaft

 

 

(Die folgende Materialsammlung können Sie auch als PDF-Datei downloaden)

 

 

fortlaufend aktualisiert bis 2018

die aktuellsten Eintragungen finden Sie jeweils am Ende der einzelnen Themenbereiche farbig gekennzeichnet

 

 

 

begonnen: Anfang 2007 (auch einige ältere Mitteilungen wurden mit aufgenommen)
abgeschlossen mit Stand von
Januar 2018

 

 

Einzelbereiche hier direkt anklicken:

·        Klima

·         Energie allgemein (Verbrauch, Politik, Strom) und Atomausstieg

·         Energie – Atomenergie, Fusion; Endlager

·         Energie - Biomasse, nachwachsende Rohstoffe

·        Energie - Biotreibstoffe, Biogas

·        Energie - Erdwärme

·        Energie – Sonne

·        Energie – Sparen

·        Energie – Speichern

·         Energie – Verkehr, Elektromobilität

·        Energie – Wind

·         Umwelt – Ökologie – Bewahrung der Schöpfung

·         Lebensstil, gut leben

·        Bevölkerungsentwicklung

·        Landwirtschaft und Ernährung

 

 

 

 


KLIMA

 

 

 

·       Q: GEO 1/91 S.37
- CO2-Emission pro Kopf: "erlaubt" wären zwei Tonnen je Weltbürger

·       Q: Umwelt 2/96 S. 64ff.
- IPCC Sitzung Rom 1995:
- deutlicher Anstieg der Konz. von Treibhausgasen in der Atmosphäre seit 1750 durch den Menschen
- globale Temp-Erhöhung in den letzten 100 Jahren um 0,3 bis 0,6 Grad nicht allein durch natürliche Ursachen zu erklären
- wenn weiter so: 2100 + 2K (1...3,5 K), mittlerer Meerespiegel + 50 cm (15...95), Schadenshöhe weltweit: einige Prozent des BSP

·       Q: et 3/96 S.152:
- CO2 Altbundesländer 1995 +3% gegenüber 1990, NBL - 45%

·       Q: BdW 3/95
- Algen bauen weltweit 40% der CO2-Produktion ab

·       Q: BdW 5/95 S.82
- Methoden zur CO2-Beseitigung; z.B. mit Sonnenenergie --> Methanol (Kosten 1,90 DM/liter unversteuert)

·       Q: BdW 8/95 S.106
- Wiss. Beirat der Bundesregierung. Klima-"Fenster" 10,4...16,1 C, Zugabe: 9,9 ... 16,6 C, derzeit: 15,3 C, Weg: nach 5 a Übergang pro Jahr -1% über 150 a

·       BMU: Umweltbericht 1998, Zusammenfassung S.VIII:
Technische CO2-Minderungspotentiale Enquete-Kommisssion:
Busse, LKW, ind. Verfahren: 20%
Warmwasserbereitung           30%
Elektrogeräte, PKW, Flugzeuge  50%
Altbaubestand  70-80%
Neubauten         50%
Hauptansatzpunkte: u.a.: weitere Nutzung der Kernkraft

·       Spektrum der Wissenschaft 9/98 S.26ff
Sonnenhelligkeit und Klima
Verlauf der Sonnenhelligkeit seit 1874 mit bekannten Klimadaten verglichen;
Sonnenh. Und Erdtemperatur entwickelten sich erstaunlich übereinstimmend, zumindest bis Mitte der 70er Jahre

·       UN-Experten: Ozonschicht über dem Südpol in diesem Jahr zwischen 14 und 22 Kilometern Höhe „fast zu 100 Prozent zerstört“, über den USA 12-14% Abbau
(taz 8.11.96)

 

2.1.07

·       britische Wissenschaftler: 2007 wird weltweit das wärmste Jahr, Grund verstärkter ElNino;
Welternährungsorganisation FAO Studie: weltweit erzeugen 1,5 Milliarden Rinder, 1,7 Milliarden Schafe und Ziegen sowie unzählige Schweine und Hühner 18 % der weltweit freigesetzten Treibhausgase und somit mehr als der gesamte Transportsektor;;
auf einem Drittel der weltweit verfügbaren Ackerfläche werden inzwischen Pflanzen fürs Vieh und nicht für Menschen angebaut;
Weiden und Felder, auf denen das Viehfutter angebaut wird, bedecken inzwischen fast 30 % des Festlandes;
Viehwirtschaft für 9 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich; viel entscheidender ist jedoch Methangas, das Wiederkäuer bei der Verdauung freisetzen
(taz 5.1.07)

·       früherer Weltbank-Chef Nicholas Stern, Studie 700 Seiten; Kosten unterlassenen Handelns beim Klimaschutz auf jährlich mindestens 5% des BIP beziffert; könnte bis auf 20% steigen;
Anstrengungen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, kosten nur etwa 1% des BIP im Jahr;
“es ist immer noch Zeit, die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, wenn entschiedenes kollektives Handeln jetzt beginnt
(energiedepesche 4/06 S.34)

·       NASA-Studie: auf der Erde ist es so warm wie seit 12.000 Jahren nicht mehr;
Durchschnittstemperatur auf der Erde in den letzten 30 Jahren um 0,2 Grad gestiegen;
steige die Temp. um ein weiteres Grad, sei die höchste Temperatur seit einer Million Jahren erreicht; bei vergleichbaren Temperaturen vor rund 3 Millionen Jahren habe der Meeresspiegel um rund 25 Meter höher gelegen als heute
(energiedepesche 4/06 S.35)

·       Der britische Ökonom Nicholas Stern hat Zahlen für mögliche Klimaschäden vorgelegt ...
5,5 Billionen Euro (jährlich JK) könnte es kosten, wenn die Menschheit weiterhin so gewaltige Mengen an Klimagasen in die Atmosphäre pumpt. Das sind 20% ihrer gesamten Wirtschaftskraft. Zum Vergleich: Während der großen Depression der dreißiger Jahre hat die Weltökonomie in ähnlichem Umfang eingebüßt. ...
“Der Klimawandel ist das größte Marktversagen, das es je gab.“
Investitionen von 1% der Weltwirtschaftskraft jährlich würden bereits reichen, um das Schlimmste noch abzuwenden.
Treibhausgasemissionen durch Verkehr: 23,9% gestiegen seit 1990 (UNO);
(Spiegel 45/2006 S.78ff)

·       Studie N. Stern:
Klimawandel könnte bis zu 200 Millionen Menschen in die Flucht treiben, bis zu 40% aller Arten droht das Aussterben;
(taz 31.10.06)

·       UN-Klimabericht:
bis 2100 Erwärmung weltweit 3 Grad (ohne drastische Senkung der Emissionen);
Folgen: Alpen in 60 Jahren eisfrei; Sommertemperatur in Deutschland deutlich über 40 Grad; Pegel der Nordsee stiege um 43 cm bis 2100; in Europa 80-90% weniger Schneefall;
(taz 25.9.06)

·       Martin Rees, Präsident der Royal Society England:
Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre unter 550 ppm halten;
Entwicklung neuer Energiequellen mit der ähnlichen Priorität verfolgen wie die Amerikaner den Flug zum Mond in den 1960er Jahren;
ich hätte nichts dagegen, wenn in Deutschland oder England neue Reaktoren gebaut würden. Aber die Vision Tausender neuer Reaktoren in Entwicklungsländern macht mich nicht gerade enthusiastisch, vor allem wegen der drohenden Weiterverbreitung von Atomwaffen. Die Gefahr eines Atomkriegs macht mir immer noch Sorgen. Ich galube deshalb nicht, dass die Kernkraft wesentlich zur Lösung  des Klimaproblems beitragen kann – zumal selbst 5000 neue Kernkraftwerke nur einen kleinen Teil des globalen Energiebedarfs decken können. Hingegen kann die Kernfusion auf lange Sicht ein Teil der Lösung sein. Mehr Geld würde das Fusionsprogramm um 10 bis 15 Jahre beschleunigen.;
Ich galube, das wir uns nicht um die Welt in 10.000 Jahren sorgen sollten, wohl aber um die in 100 Jahren.
(ZEIT 16.11.06 S.40)

·       Flugabgase und Klima;
in 10.000 Meter Höhe ausgestoßenes CO2 gilt als dreimal so klimaschädlich, weil es in in der Flughöhe von 8 bis 13 km langsamer abgebaut wird als am Boden emittierte Gase. 3% aller in Europa produzierten Treibhausgase stammen vom Luftverkehr;
Der Emissionshandel berücksichtigt zunächst nur Kohlendioxid. Dieses macht aber weniger als 25% des Treibhausgaseffekts der Fliegerei aus
(taz 21.12.06)

·       (14) Wer sich zum Glauben an den biblischen Gott bekennt, der darf gegenüber Ungerechtigkeit niemals gleichgültig sein und muss alle Menschen sowie die belebte und unbelebte Natur in seine Solidarität und Verantwortung einschließen.
(16) Dreischritt: „Sehen – Urteilen – Handeln“
(18) Beim Klimawandel geht es nicht um das aktuelle und lokale Wetter und dessen Schwankungen, auch nicht um die Witterung im Sinne des mittleren Wetters einiger Tage bis Wochen. Klima meint vielmehr „die Gesamtheit der Witterungen eines längeren Zeitabschnitts einschließlich der dabei auftretenden Extrema“: Es umfasst Temperatur, Niederschläge, Wind sowie Wolkenbildung, die statistisch erfasst und beschrieben werden. Der Beobachtungszeitraum beträgt dabei im Allgemeinen mindestens 30 Jahre. Das Klima ist ein höchst komplexes System, das nicht nur die Atmosphäre, sondern darüber hinaus auch die Hydrosphäre (Wasser, Meeresströmungen und Umwälzungen), Kryosphäre (Schnee, Eis und Permafrost), Landoberfläche und Biosphäre sowie deren Wechselwirkungen umfasst.
(22) Umstritten ist heute nur noch der jeweilige Anteil der anthropogenen und der natürlichen Faktoren am beobachteten Klimawandel ...
Völlig unabhängig davon, ob die Natur oder der Mensch als Hauptverursacher anzusehen sind, sind Anpassungsmaßnahmen erforderlich.
(23) Hauptursächlich für den zusätzlichen anthropogenen Treibhauseffekt sind neben Kohlendioxid (CO2) mit geschätzten 61% Methan (CH4) mit 15% und Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) mit 11% Anteil. ...
CO2 entsteht insbesondere bei der Nutzung fossiler Energieträger (75%) sowie aufgrund von Waldrodungen und Waldbränden (25%) ... Methan resultiert ebenfalls aus fossiler Energie (27%), aber auch aus Massentierhaltung (23%), Reisanbau (17%), Abfällen (16%), Biomasseverbrennung (11%) und Tierexkrementen (6%), auch auftauende Permafrostgebiete setzen größere Mengen gespeicherten Methans frei;
(33) Ohne eine drastische Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes werden sich weltweit die Kosten des (anthropogenen) Treibhauseffekts auf über 300 Milliarden Dollar jährlich belaufen (Bericht UNEP 2000; darin ist sogar von vielen hundert Milliarden Dollar jährlich die Rede);
(35) „Das Klima ist ein Gut, das geschützt werden muss“, heißt es im neuen Kompendium der kirchlichen Soziallehre (Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden 2006);
(36) Da die Schöpfung einen Wert in sich hat, erstreckt sich die menschliche Verantwortung auch auf die natürliche Mitwelt, die der Mensch nicht nur als Mittel zur Erreichung seiner Ziele und Zwecke behandeln darf (erweiterter Kategorischer Imperativ);
Aufgrund seiner umfassenden und langfristigen Auswirkungen ist der Klimawandel ein zentraler Brennpunkt der Schöpfungsverantwortung.
(39) beim Klima handelt es sich um eine klassische Allmende. Alle profitieren von seinem Schutz, aber jeder Einzelne kann mehr (kurzfristigen) Nutzen daraus ziehen, wenn er auf erhaltende Maßnahmen verzichtet oder ihnen zuwider handelt.
(40) UN-Deklaration von Rio 1992:
“Drohen schwerwiegende oder bleibende Schäden, so darf der Mangel an vollständiger wissenschaftlicher Gewissheit kein Grund dafür sein, kostenwirksame Maßnahmen zur Vermeidung von Umweltverschlechterungen aufzuschieben.“
(47) Die neuen Stichworte des internationalen Klimamanagements heißen deshalb Minderung des Ausstoßes (mitigation) und Anpassung an die Folgen (adaptation);
(52) Fugverkehr schon jetzt für geschätzte 9% der menschengemachten globalen Erwärmung verantwortlich
(59) Angesichts der Dringlichkeit der Probleme ist die katholische Kirche bisher hinter dem Möglichen und Notwendigen zurückgeblieben. Hinsichtlich der Reflexion und Praxis des Klimaschutzes besteht ein erheblicher Nachholbedarf.
(68) Klimabündnis:
Die katholische Kirche sollte mit der evangelischen Kirche und überkonfessionellen Einrichtungen – mit den Klimaschutzinitiativen der EKD, des Europäischen Christlichen Umweltnetzwerkes und des Ökumenischen Rates der Kirchen -, mit anderen Religionsgemeinschaften sowie den Umweltverbänden und Entwicklungsorganisationen und staatlichen Einrichtungen für eine Klimaschutzkampagne in Deutschland und Europa zusammenarbeiten.
(Die Deutschen Bischöfe: Der Klimawandel: Brennpunkt globaler, intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit, Kommission Weltkirche Nr.29, September 2006) http://www.dbk.de/schriften/data/01352/index.html

·       US-Energieministerium:
weltweiter Energiebedarf könnte bis 2030 gegenüber 2003 um 71% steigen;
IEA: CO2-Ausstoss könnte sich bis 2030 gegenüber 1990 verdoppeln
(energiedepesche 3/06 S.4)

·       Energieverbrauch Haushalt Deutschland
(2-3 Personen, zu den hier betrachteten direkten Energieverbräuchen kommen pro Person noch 140% Energieverbrauch in Industrie, Handel und Gewerbe hinzu

 

Heizen
92 m2

Auto
11353 km
(nur Benzinkosten)

Warmwasser

Haugeräte

gesamt

Verbrauchs-Anteil in Prozent

51,8

29,6

7,2

11,4

100,0

kWh

 

 

 

 

30.724,8

Kosten Euro pro Jahr

955,0

1269,6

178,1

682,5

3085,2

Kostenanteil %

31,0

41,2

5,8

22,1

100,0

(energiedepesche 3/06 S.

·       Ozonschicht über der Antarktis wird sich frühestens 2068 regeneriert haben
(bdw 9/06 S.7)

·       die weltweit zwölf wärmsten Jahre seit dem Beginn genauer Messungen liegen alle im Zeitraum ab 1990, wobei sich der Temperaturanstieg seit 2000 noch beschleunigt.;
NASA: nie in den letzten 10.000 Jahren war es auf der Welt so warm wie heute;
Gegenwärtig verbrennt die Menschheit jedes Jahr so viele fossile Brennstoffe, wie sich in einer Million Jahren Erdgeschichte gebildet haben.;
“Jeder (Mensch) hat das gleiche Recht auf Emission“ (Graßl);
das optimistischste Szenario für die Zukunft ergibt einen globalen Temperaturanstieg von 1,4 Grad; schon bei 2 Grad beginnt das Grönlandeis zu schmelzen; jedes Grad mehr lässt den Meeresspiegel um 60 cm steigen;
in Sachsen wird es wärmer, trockener, teils extremer
(Sächsische Zeitung Dresden 25.11.06 M2)

·       beide große Kirchen in Deutschland zusammen (ohne Verkehr) verantwortlich für 18 Mill. Tonnen CO2 = 3-4% der energiebedingten Emissionen in Deutschland; = etwa so viel, wie Slowenien emittiert
(taz 28.11.06)

·       David King, Wissenschaftsberater von Tony Blair:
ab 2040 werden heiße Sommer wie der von 2003 den Wärmedurchschnitt bilden;
Klimawandel ist das größte Problem, mit dem unsere Zivilisation je konfrontiert war;
britische Regierung hat sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 60% zu verringern;
Verbraucher senden mit ihren Kaufentscheidungen wichtige Signale an die Wirtschaft;
die Temperatur der Erde hat sich in den letzten hundert Jahren um etwa 0,8 Grad erhöht, davon gehen etwa 0,6 Grad auf das Konto des Menschen;
2005 war weltweit bisher das wärmste Jahr;
(Der Tagesspiegel 20.9.06 Beilage Klima im Wandel)

·       vor 30.000 Jahren schwankte das lokale Klima in Europa nach Änderungen der Meeresströme mehrmals um fast 10 Grad innerhalb eines Jahrzehnts;
die heutige Blüte der Kulturen ist nicht zuletzt 10.000 Jahren ruhigem Klima zu verdanken;
die Klimamodelle bilden nur dann getreu die Erwärmung der letzten 150 Jahre ab, wenn sie (neben natürlichen Ursachen JK) menschliches Zutun einkalkulieren;
der nächste große Bericht des UN-Klimarats IPCC (erscheint 2007) wird die Klimasensitivität auf  2 bis 4,5 Grad beziffern (Temperaturanstieg bei Verdopplung der CO2-Konzentration in der Atm.);
Forderung Klimaforscher: Halbierung der globalen Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts; Übergang zur kohlenstofffreien Wirtschaft 50-100 Jahre Zeit;
anders David King (England): es ist wahrscheinlich jenseits unserer Möglichkeiten, unter der 2-Grad-Grenze zu bleiben
(Zeit 12.10.06 S. 43)


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·       niemals war es im Oktober in der Nordsee so warm; 14,2 Grad in einem Meter Tiefe; 3 Grad über dem Durchschnitt der Jahre seit 1920
(taz 6.11.06)

·       in Großbritannien hat Premierminister Tony Blair den Kampf gegen die Klimaerwärmung zur wichtigsten Aufgabe der Welt erklärt
(taz 31.10.06)

·       der Beginn der Jahreszeiten in Europa hat sich wegen der Klimaerwärmung in den letzten Jahrzehnten um bis zu einer Woche verschoben; Frühjahr beginnt 6-8 Tage früher als vor 30 Jahren; Herbstbeginn hat sich um drei Tage nach hinten verschoben
(taz 1.9.06)

·       Eisbohrkerne Antarktis: Konzentration von CO2 in der Atmosphäre in den letzten 800.000 Jahren maximal um 30 ppm geschwankt, jeweils über einen Zeitraum von 1000 Jahren; eine solche Zunahme trat nun innerhalb der letzten 17 Jahre auf;
IAEO Prognose: Anstieg des jährlichen CO2-Ausstoßes um 195% bis 2050; Konzentration dann 750 ppm; um die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, dürften 450 ppm nicht überschritten werden
(taz 6.9.06)

·       Schellnhuber: soll die 2-Grad-Wärmegrenze nicht gerissen werden, dürfte jeder Mensch jährlich nur noch 2000 kg CO2 emittieren (Deutschland derzeit mehr als 10.000, USA mehr als 20.000 kg/Kopf x Jahr)
(Zeit 10.8.06 S.18)

·       Naturkatastrophen; mit rund 60% machen meteorologische Ursachen wie Orkane, Wirbelstürme, Hochwasser sowie Sturm- und Springfluten den größten Anteil aus
(bdw 4/06 S.60)

·       wenn Grönland-Eis komplett abschmilzt, Meeresspiegelanstieg global 6,5 Meter
(taz 11.8.06)

·       Kaliforniens Gouverneur Schwarzenegger unterschrieb eine Verordnung,  mit der sich Kalifornien dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25% zu verringern und bis 2050 sogar um 80%
(Zeit 10.8.06 S.49)

·       Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul Crutzen will 1 Million Tonnen Schwefel(dioxid) pro Jahr in 10-15 km Höhe freisetzen (1% der heute am Boden ausgestoßenen Menge), um damit die Erderwärmung zu bremsen; Kosten jährlich 25-50 Mrd. Dollar;
(Spiegel 28/06 S.116)

·       (7) warme Episoden z.B. Klimaoptimum der Römerzeit (1 Grad wärmer als heute) und das mittelalterliche Optimum (Temp. im Mittel wie heute);
1350 bis 1850 Nordhemisphäre „kleine Eiszeit“ (1 Grad kälter);;
(9) wärmste Jahre global: 1998, 2002, 2003, 2001, 1997, 1995, 1990, 1999, 2000, 1991, 1994 (seit Beginn der Messungen 1861);
Erhöhung der Temp. in Deutschland in den letzten 100 Jahren um 0,9 Grad;
in den letzten 30 Jahren Winter um 1,5 Grad wärmer geworden;
2000 war das wärmste Jahr in Deutschland;
(13) 80% der Veränderungen der globalen Lufttemp. durch anthropogene Einflussgrößen erklärbar, wobei der 60% auf den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt zurückgeführt werden können;
Anteil am anthropogenen THE: CO2 64%, CH4 19, N2O 4, FCKW-11 3, andere 10;
(37) bei einem Anstieg der Mitteltemp. um etwa 2 Grad muss mit einer Zunahme der Extremereignisse um etwa 50 bis 100 % gerechnet werden;
(45) Die Lufttemperatur war seit 1761 in Deutschland noch nie so hoch wie im Sommer 2003
(56) Pflanzen blühen früher, Spätfröste werden bleiben ...
Für die Süßkirschen ergibt sich beispielsweise nahezu eine Versechsfachung der Frostgefahr (bei Äpfeln Verdopplung)
(94) ein Anstieg der Jahresmitteltemperatur um 1,5 Grad würde bedeuten, dass die betroffenen Arten eine Distanz von 125 km überwinden müssten, um auf entsprechende Standorte zu treffen und damit das langfristige Überleben zu sichern;
als Folge der Verlagerung der Klimazonen ist bei einer Temperaturerhöhung um 1 Grad von einer Verschiebung der Vegetationszonen um etwa 200 bis 300 km polwärts beziehungsweise 200 Höhenmeter auszugehen;
(Klimawandel in Sachsen, Sachstand und Ausblick, SMUL 2005)

·       Lagerung von Kohlendioxid
a) unter hohem Druck in Kohleflöze pressen
b) in alte, ausgebeutete Gaskavernen pressen
c) Verklappung in der Tiefsee (in mehreren tausend Metern Tiefe ist CO2 flüssig und schwerer als Wasser)
Deutschland Kraftwerke Ausstoß CO2 etwa 250 Millionen Tonnen pro Jahr;
derzeit beste Braunkohlekraftwerke etwa 50% Stromwirkungsgrad; Abtrennung und Lagerung von CO2 würde etwa 8% Wirkungsgradverlust bedeuten (20-25 Euro je Tonne CO2);
Kapazität der Lagerung in alten Kohle-, Öl- und Gaslagerstätten schätzt der IPCC auf 2000 Gt = 70 x so viel, wie derzeit weltweit vom Menschen freigesetzt wird;
(Spiegel 48/2005 S.154)

·       Beirat der Bundesregierung: beim großtechnischen Einsatz der CO2-Sequestrierung könnten Stromkosten um 40-100 % steigen;
Kosten zwischen 75 bis 250 Euro je Tonne CO2;
fehlende Lagerstätten in großem Umfang in Deutschland
(taz 10./11.12.05)

·       2005 war das wärmste der letzten 1000 Jahre;
allein in den vergangenen 100 Jahren hat sich die Erdatmosphäre um 0,8 Grad erwärmt;
seit Mitte der 1970er Jahre ist das arktische Packeis um ein Fünftel geschrumpft;
Latif (MPI Hamburg) schreibt zwei Drittel der Erderwärmung dem Menschen zu, ein Drittel der Natur, vor allem der verstärkten Sonneneinstrahlung;
1 Grad Temperaturanstieg in den nächsten 100 Jahren sind bereits „eingerührt“
(taz 16.12.05)

·       mit jedem Grad Erwärmung kann die Luft 7 % mehr Wasser halten;
extremer Sommer 2003 forderte in Europa 30.000 Menschenleben;
das 2-Grad-Ziel ist seit dem Luxemburger Ratstreffen vom Juni 1996 das offizielle (und seither mehrfach bekräftigte) Klimaschutzziel der EU;
(taz 18.11.05)

·       Erwärmung um 1,4 bis 5,8 Grad bis 2100 ... selbst am unteren Ende dieser Spanne ist noch das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes und damit einem Anstieg des Meeresspiegels um langfristig bis zu 7 Meter zu befürchten;
würden wir nicht handeln, könnten allein die volkswirtschaftlichen Schäden ab 2050 weltweit die Größenordnung von mehreren Billionen Euro pro Jahr erreichen, davon ca. 100 Milliarden Euro allein in Deutschland;
(Umweltbundesamt Oktober 2005: 21 Thesen zur Klimaschutzpolitik des 21. Jahrhunderts)

·       die Ereichung des 2-Grad-Ziels führt mit 75% Wahrscheinlichkeit zur Vermeidung eines abrupten Klimawandels;
Klaus Töpfer Zitat: „Das Wirtschaften auf der Basis der heutigen Energiepolitik ist ein Selbstmordprogramm“;
(sächsischer Klimaforscher W. Küchler, Freiberg 3.11.05)

·       (4) Religion entsteht überall da, wo Menschen im Gefühl einer „schlechthinnigen Abhängigkeit“ (Schleiermacher) leben;
(6) in der Bibel finden wir Gott ganz nahe beim Wetter. Und das nicht nur, wo es um Saat und Ernte, Frost und Hitze geht, sondern überall in der Natur, auch bei den Naturgewalten, bei den Naturkatastrophen;
(7) Gott schließt den Bund nach der Sintflut (Gen 9) nämlich nicht mit den Menschen, jedenfalls nicht zuerst und nicht exklusiv. Sondern „zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier“ (Gen 9,16) oder sogar nur „zwischen mir und der Erde“ (Gen 9,13). Und das hebräische Wort, das im Urtext für „Bogen“ steht, beinhaltet keineswegs die runde Form, etwa das Symbol für künftige allumfassende Harmonie zwischen Gott und Menschen, sondern bedeutet „Kriegsbogen“, meint also eine Waffe. ... Nicht zur Beruhigung der Menschen hängt der Bogen zwischen den Wolken, sondern um Gott daran zu erinnern, dass er .... diesem Treiben Einhalt gebietet, notfalls mit Gewalt;
(8) Naturphänomene: Blitz und Donner, Vulkane, Erdbeben, Stürme, Flutwellen. Diese Symbole führen uns vor Augen, welchen überlegenen Mächten wir kleinen Menschen gegenüberstehen;
(10) Unausweichlichkeit des Wetters und Machtlosigkeit des Menschen ... ständige und totale Herausforderung;
(13) so hat sich der (mittlere Zeitpunkt der Blattentfaltung der Rotbuche zwischen 1978 und 2003 vom 11. Mai auf den 27. April vorverlagert;
(15) Bauernregeln ... was meinten unsere Vorfahren mit „lind“, fein“, „freundlich“? welche Auswirkungen hatte die Einführung des Gregorianischen Kalenders 1582 (das Datum welcher Rechenart gilt?)?;
(22) wenn Paulus von „Klima“ sprach, meinte er damit die „Gegend“ oder den „Landstrich“ --- heute fasst man darunter die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Atmosphäre, Hydrosphäre usw. zusammen, die eine Gegend prägen;
(23) aus landwirtschaftlichen Quellen wurden in Deutschland 2004 etwa 42 Mill t CO2, 1,2 Mill t CH4 und 0,13 t N2O freigesetzt; entspricht zusammen einem Anteil von 9-10 % der CO2-Äquivalente in Deutschland;
(Kirche im ländlichen Raum, Heft 1/06: „Wetter-Aussichten“, Altenkirchen)

·       Tropeninstitut München: sogar Infektionskrankheiten wie Malaria könnten in Deutschland heimisch werden, angeblich wurden Anopheles-Mücken, die die Krankheit übertragen, bereits in Bayern und Nordrhein-Westfalen gefunden
(Freie Presse Chemnitz 8.1.07)

·       Anteil des Flugverkehrs am weltweiten Ausstoß an Treibhausgasen liegt bei 5%
(Blätter für deutsche und internationale Politik 7/2005, Umweltinformation)

·       Das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2005 um 25 % zu senken, stammt noch aus der Zeit, als Frau Merkel (unter Kanzler Kohl) Umweltministerin war;
in ihrem Klimaschutzprogramm 1995 heißt es:
“Alle vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen gehen davon aus, dass das Klimaschutzziel mit den bisher bereits verabschiedeten Instrumenten nicht erreicht werden kann. Vor diesem Hintergrund ist die Einführung einer CO2/Energiesteuer ein notwendiges Element der nationalen Klimaschutzpolitik“;
Merkel forderte 1997, die Benzinsteuer solle jährlich um 5 Pfennig steigen;
(Das Parlament 16.6.2000)

·       Der Flugverkehr schädigt das Klima doppelt so stark wie bislang angenommen. Forscher von 10 renom­mierten Forschungsinstituten stellten in einer Studie im Auftrag der Europäischen Kommission fest, dass die Wolkenbildung viel kritischer ist als bisher angenommen. Dabei handelt es sich nicht nur um die weit­hin sichtbaren Kondensstreifen, sondern um Schleierwolken in einer Reisehöhe von gut acht Kilometern. Sie spielen beim Treibhauseffekt eine fünfmal so große Rolle wie das (beim Flug erzeugte) Kohlendioxid. Dazu kommt die aufheizende Wirkung von Stickoxiden und Wasserdampf aus den Triebwerken. Die Er­kenntnis bedeutet: Der Flugverkehr erreichte bereits im Jahre 2000 einen Anteil von 9 % an der derzeiti­gen Erwärmung (bisher waren 3,5 % angenommen worden).
(die tageszeitung, Berlin 12.3.2004)

·       „Der Klimawandel ist das größte Problem, dem die Welt entgegensieht.“
(Tony Blair, Premierminister
Großbritanniens, Unterhaus 7.7.2004)

·       Die Erkenntnis, dass der Mensch das Klima verändert, ist inzwischen auch in den Köpfen der Politiker verankert. Die Klimaproblematik steht mittlerweile auf der Tagesordnung der Weltpolitik ganz oben. Das wurde besonders deutlich, als 1992 insgesamt 154 Länder das „Rahmenübereinkommen zu Klimaveränderungen“ der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro unterzeichnet haben. In dieser Klimakonvention heißt es unter anderem:

·       Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC)
Artikel 2:
„Das Endziel dieses Übereinkommens ist es, die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene (d.h. vom Menschen verursachte JK) Störung des Klimasystems verhindert wird.“
Dieser Satz ist eigentlich eine Sensation, denn er besagt, wenn man ihn zu Ende denkt, dass man sofort eine radikale Reduzierung der weltweiten Treibhausgas-Emissionen (Emission = Ausstoß) vornehmen müsste. Nur dann nämlich könnte man die Treibhausgas-Konzentrationen auf dem erforderlichen niedrigen Niveau stabilisieren.

·       Die Konvention von Rio trat am 21.3.1994 in Kraft und ist für die inzwischen 186 Unterzeichnerstaaten (Stand Anfang 2004) – auch für Deutschland - verbindliches Völkerrecht. Seither finden jährlich internationale Klimakonferenzen statt. Während die Konvention von Rio noch eine Absichtserklärung war, wird das Protokoll von Kyoto von 1997 schon kon­kreter. Darin verpflichten sich die Industrieländer, des Treibhausgasausstoß im Zeitraum bis 2012 im Durchschnitt um 5,2 Prozent gegenüber den Emissionen von 1990 zu reduzieren. Lange konnte das Abkommen nicht in Kraft treten, weil die USA und einige andere Staaten ihre Mitwirkung verweigerten – nach dem Beitritt von Russland jedoch wurde es am 16.2.05 wirksam.

·       Die EU verabschiedete am 11.6.2002 ihr Umweltaktionsprogramm bis 2012. Darin stehen unter anderem folgende Zielsetzungen:
+ langfristig: soll die globale Temperaturerhöhung maximal + 2 Grad betragen (da bereits eine Erhöhung um 0,6 Grad vorliegt, bleibt noch ein „Spielraum“ von 1,4 Grad).
+ langfristig: die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre soll auf maximal 550 ppm begrenzt werden (heute: etwa 370 ppm)
+ langfristig: Reduzierung der Treibhausgasemissionen um – 70 % bezogen auf den Ausstoß des Jahres 1990
+ bis 2010:
mindestens 12 % des gesamten Energieverbrauchs und 22 % der Stromerzeugung sollen durch erneu­erbare Energien erfolgen; 18 % des Stroms aus Kraft-Wärme-Kopplung

·       Die Bundesregierung hat sich anspruchsvolle Ziele gesetzt, die weit über die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls hinausgehen. Der Ausstoß des wichtigsten Treibhausgases – Kohlendioxid – soll bis 2005 (gegenüber dem Stand von 1990) um 25 % gesenkt werden. Außerdem will die Regierung bis 2050 den Anteil erneuerbarer Energien am Ge­samtverbrauch auf 50 % steigern, 2020 sollen es bereits 20 % sein.

·       VATTENFALL – einer der größten europäischen Energiekonzerne – gab Pläne zum Bau des weltweit ersten Braunkohlekraftwerks am ostdeutschen Standort „Schwarze Pumpe“ bekannt, das kein Kohlen­di­oxid mehr in die Luft pustet (das reine Abgas wird unter Druck verflüssigt und in tiefen Erdschichten ver­presst).
Der
Aufsichtsratsvorsitzende: „Das alles überlagernde Problem unserer Zeit ist der Klimawandel“. Er for­derte mehr Engagement von den europäischen Energiekonzernen. „Wir können das nicht allein den Um­weltschützern und der Politik überlassen“. Es sei klar, „dass Europa seinen Kohlendioxidausstoß langfris­tig bis zu 90 Prozent reduzieren muss.“
(taz 20.5.05)

·       Der schwedische Wirtschaftsminister (Vattenfall ist ein Staatsunternehmen): „Ein Energieunternehmen, dem die Einsicht in die Klimaproblematik und für den Bedarf eines größeren Anteils erneuerbarer Ener­gien fehlt, hat keine Zukunft“
(energiedepesche 6/05 S.4).

·       1998 platzte die Bombe. Der Ölkonzern SHELL trat aus der Industrie-Lobby-Gruppe „Global Climate Co­alition“ aus, die in den USA und auf internationalem Parkett gegen Klimaschutzmaßnahmen kämpft. SHELL steht neuerdings zum Kyoto-Protokoll und sieht auch für die Industrie große Chancen besonders beim weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien.
„SHELL hat 1997 aus drei Gründen beschlossen, „Erneuerbare Energien“ als neuen fünften Geschäfts­zweig aufzu­bauen (neben Erdöl- und Erdgasförderung, Mineralöl, Kohle und Chemie):
1. Die Endlichkeit von Öl-
und Gasressourcen wird im Laufe des nächsten Jahrhunderts spürbar.
2. Bevor Knappheiten zu erheblichen Verteuerungen führen, werden die durch CO2 und Methan ausge­lösten Klima­veränderungen zu einer Forderung nach Drosselung der Verbrennung fossiler Brennstoffe führen.
3. Regenerative
Energien haben weltweit eine große Marktchance.“
In einer von SHELL
erstellten Prognose steigt der Weltenergieverbrauch von 2000 bis 2060 zwar auf das 2,7-fache, aber eine klare Wende deutet sich an: der Verbrauch im Jahr 2060 wird zu zwei Dritteln nicht mehr aus Kohle, Öl, Gas und Kernenergie, sondern aus erneuerbaren Energien gedeckt!

 

 

 

 

 

 

 

·      

1999 wurde von SHELL in Gelsenkirchen die weltgrößte Fabrik zur Herstellung von Solarzellen in Betrieb genommen. Der Ölmulti ist (2004) einer der zehn größten Windkraftproduzenten der Welt und verkauft weltweit ein Zehntel aller Solaranlagen. Im Herbst 2004 nahm er bei Leipzig die weltgrößte Anlage zur Sonnenstromerzeugung in Betrieb. „Wir müssen im 21. Jahrhundert auf die erneuerbaren Energien um­steigen“, sagt Kurt Döhmel, Chef von Shell Deutsch­land. Inzwischen beteiligt sich der Konzern auch am Aufbau eines großen Windenergieparks vor der britischen Küste und ist Gesellschafter bei der Freiberger Firma CHOREN, die aus Abfällen und Biomasse flüssige Treibstoffe herstellt.
(Fritz Vahrenholt: Globale Marktpotentiale für erneuerbare Energien, Deutsche Shell AG 1999;
ÖkoTest Magazin 8/2004 S.111, taz 7./8.11.98)

·       Deutscher Bundestag, Enquete-Kommission „Nachhaltige Energieversorgung“, (aus dem Endbericht 2002)
+
„Ergebnis, dass in einem modernen Industrieland eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 80% technisch realisierbar und wirtschaftlich machbar ist, auch unter Berücksichtigung des vereinbarten Ausstiegs aus der Kern­energie.“ (S.27)
+ „Notwendig ist (zur Stabilisierung des Weltklimas) den weltweiten CO2-Ausstoß bis 2050 gegenüber dem heutigen Niveau
um etwa 50% zu senken. ... in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40% ... bis 2050 um 80% gegenüber 1990 reduziert werden müssen.“
+ „Dabei
entstehen keine untragbaren wirtschaftlichen Kosten.“ (S.36, 60)
+ „Der Anteil erneuerbarer Energiequellen soll im Jahr 2050 mindestens 50% des Primärenergieverbrauchs betra­gen.“ (S.45)
+ „Szenarien: Auf die Kernkraft kann verzichtet werden. ... Eine solare Vollversorgung ist möglich.“ (S.46)
+ „Szenario unter
Einbeziehung neuer Atomkraftwerke ab 2010 erarbeitet: Neubau von 52 bis 60 neuen AKW bis 2050.“ (S.65)

·       Hurrikan – „Rekordjahr“ 2005
+ noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen (1851) gab es so viele tropische Wirbelstürme im Atlantik: 26
+ noch nie wuchsen so viele zur vollen Hurrikanstärke heran: 13
+ noch nie gab es drei der schlimmsten Kategorie (5) in einem Jahr
+ noch nie wurde ein so intensiver Hurrikan gemessen wie WILMA mit nur 882 Millibar Zentraldruck (18.10.05)
+ mit VINCE entstand erstmals ein Tropensturm nahe Europa (wurde bei Madeira am 9.10.05 zum Hurrikan und traf – in abgeschwächter Form – in Spanien aufs Land)
+ Mit DELTA „verirrte“ sich Ende November erstmals ein Tropensturm zu den Kanarischen Inseln
(Stefan Rahmstorf taz 18.11.05)

·       Landesamt für Umwelt und Geologie Sachsen: „Klimawandel in Sachsen – Sachstand und Ausblick 2005“, http://www.umwelt.sachsen.de/de/wu/umwelt/lfug/lfug-internet/documents/Klimawandel_ges.pdf

 

·       die 10 wärmsten Jahre seit 1880 (weltweite Durchschnittstemperaturen):
2005, 1998, 2002, 2003, 2006, 2004, 2001, 1990, 1995, 1999 (NASA);
tipping points = Kippschalter, die eine unkontrollierte Eigendynamik freisetzen können:
+ Abschmelzen des grönländischen Eisschildes (Meeresspiegelanstieg um mehrere Meter);
+ Auftauen des sibirischen Permafrostbodens (Freisetzung von riesigen Mengen des Treibhausgases Methan);
+ Verschwinden des Regenwaldes am Amazonas (Trockenheit);
Verpflichtungen in Klimakonventionen: Industrieländer wollten ihre Emissionen bis 2000 auf das Niveau von 19990 zurückführen, stattdessen stoßen USA heute fast 16 % mehr aus, EU-Staaten konnten die Zusage zwar einhalten (aber nur wegen des Zusammenbruchs der ostdeutschen Wirtschaft); weltweiter Ausstoß heute rund ein Viertel höher als vor 15 Jahren (27 Mrd. Tonnen CO2);
(ZEIT 11.1.07 S.3)

·       in den letzten 100 Jahren in Deutschland durchschnittliche Temperatur um 0,9 Grad zugenommen
(Umweltbundesamt Jahresbericht 2003, S.20)

·       Methan bildet sich im ersten der vier Mägen von Wiederkäuern: 1 Schaf etwa 7 kg pro Jahr, 1 Rind stößt 114 kg pro Jahr aus
(bdw 12/04 S.13)

·       die Schweizer Gletscher haben zwischen 1985 und 2000 rund 18 % ihrer Fläche verloren (Satellitenbilder); Alpenraum insgesamt 22%
(Deutscher Sportbund: Sport schützt Umwelt 75/Dez.2004 S. 12)

·       Orkantief Kyrill; Gespräch mit Thomas Loster, Klimaexperte Münchner Rückversicherung;
bei Schneebedeckung wird die Luft schnell kalt und dicht und es bildet sich über ganz Europa eine Art Schild aus schwerer Luft, den Stürme normalerweise nicht durchdringen; wenn aber der Schnee fehlt, dann können sich viel mehr Stürme, die sonst nach Norwegen oder Italien abgedrängt werden, über Mitteleuropa austoben
(Freie Presse Chemnitz 19.1.07)

·       CO2-Ausstoß EU im Verkehrsbereich seit 1990 um 26% gestiegen, Stromwirtschaft nur +6%, Haushalte fast konstant, Industrie sogar minus 9%;
EU peilt für PKW 120 Gramm CO2 pro Kilometer an; derzeit zwischen 116 (Smart) und 297 Gramm (Porsche), Durchschnitt 161;
Verband der Automobilhersteller hatte sich zu 140 g/km bis 2008 für Neuautos verpflichtet
(ZEIT 18.1.07 S.28)

·       die globale Viehhaltung ist ein Umweltverschmutzer ersten Ranges; gehört bei den schwersten Umweltproblemen  zu den wichtigsten 2 oder 3 Faktoren (FAO);
Rinder: allein die Rodung von Wäldern für Weiden und Ackerland entlässt nach FAO-Daten jährlich 2,4 Milliarden Tonnen CO2 in die Luft;
das Gas Methan, das bei der Verdauung entsteht und die Atmosphäre mehr als 20 mal so stark aufheizt wie CO2, entweicht den weltweiten Wiederkäuern mit einer Treibhauswirkung von rund 2 Milliarden Tonnen (wohl bezogen auf CO2);
globaler Rinderbestand bedeutet Belastung für das Weltklima (durch Rodung und Methan), die der der Einwohner von Indien, Japan und Deutschland zusammen entspricht;
Beitrag der gesamten Tierhaltung weltweit: 18% am gesamten globalen Treibhauseffekt, mehr als der Verkehr und fast so viel wie die USA;
Rinder geben mit Methan bis zu 20% der Nahrungsenergie ab, aller 40 Sekunden ein „Bäuerchen“, pro Tag bis zu 250 Liter Methan;
fast ein Drittel der eisfreien Erdoberfläche ist mit Viehweiden bedeckt, und auf 33% der Ackerfläche wird Futter fürs Vieh angebaut;
ein Drittel der weltweiten Getreideernte landet in Viehmägen, jährlich 77 Millionen Tonnen Nahrung, die auch Menschen essen könnten
(ZEIT 18.1.07 S.21)

·       die 10 wärmsten Jahre seit 1880 (weltweite Durchschnittstemperaturen):
2005, 1998, 2002, 2003, 2006, 2004, 2001, 1990, 1995, 1999 (NASA);
tipping points = Kippschalter, die eine unkontrollierte Eigendynamik freisetzen können:
+ Abschmelzen des grönländischen Eisschildes (Meeresspiegelanstieg um mehrere Meter);
+ Auftauen des sibirischen Permafrostbodens (Freisetzung von riesigen Mengen des Treibhausgases Methan);
+ Verschwinden des Regenwaldes am Amazonas (Trockenheit);
Verpflichtungen in Klimakonventionen: Industrieländer wollten ihre Emissionen bis 2000 auf das Niveau von 1990 zurückführen, stattdessen stoßen USA heute fast 16 % mehr aus, EU-Staaten konnten die Zusage zwar einhalten (aber nur wegen des Zusammenbruchs der ostdeutschen Wirtschaft); weltweiter Ausstoß heute rund ein Viertel höher als vor 15 Jahren (27 Mrd. Tonnen CO2);
(ZEIT 11.1.07 S.3)

·       in den letzten 100 Jahren in Deutschland durchschnittliche Temperatur um 0,9 Grad zugenommen
(Umweltbundesamt Jahresbericht 2003, S.20)

·       Methan bildet sich im ersten der vier Mägen von Wiederkäuern: 1 Schaf etwa 7 kg pro Jahr, 1 Rind stößt 114 kg pro Jahr aus
(bdw 12/04 S.13)

·       die Schweizer Gletscher haben zwischen 1985 und 2000 rund 18 % ihrer Fläche verloren (Satellitenbilder); Alpenraum insgesamt 22%
(Deutscher Sportbund: Sport schützt Umwelt 75/Dez.2004 S. 12)

·       Bush-Rede zur Lage der Nation:
Energieversorgung der USA mit Hilfe neuer Technologien auf eine breitere Basis stellen, dies helfe, der „ernsthaften Herausforderung“ durch den Klimawandel zu begegnen
(taz 25.1.07)

·       IEA: 40% der globalen CO2-Emissionen aus Kohle
(Freie Presse Chemnitz 30.1.07)

·       Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover; erstellt Expertisen für das Wirtschaftsministerium in Klimafragen; skeptisch gegenüber den Fakten zum Klimawandel (Veränderungen  nur regional, auch früher schon ähnliche Ereignisse);
Klimaforscher: BGR publiziert nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, unbelegte Behauptungen;
gehören zu der kleinen, aber lautstarken Gruppe von Klimaskeptikern in Deutschland (darunter keine Klimatologen!);
(taz 29.1.07)

·       ehemaliger Konzernchef (bis 2006) von NOKIA setzt sich für Klimaschutz ein; Augen geöffnet habe ihm der Sitz im Aufsichtsrat von Royal Dutch Shell; dort gehe man schon lange davon aus, dass der Klimawandel menschengemacht sei; es bedarf radikalerer Maßnahmen, als sie bisher diskutiert werden; die Atomkraft verdient keine Renaissance;
(taz 30.1.07)

·       IPCC-Tagung: fast unvermeidlich, dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis Ende des Jahrhunderts um 2 bis 4,5 Grad steigt; auch Erhöhung um 6 und mehr Grad nicht auszuschließen; Meeresspiegel steigt um 43 Zentimeter bis 2100; indonesische Regierung meldet, dass in diesem Fall 2000 der 17.000 zu dem Staat zählenden Inseln im Meer zu versinken drohen;
UBA-Szenario: in Deutschland 1,8 bis 2,3 Grad wärmer; Mecklenburg-Vorpommern bis 40% weniger Regen
(taz 30.1.07)

·       Supermarktkette Wal-Mart will Energiesparen fördern; der weltweit größte Einzelhändler will 2007 in den USA 100 Millionen Energiesparlampen verkaufen (doppelt so viele wie 2005 (40 Millionen Energiesparlampen und 350 Millionen normale Glühlampen verkauft); Konsumenten könnten bei Erreichen des Verkaufszieles 3 Milliarden Dollar Stromkosten sparen
(taz 30.1.07)

·       Umweltinstitut Uni Innsbruck: Alpengletscher unter 4000 Metern werden bis 2050 verschwinden
(taz 23.1.07)

·       Sequestrierung: in Kohlekraftwerken wird das klimaschädliche CO2 aus den Abgasen abgetrennt und zu unterirdischen Lagerstätten transportiert und dort gelagert (z.B. in unterirdische Hohlräume verpresst);
Felix Matthes (Ökoinstitut): in den nächsten 5 Jahrzehnten können so jährlich in Deutschland 25 Millionen Tonnen und in der EU 100 Millionen Tonnenentsorgt werden;
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): in der norddeutschen Tiefebene Erdgaslagerstätten für 3 Milliarden Tonnen CO2-Speicherung; über mehrere Jahrzehnte bis zu 100 Millionen Tonnen CO2 jährlich deponieren
(Das Parlament 12.3.07 S.9)

·       Abtrennung von klimaschädlichem CO2 aus dem Rauchgas von Kraftwerken und dessen Entsorgung in geologischen Speicherformationen, beispielsweise ausgedienten Gasfeldern oder salinen Aquiferen: „Carbon Capture and Storage“ (CCS) heißt diese unterirdische Entsorgung des Klimagases in Fachkreisen;
Studie BMU:
Abscheidegrad 88%, bei Oxyfuel-Verfahren 99,5%;
Minderung der Treibhausgasemissionen (CO2, Methan, N2O): Steinkohle-Kraftwerke 67-78%; Braunkohle-KW 78%; Erdgas GUD 67%;
Mehrkosten 2020 für Steinkohle 2,5 Cent/kWh, Erdgas 1,8;
CCS wichtige Brückenfunktion, um Zeit zu gewinnen bei der Einführung von effizienteren Energiesystemen und erneuerbaren Energien
(Umwelt BMU 3-2007 S.156)

·       UN-Generalsekretär Ban Ki Moon: Der Klimawandel bedroht die Menschheit mindestens so sehr wie Kriege;
Ausstoß heute pro Kopf in der Welt: rund 4 Tonnen CO2;
2050 sollten es nur noch 1,3 Tonnen sein; die Deutschen müssten ihren Pro-Kopf-Ausstoß auf ein Achtel des heutigen Wertes mindern;
heute stoßen 80 Millionen Deutsche so viel CO2 aus wie 700 Millionen Afrikaner;
Weltwirtschaft in den letzten 15 Jahren: 1 Prozent mehr Bruttosozialprodukt erforderte immer noch ein halbes Prozent mehr Energie;
Kioto-Protokoll verliert 2012 seine Gültigkeit;
auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm Juni 2007 sitzen auch die Regierungschefs aus China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko mit am Tisch; verursachen zusammen mit G-8-Staaten 70% aller CO2-Emissionen;
Flugverkehr trägt gegenwärtig 3,5% zur Erderwärmung bei;
(Die Zeit 8.3.07 S.23)

·       Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC); Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimafragen, Regierungen beteiligt
4. Sachstandbericht Februar 2007; Arbeitsgruppe 1:
globale Erwärmung und Meeresspiegelanstieg haben sich beschleunigt, ebenso das Abschmelzen der Gletscher und Eiskappen;
es gilt als „gesicherte Erkenntnis“, dass im weltweiten Durchschnitt menschliches Handeln seit 1750 das Klima erwärmt hat – vorrangig durch den fossilen Brennstoffverbrauch, die Landwirtschaft und eine geänderte Landnutzung;
sehr wahrscheinlich wurde der größte Teil der globalen Erwärmung der letzten 50 Jahre durch den Menschen verursacht;
extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren, heftige Niederschläge sind häufiger geworden und die Intensität tropischer Stürme hat sich erhöht;
bis 2100:
weitere Erwärmung:
beste Schätzung für ein niedriges Szenario ist eine Erwärmung um 1,8 Grad (Schwankungsbreite 1,1 bis 2,9 Grad);
beste Schätzung für ein hohes Szenario: 4,0 Grad (Schwankungsbreite 2,4 bis 6,4 Grad);
Meeresspiegelanstieg:
18-38 cm für ein niedriges Szenario und 26-59 cm für ein hohes Szenario; eher schnellerer Anstieg zu erwarten
www.ipcc.ch; www.d-ipcc.de
(Umwelt, BMU, 3-2007 S.142)

·       am IPCC-Bericht 113 Regierungen beteiligt, mehr als 500 führende Klimaforscher;
Temperaturen in den letzten 50 Jahren doppelt so schnell gestiegen wie in den 100 Jahren zuvor;
CO2-Gehalt der Luft nahm seit 1750 um 35% zu, heute höher als in den letzten 650.000 Jahren;
Ziel: Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 2 Grad; „selbst das ist schon eine andere Welt“
größte Wahrscheinlichkeit für Temperaturanstieg zwischen 1,8 und 4 Grad bis 2100;
(Freie Presse Chemnitz 3./4.2.07)

·       liegen die Temperaturen langfristig 1,9 bis 4,6 Grad höher als heute, würde die Eiskappe von Grönland vollständig abschmelzen – und den globalen Meeresspiegel um 7 Meter anheben;
IPCC wurde 1988 von den UN-Behörden für Meteorologie (WMO) und Umwelt (UNEP) ins Leben gerufen: Ziel: Wissen über mögliche Klimaveränderungen zusammentragen und mögliche Gegenmaßnahmen vorschlagen; Berichte 1990, 1995, 2001; 2007;
WHO hat ermittelt, dass die weltweite Tierproduktion für 18 % der Treibhausgase verantwortlich ist – mehr als der gesamte Transportsektor verschlingt
(taz 3./4.2.07)

·       Gipfel der Staats- und Regierungschefs der EU;
alle Regierungen der EU-Staaten haben sich für das Jahr 2020 verbindlich darauf festgelegt, dass
- im EU-Energiemix 20% aus erneuerbaren Ressourcen kommen sollen
- der CO2-Ausstoß um 20% reduziert werden soll (gegenüber 1990)
(taz 10./11.3.07)

·       James Lovelock („GAIA“, einer der Vordenker der Umweltbewegung, inzwischen 87 Jahre alt):
der vom Menschen gemachte Klimawandel wird weite Teile der Welt verheeren; um 2100 werde gerade noch 1 Milliarde Menschen existieren, vielleicht sogar nur die Hälfte; Aufschub nur durch massiven Ausbau der Kernenergie;
vergangene Woche haben Chefs von Weltkonzernen wie General Electric, DuPont oder Alcoa in einem Brief an US-Präsident Bush einschneidende Maßnahmen zum Klimaschutz angemahnt;
immerhin nannte Bush den Klimawandel plötzlich eine „ernsthafte Herausforderung“;
(Der Spiegel 5/2007 S.122)

·       der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller, stellt in der Debatte über den Klimawandel die Systemfrage:
“Die kapitalistische Philosophie des „Mehr, schneller und weiter“ ist am Ende“.
(taz 20.2.07)

·       wenn die Temperaturerhöhung auf 2 Grad begrenzt werden soll, müssen die Emissionen von Treibhausgasen spätestens in 15 bis 20 Jahren deutlich zurückgehen (Bill Hare, Mitautor des IPCC-Berichtes) – so auch der noch nicht veröffentlichte 3. Teilbericht lt Freie Presse Chemnitz, 23.2.07);
weltweiter Ausstoß von Treibhausgasen nach Sektoren Stand 2004:
Industrie 19,4%; Transport 13,1%; Gebäude 7,9%, Energieversorgung 25,9%, Land- und Forstwirtschaft 30,9%;
Viehzucht: 18% der weltweit freigesetzten Treibhausgase und 80% der Emissionen innerhalb des Agrarsektors;
Rülpsen und Pupsen von 1,5 Milliarden Rindern und 1,7 Milliarden Schafen und Ziegen: schätzungsweise 80 Millionen Tonnen Methan im Jahr;
auch aus Gülletanks entweicht Methan; Methan trägt 23x so sehr zum Treibhauseffekt bei wie CO2, Lachgas (Distickstoffoxid aus Gülle und Dung: 300-fach so wirksam);
weltweit 250 Millionen Tonnen CO2 aus der Stickstoffdüngerproduktion;
Reisernte weltweit 618 Millionen Tonnen; 80 % davon Nassreisanbau; für 12-17% der weltweiten Methanfreisetzung verantwortlich; Trockenreisanbau laugt Böden aus und liefert weniger Ertrag
(taz 23.2.07)

·       A320: 3,3 Liter Kerosin je Passagier auf 100 km (das wird beim Auto noch nicht erreicht);
1 Liter Kerosin in Flugzeugabgasen belastet das Klima 3 x so sehr wie 1 Liter Autosprit
Ende der 1990er Jahre Flugverkehr noch 3,5% der weltweiten Treibhausgase, heute 9%;
(taz 6.3.07)

·       Temperaturanstieg in Deutschland seit 1901: 0,86 Grad;
in Sachsen größter Rückgang der sommerlichen Niederschläge um 15,5%;
2003 in Europa 30.000 Hitzetote;
Kastanien in Genf blühen heute 55 Tage früher als vor 200 Jahren
(taz 3./4.2.07)

·       Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)

Ergebnisse des Fourth Assessment Report (AR4)

Das IPCC wurde 1988 von der World Meteorological Organisation (WMO) und dem United Nations Environment Programme (UNEP) eingesetzt als die Möglichkeit einer globalen Klimaänderung deutlicher wurde. Das IPCC hat die Aufgabe, in regelmäßigen Abständen (etwa 5 Jahre) den Zustand des Klimasystems und seine Auswirkungen auf die menschlichen Gesellschaftssysteme festzustellen und Möglichkeiten der politischen Gegensteuerung zu benennen. Das IPCC betreibt keine eigene Forschung, sondern bedient sich der veröffentlichten wissenschaftlichen Literatur. Seine Berichte werden im wesentlichen durch Wissenschaftler erstellt, die im Welt-Klimaforschungsprogramm (WCRP) tätig sind. Die ersten drei Berichte wurden 1990, 1995 und 2001 veröffentlicht. Nähere Informationen zum IPCC findet man im Internet unter www.ipcc.ch und zum WCRP unter http://wcrp.wmo.int .

In seinem vierten Bericht, dessen Zusammenfassung am 2.2.2007 veröffentlicht wurde, stellt das IPCC folgende Änderungen im Klimasystem fest (wenn nicht anders gekennzeichnet, gelten die Änderungen für den Zeitraum 1906-2005):

Ursachen der Klimaänderungen

Der Kohlendioxid-Gehalt der Luft hat seit 1750 um 35% von 280 ppm auf 379 ppm im Jahr 2005 zugenommen. Die Zuwachsrate der letzten 10 Jahre ist die größte seit 50 Jahren. Der heutige Wert ist der größte in den letzten 650.000 Jahren. 78% der Erhöhung gehen auf die Nutzung fossiler Brennstoffe zurück und 22% auf Landnutzungsänderungen (z.B. Rodungen).

Andere wichtige Treibhausgase wie z.B. Methan und Lachgas, deren Konzentrationen seit 1750 um 148% bzw. 18 % zugenommen haben, machen zusammen etwa halb soviel aus wie der CO2-Anstieg.

Die für Klimaänderungen verantwortlichen Änderungen der Strahlungsbilanz werden vorwiegend durch Kohlendioxid verursacht, in kleinerem Umfang durch andere Treibhausgase. Änderungen der solaren Einstrahlung haben dagegen nur einen geringen Einfluss.

Beobachtungen

Die Erwärmung des Klimasystems ist ohne jeden Zweifel vorhanden. Die globale Oberflächentemperatur ist um +0,74°C gestiegen, und 11 der letzten 12 Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Temperaturzunahme der letzten 50 Jahre ist doppelt so hoch wie die der letzten 100 Jahre, und die Arktis hat sich doppelt so stark erwärmt wie im globalen Mittel.

Die Häufigkeit heftiger Niederschläge hat zugenommen.

Rekonstruierte Daten aus Beobachtungen und anderen Quellen, wie z.B. Baumringdaten, deuten darauf hin, dass die Temperaturen der letzten 50 Jahre sehr wahrscheinlich höher waren als jemals zuvor in den vergangenen 500 Jahren und wahrscheinlich höher als in den vergangenen 1300 Jahren.

Die schneebedeckte Fläche hat seit 1980 um etwa 5% abgenommen.

Weltweit schrumpfen die Gletscher und tragen gegenwärtig mit 0.8 mm pro Jahr zum Meeresspiegelanstieg bei.

Das Meereis verzeichnet in der Arktis seit 1978 einen Rückgang im Jahresmittel um 8% und im Sommer um 22%. In der Antarktis ist kein Rückgang zu sehen.

Die Eisschilde auf Grönland und der Antarktis verlieren gegenwärtig Masse durch Schmelzen und Gletscherabbrüche und tragen 0.4 mm pro Jahr zum Meeresspiegelanstieg bei.

Die Temperaturen in den oberen Schichten des Permafrostsbodens haben sich seit 1980 um 3°C erwärmt, und die Ausdehnung des saisonal gefrorenen Bodens hat seit 1900 um 7% abgenommen, im Frühling sogar um 15%.

Die Ozeane sind im globalen Mittel wärmer geworden, bis zu Tiefen von 3000 m. Diese Erwärmung hat zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen.

Der Meeresspiegel ist seit 1993 durchschnittlich um etwa 3 mm pro Jahr gestiegen, im 20. Jahrhundert um 17 cm. Davon ist etwas mehr als die Hälfte verursacht durch thermische Ausdehnung des wärmeren Ozeans, etwa 25% durch Abschmelzen der Gebirgsgletscher, und etwa 15% durch das Abschmelzen von der Eisschilde.

Änderungen der meridionalen Umwälzbewegung im Atlantik (oft vereinfacht aber unzutreffend als "Golfstrom" bezeichnet") können aus den vorliegenden Daten nicht abgeleitet werden.

Beobachtete Änderungen des Salzgehalts im Ozean sind ein Indikator für Änderungen von Niederschlag und Verdunstung, und für verstärkten Transport von Wasserdampf in der Atmosphäre von niedrigen zu höheren Breiten.

Zuordnung (Attribution)

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Erwärmung der letzten 50 Jahre wesentlich durch anthropogene Treibhausgase (hauptsächlich Kohlendioxid) verursacht worden ist.

Projektionen

Klimaprojektionen für die nächsten 100 Jahre lassen sich überzeugend durch Klimamodelle simulieren, die mit Energienutzungsszenarien angetrieben werden. Solche Modelle sagen – je nach Energienutzung – eine weitere Temperaturerhöhung und einen Meeresspiegelanstieg bis zum Ende des 21. Jahrhunderts voraus.

Für die letzte Dekade des 21. Jahrhunderts ist der wahrscheinlichste Wert der globalen Erwärmung für das niedrigste Szenario 1.8°C (1.1–2.9°C), und für das höchste Szenario 4.0°C (2.4–6.4°C). Die größte Erwärmung findet dabei in hohen nördlichen Breiten statt.

Für die nächsten 2-3 Jahrzehnte hängt die projizierte Erwärmung nur wenig von den Annahmen über zukünftige Emissionen ab, und selbst bei einem sofortigen Ende aller Emissionen würde durch die Trägheit des Klimasystems ein weiterer Temperaturanstieg bis zu ca. 0.6°C erfolgen.

Für den Anstieg des Meeresspiegels sind die Projektionen für 2090-2100:

18–38 cm für das niedrigste und 26–59 cm für das höchste Szenario. Die Projektionen haben einen engeren Bereich gegenüber früheren Berichten, vor allem durch bessere Genauigkeit bei der thermischen Ausdehnung, sind aber nicht wesentlich von den früheren verschieden. Auch nach vollständigem Ende der Emissionen wird der Meeresspiegel über viele Jahrhunderte ansteigen, bedingt durch weitere Erwärmung des tiefen Ozeans. Allerdings gibt es eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung des grönländischen und des antarktischen Eisschilds, hier kann ein höherer Beitrag zum zukünftigen Anstieg nicht ausgeschlossen werden. Modellergebnisse lassen den Schluss zu, dass eine dauerhafte Erwärmung deutlich über 3°C über Jahrtausende zu einem vollständigen Abschmelzen des grönländischen Inlandeises führen würde, entsprechend einem Meeresspiegelanstieg um 7m.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Meridionale Umwälzbewegung im Atlantik um durchschnittlich 25% im 21. Jahrhundert abnehmen wird. Die Temperaturen in der Atlantischen Region werden dennoch zunehmen, da der Einfluss der globalen Erwärmung überwiegt. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich dass es zu einem abrupten Zusammenbruch im 21. Jahrhundert kommt.

Der Niederschlag wird in höheren Breiten sehr wahrscheinlich zunehmen, während es in den Tropen und Subtropen (einschließlich der Mittelmeerregion) wahrscheinlich zu einer Verminderung des Niederschlags kommen wird.

(Quelle: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung 2007)

 

·       um einen gefährlichen Klimawandel noch zu verhindern, muss innerhalb der nächsten 10 Jahre eine Trendumkehr und bis 2050 eine Halbierung der globalen Treibhausgasemissionen gegen über 1990 erreicht werden;
Vorschlag: Festschreibung einer globalen Temperaturleitplanke von 2 Grad über dem vorindustriellen Niveau, entsprechend einer Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration unterhalb von 450 ppm CO2eq (= Summe aller Treibhausgase, die in ihrer Strahlungswirkung einer CO2-Konzentration von 450 ppm äquivalent sind);
mit 380 ppm heute hat die CO2-Konzentration den höchsten Wert seit 650.000 Jahren erreicht (so weit reichen die genauen Daten aus Eisbohrkernen zurück), wahrscheinlich aber sogar seit Millionen von Jahren;
gemeinsame Erklärung der wissenschaftlichen Akademien der G8-Staaten: „Das wissenschaftliche Verständnis des Klimawandels ist heute hinreichend klar, um schnelles Handeln der Staaten zu rechtfertigen.“;
ab Temperaturerhöhung um 3 Grad würde wahrscheinlich ein Abschmelzen des Grönlandeises ausgelöst; Meeresspiegelanstieg mehrere Meter;
Reduktionsziel für Deutschland bei Treibhausgasemissionen: 40% bis 2020;
(Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen: Politikpapier – Neue Impulse für die Klimapolitik, 2007)

·       Gesetzentwurf Großbritannien;
CO2-Ausstoß bis 2050 um 60 % senken;
Ausschuss für Klimawandel soll Fünfjahrespläne aufstellen, zulässige Höchstmengen für CO2 regeln;
z.B. 2000 Flugmeilen pro Jahr, dann hoch besteuert;
bis 2011 Glühbirnen abschaffen, Stand-by-Knöpfe an Geräten verbieten;
(taz 14.3.07)

·       Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: Klimawandel wird in Deutschland in den nächsten 43 Jahren 0,5 % des BSP kosten – jährlich (Summe: 800 Milliarden Euro); dagegen ließen sich mit Investitionen von 0,1 % des BSP in den Klimaschutz die Folgen noch mindern;
300 Milliarden Euro direkte Schäden, 300 Mrd höhere Energiekosten und 170 Mrd für notwendige Anpassungsmaßnahmen;
zusätzliche Versicherungskosten von 100 Mrd Euro in den nächsten 50 Jahren (bestätigt die Münchner Rückversicherung grundsätzlich)
(taz 15.3.07)

·       (197) Das Ozon in der Stratosphäre ist verteilt und würde (kompakt) nur eine Schicht von ungefähr 3 Millimetern Dicke bilden
(Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem, Goldmann München 2004)

·       wir verheizen weltweit jeden Tag über 10 Millionen Tonnen Erdöl, 12,5 Millionen Tonnen Steinkohle und 7,5 Millionen Kubikmeter Erdgas;
1,5 Milliarden Rinder weltweit setzen jährlich 80 Millionen Tonnen Methan frei;
Mitte voriger Woche mahnten die Chefs von fast 100 Konzernen bei einer Konferenz in New York konsequente Maßnahmen gegen den Klimawandel an, darunter Volvo, Air France, General Electric;
Konrad Kleinknecht, Klimabeauftragter der Deutschen Physikalischen Gesellschaft: als Brückentechnologie sollten wir die Kernkraft nutzen, bis die alternativen Energien ausgereift sind, dafür kann man auch die Risiken in Kauf nehmen, angesichts der Bedrohung durch den Klimawandel war Tschernobyl ein lokales Ereignis;
leichte Entwarnung geben Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt unter Berufung auf den neuen IPCC-Report für den Luftverkehr. Er wirke sich weniger gravierend auf das Klima aus als angenommen, dies gelte speziell für die Effekte der Kondensstreifen. Sie erzeugen weniger Höhenwolken als gedacht. Diese eisigen Zirren halten die von der Erde ausgehende Wärmestrahlung zurück. Dennoch tragen Flugzeuge mit drei Prozent zum Treibhauseffekt bei;
Laut IPCC trägt die Sonne mit 0,12 Watt pro Quadratmeter eingestrahlter Energie zur globalen Erwärmung bei (7 Prozent JK), die Treibhausgase dagegen mit 1,6 Watt;
(Focus 26.2.07 S.20ff)

·       Landwirt in Mecklenburg hat auf einer besonders sandigen Fläche von rund 50 Hektar in diesem Jahr eine dürreresistente Getreidesorte angebaut, die sich schon in Nordafrika bewährte, den sogenannten Kamelweizen. Mit Erfolg – er hat die 7 Wochen Trockenheit gut überstanden
(ZEIT 31.5.07 S.15)

·       Merkels Ziele in Heiligendamm G8-Gipfel:
G8 auf Versprechen festlegen, die Erderwärmung auf einen Temperaturanstieg von nicht mehr als 2 Grad zu begrenzen;
Treibhausgasausstoß bis Mitte des Jahrhunderts weltweit halbieren;
Energieeffizienz bis 2020 um 20% steigern;
die Wissenschaft hat Merkel auf ihrer Seite: UN-Klimarat, Wissenschaftsakademien sämtlicher G8-Staaten und der 5 Schwellenländer (Indien, China, Brasilien, Mexiko, Südafrika) einigten sich auf gemeinsamen Appell (auch USA-Akademie unterzeichnet);
General Motors, nach Toyota der größte Autohersteller weltweit, ist vor kurzem einer Initiative beigetreten, die sich für einen konsequenten Klimaschutz in den USA stark macht;
der Nationale Kirchenrat (der USA) macht Druck;
(ZEIT 31.5.07 S.26)

·       Klimabombe im Permafrost;
Osloer Institut: in den nächsten 100 Jahren könnten aufgrund der steigenden Temperaturen aus  Permafrostgebieten in der Arktis 200 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt werden; das entspricht fast der Gesamtmenge an CO2, die in den letzten 150 Jahren weltweit durch Verbrennung von Kohle und Öl freigesetzt wurde;
seit der letzten Eiszeit dauerhaft tiefgefroren ist etwa ein Viertel der Landoberfläche der Nordhalbkugel; fast ganz Sibirien und Alaska, etwa 40% der Fläche Kanadas; in Teilen Sibiriens ist der Permafrostboden bis eineinhalb Kilometer dick;
Kohlenstoffgehalt insgesamt etwa 750 Milliarden Tonnen (C oder CO2?)
(taz 19./20.5.07)

·       seit 2000 steigt der CO2-Ausstoß weltweit jährlich um 3 Prozent; schneller als in den schlimmsten Szenarien des UN-Klimarates Ende der 90er Jahre;
Klimaschutzziel der Begrenzung auf 2 Grad Erwärmung nicht mehr zu schaffen?
(taz 23.5.07)

·       Prof. Berz München, früher im Auftrag der Münchner Rückversicherung für Klimafragen zuständig: Versicherungen als weltweites Frühwarnsystem; in den vergangenen 25 Jahren 95% der durch Wetter verursachten Schäden von so genannten Wetterextremen verursacht; Versicherungsschäden dadurch um das 26-fache gestiegen
(Das Parlament 29.5./4.6.07 S.9)

·       (Zeichen der Zeit I/2007: Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten; Heft zum Klimawandel 16 Seiten)

·       (6) CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist heute so hoch wie noch nie in den letzten 650.000 Jahren, wahrscheinlich gilt das sogar für die letzten 20 Millionen Jahre;
(11) Hitzesommer 2003 forderte in Deutschland 7000 Menschenleben, mehr, als jährlich bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen;
(22) CO2-Emissionen pro Kopf und Jahr 2002
Indien 1,1 Tonne; China 2,94; Welt 4,04; Frankreich 6,24; EU 8,44; Deutschland 10,64; Russland 10,64; USA 20,19;
(BMU: Klimaschutz lohnt sich, Broschüre 2006)

·       CO2-Ausstoß je Kilowattstunde Strom: Braunkohle 940 Gramm, Steinkohle 750, Erdgas 350;
Wirkungsgarde Kraftwerke: Gas 57%, Braunkohle 43%
(taz 29.3.07)

·       (23) die Gletscher, z.B. in den Alpen, sind bereits um 70% geschrumpft. In voraussichtlich 20 Jahren werden sie ganz verschwunden sein.;
(25) für das Erreichen des 2-Grad-Zieles muss der Anstieg der globalen Emissionen innerhalb von 1 bis 2 Jahrzehnten gestoppt sein; Mitte des Jahrhunderts dürfen jährlich nur noch halb so viel Treibhausgase ausgestoßen werden wie 1990;
die EU hält für Industrieländer Reduzierungspfade von 15 bis 30% bis 2020 und von 60 bis 80% bis 2050 für erforderlich; bereits heute existieren Techniken, um diese Reduktion zu erreichen;
(30) Regierung in China: bis 2020 sollen 30% des Stroms in China durch erneuerbare Energien hergestellt werden
(BMU: Aus Verantwortung für die Zukunft, Broschüre 2007)

·       amerikanische Städte bekennen sich zu den Richtlinien des Kioto-Protokolls; mittlerweile haben 435 Städte mit 61 Millionen Einwohnern unterschrieben;
40% der US-Amerikaner sagen, dass sie angesichts der globalen Erwärmung „sehr besorgt“ seien; vor 2 Jahren waren es nur 25%;
gerade erst hat der Oberste Gerichtshof der USA entschieden, dass die Nationale Umweltbehörde EPA dazu verpflichtet ist, die Treibhausgase zu reduzieren;
eine Reihe von US-Konzernen haben sich mit der Umweltschutzorganisation Natural Resources Defense Council zusammengetan, um die Kioto-Vorgaben zu erfüllen (General Electric, DuPont, BP, Caterpillar ...); sogar Wal-Mart hat Klimaschutz auf seine Fahne geschrieben – will Energieverbrauch um 30% und CO2-Ausstoß um 20% reduzieren;
(taz 3.5.07)

·       Gletscher des Himalaya, Wasserspeicher Asiens, 15% der globalen Eismasse; Indus, Ganges, Mekong, Jangtse speisen sich aus ihren Schmelzwässern; 500 Millionen Menschen hängen davon ab;
die Himalaya-Gletscher könnten bis 2050 verschwunden sein;
Folgen des Klimawandels werden sehr ungleich verteilt sein: Während der Süden aufgrund der trockenen Hitze unter Getreideschwund zu leiden haben wird, dürften auf der Nordhalbkugel zunehmende Wärme und Feuchtigkeit künftig für Erntezuwächse sorgen.;
BMU spielte vor 5 Jahren mit der Idee eines „Überlebenspaktes“ zwischen Nord und Süd: Europa könnte überschüssiges Getreide nach Afrika liefern, Afrika im Gegenzug Sonnenenergie nach Norden fließen lassen (z.B. gespeichert in Form von Wasserstoff)
(ZEIT 3.5.07 S.3)

·       3. Teil des UN-Klimaberichts:
die Menschheit hat nur noch bis 2015 Zeit, den Klimawandel zu stoppen;
wenn CO2-Emission bis 2020 um 40% reduziert werden sollen, kostet das die Haushalte im Durchschnitt 25 Euro im Monat (Troge UBA);
(Freie Presse 5./6.5.07)

·       10,5 Tonnen CO2 verursacht jeder Deutsche im Jahr:
Verkehr: 1,8 Tonnen; Ernährung 1,2; sonstiges 1; Konsum 3,2; Wohnen 3,3;
2050 dürfen es noch etwa 2 Tonnen sein
(taz 5./6.5.07)

·       während in den Alpen die Gletscher schmelzen, breiten sie sich in Neuseeland sogar noch aus; es gebe kein globales Verhalten der Gletscher
(taz 4.5.07)

·       CO2-Abscheidung in Kohlekraftwerken
Beim „Carbon Capture and Storage“-Verfahren (CCS) soll das Kohlendioxid in Kohlekraftwerken aus den Abgasen abgetrennt, verdichtet und über Pipelines zu unterirdischen Lagerstätten transportiert werden; in Frage kommen etwa alte Erdgasfelder; es ist fraglich, ob eine dauerhafte sichere Lagerung möglich ist; das Verfahren verbraucht viel Energie; Kosten für Erzeugung von Braunkohlestrom könnten sich von derzeit 2 Cent verdoppeln bis verdreifachen;
Chef des Energiekonzerns Vattenfall: kommerziellen Einsatz erwarte ich optimistisch bis 2025 und realistisch bis 2020; ab da werden wir keine Kraftwerke mehr ohne CCS bauen und die alten nachrüsten;
Amerikaner rechnen mit 50 Euro Zusatzkosten je Tonne abgeschiedenes CO2, RWE mit 40 – wir rechnen mit 20;
(taz 25.4.07)

·       Chef der MIBRAG: „völlig utopisch“, bis 2050 in Deutschland die Hälfte der Energie aus regenerativen Quellen erzeugen zu wollen; entsprechende Pläne würden das Land zur „industriefreien Zone“ machen
(Freie Presse 19.4.07)

·       in Bangladesh leben 140 Millionen Menschen auf etwa 40% der Fläche Deutschlands; bereits ein Anstieg des Meeresspiegels um 45 Zentimeter würde dazu führen, dass in B. 5,5 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssten, 10.9% der Fläche des Landes gingen verloren
(Le Monde diplomatique April 2007 S.14)

·       Alfred-Wegener-Institut Bremen;
Eisbohrungen: wir konnten das Klima über 860.000 Jahre rekonstruieren; es gab 8 Kalt-Warmzeit-Zyklen; dabei reagierte der Nordpol (mit Temperaturänderungen bis zu 15 Grad in 20 Jahren viel sprunghafter als der stabile Kälteklotz in der Antarktis, der 90% allen Eises birgt;
Daten widerlegen düstere Prophezeiungen, der Meeresspiegel könne in kurzer Zeit um mehrere Meter ansteigen. Bis das Grönlandeis schmilzt, vergehen mehr als tausend Jahre. Denn es war in der Vergangenheit auch deutlich wärmer als heute, ohne dass die riesigen Gletscher verschwanden. Auch die Befürchtung, der aktuelle Klimawandel lasse das Treibhausgas Methan aus Sümpfen und Meeren ausgasen und das Klima „kippen“, nicht bestätigt: wir sehen auch in wärmeren Zeiten keinen entsprechenden Anstieg des Methans;
Das Klima kann nicht kollabieren, Natur kennt keine Katastrophen. Was wir Menschen als Naturkatastrophen bezeichneten, seien in Wahrheit Kulturkatastrophen;
Die Bremer Glaziologen betonen, dass sie den Weltklimabericht des IPCC nicht infrage stellen, haben daran mitgearbeitet
(ZEIT 6.6.07 S.40)

·       Debatte im Bundestag zur Regierungserklärung Klimaschutz;
EU-Beschluss: bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen um 20% gesenkt werden, die Energieeffizienz um 20% gesteigert werden und der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch soll auf 20% gesteigert werden;
Bundestagsbeschluss November 2006: Verweis auf Ergebnisse der Enquete-Kommission zum Schutz der Erdatmosphäre: Minderung der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40%;
Reiche (CDU): Biomasse-Pflanzen müssen leistungsfähiger sein; grüne Bio- und Gentechnologie unverzichtbar;
(Das Parlament 30.4.07)

·       anders als erwartet, zeigten 10 Jahre dauernde Messungen bisher keine Abschwächung des Golfstromes im Atlantik, nahezu alle Klimamodelle sagen diese jedoch voraus
(ZEIT 22.3.07 S.52)

·       Untersuchungen am Bodensee: Die Klimaerwärmung ist die Hauptursache für die Veränderung des Vogelbestandes in Mitteleuropa
(bdw 5/07 S.8)

·       G8-Gipfel Heiligendamm Kompromiss beim Klimaschutz:
Bezug auf den Bericht des Weltklimarates;
künftige Klimaziele sollen unter dem Dach der UNO ausgehandelt werden;
verpflichtende Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen werden als notwendig anerkannt;
Senkung der klimaschädlichen Gase um 50 % bis 2050 wird „ernsthaft in Betracht gezogen“
(taz 8.6.07)

·       derzeit steigt der Meeresspiegel um gut drei Millimeter pro Jahr; vor 50 Jahren war es halb so viel; IPCC erwartet bis 2100 Anstieg von 18 bis 59 cm; Ozean-Experte Rahmstorf Potsdam geht von einem Anstieg um 0,5 bis 1,4 Meter aus;
derzeit steuert immer noch die thermische Ausdehnung des Wassers den größten Anteil zum Meeresspiegelanstieg bei
(bdw 6/07 S.51)

·       der Mensch verheizt in einem Jahr die gleiche Menge an fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl und Erdgas), wie sich in einer Million Jahren gebildet haben;
pro Jahr werden durch Verbrennung fossiler Brennstoffe 27 Mrd. Tonnen CO2 freigesetzt (1990 waren es noch 21 Mrd. t); dazu kommen fast 6 Mrd. Tonnen pro Jahr, die durch Eingriffe in das Gleichgewicht zwischen Atmosphäre und bewachsenem Land entstanden sind (Abholzen von Wäldern und landwirtschaftliche Nutzung verringern Grünflächen, die früher CO2 gebunden haben);
die CO2-Konzentration der Atmosphäre übersteigt heute alle natürlichen Spitzenwerte der vergangenen 650.000 Jahre, deren Klimageschichte inzwischen zuverlässig rekonstruiert werden kann
(bdw plus „Ran ans CO2-Problem“ 6/07)

·       Kaliforniens Gouverneur Schwarzenegger:
“Wenn 98 Prozent der Ärzte sagen, dass mein Sohn krank sei und Medizin brauche, zwei aber das bestreiten, traue ich logischerweise den 98.“;
Evangelikale Christen in den USA, ansonsten treuer Teil der republikanischen Parteibasis, erkennen im Kampf gegen die Erderwärmung nun den biblischen Auftrag zur „Bewahrung der Schöpfung“.
(ZEIT 6.6.07 S.3)

·       Klimagipfel der Bundesregierung in Berlin;
Merkel: die ehrgeizigen Klimaziele ihrer Regierung seien auch ohne Atomkraft zu erreichen, und deshalb werde sie am Ausstieg aus der Kernenergie festhalten;
Energiepolitik ist wieder dort angekommen, wo sie hingehört: in der Politik;
Merkel hat den amerikanischen Präsidenten in Heiligendamm dazu gebracht, den Klimawandel nicht länger zu leugnen. Sie hat die Europäer auf dem Brüsseler Gipfel im März dazu verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid drastisch zu reduzieren. 30 % weniger CO2 will die EU bis zum Jahr 2020 in die Atmosphäre blasen, Deutschland soll die Emissionen sogar um 40 % senken. Und spätestens seit Dienstag ist klar: Die Kanzlerin will zu Hause alles dafür tun, dass Deutschland seiner internationalen Vorreiterrolle gerecht wird.
Das trifft nicht nur die Industrie, sondern vor allem die Verbraucher. Das Klima zu schützen sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Merkel. Übersetzt heißt das: Alle müssen ran.;
Bis zum Jahr 2020 soll in Deutschland mit einer Einheit Energie doppelt so viel produziert werden wie noch 1990.;
Von 2010 an will die Regierung jährlich kontrollieren, ob die Ziele in greifbare Nähe rücken.;
Noch vor November will Merkel das deutsche Energiekonzept („Integriertes Klima- und energiepolitisches Gesamtkonzept“) verabschiedet haben;
Klimaschutz funktioniert nur, wenn Elektrizität, Wärme und Treibstoffe nicht länger verschwendet werden ... Merkel spiele „die Effizienzkarte mit harter Hand“, heißt es im Kanzleramt;
Die Vorstandschefs der Konzerne saßen da wie Schuljungen in der Klasse;
nur Länder wie Japan und Großbritannien setzen Kohle, Öl und Gas noch produktiver ein als Deutschland;
Energieproduzenten ... Dass massives Sparen und moderne Techniken den Konzernchefs „hohe Absatzverluste und kräftige Konkurrenz“ bescheren ... rund 500 Milliarden kWh Strom werden jährlich in Deutschland verbraucht. Bis in die 1990er Jahre teilten die großen Versorger die Erlöse praktisch unter sich auf. Im Jahr 2020 soll ein Fünftel der Elektrizität aus grünen Fabriken (Erzeugungsanlegen JK) stammen, weitere 10 % würden wegen effizienter Geräte gar nicht mehr nachgefragt. ... den Konzernen würden 15 Milliarden Euro jährlich in der Kasse fehlen
(Zeit 5.7.07 S.26)

·       Motto des LIVE-EARTH-SPEKTAKELS am 7.7.07 (Organisator Al Gore): Save Our Selves
(ZEIT 5.7.07)

·       Merkel auf dem Energiegipfel in Berlin: „Der Klimaschutz ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts.“
(taz 4.7.07)

·       noch nie seit Beginn der Messungen war es in Deutschland über den Zeitraum von 12 Monaten so warm wie zwischen Juni 2006 und Mai 2007; bundesweit lag die Durchschnittstemperatur mit 11 Grad Celsius 3 Grad über dem langjährigen Mittel;
auch das gesamte Jahr 2006 wird als neuer Rekord in die Klimageschichte eingehen
(taz 28.6.07)

·       Bioobst aus Übersee, CO2-Bilanz ???;
Seite www.natureandmore.com (von Großhändler erstellt; stimmt aber in der Größenordnung);
von der Plantage bis zum deutschen Supermarkt verursacht 1 Kilogramm Avocado aus Mexiko 127 Gramm CO2; 1 Kg Trauben aus Südafrika: 180 Gramm CO2;
zum Vergleich: Neuwagen in Deutschland stoßen im Durchschnitt auf 1 km 160 Gramm CO2 aus;
(taz 7./8.7.07)

·       hundert global tätige Firmen wie Bayer, die Allianz, Ikea und Coca-Cola wollen sich im Rahmen der „Global Compact“-Partnerschaft stärker als bisher für den weltweiten Klimaschutz engagieren; Erklärung zum Abschluss einer zweitägigen Sitzung: versprechen Maßnahmen, mit denen sie den Ausstoß des Klimagases CO2 vermindern wollen
(taz 7./8.7.07)

·       (18) schneeweiße Sandstrände, üppige Palmen, türkisfarbenes Meer, farbenprächtige Fische im Korallenriff – die Eilande von Tuvalu im Pazifischen Ozean sind ein Paradies. Doch nicht mehr lange. Denn die neun Koralleninseln werden im Laufe dieses Jahrhunderts vom steigenden Meeresspiegel verschluckt werden ... die Regierung hat für die 11000 Einwohner bereits in Neuseeland und Australien Asyl beantragt;
(19) eine einzige Flugreise von Frankfurt am Main nach Sydney und zurück setzt mit rund 12 Tonnen CO2 (pro Passagier) mehr CO2 frei, als die meisten der rund eine Milliarde Menschen, die mit weniger als 1 Dollar pro Tag auskommen müssen, während ihres ganzen Lebens zu verantworten haben;
insgesamt 77 % der volkswirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen sind auf atmosphärische Ursachen zurückzuführen; Schadenswert laut Münchner Rück zwischen 1980 und 2003: 1300 Milliarden US-Dollar;
(20) Schätzungen zufolge hat der Klimawandel bereits bis heute zu zusätzlichen 150.000 Todesfällen und 5 Millionen Ansteckungen durch Malaria geführt;
(23) die arme Bäuerin in Bengalen, die durch (Nass-)Reisanbau für ihren Lebensunterhalt Methan freisetzt, kann nicht in gleichem Maße für den vom Menschen verursachten Klimawandel zur Verantwortung gezogen werden wie ein reicher Sportwagenfahrer in Düsseldorf;
(24) am klarsten und gerechtesten wäre es, eine Gleichverteilung der Emissionsrechte pro Kopf der Bevölkerungen anzustreben;
(Aus Politik und Gesellschaft, Beilage zu DAS PARLAMENT, Nr.13/2007, Soziale Marktwirtschaft)

·       Jeffrey Michel:
CO2-Verflüssigung und Lagerung;
sofern kein eigenes Pipeline-Netz gebaut wird, müsste aller 2 Minuten irgendwo in den Braunkohlerevieren ein Güterzug abgefertigt, nach Norddeutschland gebracht und als Leergut wieder zurückgefahren werden; steht in keiner Kostenanalyse der Stromwirtschaft;
Deutschland derzeit knapp 180 Mill. Tonnen Braunkohle pro Jahr (98 RWE Rheinland, 58 Lausitz Vattenfall, 20 Mibrag Mitteldeutschland; zusätzlich Abraum von fast 1 Milliarde Tonnen bewegt;
Produktionsanlagen für Kohleverflüssigung nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren benötigen gut 10 Millionen Tonnen Rohbraunkohle und mehrere Millionen Tonnen Wasser, um 1 Million Tonnen Kraftstoff zu erzeugen (Emission von 2 Tonnen CO2 für Produktion zusätzlich zu je 1 Tonne im späteren Verkehrsverbrauch)
(BRIEFE KFH Wittenberg Nr. 83/2007 S.T17)

·       in den Southern Alps auf Neuseeland werden die Gletscher entgegen dem Trend zur Erderwärmung größer
(bdw 8/2007 S.9)

·       (20) jährlich werden der Atmosphäre derzeit etwa 32,3 Milliarden Tonnen CO2 zugeführt (dies entspricht 8,8 Milliarden Tonnen Kohlenstoff), wovon gut 80 % auf die Nutzung fossiler Energieträger und knapp 20 % auf Waldrodungen zurückgehen; etwa die Hälfte wird durch die Ozeane „weggepuffert“;
(23) anthropogener Treibhauseffekt durch CO2 (61 %), Methan (15 %), FCKW (11 %)
(Die deutschen Bischöfe; Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. Kommission Weltkirche: Der Klimawandel: Brennpunkt globaler, intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit, 2. Auflage April 2007)

·       Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland die Nutzung erneuerbarer Energien bei Heizung und Warmwasserbereitung per Gesetz zur Pflicht erhoben; neu gebaute Gebäude müssen ab 2008 ein Fünftel ihres Wärmebedarfs durch regenerative Energien decken; wer ab 2010 in Altbauten eine neue Heizung einbaut, muss ein Zehntel des Bedarfs aus erneuerbaren Energien beziehen oder so isolieren, dass der Wärmebedarf entsprechend sinkt
(taz 12.7.07)

·       die Herstellung von 1 kg Rindfleisch ist so klimaschädlich wie eine Autofahrt von 259 km; Futterproduktion, Transport, Methangasabgabe bei Verdauung (New Scientist 2613 S.15)
(taz 19.7.07)

·       Bischof Wolfgang Huber (EKD): „Es ist nicht zu spät für eine Antwort auf den Klimawandel“, abgedruckt im Amtsblatt der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Nr.15/2007, 17.8.07 Seite B17ff.

·       Bundeskanzlerin Merkel: Klimagerechtigkeit: langfristig (2050) steht jedem Menschen ein Ausstoß von 2 Tonnen CO2 pro Jahr zu; „das zu erreichen ist eine dramatische Anstrengung“
(taz 11.10.07)

·       Blauzungenkrankheit;
“Erderwärmung bringt neue Tierseuche“;
bei Schafen Sterberate bis 50%; bei Rindern nur 3-5%;
bei den anderen Tieren heilt die Krankheit folgenlos ab;
für Menschen keine Gefahr beim Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten
(taz 21.9.07)

·       Blauzungenkrankheit; Wiederkäuer;
bis 2006 trat der Erreger nur südlich der Sahara, in Lateinamerika und möglicherweise auch in Indien und Pakistan auf; der Klimawandel wird bei Tierseuchen gern ins Spiel gebracht; hier aber nicht unbedingt kausaler Zusammenhang; jedenfalls sei das Virus nicht mit wandernden Insekten aus dem Süden importiert worden, eher mit illegalen Tiertransporten in die Maastrichter Gegend eingeschleppt und dann auf die einheimischen Gnitzen getroffen, die sich als gute Überträger erwiesen hätten; milder Winter hat Entwicklung von Mücken und Viren begünstigt;
2007 10.300 Fälle in Deutschland, davon 8000 allein im September
(Zeit 4.10.07, S.46)

·       Beitrag zur Erderwärmung

Land

Ausstoß 2004
Millionen Tonnen CO2

Ausstoß 2004
(Tonnen pro Kopf)

USA

5800

19,73

China

4732

3,65

Russland

1529

10,63

Japan

1215

9,52

Indien

1103

1,02

Deutschland

847

10,29

Großbritannien

537

8,98

Polen

296

7,75

Nigeria

48

0,37

Weltdurchschnitt

 

4,2

·       (Zeit 13.9.07 S.25; taz 17.10.07)

·       Bundesverband der Deutschen Industrie BDI stellt Studie von McKinsey vor;
bis 2020 lassen sich die Treibhausgase in Deutschland um 26 % verringern, ohne dass es zu zusätzlichen Belastungen für Wirtschaft und Verbraucher käme; die dafür notwendigen Investitionen (Sanierung von Gebäuden, sparsamere Motoren) würden sich praktisch von selbst finanzieren (über Einsparungen);
wenn mehr investiert wird, sind auch 31 % Emissionsminderung möglich
(taz 26.9.07)

·       Vatikan verkündete, von nun an klimaneutral zu sein: ein ungarisches Unternehmen will zur Kompensation so viele Bäume pflanzen, das damit der gesamte C=2-Ausstoß des Vatikan absorbiert wird
(taz 15.10.07)

·       Vierter Bericht des IPCC (noch unveröffentlicht):
selbst bei sofortigem Stopp aller Emissionen würden die Temperaturen weltweit bis 2100 um 0,9 Grad steigen;
Zunahme extremer Wetterlagen, große ökonomische Schäden;
“Der globale Temperaturanstieg seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist mit größter Wahrscheinlichkeit auf den durch den Menschen verursachten Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen zurückzuführen“
(taz 15.10.07)

·       Inselstaat Tuvalu im Pazifik; 11.000 Einwohner; wenn der Meeresspiegel weiter steigt, in 50 Jahren nicht mehr bewohnbar; 3000 Einwohner bereits nach Neuseeland ausgewandert, in Australien mögliche Einwanderung Wahlkampfthema
(Spiegel 37/2007 S.166)

·       Im ARD-Magazin Report München wurden „Klimakatastrophenszenarien“ kritisch beleuchtet; Kronzeuge: Amerikaner Fred Singer; hat viele Jahre im Auftrag von EXXONMobil Lobby-Arbeit gemacht
(Spiegel 30/2007 S.82)

·       Interview mit Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson, Berater der Bundeskanzlerin für den Klimaschutz; Ziel von 40% Emissionsminderung in Deutschland bis 2020 ist erreichbar; aber ohne Kernkraft werden die Ziele viel schwieriger zu erreichen sein
(Spiegel 30/2007 S.62)

·       IPCC: mehr als 2500 Forscher und Vertreter von über 100 Regierungen beteiligen sich an der Erstellung der Berichte;
bis 2050 drohe bis zu 2 Milliarden Menschen Wasserknappheit; in einigen Ländern würden die Ernten um die Hälfte zurückgehen
(Freie Presse Chemnitz 13./14.10.07)

·       Indonesien gehört durch die rasante Urwaldzerstörung zu den größten Klimasündern der Welt; durch Abbrennen der Wälder und Verrottung in den Böden jedes Jahr Emission von 2,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid = so viel wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen
(taz 10.10.07)

·       Vergleich des Kraftstoffverbrauchs verschiedener Verkehrsmittel:
pro Kopf-Verbrauch auf 100 km;
z.B. PKW 2,25 bis 9 Liter; Flugzeug bestenfalls 3 Liter; Bahn 0,5-2 Liter; Reisebus 0,5-0,8 Liter;
aber beim Flugverkehr:
a) 10% des Verbrauchs in Warteschleifen
b) Schadstoffe werden in einer Höhe freigesetzt, wo sie viel stärker klimaschädlich wirken (neben CO2 auch weitere Treibhausgase); daher realistischer Faktor für tatsächliche Klimawirksamkeit berechnet: das 2,5 bis 3-fache des 3-Liter-Verbrauchs
(Freie Presse Chemnitz 23.8.07)

·       Hans Joachim Schellnhuber, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung; wissenschaftlicher Chefberater der Bundesregierung;
Je erdrückender die Beweislast der Klimawissenschaftler, desto schrillere und bodenloser die „Gegenargumente“ der Klimabesserwisser:
Pensionierte Gewerbelehrer, Hobbymeteorologen, neunmalkluge Ingenieure, Automobillobbyisten und ja, wahrhaftig, Mitarbeiter von respektablen Zeitungen sind sich ganz sicher, dass sie die komplexen Umweltprozesse besser verstehen als die Fachleute des IPCC und der führenden Akademien der Welt. Und die Medien stellen selbst den größenwahnsinnigsten Luftnummern ihre Bühnen zur Verfügung. ...
Die Irreführungstaktik ist fast immer die gleiche: Man bringt ein Argument ins Spiel, das zwar nicht (mehr) dem heutigen Stand der Forschung entspricht, aber wissenschaftlich genug klingt, um den Klimalaien zu beeindrucken ...
(ZEIT-Magazin Leben, 6.9.07 S.22ff)

·       Zu Klima-Skeptikern:
Allergie von Publizisten gegen „Dogmen“ aller Art; die Wertschätzung des Abweichlertums und der fröhlichen Ignoranz;
wer längst aufgegebene Positionen verteidigt, ist für Wissenschaftler ein Scharlatan, Journalisten schätzen ihn als prinzipienfesten Querdenker;
viele „Klimaskeptiker“ umgehen das rigide wissenschaftliche Kontrollsystem des peer review, der Begutachtung durch fachkundige Kollegen vor der Veröffentlichung in Fachzeitschriften;
(taz 17.9.07)

·       Nationaler „Klimaforschungsgipfel“;
Bundesforschungsministerin Schavan: „Das Thema Klimawandel wir nicht mit der Rhetorik des Verzichts populär werden“;
Aufsichtratsvorsitzender BMW: „weg von der reinen Verzichtsrhetorik und hin zu den wirtschaftlichen Chancen des Klimawandels“; „Klimaschutz mit Wohlstandssicherung verbinden“;
vier Forschungsvorhaben:
Entwicklung von organischen Photovoltaik-Materialien
Energiespeicherung (Druckluft, Wasserstoff)
weiterentwickelte Auto-Elektronik
car to car communication;
Interview Schellnhuber: „Das Streben nach technologischen Lösungen darf nicht davon ablenken, dass wir auch unser Verhalten ändern müssen.“; „wir brauchen auch einen Mentalitätswandel“; größter Forschungsbedarf: Rückgewinnung von CO2 aus der Atmosphäre; Solarenergie; Speicherung und Übertragung weiterentwickeln
(taz 17.10.07)

·       Speicherraum für CO2 (nach Abtrennung im Verbrennungsprozess) in Deutschland (Schätzungen der Energiewirtschaft): in Gasfeldern 1,55 Mrd Tonnen, in salinen Formationen 3,1 Mrd Tonnen
(Das Parlament 10.9.07 S.17)

·       Brasilien;
Der Regenwald im Amazonasgebiet wird nicht mehr wegen der Edelhölzer dezimiert oder für die Rinderzucht niedergebrannt. Der Anbau von Zuckerrüben und Mais ist dort mittlerweile der größte Flächenfresser. ... Durch die weitere Abholzung der Amazonas-Regenwälder oder der Yunga-Wälder in Argentinien gehen Flächen verloren, die Feuchtigkeit speichern und das Klima regulieren. So beschleunigt der massive Anbau von Biokraftstoffen auf der Südhalbkugel den Klimawandel – den die Verwendung von Ökoantrieb in den Industrieländern eigentlich bremsen soll
(Das Parlament 10.9.07 S.13)

·       Unentdeckte Vielfalt

Bereich der
Lebewesen

derzeit
bekannte Arten

vermutete Anzahl
Arten insgesamt

Insekten

1.025.000

8.750.000

Pilze

72.000

1.500.000

Bakterien

4.000

1.000.000

Algen

40.000

400.000

Fadenwürmer

25.000

400.000

Viren

1.550

400.000

Pflanzen

270.000

320.000

Weichtiere

70.000

200.000

Einzeller

40.000

200.000

Krebstiere

43.000

150.000

Fische

26.960

35.000

Vögel

9.700

9.880

Reptilien

7.150

7.830

Säugetiere

4.650

4.810

Amphibien

4.780

4.780

Andere Arten

110.000

250.000

 

 

 

Summe

 

bis zu 14 Millionen

20 bis 30 Prozent aller Arten könnten bis 2050 der Erderwärmung zum Opfer fallen (IPCC)
(BMU: Magazin zum Klimaschutz und zur biologischen Vielfalt; Ohne Eis kein Eisbär, Mai 2007, S.12)

·       EuvWeizsäcker; in Peking gehört:
Unser größter Beitrag zum Klimaschutz ist die Ein-Kind-Familie.“ Ohne Geburtenkontrolle gäbe es heute 400 Millionen mehr Chinesen
(bdw 10/2007 S.92)

·       Neue Klimastudie des Netzwerkes Global Carbon Project:
“politische Bombe“;
in den 1990er Jahren wuchsen die weltweiten CO2-Emissionen um 1,3% pro Jahr; mittlerweile gestiegen auf 3,3%; IPCC legt in seinem pessimistischen Szenario 2,4% zugrunde;
ein wachsender Anteil des freigesetzten CO2 landet in der Atmosphäre; Ozeane nehmen weniger auf; in der Natur in den 19990er Jahren noch 60% gebunden, derzeit nur noch 54%;
Ölpreis steigt viel schneller als Preis für Kohle: die Folge: es wird mehr Kohle verbrannt
(ZEIT 31.10.07 S.32)

·       Klimawandel „Naturkatastrophe“?; die Natur erlebt keine Katastrophe, sie bringt Ereignisse hervor, die für Menschen katastrophal sind, also soziale Folgen haben;
kapitaler Denkfehler, man könne den Klimawandel mit protestantischer Gewissensethik und deutscher Ingenieurkunst abwenden; Individuen und Gesellschaften wird eine immense kulturelle Anpassungsleistung abverlangt!;
Sozial- und Kulturwissenschaften gefordert; Gesellschaftszusammenbrüche und Ressourcenkonflikte, Massenmigrationen, Klimakriege und Gewaltökonomien fallen in ihre Zuständigkeit;
die meisten Klimaforscher setzen weiter allein auf Hightech ... als hätten sie von Wertewandel, Lebensstilanalysen oder Konsumentenmacht noch nie gehört
(ZEIT 31.10.07 S.46)

·       Rauchschwaden über Südostasien verstärken Treibhauseffekt (vermindertes Rückstrahlvermögen, winzige schwarze Kohlenstoffpartikel absorbieren Sonnenlicht); anders vor der Wende im „Schwarzen Dreieck“ DDR-Tschechien-Polen: mehr schwefelhaltige Partikel, kleine sehr helle Wassertröpfchen, reflektierten Sonnenstrahlen gut
(Ökotest 10/2007 S.139)

·       Laut Theorie sollten Pflanzen bei mehr CO2 schneller wachsen;
ABER (Freilandversuche):
die Erträge steigen nur zwischen 6 und 15 %;
der Proteingehalt nimmt ab (10-15%);
Vitamin-C-Gehalt bei Kartoffeln nimmt um 50% ab
(taz 31.10.07)

·       Studie Umweltbundesamt;
wenn alle in Deutschland geplanten Klimaschutzmaßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, kostet das Verbraucher und Industrie bis 2020 rund 31 Mrd Euro Investitionen; brächte aber Einsparungen in Höhe von 36 Mrd Euro; damit im Vergleich zu 1990 CO2-Senkung um 36,6% möglich;
(taz 1.11.07)

·       Statistisches Bundesamt:
CO2-Bilanzen beim Ländervergleich verfälscht;
CO2-Ausstoß wird bisher dem Produzenten angerechnet, auch wenn die Produkte exportiert und in einem anderen Land genutzt werden; ein Fernseher, der in China produziert wird, aber dann in einem deutschen Wohnzimmer steht, wird der chinesischen Bilanz zugerechnet;
Deutschlands Energiebilanz ist positiv, d.h. in den exportierten Gütern stecken fast 20% mehr Energie als in den importierten;
(taz 14.11.07)

·       Neuester Ausblick der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zur Weltenergie;
ganz nebenbei – auf Seite 215 ihres Berichts – hat die Behörde ein Tabu verletzt: Der westliche Lebensstil ist unhaltbar – weil er
unmöglich vom Gros der Menschheit kopiert werden könnte, ohne dass die Klimakatastrophe Wirklichkeit wird
(ZEIT 15.11.07 S.25)

·       In Großbritannien Gesetz auf den Weg gebracht: will sich als erstes Land der Welt verpflichten, seine Treibhausgase um 60% zu reduzieren
(Freie Presse Chemnitz 16.11.07)

·       Titel: „Der Mensch als Sünder“ (unmittelbar vor dem „Buß- und Bettag“)
(Freie Presse Chemnitz 19.11.07)

·       Titel: „Signale eindeutig: Der Mensch ist schuld“;
politisches Ziel, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu beschränken; gemeint sind 2 Grad im Verhältnis zur vorindustriellen Zeit; 0,8 Grad haben wir im globalen Mittel schon erreicht; selbst wenn wir heute weltweit alle Treibhausgasemissionen völlig stoppen würden, bekämen wir trotzdem noch zusätzliche 0,6 Grad Erwärmung (Gase, die noch „unterwegs“ sind JK); dann sind wir bei 1,4 Grad, das heißt an rund zwei Drittel des 2-Grad-Zieles können wir schon gar nichts mehr ändern;
Klimaskeptiker behaupten, CO2 sei gar kein Treibhausgas, schwerer als Luft, könne gar nicht dort oben sein (Ozon ist noch schwerer, also auch nicht JK); darauf können wir aber messbare Antworten geben;
“Der Mensch ist schuld“ (Wahrscheinlichkeit 90%);
(Freie Presse 20./21.11.07)

·       Spezifische CO2-Emissionen pro kWh erzeugtem Strom in Gramm;
berücksichtigt sind der Betrieb sowie der gesamte Lebenszyklus von Anlagen einschließlich aller Produktionsschritte (Öko-Institut Darmstadt)

Energieträger

Gramm CO2 je kWh

Braunkohle

1153

Steinkohle

949

Erdgas

428

Solarzelle multikristallin

101

Erdgas-Blockheizkraftwerk

49

Wasserkraft

40

Kernkraftwerk (ohne Entsorgung)

32

Windpark

24

(Spiegel 12/2007 S.43)

·       (3ff; Sven Plöger:)
Klima ist gemitteltes Wetter, 30 Jahre, räumlich ganze Regionen oder der ganze Erdball;
Wetterextreme an einem Ort können keinen Klimawandel anzeigen, das kann nur ihre Häufung über einen langen Zeitraum;
vor 6000 bis 7000 und noch einmal vor 4000 bis 5000 Jahren im „Hauptoptimum“ der Nacheiszeit war das Klima wärmer und feuchter als heute – mit einer grünen Sahara; auch ein „römisches Optimum“ ist nachzuweisen, welches Hannibal die Überquerung der Alpen erleichterte, oder das „mittelalterliche Optimum“, als die Normannen das „grüne Land“ (Grönland) haben besiedeln können. Demgegenüber steht die „kleine Eiszeit“, die bis ca. 1850 andauerte;
entscheidend ist die Geschwindigkeit der Änderung, die wir derzeit erleben, nicht der absolute Zahlenwert der Erwärmung;
zusätzlicher Eintrag an Treibhausgasen durch den Menschen, derzeit allein beim CO2 25 Milliarden t jährlich;
mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95% hat neben den natürlichen Einflüssen ein weiterer Antrieb gewirkt, mit dem sich die Temperatursteigerung erklären lässt: der Mensch, dessen Einfluss auf das Klima damit als erheblich angesehen werden kann;
hundertprozentig werden wir die Natur nie verstehen, und unsere Berechnungen werden immer nur mehr oder weniger grobe Annäherungen an das Geschehen bleiben;
in der Klimageschichte hat sich der CO2-Gehalt der Atmosphäre immer erst als Folge eines Temperaturanstiegs erhöht? – das ist tatsächlich so: wenn z.B. durch Veränderung der Bahnparameter der Sonne Temperatur steigt, gast aus den erwärmten Ozeanen mehr CO2 aus; verstärkt als Rückkopplung den Treibhauseffekt weiter;
in Zukunft eine weltweit transparente und effiziente Strategie entwickeln, um die notwendige Energie so umweltschonend wie möglich zu gewinnen; das ist auch ohne Klimawandel sinnvoll!
gute mutmachende Beispiele: Ozonloch und FCKW-Verzicht; Waldsterben und konsequente Reduktion des Schwefeldioxidausstoßes;
(7ff Stefan Rahmstorf:)
1957/58 gelang der Nachweis, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre tatsächlich ansteigt, und dass es sich um Kohlenstoff aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe handelt (Isotopenanalysen);
2005 Rekordwert der CO2-Konzentration von 380 ppm; höchster Wert seit mindestens 700.000 Jahren (Daten aus Eisbohrkernen);
jedes Jahr verbrennen wir Kohle und Öl in einer Menge, wie sie sich in rund 1 Million Jahren gebildet haben; nur die Hälfte des dabei freigesetzten CO2 befindet sich in der Atmosphäre; die andere Hälfte von Ozeanen und Biosphäre aufgenommen;
wichtigstes Treibhausgas ist Wasserdampf, taucht in der Debatte nicht auf, weil der Mensch seine Konzentration  nicht beeinflussen kann;
Erwärmung im letzten Jahrhundert: frühe Erwärmungsphase bis 1940, danach Stagnation bis in die 1970er Jahre, seither neuer, bislang ungebrochener Erwärmungstrend; zumindest der Erwärmungsschub seit den 1970er Jahren ist nicht mit natürlichen Ursachen zu erklären;
die Daten sprechen dagegen, dass es im Mittelalter in der Nordhemisphäre schon einmal wärmer war;
nach Ende der letzten Eiszeit vor 15.000 Jahren erwärmte sich das Klima global um etwa 5 Grad über einen Zeitraum von 5.000 Jahren; der Mensch droht nun einen ähnlich einschneidenden Klimawandel innerhalb eines Jahrhunderts herbeizuführen
(14ff; Claudia Kemfert; Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: Die ökonomischen Folgen des Klimawandels)
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu „Das Parlament“; 47/2007: „Klimawandel“)

·       Die Demokratie muss schneller werden;
die Klimawende zielt aufs Ganze (Heizen, Mobilität, Technik, Ernährung … auf dem Prüfstand);
Demokratie und Nachhaltigkeit sind keine natürlichen Verbündeten. Demokratie und Fernstenliebe auch nicht. Der Wille des Volkes neigt sehr zum Hier und Jetzt.;
Demokratie ist langsam;
die Peitsche ist in der Demokratie kein besonders wirksames Instrument;
es ist nicht die Ökologie, die nun die Freiheit der westlichen Gesellschaften beschneidet, sondern es sind die Folgen – falsch oder fahrlässig – angewandter Freiheit, die nun die Räume eng machen.;
Bewohner einer Malediven-Insel: „Wenn wir noch lange auf den Beweis (für den Klimawandel JK) warten, sind wird irgendwann tot.“;
43 kleine Inselstaaten haben vor 2 Wochen eine Deklaration verabschiedet; in einem Satz: „Wir gehen unter, und ihr seid schuld.“
(ZEIT 29.11.07 S.33ff)

·       CO2-Ausstoß mittlerweile 28 Milliarden t pro Jahr, doppelt so viel wie 1970;
0,028 Prozent CO2 in der Atmosphäre sorgen für den natürlichen Treibhauseffekt, durch ihn ist es auf dem blauen Planeten 33 Grad wärmer, 2200 Milliarden t CO2 waren Anfang des 18. Jh. In der Atmosphäre (das sind die 0,028%); heute sind es 2900 Mrd t;
soll die menschengemachte Erwärmung unter 2 Grad bleiben, dürfen noch 180 Mrd t emittiert werden;
Beitrag Chinas: absolut im CO2-Ausstoß auf Platz 1 aller Länder; aber pro Kopf ist der Ausstoß niedrig, 34% der Emissionen stecken in der Herstellung von
Exportprodukten; und seit 1850 hat China nur 14% zum Klimawandel beigetragen (USA und Europa deutlich mehr);
in den vergangenen 4 Jahren stieg der weltweite Kohleverbrauch doppelt so schnell wie der gesamte Energieverbrauch (Öl- und Gaspreise schnell gestiegen);
gerechte Verteilung der zulässigen CO2-Emissionen pro Kopf: 2 t; das schaffen derzeit die Kubaner und Ägypter;
um die nukleare Stromproduktion nur zu verdreifachen bis 2050, müsste aller 6 Wochen irgendwo auf der Welt ein neues Atomkraftwerk ans Netz gehen
(ZEIT 29.11.07 S.31ff)

·       Seit 1970 Zunahme des Ausstoßes von Treibhausgasen durch Menschen um 70%
(taz 1./2.12.07)

·       Der Mensch setzt pro Jahr 22 Mrd t CO2 frei; die gesamte Biosphäre setzt 770 Mrd t um; aber: die 770 Mrd t werden in natürlichen Kreisläufen freigesetzt und wieder gebunden, während der Mensch zusätzliche Mengen aus den Speichern der Natur durch Verbrennung freisetzt und dadurch die ausgeglichene Bilanz durcheinander bringt;
(taz 4.12.07)

·       (3ff) Geistes- und Kulturwissenschaften sind … katastrophenblind;
viele der ökologischen Probleme … sind
keine Naturkatastrophen, sondern die zugrunde liegenden Prozesse sind von Menschen gemacht; die Folgen sind in jedem Fall sozial; nicht (nur) die Naturwissenschaften, die Geistes- und Kulturwissenschaften sind zuständig;
(Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zu „Das Parlament“, 46/2007: „Geisteswissenschaften“)

·       Nach Prognosen des IPCC wird die winterliche Schneemenge in Europa in den nächsten hundert Jahren um 80-90% zurückgehen; Schneesicherheit bald nur noch in Lagen über 1500 Meter Höhe
(bdw 4/2007 S.57)

·       (20) Quellen und Anteile von Treibhausgasen weltweit 2000 in Prozent

Emissions-Quelle

Anteil in Prozent

Kraftwerke

24

Brandrodung und Abholzung von Wäldern

18

Landwirtschaft (Düngung, Tierhaltung)

14

Industrieproduktion

14

Verkehr

14

Heizenergie

8

Sonstiger Energieumsatz

5

Müll

3

(29) „Wer heute die Elbe ausbaut, muss sich rechtfertigen, wenn der Fluss irgendwann nicht mehr schiffbar ist“ (Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes);
Nach den Berechnungen der Versicherungswirtschaft gehen nahezu 90% der größeren Schadensfälle in Europa seit 1980 auf Naturereignisse wie Stürme, Hochwasser oder Hitzewellen zurück.
(Spiegel Special Magazin 1/2007: Neue Energien – Wege aus der Klimakatastrophe)

·       Das medial inszenierte Bild des gewaltigen Eisbären auf einer winzigen Eisscholle suggeriert höchste Not. In Wirklichkeit sieht es anders aus: Sieben der zwölf bislang untersuchten Eisbärpopulationen sind stabil oder nehmen sogar zu. Die Biologen sind ratlos. Braucht der Eisbär wirklich das Eis? Oder kann er, wie der Braunbär, nicht auch an Land jagen?
(Spiegel 47/2007 S.169)

·       Auf 130.000 Quadratkilometer schätzen die UN Food an Agricultural Organization (FAO) und das UN-Umweltprogramm (UNEP) in aktuellen Berichten den jährlichen Verlust an unwiederbringlichem tropischem Wald. Das entspricht einer Fläche, die so groß ist wie Österreich, die Schweiz und Belgien zusammen. Für das Klima ist das verheerend: Ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen stammen aus Abholzung und desaströser Landnutzung. Gleichzeitig gehen mit den Wäldern wichtige so genannte CO2-Senken verloren … Indonesien ist der größte Übeltäter
(Das Parlament 26.11.07 S.12)

·       Pro und Contra Kohlendioxidabscheidung in Kraftwerken;
CONTRA: frühestens 2020 bis 2030 praxisreif; IPCC schätzt, dass sich im Jahr 2050 gerade einmal 20 bis 40% der globalen fossilen CO2-Emissionen einsparen lassen; neue Kraftwerke nötig, Wirkungsgrad sinkt wegen des Energieverbrauchs für die Abscheidung um ein Drittel; Wirkungsgrad sinkt um bis zu 40%, Kosten steigen um bis zu 90%;
PRO: selbst Greenpeace geht davon aus, dass fossile Brennstoffe 2050 noch knapp die Hälfte der Energie bereitstellen müssen; außenpolitische Sorge, dass Ölvorkommen in politisch äußerst instabilen Regionen liegen; Kohle dagegen ist über den gesamten Globus gleichmäßig verteilt (und Vorräte sind weitaus größer); Öl kann man auch aus Kohle herstellen (Fischer-Tropsch-Verfahren; Beispiele in Notzeiten: Nazi-Deutschland, Südafrika); Kosten heute in Südafrika für Sprit aus Kohle: 25 Dollar je Fass; Kohlesprit in Deutschland (Kohlemanager haben darüber schon mit Merkel gesprochen) würde etwa 60 Dollar je Fass kosten (derzeitiger Preis Weltmarkt für Öl: 100 Dollar je Fass); wir stehen vor einer Renaissance der Kohle
(taz 7.12.07)

·       Interview mit dem Vorstandschef der Münchener Rückversicherung (Nikolaus von Bomhard); ist gerade vom WWF und „Capital“ zum Ökomanager des Jahres gekürt worden;
“Zwei Grad sind genug“;
wetterbedingte Katastrophen nehme stetig zu … wegen des vom Menschen maßgeblich verursachten Klimawandels;
in Bali geht es um viel mehr als um extreme
Wetterereignisse. Wenn etwa die großen Gletscher im Himalaya schmelzen, bekommen zum Beispiel China und Indien künftig ernste Probleme mit der Wasserversorgung;
wir wissen, dass der Klimawandel sehr wahrscheinlich zur Häufung der Stürme (Hurrikane) beiträgt;
wir begünstigen klimaverträgliche Unternehmen bei unseren Investitionsentscheidungen;
Nicht Klimaschutz, sondern unterlassener Klimaschutz ist teuer, und zwar um ein Vielfaches mehr. Frage: Denken Ihre Kollegen in den Vorstandsetagen anderer Großunternehmen auch so? – In der deutschen oder europäischen Industrie kenne ich jedenfalls niemanden mehr, der den Sachverhalt in Frage stellt. Die Autoindustrie, die Energiewirtschaft – alle bemühen sich. Das ist ein Topthema im Management.;
Das Klimaproblem ist auch deshalb entstanden, weil am CO2-Ausstoß bisher kein Preisschild klebt (wir brauchen einen weltweiten Markt, auf dem Emissionsrechte gehandelt werden)
(Die Zeit 6.12.07 S.34)

·       Seit dem Gipfel von Rio 1992 ist der Ausstoß von CO2 weltweit um mehr als 30% gestiegen;
Mitte der 1990er Jahre erklärten US-Präsident
Bill Clinton und sein Vize Al Gore zwar ihre grundsätzliche Bereitschaft zu einer internationalen Klimaschutzvereinbarung; im Nacken sitzt ihnen aber ein Verein, der sich Global Climate Coalition nennt. In dem Club mit dem unverfänglichen Namen haben sich Konzerne zusammengeschlossen, um die Öffentlichkeit gegen die Klimapolitik zu mobilisieren;
der Kioto-Vertrag verlangsamt die Erderwärmung kaum, um deutlich weniger als ein Zehntel Grad;
die Global Climate Coalition hat sich aufgelöst; statt dessen tritt auf Bali die Internationale Emissionshandels-Vereinigung (IETA) in Erscheinung – und zwar pro Klimaschutz. General Electric und American Electric Power, Chevron und DuPont, E.on und RWE gehören unter anderem dazu. Die Vereinigung ist die größte „BINGO“ bei der Bali-Konferenz, die größte Business-NGO.;
nach der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls durch Australien vor zwei Wochen sind die USA als letzte Industrienation isoliert, die sich dem Klimaschutz verweigert
(Die Zeit 13.12.07 S.3)

·       In den vergangenen sechs Jahren gingen 65 Prozent der zusätzlich dauerhaft in die Atmosphäre eingelagerten Emissionen auf das Konto des Wirtschaftswachstums, 17 Prozent sind dem Anstieg der Kohlenutzung zuzuordnen und bereits 18 Prozent sind der verminderten Aufnahmefähigkeit (durch Ozeane und Regenwälder) geschuldet
(Die Zeit 13.12.07 S.33)

·       Pro Zentimeter Meeresspegelanstieg geht etwa 1 Meter Küstenland verloren; in Bangladesh leben rund 17 Millionen Menschen weniger als 1 Meter über dem Meeresspiegel;
Wir können jetzt die Weichen für eine langfristige Umkehr stellen – in zehn Jahren sind unsere Handlungsmöglichkeiten verschwunden (Georg Rosenbauer, SIEMENS Power Generation);
(„Klimawandel“; Beilage zur ZEIT vom 6.12.07; SIEMENS AG)

·       Ergebnisse der Klimakonferenz von Bali;
Erstmals haben die USA quantifizierbare Begrenzungen ihres Treibhausgasausstoßes akzeptiert. Und die Entwicklungsländer sind erstmals bereit, sich zu ihren nationalen Bedingungen angemessenen Klimaschutzmaßnahmen zu verpflichten (Fazit NABU)
(taz 17.12.07)

·       Kanzlerin Merkel: im Jahr 2050 soll jeder Erdenbürger maximal 2 Tonnen CO2 im Jahr erzeugen, das ist die Hälfte des heutigen Durchschnittswertes;
Programm der Bundesregierung soll bis 2020 gegenüber 1990 CO2-Ausstoß um 40% reduzieren; sogar Greenpeace hält durch die Maßnahmen 30% für möglich
(Spiegel 50/2007 S.52ff)

·       Internationale Energieagentur IEA veröffentlichte am 7.11.07 ihren jährlichen World Energy Outlook; drei Szenarien von 2005 bis 2030; Referenz-Szenario derzeitige Politik fortgesetzt, Hochwachstums-Szenario und Alternativ-Szenario mit Umsetzung der geplanten Klimaschutzmaßnahmen;
bei
Fortsetzung der bisherigen Politik steigt globaler Energieverbrauch um 55 %, die Treibhausgasemissionen (THGE) um 58%; Temperaturanstieg um 5 Grad;
bei Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen: Steigerung E-Verbrauch um 39 %, THGE 27 %;
erstmals stellt die IEA einen sogenannten 450-ppm-Stabilisierungsfall vor;
geht – losgelöst von tatsächlichen Politiken – davon aus, dass THGE 2012 mit 30 Gt (Milliarden Tonnen) ihren Höhepunkt erreichen und dann bis 2030 auf 23 Gt zurückgehen;
soll erreicht werden durch: Effizienzsteigerung 28 %; Ausbau erneuerbare Energien 19 %; Biokraftstoffe 4 %; Ausbau Kernenergie 16 %; CO2-Abscheidung bei der Verbrennung 21 %; ab 2015 nur noch CO2-freie Stromerzeugung;
in dem Szenario haben erneuerbare Energien 22 % Anteil; Kernenergie steigt von heute 6,3 auf 12 % Anteil (Ausbau auf 833 GW 2030 = jährlich 50 neue KKW weltweit zu errichten);
CCS wohl überschätzt: bis 2030 müssten kumuliert 32 Gt CO2 abgeschieden und gelagert werden (derzeit keine Speicher in diesem Umfang vorhanden);
(Umwelt, BMU 1-2008 S.25)

·       Norwegischer Ministerpräsident Stoltenberg:
wir haben genug Lagerraum, um die Treibhausgase von ganz Europa in alten Öl- und Gaslagerstätten zu lagern
(Spiegel 6-2008 S.115)

·       In die Klimabilanz für Deutschland gehen beim Luftverkehr nur die Inlandsflüge ein (das ist der Rechenweg laut Kioto-Protokoll); 10 Mrd. Passagierkilometer; = 0,5% der deutschen Klimabilanz;
grenzüberschreitende Flüge sind 180 Mrd. Passagierkilometer; das wären 3 % der deutschen CO2-Klimabilanz, bei Berücksichtigung aller Treibhausgase = 8%;
der Flugverkehr würde bei weiterem Wachstum 2013 das Klima so stark belasten wie der PKW-Verkehr: je 92 Mill. t CO2-Äquivalent;
für eine deutliche Lenkungswirkung müsste eine Flugbenzinsteuer 1000 Euro je 1000 Liter Kerosin betragen, das würde einen innereuropäischen Flug um etwa 30 Euro verteuern
(Schallaböck, Wuppertal-Institut)
(Taz 14.4.08)

·       Globale CO2-Emissionen haben von 2000 bis 2006 um 20% zugenommen, auf Rekordmenge von 8,38 Mrd t (Angabe wohl als Kohlenstoff ?!! – das wären 30,7 Mrd t CO2) im Jahr 2006; damit schlimmste Erwartungen des Weltklimarates übertroffen
(taz 12./13.4.08)

·       Teile Deutschlands waren bis in die Fünfzigerjahre Malariagebiete, in denen einheimische Anophelesmücken die Krankheit auf den Menschen übertrugen
(Deutsches Ärzteblatt 16.2.07 S.A405)

·       CO2-Lagerung: Verpressung in der Erde oder Versenkung in der Tiefsee;
im August 2008 soll die erste Versuchsanlage von Vattenfall in Betrieb gehen, weniger als ein Zehntel CO2 freisetzen; Kosten geschätzt: 25-30 Euro je Tonne CO2 (andere Schätzungen: zwischen 40 und 60 (Wuppertal-Inst., RWE);
Verpressung in Endlagern unter der Erde: Leer gepumpte Öl- und Gasfelder, saline Aquifere (poröse Gesteinsschichten mit Salzwasser), Öllagerstätten auf dem Meeresgrund; weltweite Kapazität etwa 1700 Mrd. t CO2; reicht für 160 Jahre, in Deutschland Kapazitäten für 60 a;
Einleitung unter Druck in die Tiefsee (umstritten);
Verfahren, um CO2 abzufangen:
a) Oxyfuel (Verbrennen mit reinem Sauerstoff; Verflüssigen)
b) IGCC (1. Stufe Schwelen, dann CO abtrennen und separat verbrennen, Verflüssigung)
c) Rauchgaswäsche (nachrüstbar, aber teuer)
(ZEIT 10.4.08 S.39ff)

·       NASA-Institut: auch wenn wir 450 ppm CO2 als Obergrenze einhalten, könnte das längerfristig bedeuten, dass wahrscheinlich das gesamte kontinentale Eis schmilzt = 75 Meter Meeresspiegelanstieg
(taz 8.4.08)

·       2006 warnten 86 evangelikale Führer in den USA vor einer Klimakatastrophe; im Jahr darauf veröffentlichte die Vereinigung der Evangelikalen einen Aufruf zum Klimaschutz, in dem es hieß: “Dies ist Gottes Welt, und jeder Schaden, den wir in Gottes Welt anrichten, ist ein Angriff auf Gott selbst.“
(taz 1.4.08)

·       Paul Crutzen (Nobelpreis für Entdeckung des Ozonlochs) hatte vor 2 Jahren als „Notlösung“ vorgeschlagen, den Temperaturanstieg der Erde durch Ausbringen von Sulfat (5,3 Millionen Tonnen) in die Atmosphäre zu mildern;
Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen 1991 hatte 10 Millionen Tonnen Sulfate freigesetzt, das führte zu einer spürbare weltweiten Abkühlung (im Jahr nach dem Ausbruch um 0,5 Grad); die Sulfate führten aber in den Folgejahren auch zu einer Schädigung der Ozonschicht;
deutsche und amerikanische Forscher warnten vor dem Versuch, durch großtechnische Veränderungen der Atmosphäre die Erderwärmung abzubremsen; vor allem die Ozonschicht könnte gravierend geschädigt werden;
(taz 25.4.08)

·       80% des Süßwassers der Erde lagern in der Antarktis; würde das Eis dort komplett abschmelzen, würden die Ozeane um rund 70 Meter anschwellen;
bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass selbst in Zeiten globaler Erwärmung das antarktiasche Eis stabil sein würde, vielleicht sogar noch zunimmt (mehr Niederschläge durch wärmere und damit feuchtere Luft);
jetzt Beobachtung, dass das Eis schneller abschmilzt; warmes Wasser von unten her taut die Schelfe an; Gletscher vom Festland rutschen jetzt schneller ab;
(Spiegel 12-2008 S.130)

·       EU-Kommissionspräsident Barroso setzt im Kampf gegen den Klimawandel auf die Unterstützung der europäischen Kirchen und Religionsgemeinschaften; Treffen mit 20 Repräsentanten; könnten einen wertvollen Beitrag zur Mobilisierung der Bürger leisten; „Klimaschutz ist auch eine Frage der Ethik“
(Der Sonntag Sachsen 11.5.08)

·       Sahara:
der jahrtausendealte Trend der natürlichen Wüstenausdehnung ist zum Stillstand gekommen – aufgrund des Klimawandels; am Wüstenrand haben wir zunehmende Niederschläge, und in der unbewohnten Wüste sehen wir einen Trend zu einem neuen Ergrünen der Sahara durch die vom Menschen verursachte Erderwärmung
(taz 9.5.08)

·       Apfelblüte in Niedersachsen beginnt wegen des Klimawandels 19 Tage früher als vor 30 Jahren; auch Ernte verschiebt sich nach vorn
(taz 23.5.08)

·       Bis 2014 will Vattenfall ein Demonstrationskraftwerk mit Kohlendioxidabscheidung (CCS) für 1 Milliarde Euro in Jänschwalde bauen; 500 MW; „Vattenfall als Braunkohleverstromer ist ein Teil des weltweiten Klimaproblems“ und müsse bis 2030 seinen CO2-Ausstoß halbieren;
CO2 wird abgeschieden, verflüssigt, dann in ausgebeutete Erdgaslagerstätten oder so genannte saline Aquifere gepresst (poröse Gesteinsformationen, die im Erdreich isoliert sind; in Schwarze Pumpe nimmt im Sommer eine CCS-Pilotanlage ihren Betrieb auf; 7 bis 9 Tankzüge sollen von dort täglich in die Altmark fahren; Verpressung in ausgegasten Erdgaslagerstätten;
für das Demo-Kraftwerk Jänschwalde werde dann eine 350 km lange Leitung in die Altmark nötig
(taz 23.5.08)

·       Technisches Papier des IPCC zu Klimaänderung und Wasser:
Die beobachtete Erwärmung ist bereits jetzt mit Änderungen im globalen Wasserkreislauf verbunden. So ist in den meisten Regionen die Häufigkeit starker Niederschlagsereignisse gestiegen. Andererseits hat sich global die als „sehr trocken“ eingestufte Landfläche seit 1970 mehr als verdoppelt;
In Regionen, deren Wasserversorgung von Schmelzwasser abhängt, wird die Wasserverfügbarkeit wegen der abnehmenden Speicherung in Gletschern und Schnee im Laufe des Jahrhunderts abnehmen. In diesen Regionen lebt heute ein Sechstel der Weltbevölkerung;
Höhere Wassertemperaturen und Extremereignisse beeinträchtigen auch die Wasserqualität und verstärken viele Arten von Wasserverschmutzung;
Der Meeresspegelanstieg führt wegen der Versalzung in Küstenregionen dazu, dass weniger Süßwasser zur Verfügung steht;
Bis 2050 zeigen die Modellprojektionen, dass die Landfläche, in der die Klimaänderung zu wachsender Wasserknappheit führt, doppelt so groß ist wie diejenige, in der die Wasserknappheit abnimmt;
(Umwelt BMU 6-2008 S.238)

·       Norwegens Ex-Umweltminister regt an, dass Norwegen ein radikales klimapolitisches Zeichen setzt: Reduzierung des Tempos der Ausbeutung der Ölquellen – würde auch die Vorräte strecken;
Nicholas Stern dazu: Norwegen könne ein Signal setzen, würde es Öl und Gas demonstrativ im Boden lassen
(taz 5.6.08)

·       Bundeskanzlerin Merkel sprach im Zusammenhang mit Klimaschutz (bisher nur) genau einmal von einer „Bürgerpflicht … in den eigenen vier Wänden“;
Klimaschutzgegner sprechen dagegen von „Ökodiktatur“; so wird die Verschwendung zum Akt des Widerstandes geadelt; „Wer soll das bezahlen?“
(ZEIT 5.6.08 S.1)

·       Vertraulicher Bericht der Weltbank: Herstellung von Treibstoff aus Pflanzen habe Nahrungsmittel weltweit um bis zu 75% verteuert (USA-Schätzungen bisher: weniger als 3%)
(Freie Presse Chemnitz 5./6.7.08)

·       Interview mit EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel;
die europäische Bioethanol- und Biodieselproduktion ist nicht verantwortlich für die Verteuerung der Nahrungsmittel; wir haben gerade einmal 1% unserer Erträge für Treibstoffe verwendet
(ZEIT 12.6.08 S.28)

·       Gesetzespaket der Bundesregierung Klimaschutz 1:
Erneuerbare-Energien-Gesetz: Solarstromvergütung ab 2009 43 Cent je kWh; Umlage der Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien verteuert den Strompreis für einen Mehrpersonenhaushalt (3500 kWh Jahresverbrauch) derzeit um 3 Euro je Monat, steigt bis 2015 auf 5 Euro je Monat, danach Rückgang;
Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz: bei Neubauten muss ein Teil der Wärme aus erneuerbaren Energien stammen (betroffen jährlich etwa 175.000 Neubauten, davon 150.000 Wohngebäude);
Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz: erhöhte Einspeisevergütung für neue, kleine Anlagen in Wohnhäusern;
Intelligente Strom- und Gaszähler: müssen ab 2010 eingebaut werden; registrieren Zeiten billigeren Stroms
(taz 7./8.6.08)

·       171 Pflanzenarten in 6 Waldgebieten Europas untersucht; Klimawandel Erwärmung treibt Pflanzen pro Jahrzehnt um durchschnittlich 29 Meter nach oben
(taz 27.6.08)

·       Zwischen 1971 und 2000 lag Sachsens Jahresmitteltemperatur bei 8,4 Grad; eine gemäßigte Klimaprojektion rechnet für 2071 bis 2100 mit durchschnittlich 12,1 Grad; Erwärmung im Sommer stärker als im Winter;
global: Ein Anstieg der Temperatur unter zwei Grad ist sehr unwahrscheinlich, über sechs Grad sind nicht auszuschließen (Sachsens „Klimapapst“ Küchler)
(Sächsische Zeitung 5./6.7.08 M2f.)

·       (S.17)
+ Klimawandel: Wie verändert sich das Klima in Sachsen? Diagnose (Klimatrends), Projektion (Klimasimulation)
+ Klimafolgen: Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf Sachsen? Szenarien der Auswirkungen, Anpassungsmaßnahmen
+ Klimaschutz: Wie können die Treibhausgasemissionen in Sachsen reduziert werden? Erfassung der THG-Emissionen, Klimaschutzprogramm (Energieeffizienz, Erneuerbare Energien);
(21) Deponien und Altablagerungen verursachten in Sachsen 2004 ca. 5 Millionen t CO2-Äquivalente, das entspricht 8% der gesamten sächsischen THG-Emissionen;
(22) Für den Zeitraum der meteorologischen Messungen seit 1761 kann der Sommer 2003 als äußerst extremes und statistisch gesehen nahezu „unmögliches“ Ereignis gewertet werden … unter Annahme eines konstanten Klimas sollte sich eine solche Hitzeperiode höchstens alle 10.000 Jahre ereignen;
(32) Technisch-realistische Potenziale erneuerbarer Energien in Sachsen (in GWh/a):
Wind 4.750, Wasser 400, Biomasse 8.430, Solarenergie (PV+thermisch) 17.000, Geothermie (bis 400 m) 17.000;
(34) Nutzung erneuerbarer Energien in Sachsen (Strom und Wärme 2006 in GWh, Werte geschätzt aus Grafik): Wasser 260, Photovoltaik 50, Solarthermie 60, Wind 1270, Biomasse/Biogas 730, Biomasse Holzfeuerung 430, Biomasse thermisch 1460, Biogas thermisch 100, Geothermie 110; Summe 4500
(Freistaat Sachsen, Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Umweltbericht 2007)

·       Stromverbrauch in Rechenzentren;
die Kommunikationstechnik trägt so stark zur Klimaerwärmung bei wie
der gesamte Flugverkehr;
Beispiel Leibniz-Rechenzentrum Garching; Stromverbrauch 8 Megawatt;
für den Stromverbrauch, der auf eine einzige Anfrage bei GOOGLE entfällt, könnte eine 11-Watt-Energiesparlampe zwischen 15 und 60 Minuten lang leuchten
(Spiegel 13-2008 S.154)

·       Klima der Erde … ein solch gewaltiger Apparat, dass wir selbst mit den besten Klimamodellen nur Szenarien durchspielen, keinesfalls aber das Klima berechnen oder gar vorhersagen können.
Das Wort „Klimaschutz“ verdeutlicht unfreiwillig eine
grundlegende Ignoranz: Vielen ist bekannt, dass sich das Klima in der Erdgeschichte immer wieder geändert hat, aber nur wenige wissen, dass es sich gerade in den vergangenen 10.000 Jahren im Vergleich zur restlichen Erdgeschichte sehr stabil und damit außergewöhnlich verhalten hat. Der Normalzustand des Klimas ist ein bewegtes Auf und Ab, gegen das die heutigen Klimaschwankungen  sich äußerst gering abheben. Das muss uns nicht unbedingt beruhigen, denn erstens gibt uns die Natur keinen Beleg dafür, dass dieser relativ stabile Zustand noch lange so bleibt, und zweitens haben wir uns an diesen seit 10.000 Jahren währenden Status angepasst. Nicht wir müssen also das Klima schützen, sondern wir müssen uns vor möglichen Klimaänderungen, auch den von uns selbst verursachten, schützen …
(ZEIT 17.1.08 S.33)

·       Regierungserklärung zum Klimagipfel in Bali;
Beitrag Göppel (CDU/CSU): … dass die
deutsche Bundeskanzlerin in ihrer Rede beim Besuch in Japan gesagt hat:
Jeder Mensch auf der Erde hat das gleiche Recht, die Atmosphäre zu beanspruchen; 2 Tonnen (CO2-Emission im Jahr) pro Kopf müssen das Ziel sein; auf diesen Wert müssen auch wir mit unserem Lebensstil herunterkommen
(Das Parlament 21.1.08 Debattendokumentation S.7)

·       (S.10ff.) Erkenntnisse aus Eisbohrungen;
Datierung durch Eisbohrungen; in Grönland entsteht jährlich eine 20 cm dicke neue Eisschicht; einzelne Jahresschichten zu erkennen; denn in der Saison mit wenig Schneefall lagert sich Staub auf dem Eisschild ab, es entsteht eine dunklere Schicht, während in der schneereichen Jahreszeit eine hellere Lage entsteht; diese Jahresschichten kann man abzählen, das ist die genaueste Datierungsmethode für Eis; in Grönland reicht das Eis ca. 120.000 Jahre in die Vergangenheit zurück; in der Antarktis, wo das Klima trockener und damit der Schneefall geringer ist, sogar weit über 800.000 Jahre altes Eis geborgen; …
An dem Eis kann man eine Vielzahl von Parametern messen. Einer der wichtigsten ist der Gehalt an dem Sauerstoff-Isotop O-18; bei vielen physikalischen, chemischen oder biologischen Prozessen findet eine so genannte Fraktionierung statt: Sie laufen für verschiedene Isotope (des gleichen chemischen Elements) unterschiedlich schnell ab. So verdunsten die Wassermoleküle mit dem „normalen“ Sauerstoff-16 schneller als die des etwas schwereren mit Sauerstoff-18. Die Fraktionierung ist dabei abhängig von der Temperatur. Dies gilt auch für die Fraktionierung bei der Bildung von Schneekristallen – deshalb hängt der Gehalt an O-18 im Schnee von der Temperatur ab. Nach einer geeigneten Eichung kann man den O-18-Gehalt im Eisbohrkern als ein annäherndes Maß (als so genanntes Proxy) für die Temperatur zur Zeit der Entstehung des Schnees nehmen.
Andere wichtige Größen, die im Eis gemessen werden können, sind der Staubgehalt und die Zusammensetzung der in kleinen Bläschen im Eis eingeschlossenen Luft – so verfügt man sogar über Proben der damaligen Atmosphäre. Man kann daran den früheren Gehalt an Kohlendioxid, Methan und anderen Gasen bestimmen … berühmt ist der in den 80er und 90er Jahren in der Antarktis gebohrte … Wostok-Eiskern, mit dem erstmals die genaue Geschichte des Temperaturverlaufs und der atmosphärischen CO2-Konzentration der letzten 420.000 Jahre gewonnen wurde …

·       Aus einer einzelnen Datenreihe sollten … nicht zu weit reichende Schlüsse gezogen werden; erst wenn die Ergebnisse durch mehrere unabhängige Datensätze und Verfahren bestätigt wurden, können sie als belastbar gelten. In ihrer Gesamtheit betrachtet liefern Proxy-Daten heute jedoch bereits ein erstaunlich gutes und detailliertes Bild der Klimageschichte
(S.13) Klimaänderungen sind eine Folge von Änderungen in der Energiebilanz (eingestrahlte und abgestrahlte Energie der Erde). Dafür gibt es drei grundsätzliche Möglichkeiten.
Erstens kann die ankommende Sonnenstrahlung durch Änderungen in der Umlaufbahn der Erde um die Sonne oder in der Sonne selbst variieren.
Zweites kann der ins All zurückgespiegelte Anteil sich ändern. Diese so genannte Albedo beträgt im heutigen Klima 30%. Sie hängt von der Bewölkung und der Helligkeit der Erdoberfläche ab, also von Eisbedeckung, Landnutzung und Verteilung der Kontinente.
Und drittens wird die abgehende Wärmestrahlung durch den Gehalt der Atmosphäre an absorbierenden Gasen (oft Treibhausgase genannt) und Aerosolen (also Partikeln in der Luft) beeinflusst.;
Zum Glück ist die Berechnung von Klimagrößen (also Mittelwerten) einfacher als die Wettervorhersage, denn Wetter ist stochastisch (ist hier „chaotisch“ gemeint? JK) und wird stark von Zufallschwankungen geprägt, das Klima dagegen kaum. Stellen wir uns einen Topf mit brodelns kochendem Wasser vor: Wettervorhersage gleicht dem Versuch zu berechnen, wo die nächste Blase aufsteigen wird. Eine „Klimaaussage“ wäre dagegen, dass die mittlere Temperatur kochenden Wassers bei Normaldruck 100 Grad Celsius beträgt, im Gebirge auf 2.500 Meter Höhe durch den geringeren Luftdruck (also bei veränderten Randbedingungen) dagegen nur 90 Grad Celsius;
(S.15) Kohlendioxid-Kreislauf
Durch Verwitterung von Gestein an Land (hauptsächlich im Gebirge) wird CO2 aus der Atmosphäre gebunden und gelangt durch Sedimentation teilweise wieder in die Erdkruste. Gäbe es keinen gegenläufigen Mechanismus, würde auf diese Weise im Lauf der Jahrmillionen alles CO2 aus der Atmosphäre verschwinden und ein lebensfeindliches eisiges Klima entstehen. Zum Glück gibt es aber auch einen Weg, auf dem das CO2 wieder in die Atmosphäre zurück gelangen kann: Da die Kontinente driften, wird der Meeresgrund mit seiner Sedimentfracht an manchen Stellen ins Erdinnere gedrückt. Bei den dort herrschenden hohen Temperaturen und Drücken wird das CO2 freigesetzt bund entweicht durch Vulkane zurück in die Atmosphäre …
Erde war in ihrer Geschichte mehrmals von einem Eispanzer bedeckt … am Ende half der Kohlendioxid-Regelkreis der Erde wieder aus dem tiefgefrorenen Zustand heraus: Die CO2-Senke der Atmsphäre (nämlich die Verwitterung) kommt unter dem Eis zum Erliegen, die CO2-Quelle (Vulkanismus) aber bleibt bestehen. So steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre unaufhaltsam um ein Vielfaches an (möglicherweise bis zu einer Konzentration von 10%) … in der Folge Abtauen und Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius …
(S.33) Die jedes Jahr verbrannte Menge an fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl, Erdgas) entspricht etwa dem, was sich zur Zeit der Entstehung der Lagerstätten … in rund einer Million Jahre gebildet hat. …
(S.42) Dass natürliche Ursachen prinzipiell auch eine deutlich stärkere Erwärmung verursachen könnten als der Mensch, ist sicher (Beispiele in der Klimageschichte) ,... Über die Ursache des aktuellen Klimawandels sagt uns dies nichts. Es zeigt uns jedoch, dass das Klima nicht unerschütterlich stabil ist: Es belegt, dass das Klima nicht durch stark abschwächende Rückkopplungen stabilisiert wird, die größere Ausschläge verhindern würden.
(S.67ff) („Versagen“ des Golfstromes?)
normalerweise sinken riesige Wassermassen im europäischen Nordmeer und in der Labradorsee in die Tiefe und ziehen … warmes Wasser von Süden her in hohe nördliche Breiten. Das abgesackte Wasser strömt in zwei bis drei Kilometern Tiefe nach Süden zum Antarktischen Zirkumpolarstrom. So entsteht eine gigantische Umwälzbewegung im Atlantik (15 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde, fast das Hundertfache der Wasserführung des Amazonas), die für die nördlichen Breiten wie eine Zentralheizung funktioniert (Wärmemenge entspricht mehr als der zweitausendfachen gesamten Kraftwerksleistung Europas) …
durch die gobale Erwärmung kann diese Strömung auf zweifache Weise geschwächt werden: Die Erwärmung verringert die Dichte des Meerwassers durch thermische Ausdehnung, und verstärkte Niederschläge und Schmelzwasser vor allem von Grönland bewirken das Gleiche durch Verdünnung des Seewassers; beides erschwert das Absinken des Wassers im nördlichen Atlantik, könnte schlimmstenfalls ganz zum Erliegen kommen…
der Nordatlantikstrom (nicht der Golfstrom, wie manchmal vereinfachend gesagt wird) und der größte Teil des atlantischen Wärmetransportes würden versiegen, was eine rasche relative Abkühlung um mehrere Grad im Nordatlantikraum bedeuten könnte („relativ“ bedeutet: bezogen auf das dann herrschende Klima …)
(S.70) die Hitzewelle in Europa im Sommer 2003, die nach Schätzungen 20.000 bis 30.000 Menschenleben gefordert hat und damit laut Angaben der Münchner Rückversicherung die größte Naturkatastrophe in Mitteleuropa seit Menschengedenken gewesen ist …
(S.80ff) Zusammenfassung
Dabei wird es sowohl negative als auch positive Auswirkungen geben, denn ein warmes Klima ist a priori nicht schlechter oder lebensfeindlicher als ein kälteres. Dennoch würden die negativen Auswirkungen sehr wahrscheinlich stark überwiegen, vor allem weil Ökosysteme und Gesellschaft hochgradig an das vergangene Klima angepasst sind. Gravierende Probleme entstehen insbesondere dann, wenn die Veränderung so rasch vonstatten geht, dass sie die Anpassungsfähigkeit von Natur und Mensch überfordert. …
(S.83) im Dezember 2004 in der Zeitschrift Science Ergebnis einer Metastudie der klimatologischen Fachliteratur; Datenbanksuche zum Suchbegriff „global climate change“; knapp tausend Fachpublikationen analysiert; 75% unterstützten explizit oder implizit die These einer anthropogenen Verursachung des Klimawandels; 25% machten keine Aussage dazu (etwa weil sie rein methodischer Natur waren). Keine einzige Studie bestritt den anthropogenen Einfluss auf das Klima …
im krassen Gegensatz dazu die Berichterstattung in den Medien; dazu Metastudie 2004; 636 Artikel zum Klimawandel untersucht (führende Tageszeitungen der USA; 1988 bis 2002); 53% der Artikel stellen die gegensätzlichen Hypothesen etwa gleichgewichtig dar (Mensch trägt zum Klimawandel bei oder ausschließlich natürliche Ursachen); 35% betonen menschlichen Einfluss, präsentieren aber auch die Gegenthese; 6% beschrieben lediglich, wie fragwürdig ein menschlicher Einfluss sei; 6% berichten ausschließlich über einen menschlichen Beitrag zur Erwärmung …
(S.98ff) Globale Zielvorgaben
Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change; UNFCCC; Rio de Janeiro 1992); Artikel 2:
“Das Endziel dieses Übereinkommens und aller damit zusammenhängenden Rechtsinstrumente, welche die Konferenz der Vertragsparteien beschließt, ist es, in Übereinstimmung mit den einschlägigen Bestimmungen des Übereinkommens die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird. Ein solches Niveau sollte innerhalb eines Zeitraums erreicht werden, der ausreicht, damit sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können, die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird und die wirtschaftliche Entwicklung auf nachhaltige Weise fortgeführt werden kann.“ …
Europäische Union Ratstreffen 25.6.1996: wurde übereinstimmend festgestellt, dass „der globale Temperaturmittelwert das vorindustrielle Niveau nicht um mehr als 2 Grad Celsius übersteigen sollte und dass deshalb die globalen Bemühungen zur Begrenzung bzw. Reduktion von Emissionen sich an atmosphärischen CO2-Konzentrationen unterhalb von 550 ppm orientieren sollten.“
(Rahmstorf, S.; Schellnhuber, H.J.: Der Klimawandel, C.H.Beck, München 2006)

·       Münchener Rückversicherung: „Der Klimawandel hat bereits eingesetzt und trägt mit großer Wahrscheinlichkeit zu immer häufigeren Wetterextremen und dadurch bedingten Naturkatastrophen bei. Diese wiederum richten immer größere Schäden an.“ …
Klimaschutzbeauftragter der Bundesregierung Schellnhuber: dramatische Beschleunigung des Klimawandels, „In fast allen Bereichen verlaufen die Entwicklungen schneller als bisher angenommen“, so schmelze etwa das arktische Meereis schneller als erwartet, falls das Grönlandeis komplett abtauen sollte, würde der Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen „Dann gäbe es die heutigen Küsten nicht mehr, auch nicht in Deutschland.“
(taz 30.12.08)

·       Wer, wenn nicht wir Konsumenten, können die Welt verändern, indem wir uns und unser Verhalten verändern? Alle diese Argumente sind für sich genommen richtig, aber in der Summe sind sie falsch. Denn sie malen ein unrealistisches Bild von der Welt, sie gaukeln uns Entscheidungsfreiheiten vor, die wir selten haben und noch seltener nutzen, und sie lenken uns von der zentralen Frage ab, das Klimapolitik eben POLITIK sein muss: dass Regierungen und StaatenRahmen setzen müssen, um Emissionen zu vermeiden und neue Technologien zu fördern, … und dass dafür natürlich ungeliebte Subventionen verteilt werden müssen, …Die Individualisierung der Klimakrise kann dazu führen, dass dringend nötiges politisches Handeln in den Hintergrund tritt und sich die Debatte auf einen Wellness-Klimaschutz reduziert: Hauptsache, ich lebe emissionsfrei!;
eine Konzentration auf das persönliche Verhalten ist gleichzeitig zu wenig und zu viel: zu wenig, weil es gegenüber den politischen Weichenstellungen zum Klimaschutz schlicht zu unbedeutend ist, und zu viel, weil man auch effektiven Klimaschutz betreiben kann, ohne aus dem Homo sapiens einen Homo oecologicus zu machen. ;
der nukleare Holocaust wurde nicht durch Nettigkeit verhindert, sondern durch zähes politisches Verhandeln …; man konnte und musste den Menschen in seinem individuellen und kollektiven Aggressionsverhalten nicht ändern, um das Allerschlimmste zu verhindern;
Um die Klimakrise in erträglichen Bahnen zu halten, müssen wir nicht den neuen Menschen schaffen: wir haben die Technik, wir haben das Geld, wir haben das Wissen. Was wir brauchen, ist politischer Wille …
(taz 6.12.08 Beilage Zukunft S.8)

·       Interview mit dem Chef der Internationalen Energieagentur IEA;
Wir müssen im Grunde nur konsequent die Ziele zur CO2-Reduzierung verfolgen, die die Industrieländer vereinbart haben. Das hilft nicht nur dem Klima, sondern auch der Energiesicherheit. In der IEA haben wir ein Szenario entwickelt, wie die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 um die Hälfte gesenkt werden können; das würde die Ölnachfrage um 27% reduzieren. Das wichtigste Instrument in diesem Szenario ist Energiesparen, wir müssen die Effizienz dramatisch steigern. Dazu kommt der verstärkte Einsatz alternativer Energien wie Sonne, Wind und Wasserkraft. Und wir müssen uns mehr in der Kernkraft engagieren. …
um das Ziel zu erreichen, müssten weltweit pro Jahr rund 17500 Windturbinen errichtet, 55 Kohle- und Gaskraftwerke mit der Technologie zur CO2-Abscheidung und –Speicherung ausgestattet und rund 32 neue Atomkraftwerke gebaut werden … Atomenergiebehörde in Wien hat versichert, dass Uranversorgung kein Problem ist … wir haben genug Uran … Ingenieure und Fachwissen sind Mangelware
(Spiegel 33/08 S.68ff)

·       IEA-Szenario bis 2050, um die Erderwärmung auf etwa 2 Grad zu begrenzen:
derzeitige CO2-Emissionen etwa 30 Gt pro Jahr;
Entwicklung der CO2-Emissionen ohne Klimapolitik bis 2050: 62 Gt/a;
Emissionsziel bis 2050, um Erwärmung auf 2 Grad zu beschränken: 14 Gt/a
Differenz durch folgende Maßnahmen (Anteil in %):
CO2-Abscheidung: 19%; Kernkraft 6%; Erneuerbare Energien 21 %; Umstellung auf sauberere Energieträger 18 %; Effizienzsteigerungen beim Verbrauch 36%
(ZEIT 23.10.08 S.22)

·       Interview mit James Hansen, Director des NASA Goddard Institute (USA);
Welchen Anteil hat der Mensch an der gegenwärtigen Erderwärmung?
Zwischen 100 und 105 %. Die wichtigsten Zyklen des Klimas haben mit der Erdbahngeometrie im Weltraum zu tun, und die spricht gegenwärtig eigentlich für Abkühlung. … tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. …
natürliche Faktoren sind auch wichtig… besonders die Sonne, deren Wärme variiert … derzeit steht sie aber in einem Minimum, nicht bei einem Maximum. Das heißt, das die Sonnenaktivität den gegenwärtigen Erwärmungstrend nicht erklären kann …;
Wie wäre das Leben auf einer eisfreien Erde?
Der Einzelne könnte da noch überleben, die Zivilisation kaum …;
man darf jetzt keine Kohlekraftwerke mehr bauen, die 50 Jahre in Betrieb sind. Das Öl wird verbraucht werden, das Gas auch. Wir müssen also an die Kohle ran.;
es gibt im Prinzip genug alternative Energien. Tatsächlich aber müssen die Klimaschützer eine harte Wahl treffen: Entweder sie geben ihren Widerstand gegen Kernkraft auf, oder sie können den Klimawandel nicht stoppen.
(ZEIT 20.11.08 S.39)

·       Konzernchefs für Klimaschutz;
Die Forderung des CDU-Wirtschaftsflügels, den Klimaschutz auch wegen der Finanzkrise zurückzuschrauben, stößt bei deutschen Großkonzernen auf Ablehnung;
Löscher, Vorstandsvorsitzender SIEMENS: gerade in Krisenzeiten müsse man den Blick nach vorn richten und sich auf die künftigen Wachstumsfelder konzentrieren; Verweis auf das enorme wirtschaftliche Potenzial, das in den „grünen Technologien“ stecke; 2007 habe SIEMENS damit schon ein Viertel seines Umsatzes erzielt;
Villis, Vorstandsvorsitzender von EnBW: Der Klimawandel schreitet voran, unabhängig davon, ob die Finanzwelt in eine Krise gerät; der Klimawandel könne ein enormer Innovationstreiber sein
(Spiegel 48/2008 S.63)

·       Klimakiller Landwirtschaft;
Treibhauseffekt verschiedener Ernährungsweisen pro Kopf und Jahr;
(Vergleich mit dem CO2-Ausstoß eines BMW 118d mit 119 g CO2/km)
                                            Ernährung ohne                  Ernährung     Allesesser
                                            Fleisch und Milchprodukte  ohne Fleisch
biologische Erzeugung        281 km                                1978 km        4377 km
konventionelle Erzeugung   629 km                                2427 km        4758 km

Landwirtschaft in Deutschland verursacht 133 Mill. t CO2-Äquivalente pro Jahr, Verkehrsbereich 152;
bei der Rindermast schneidet der Biobauer schlechter ab als der konventionelle: der Biobulle hat eine schlechtere Klimabilanz als seine hoch gezüchteten Artgenossen, auch wenn man die Futtermittelproduktion einbezieht, braucht mehr Platz, steht auf traditioneller Einstreu (die dünstet aus);
1 kg Biomastfleisch entspricht 113,4 km PKW-Fahrt; bei konventioneller Mast nur 70,6 km
(Spiegel 35/2008 S.72)

·       Energiekonzern RWE bietet ab Januar 2009 für Privatkunden den „ProKlimaStrom“ an, stammt zu 68% aus Atomkraft und zu 32% aus Wasserkraft; Preis leicht über dem Normaltarif, für 3 Jahre stabil
(taz 13.11.08)

·       US-Präsident Obama hat angekündigt, die Treibhausgase in seinem Land bis 2020 auf den Stand von 1990 zurückzufahren, bis 2050 solle eine Reduktion um weitere 80% erreicht werden
(taz 20.11.08)

·       Klimabilanzen Nahrungsmittel
Viele Verbraucher wissen nicht, dass sowohl Fleisch- wie auch Milchprodukte selbst aus heimischen Landen das Klima stärker verpesten als Äpfel aus Übersee;
Experten schätzen, dass 30 bis 50% aller Biowaren aus dem Ausland kommen;
ein Kilogramm Bananen aus Ecuador ist für knapp 1 kg CO2 verantwortlich. Fast 500 g entstehen dabei durch die lange Reise auf dem Kühlschiff;
1,55 kg CO2 verursacht jedes Kilogramm Äpfel, das aus Argentinien stammt;
Wieviel CO2 entsteht für ein Kilogramm folgender Produkte ?

Produkt

aus

Transport
(nach München)

Menge Gramm CO2
je Kilogramm des Produkts

Äpfel

Neuseeland

Schiff

513

 

Italien

LKW

219

 

Bodensee

LKW

76

Spargel

Chile

Flugzeug

16.894

 

Spanien

LKW

359

 

Schrobenhausen

LKW

60

Steaks

Argentinien

Schiff

349

 

Niedersachsen

LKW

179

 

Oberbayern

LKW

61

(ZEIT 11.9.08 S.28)

·       die 10 Länder mit dem größten CO2-Ausstoß

Land

Anteil an der Weltbevölkerung %

Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß %

USA

4,59

20,34

China

20,07

20,02

Russland

2,18

5,67

Indien

16,98

4,46

Japan

1,95

4,33

Deutschland

1,26

2,94

Großbritannien

0,93

1,92

Kanada

0,50

1,92

Südkorea

0,74

1,70

Italien

0,90

1,60

zusammen

50,10

64,96

(Freie Presse Chemnitz 12.12.08)

·       S.27
energiebedingte CO2-Emissionen Deutschland 2006 Summe 799 Mio t,
Anteile:
Industrie 12,7%; Verkehr 20,1%; Energiewirtschaft 45,8%; Haushalte und Kleinverbraucher 21,4%
(Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erneuerbare Energien in Zahlen, 2008)

·       Obamas Energieminister Steven Chu verblüffte bei einem Nobelpreisträgertreffen seine Kollegen mit dem Vorschlag, doch einfach Dächer, Straßenbeläge und Autos weiß zu streichen; dadurch würde das Sonnenlicht stärker ins Weltall reflektiert und die Klimaerwärmung gewaltig abgebremst; durch weiße Dächer und Straßen ließen sich 44 Milliarden Tonnen CO2 einsparen – so viel, wie alle Autos der Welt in elf Jahren ausstoßen
(Die Zeit 4.6.09 S.31)

·       Mögliche künftige Klimaänderungen in Deutschland (für 2021-2050 verglichen mit 1961-1990):
+ Temperatur: + 1,0 bis 2,2 Grad im Jahresmittel;
+ regionale Temperaturveränderungen: +2,0 bis +4,0 Grad im Jahresmittel; +3,5 bis +4,0 im Wintermittel;
+ Niederschlagsänderungen: 0 bis -15% in der Jahressumme (vor allem im Osten); -5 bis -25% in der Sommersumme; 0 bis +25% in der Wintersumme;
+ regionale Niederschlagsänderungen: um 0 in der Jahressumme; -15 bis -40% in der Sommersumme;
0 bis +55% (regional maximal: +70%) in der Wintersumme
(Umwelt (BMU) 2-2009 S.114)

·       Chef des UNO-Weltklimarates: wenn ich meinen Fleischkonsum halbiere (in Deutschland derzeitiger Verbrauch jährlich rund 62 kg), spare ich genauso viel CO2 ein, wie das der Fall wäre, wenn ich nur noch halb so viel mit dem Auto fahren würde
(Der Spiegel 2-2009 S.109)

·       Widerstand gegen unterirdische CO2-Einlagerung (CCS) in Schleswig-Holstein (Kirche, Bauernverbände); gegen Probebohrungen, Risiken seien derzeit nicht abzusehen
(taz 17.6.09 S.8)

·       Nachweis; dass auch in der Antarktis die Temperaturen steigen; in der Westantarktis in den letzten 50 Jahren um 0,1 Grad pro Jahrzehnt
(taz 30.1.09 S.18)

·       eine von der US-Industrie finanzierte mächtige Lobbygruppe hat über Jahre wider besseres Wissen den Einfluss des CO2-Ausstoßes auf die Erderwärmung geleugnet; Laut Washington Post stritt die einflussreiche Global Climate Coalition bis zu ihrer Auflösung vor 5 Jahren ab, dass vom Menschen verursachte Emissionen negativen Einfluss auf das Klima hätte; die beteiligten Unternehmen hätten die Öffentlichkeit über die Rolle des Menschen beim Klimawandel bewusst in die Irre führen wollen
(taz 27.4.09 S.08)

·       Klimaanlagen im Auto heizen die Erde so stark auf wie der weltweite Flugverkehr (jeweils rund 2 %); 1 kg des entweichenden Kältemittels (fluorierte Kohlenwaserstoffe) heizt die Erde 1400x so stark auf wie 1 kg CO2; umgerechnet erhöhen die Leckagen die Fahrzeugemissionen um 7 Gramm CO2 pro Fahrkilometer = im Laufe eines Autolebens 1 Tonne; zusätzlich mehr Treibstoffverbrauch durch Betrieb der Klimaanlagen (etwa 20 Gramm CO2 je km);
die EU hat die bisher gebräuchliche Technik ab 2011 verboten; neue Technik arbeitet z.B. mit CO2; Anlagen teurer: 20 bis 150 Euro
(Die Zeit 14.5.09 S.28)

·       mit Holzkohle aus Biomasse wollen Forscher Treibhausgas CO2 langfristig binden und gleichzeitig Böden fruchtbarer machen;
wird Biomasse unter Sauerstoffabschluss verkohlt, entstehen einerseits Biokraftstoffe, wenn diese verbrannt werden, gelangt die Hälfte des ursprünglich gebundenen CO2 zurück in die Atmosphäre; die andere Hälfte des CO2 wird als Kohlenstoff dauerhaft in Holzkohle gebunden, das Material bleibt über Jahrhunderte stabil, verbessert den Boden (hält wie ein Schwamm Wasser und Mineralien zurück) und reduziert so den Düngerbedarf;
Chemiker in Potsdam hat ein anders Verfahren entwickelt, bei dem über Nacht (mit Beteiligung von Zitronensäure in einer Art Dampfdrucktopf) aus feuchter Biomasse Kohlenstaub wird
(Der Spiegel 27-2009 S.108)

·       Interview mit Kumi Naidoo, neuer Chef von Greenpeace International;
Frage: Würden Sie für den Klimawandel sogar den Neubau von Atomkraftwerken propagieren?
Antwort: Alles ist in Bewegung. Wenn es etwa für die Speicherung von Kohlendioxid plötzlich gute Gründe gibt, wollen wir uns nicht blind stellen. Bei der Atomenergie halte ich eine Kehrtwende aber für extrem unwahrscheinlich.
(Spiegel 49-2009 S.147)

·       China erzeugt knapp 70% seines Stroms aus Kohle;
Ziele für Kopenhagen: bis 2020 (? 2050) sollen im Vergleich zu 2005 bei gleich bleibender Produktion 40 bis 45% weniger CO2 in die Luft geblasen werden;
globaler CO2-Ausstoß von 1990 bis 2007 von 21 auf 29 Milliarden Tonnen gestiegen, fast die Hälfte des Zuwachses in China;
Indien will CO2-Ausstoß bis 2020 gegenüber 2005 um bis zu 25% reduzieren
(taz 5./6.12.09 S.07)

·       bisherige dänische Klima- und Energieministerin Connie Hedegaard wird Klimakommissarin in der EU-Kommission
(taz 25.11.09 S.02)

·       Meeresspiegelanstieg; derzeitige Prognosen Schleswig-Holstein bis 2100:
59 cm für den Fall, dass die Menschheit so weitermacht wie bisher;
Gut die Hälfte des Anstiegs geht auf die thermische Ausdehnung des Wassers zurück, der Rest stammt von abschmelzenden Gletschern;
zusätzliche 17 cm könnten sich ergeben durch das beschleunigte Abschmelzen der Grönland- und Antarktisgletscher;
wenn Grönland vollständig abtaut, ergeben sich 7 Meter Meeresspiegelanstieg, das Abschmelzen des Südpoleises würde 57 Meter beitragen; das Schmelzwasser aller anderen Gletscher weltweit würde nur 35 cm ergeben
(Die Zeit 20.8.09 S.29f)

·       Inkota-Aktionszeitung zur Bundestagswahl 2009, September 2009
(Quelle: Öko-Institut e.V.):

Klimabilanz verschiedener Nahrungsmittel

in Gramm Kohlendioxid-Freisetzung pro Kilogramm Produkt

Nahrungsmittel

konventionelle
Erzeugung

ökologische
Erzeugung

Geflügel

3.508 Gramm CO2

3.039 Gramm CO2

Rind

13.311

11.374

Schwein

3.252

3.039

Kartoffeln frisch

199

138

Tomaten frisch

339

228

Butter

23.794

22.089

Käse

8.512

7.951

 

 

 

BMW 118d
auf 100 km Fahrt

11.900

 

·       einen drastischen Wandel in der Klimapolitik fordern über 500 Großkonzerne. „Eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung wird langfristig nicht möglich sein, solange das Klimaproblem nicht gelöst ist. Entscheidend ist, dass wir die Rezession überwinden und dabei gleichzeitig den Grundstein für ein kohlenstoffarmes Wachstum legen.“ Unterzeichner u.a.: Adidas, Kodak, Siemens, Yahoo, BASF, Bayer (Chemie), Levi Strauss, Gap (Bekleidung), Ernest & Young, Allianz (Finanzen), LÓrela (Kosmetik), Nestle, Coca Cola; Energiekonzerne wie BP, Eon, Fluggesellschaften wie KLM, Easy Jet
(taz 21.9.09 S.02)

·       Karikatur Demonstranten auf der Erdkugel tragen Transparent „Wir sind das Klima“ – Untertitel „Wende-Herbst?“
(Der Sonntag, Kirchenzeitung Sachsen, 25.10.09, S.9)

·       Sollte die internationale Staatengemeinschaft an ihrer bisherigen Energiepolitik festhalten, dürfte die Durchschnittstemperatur auf der Erde in den nächsten hundert Jahren um 6 Grad steigen; das schreibt die industriefreundliche IEA (Internationale Energieagentur) in ihrem World Energy Outlook 2009; Der Anstieg würde „einen massiven Klimawandel und irreparable Schäden für den Planeten nach sich ziehen“ … „Die Rettung des Planeten duldet keinen Aufschub“;
radikaler Kurswechsel in der Energiepolitik, um globalen Anstieg bis 2050 unter 2 Grad zu halten … bessere Energieeffizienz und Energieerzeugung …notwendige Investitionen werden bis 2030 auf 26 Billionen US-Dollar beziffert …
(taz 11.11.09 S.1,09)

·       Der reiche Westen sah sich bislang als Modell für die Welt – nun muss er erkennen, dass er ein Weltuntergangsmodell entwickelt hat.
(Die Zeit 5.11.09 S.3)

·       US-Präsident Obama wird zum Weltklimagipfel nach Kopenhagen reisen;
bis 2020 sollen Treibhausgasemissionen der USA um 17% gesenkt werden (gegenüber 2005), bis 2025 um 30%, bis 2030 um 42%
(taz 26.11.09 S.09)

·       Das Schwächeln der Sonne;
Die Erderwärmung ist ins Stocken geraten, seit 10 Jahren steigt die globale Durchschnittstemperatur nicht weiter an;
Latif: Plateau, Stagnation auf hohem Niveau;
Gründe? veränderte Sonnenaktivität, Strömungsverhalten der Ozeane ?
(Spiegel 47-2009 S.134ff)

·       Interview mit Hans-Peter Villis, Chef des Energieversorgers EnBW;
Wir stehen zu dem Ziel, die Erderwärmung auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen.;
bei sich verändernden Rahmenbedingungen müssen die Investitionen für neue Kohlekraftwerke auf den Prüfstand … zum Betrieb eines Kohlekraftwerkes braucht man CO2-Zertifikate, die an der Börse gehandelt werden. Wir erwarten in den nächsten Jahren einen Anstieg der Preise für diese Verschmutzungsrechte, so dass sich der Neubau von Kohlekraftwerken immer weniger lohnen dürfte …;
CCS-Technologie … Hoffnungen haben wir auch, denn eigentlich brauchen wir moderne Kohlekraftwerke, um die Energieversorgung in Deutschland zu sichern. Aber zurzeit funktioniert die CCS-Technik großtechnisch eben noch nicht. Zudem gibt es in der Bevölkerung massive Widerstände gegen die Lagerung von CO2 im Boden.
(Spiegel 49-2009 S.110ff)

·       Der WBGU schlägt für den Zeitraum 2010 bis 2050 ein Globalbudget (noch zulässige weltweite Emissionen in der Summe) von 750 Milliarden Tonnen Kohlendioxid vor. Damit ließe sich die Klimaerwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von 67% auf 2 Grad begrenzen.;
Als Verfahren für eine gerechte Verteilung des globalen Budgets eignet sich das Gleichheitsprinzip. Aus diesem kann zwar kein individuell durchsetzbares Recht auf gleiche Pro-Kopf-Emissionen abgeleitet werden, es legt aber eine Orientierung an den Pro-Kopf-Emissionen nahe …
Eine Weltbevölkerung von 6,9 Mrd. Menschen im Jahr 2010 und ein Globalbudget von 750 Mrd. Tonnen CO2 ergeben bis 2050 durchschnittlich erlaubte jährliche Pro-Kopf-Emissionen von rund 2,7 t CO2 …
Blieben die momentanen jährlichen CO2-Emissionen von etwa 0,9 Mrd.t in Deutschland unverändert, wäre das Budget (ohne den Einsatz flexibler Mechanismen)  in 10 Jahren verbraucht (s. Tabelle)

Land

Anteil an der
Weltbevölkerung
2010
(Prozent)

Emissionen
2008
(Mrd. t CO2)

Reichweite

des Budgets
bei gleich bleibenden
Emissionen wie 2008

Deutschland

1,2

0,91

10

USA

4,6

6,1

6

China

20

6,2

24

Indien

18

1,5

88

Burkina Faso

0,24

0.00062

2892

WELT

100

30

25

Das Budget der USA würde beispielsweise bei den aktuellen jährliche Emissionen von etwa 6,1 Mrd. t CO2 lediglich 6 Jahre reichen. Da eine Minderung der Emissionen auf NULL innerhalb von 6 Jahren unmöglich ist, müssten die USA Emissionsrechte in großer Menge zukaufen oder in den Klimaschutz anderer Länder investieren. Genau hier liegt die Chance zur Neugestaltung der Beziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. …
Ein nationales Budget ermöglicht ein hohes Maß an nationaler Souveränität zur Emissionsminderung. Um die 2-Grad-Leitplanke zu halten, ist ein Minimum an internationalen Regeln und unabhängiger Koordination dennoch unerlässlich.

(Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen – WBGU – Factsheet 3/2009, Der WBGU-Budgetansatz – kompletter Text unter www.wbgu.de )

·       Es ist wissenschaftlich gesichert, dass ein Anstieg von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre zu einer globalen Erwär­mung führt. Seit Ende der 1950er Jahre ist nachgewiesen, dass die CO2-Menge in der Luft durch vom Menschen verursachte, d. h. anth­ropogene Emissionen ansteigt. Sie hat sich seit der vorindustriellen Zeit von 280 ppm (280 Millionstel Volumenanteile an der Luft) auf 384 ppm erhöht. Das ist die bei weitem höchste Konzentration seit mindestens zwei Millionen Jahren.;
Natürliche Ursachen können das Klima zusätz­lich beeinflussen. So hat eine leichte Abnahme der Leuchtkraft der Sonne, die durch Satellitenmessungen belegt ist, in den vergangenen 25 Jahren eine kühlende Wirkung gehabt. Im Vergleich zur Wirkung der anthropogenen Treibhausgasemissionen spielen die natürli­chen Ursachen in diesem Zeitraum aber nur eine sehr geringe Rolle. Rund 85% der Erwärmung seit 1900 und fast 100% der Erwär­mung seit 1980 sind auf menschliche Ursa­chen zurückzuführen.;
Die erwärmende Wirkung der Treibhausgase wird gegenwärtig zum Teil noch durch die kühlende Wirkung regionaler Luftverschmutzung kompensiert.
Menschliche Aktivitäten haben den Strah­lungsantrieb der Erde bislang um 1,6 Watt pro m2 erhöht. Dabei trägt der CO2-Anstieg +1,7 W pro m2 bei, der Anstieg anderer Treibhausgase weitere +1,3 W pro m2. Luft­verschmutzung mit Partikeln bewirkt dage­gen mit -1,4 W pro m2 einen abkühlenden Effekt.
Dieser Effekt kompensiert derzeit also fast die Hälfte der „programmierten“ globalen Erwärmung durch Treibhausgase.
Die Klimasensitivität bestimmt die Tempe­raturänderung, die sich aus dem Strahlungs­antrieb ergibt. Die beste Abschätzung der Klimasensitivität beträgt 0,8°C pro W pro m2. Dies entspricht einer Erwärmung um 3°C bei einer Verdopplung der atmosphärischen CO2-Konzentration.
Der derzeitige Strahlungsantrieb von 1,6 W pro m2 führt demnach auf Dauer zu einer Erwärmung um 1,3°C. Bislang wird nur eine Erwärmung um 0,8°C beobachtet, da die thermische Trägheit der Ozeane eine Verzöge­rung um einige Jahrzehnte verursacht.
Die menschliche Hochkultur hat sich in den letzten Jahrtausenden in einem relativ stabilen Weltklima entwickelt. In den vergangen 2000 Jahren schwankte die globale Temperatur um deutlich weniger als 1°C. Unsere Infrastruktur ist auf eine rasche und starke Klimaverände­rung nicht vorbereitet.
Die Erderwärmung hat folgende konkrete Konsequenzen:
• Der Meeresspiegel steigt durch die Ausdehnung des Meerwassers und durch den Zufluss von Schmelzwasser in die Ozeane, und zwar immer schneller, je wärmer es wird. Seit 1880 ist er global um rund 20 cm gestiegen. Bis 2100 könnte er um 50–150 cm ansteigen, bis 2300 sogar um mehrere Meter. Das Destabilisieren der Eisschilde in Grönland und der Antarktis hätte unumkehrbar über viele Jahrhunderte steigende Meeresspiegel zur Folge.
• Eine Zunahme von Wetterextremen wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen, Überflutungen und intensiveren Tropenstürmen wurde in vielen Regionen bereits beobachtet. Eine weitere Häufung dieser Wetter extreme ist zukünftig zu erwarten.
• Bei fortschreitender globaler Erwärmung über 2°C droht der beschleunigte Verlust von genetischer Vielfalt, Arten und Ökosystemen, da in vielen Weltgegenden klimatische Bedingungen erreicht werden, die es seit mehreren Jahrmillionen nicht gegeben hat. Dies würde die Anpassungs-und Regenerationsfähigkeit der Natur überfordern.
• Die anthropogenen CO2-Emissionen führen heute bereits zu einer messbaren Versauerung der Ozeane. Das Wachstum der wichtigen kalkbildenden Meeresorganismen (z. B. Korallen) wird dadurch behindert.
• Im Klimasystem gibt es eine Reihe sogenannter Kippelemente, deren Aktivierung zu ökologischen „Großunfällen“ führen kann. Zu den bedeutendsten Risiken gehören das abrupte Abreißen von Meeresströmungen, der Kollaps des Amazonasregenwaldes, Veränderungen im Monsunsystem oder eine Destabilisierung großer Eismassen
Was ist zu tun?
Um den mittleren Temperaturanstieg mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln auf 2°C zu begrenzen, dürfen bis zur Jahrhundertmitte weltweit nur noch rund 750 Mrd. t CO2 ausgestoßen werden. Beim derzeitigen Emissionsniveau wird dieses Globalbudget schon in etwa 25 Jahren ausgeschöpft sein – bei weiter steigenden Emissionen sogar noch schneller.
Schon eine leicht verzögerte Trendwende im Jahr 2015 würde jährliche globale Emis­sionsminderungen von bis zu 5% (bezogen auf 2008) erfordern. Die Welt müsste dann pro Jahr Reduktionsleistungen in einer Größenordnung erbringen, für die im Kioto-Protokoll für die Industriestaaten über zwei Jahrzehnte vorgesehen sind. Eine Verzögerung der Trendumkehr bis 2020 könnte kaum mehr realisierbare globale Minderungsraten von bis zu 9% pro Jahr erfordern.
(Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen – WBGU – Factsheet 2/2009, Der Klimawandel: Warum 2 Grad Celsius? – kompletter Text unter www.wbgu.de )

·         Kohlendioxidemissionen aus Kohlekraftwerken können nach Einschätzung der Energiewirtschaft durch die CCS-Technik um mehr als 85% reduziert werden
(Das Parlament 20.4.09 S.9)

·       ein Radiowecker, frisst Strom rund um die Uhr und verantwortet 22,6 Gramm CO2 pro Tag (auf ein ganzes Leben bezogen eine halbe Tonne CO2);
rund 25 Kilogramm CO2 im Jahr vermag eine Eiche zu binden;
um den Klimaschaden von drei lächerlichen Radioweckern wettzumachen, braucht man also eine ausgewachsene Eiche!;
(Die Zeit 3.12.09 S.41)

·       Studie des Schweizer Beratungsinstituts Prognos, des Öko-Instituts u.a. vorgelegt; 500 Seiten;
Kann Deutschland weiter eine Industrienation bleiben und gleichzeitig praktisch klimaneutral werden?
JA; aber eher Gewaltmarsch als Spaziergang;
Wohnungen könnten sogar größer werden, die Industrie wachsen, Autos dürften auch in 40 Jahren noch das bevorzugte Verkehrsmittel sein;
die drastische Reduktion der Treibhausgasemissionen gelingt allerdings nur, wenn alle Gebäude dermaßen gut gedämmt sind, dass Heizungen praktisch überflüssig sind; wenn Autos nicht mehr mit Diesel oder Benzin fahren, sondern elektrisch betrieben werden; wenn Strom überwiegend aus erneuerbaren Energien erzeugt wird; wenn die Landwirtschaft „grüner“ wird und wenn unvermeidliche Emissionen aus Industrieprozessen unterirdisch gebunkert werden (z.B. CO2-Verpressung JK);
es kann gelingen, Deutschlands Treibhausgasemissionen um 95% zu reduzieren;
Moratorium für Kohlekraftwerke gefordert, bis Technik und Infrastruktur für unterirdische Bunkerung von CO2 verfügbar sind;
nationales Klimaschutzgesetz muss verbindlich festlegen: minus 40% CO2 bis 2020, minus 60% bis 2030, minus 95% bis 2050 (bezogen auf 1990)
(Die Zeit 15.10.09 S.23)

·       Die Viehzucht verursacht derzeit nicht weniger als 18 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen;
dass schon ein einmaliger Fleischverzicht pro Woche zur Einsparung von 170 kg CO2 im Jahr führe;
Während sich die Weltbevölkerung seit Anfang der 1960er Jahre etwa verdoppelt hat, nahm der Verzehr von rotem Fleisch um den Faktor 4 zu, der von Geflügel hat sich gar verzehnfacht. Heute leben mehr Nutztiere auf der Erde als je zuvor, Schätzungen sprechen von 60 Milliarden. Und die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO erwartet, dass die jährliche globale Fleischproduktion sich bis 2050 noch einmal fast verdoppeln wird, auf 465 Millionen Tonnen;
Im letzten Klimareport des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) liest man, dass knapp ein Drittel der durch die Ernährung verursachten Emissionen sich durch „fleischreduzierte Kost“ vermeiden ließe,
(Die Zeit 10.12.09 S.39)

·       Das Zweigradziel;
Bisher ist die mittlere Temperatur der Erde um rund 0,7 Grad gestiegen. Weitere 1,3 Grad gelten als kaum noch vermeidbar. Plus 2 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit wären zwar schon ein dramatischer Temperaturanstieg, darunter zu bleiben gilt allerdings als unrealistisch. Deshalb ist das Zweigradziel zum politischen Postulat geworden. ;
Das Ziel wird vermutlich verfehlt … Analyse aller bisher gemachten Zusagen zur Emissionminderung führen zu einer Erwärmung um 3,8 Grad (Sustainability Institute USA) bzw. 3,5 Grad (Kölner Beratungsunternehmen Ecofys und Potsdam Institut für Klimafolgenforschung);
britischer Ökonom Stern: Erfolg, wenn weltweit 2020 nur 44 Milliarden Tonnen CO2 emittiert werden (heute 46);
Ecofys dazu: es werden 2020 wohl 55 Mrd. t sein
(Die Zeit 10.12.09 S.26)

·       (Seite 18) (Definitionen)
Über die Gesamtheit der meteorologischen Größen (z.B. Strahlung, Lufttemperatur) charakterisiert das Wetter den momentanen Zustand der Atmosphäre in den unteren ca. 10 km (Troposphäre) an einem bestimmten Ort und zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das Wetter kann sich mehrmals täglich ändern.
Die Abfolge von Wettersituationen über einen Zeitraum von mehreren Tagen bis Wochen wird als Witterung bezeichnet …
Die World Meteorological Organization (WMO) definiert das Klima als die Synthese des Wetters über einen Zeitraum, der lang genug ist, um dessen statistische Eigenschaften (Mittelwert, Streuung, Häufigkeitsverteilung, Extremwerte etc. für jedes meteorologische Element) zu bestimmen … von der WMO festgelegt: 30-jähriger Zeitraum
(Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen, Sachsen im Klimawandel – eine Analyse, 2008)

·       Jahresmitteltemperatur in Sachsen hat im Zeitraum von 1961 bis 2007 um 1,35 Grad zugenommen, dabei ist die Erwärmungsrate von anfangs 0,2 Grad auf 0,4 Grad je Dekade gestiegen;
Verlängerung der thermischen Vegetationsperiode im gleichen Zeitraum um 2,2 Grad je Dekade; aufgrund von Projektionen wird erwartet, dass die Vegetationsdauer bis 2050 in den obersten Kammlagen des Erzgebirges um 5 Tage und um bis zu 50 Tagen im Tiefland zunimmt;
(Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen, Klimawandel und Landwirtschaft – Strategie zur Anpassung …; 2009, S.10ff.)

·       (Seite 22) für den Zeitraum der meteorologischen Messungen seit 1761 kann der Sommer 2003 (Monate Juni bis August) als äußerst extremes und statistisch gesehen nahezu „unmögliches“ Ereignis bewertet werden … unter Annahme eines konstanten Klimas sollte sich eine solche Hitzeperiode höchstens alle 10.000 Jahre ereignen;
(Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen, Umweltbericht 2007)

·       Klimawandel als Religion
Der Glaube an den vom Menschen herbeigeführten Klimawandel hat den Status einer Religion und ist entsprechend zu respektieren. Dies hat ein britischer Richter entschieden, nachdem der Geschäftsmann Tim Nicholson gegen seine Entlassung geklagt hatte. Sein Arbeitgeber hatte ihm gekündigt, weil N. sich geweigert hatte, Geschäftsreisen mit dem Flugzeug zu unternehmen.
(oeku Nachrichten, Kirche und Umwelt Schweiz, Heft 1/2010 S.7)

·       70% der Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft gehen auf das Konto der Tierhaltung; für ein Kilogramm Schweinefleisch in der Öko-Variante 33 bis 45% weniger Treibhausgase als für konventionell erzeugtes;
ein anderes IÖW-Ergebnis: wonach Kalbfleisch vom Bioochsen klimaschädlicher ist als Fleisch, das vom konventionell gehaltenen Bullen stammt (Bullen werden früher geschlachtet als Ochsen);
Foodwatch: mit Bio ließen sich in Deutschland nicht genügend Nahrungsmittel erzeugen - wenn die Deutschen nur noch die Hälfte der derzeitigen Fleischmenge konsumieren würden, würden 4,2 Millionen Hektar Ackerfläche frei, die bisher Futtermittel erzeugt haben, und auf denen in Zukunft (weniger ertragreicher) Bioanbau durchgeführt werden könnte
(taz 14.1.2010 S.02)

·       in einer extremen Trockenperiode gab 2005 erstmals auch der Regenwald am Amazonas mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre ab, als er in der Biomasse speichern konnte;
Deutschland: Vor 10 Jahren pufferten die Wälder und Wiesen noch etwa 30% unserer Treibhausgasemissionen, heute sind es nur noch 13%;
intensive Viehhaltung und Düngung entlassen in der EU so viel der extrem wirksamen Treibhausgase Methan und Stickstoff (Distickstoffoxid? JK) in die Luft, dass die Grünflächen als Senken praktisch neutralisiert werden; lediglich in den Wäldern Osteuropas wird noch gespeichert
(taz 22.9.2009 S.03)

·       2009 hat die Eisausdehnung in der Arktis den drittkleinsten Wert seit Beginn der Satelittenmessungen 1979 erreicht, in den beiden Jahren zuvor war sie noch geringer;
(taz 22.2.2010 S.08)

·       weltweit zählt der Januar 2010 zum viertwärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen vor 131 Jahren; Temperatur lag um 0,6 Grad über dem Durchschnitt des 20 Jahrhunderts
(taz 17.2.2010 S.07)

·       dem anhaltenden Winterwetter zum Trotz ist die Nordsee wärmer als in ähnlichen Kälteperioden in der Vergangenheit; Temp. 6,3 Grad (langjährige Durchschnittstemperatur 6,6), in ähnlich kalten Wintern in den 1970er und 1980er Jahren sei sie auf Werte zwischen 5,1 und 5,7 Grad gesunken; Erklärung: Klimawandel
(taz 12.2.2010 S.12)

·       Energiekonzern Vattenfall bereitet sich auf das Genehmigungsverfahren für das CCS-Kohle-Kraftwerk in Jänschwalde vor; unter der Leitung des Brandenburgischen Landesumweltamtes (LUA) traf sich der Energiekonzern Vattenfall mit Umweltverbänden und betroffenen Gemeinden
(taz 4.3.2010 S.23)

·       (27) Rinder: etwa 200 Gramm Methan gehen pro Tag und Rind durch Pupsen und Rülpsen in die Luft (etwa 290 Liter)
(Fluter, Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, Heft 33/2009: Thema Ernährung)

·       die US-Klimabehörde hat neue Klimadaten vorgelegt, wonach das erste Halbjahr 2010 das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 130 Jahren war
(taz 21.7.2010 S.14)

·       Die US-Umweltbehörde (EPA) hat bekräftigt, dass der Klimawandel keine Erfindung, sondern eine Tatsache und auf die Umweltverschmutzung von Menschenhand ist; die EPA bestätigte zugleich, dass der Klimawandel eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt
(taz 31.7.2010 S.6)

·       Seite 8:
Formulierung der Klimakonferenz von Kopenhagen 2009:
“Um das letztliche Ziel der Konvention, die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einem Niveau, das eine gefährliche Störung des Klimasystems vermeidet, zu stabilisieren, zu erreichen, werden wir, in Anerkennung der wissenschaftlichen Sicht, wonach der Temperaturanstieg unter 2 Grad Celsius bleiben sollte, auf der Grundlage von Fairness und im Rahmen nachhaltiger Entwicklung, unser langfristiges Handeln zur Bekämpfung des Klimawandels verstärken.“

Erklärung der G8-Regierungen 2009:
“Wir erkennen die weit verbreitete wissenschaftliche Sicht an, dass der Anstieg der globalen Mitteltemperatur über vorindustrielle Werte 2 Grad Celsius nicht übersteigen sollte.“
beide sind keine völkerrechtlich verbindlichen Dokumente
(Das Parlament, Beilage: Aus Politik und Zeitgeschichte 32-33/2010, 9.August 2010: Klimawandel)

·       mögliche Abkürzungen des Seetransports durch das eisfreie Nordpolarmeer:
Tokio – New York: statt Panamakanalroute 18.200 km Nordwestpassage 14.000 km;
Tokio – Hamburg: statt Suezkanalroute 21.000 km Nordostpassage 13.000 km
(Spiegel 39-2010 S.164)

·       Interview Klimaforscher Schellnhuber;
zum Umsteuern bleiben uns maximal zehn Jahre;
wenn das nicht gelingt, steuern wir auf einen Klimawandel zu, der 4, 6, vielleicht sogar 8 Grad Erderwärmung bringen kann
(taz 13.10.2010 S.6)

·       Eisbedeckung der Arktis 2010 extrem gering; im September 4,9 Mill. km2 erwartet, Vergleichs-Mittelwert der vergangenen 40 Jahre liegt bei 6,7 Mill. km2
(Freie Presse Chemnitz 14.9.2010 S.1)

·       Deutscher Wetterdienst: Jahresdurchschnittstemperatur in Deutschland hat von 1881 bis 2009 um 1,1 Grad zugenommen; am Ende dieses Jahrhunderts werde die Durchschnittstemperatur nochmals um 2 bis 4 Grad gestiegen sein
(taz 3.9.2010 S.8)

·       Kapazität der in Deutschland zur Verfügung stehenden unterirdischen CO2-Speicher (für CCS-Technologie) beträgt nach Greenpeace nur 6,4 Mrd. Tonnen statt 20 Mrd. Tonnen, von denen das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe ausgeht
(taz 16.6.2010 S.7)

·       diese aktuelle Ausgabe der „taz“ belastet die Umwelt mit 300 Gramm CO2; jetzt Umstellung auf komplette Nutzung von Recyclingpapier; damit allein werden schon die Hälfte der CO2-Emissionen eingespart
(taz 9.10.2010 S.32)

·       KLIMAWANDEL  - Malaria auf dem Vormarsch
Der Klimawandel trägt nach Überzeugung eines internationalen Forscherteams zum Anstieg der Malaria in ehemals sicheren afrikanischen Hochlandregionen bei. Das schließen die Wissenschaftler aus der Entwicklung der Temperaturen und der Zahl der Krankheitsfälle in Teeplantagen bei Kericho, einer Hochlandregion im westlichen Kenia. Die Gruppe um Mercedes Pascual von der Universität von Michigan stellt ihre Analysen in den Proceedings B der britischen Royal Society vor. Die Häuser der Plantagenarbeiter befinden sich durchschnittlich 1.780 bis 1.900 Meter über dem Meeresspiegel - und damit in einer Höhe, wo das Malariarisiko bislang angesichts kühler Abend- und Nachttemperaturen als gering galt. In den warmen Monaten sei die Zahl der Erkrankungen bis zu achtmal höher als früher, stellten die Forscher der Universität Groningen, des Londoner Tropeninstituts und der Universität Michigan in ihrer Untersuchung fest. Der Klimawandel ist nach Auffassung der Forscher aber nicht allein für die gestiegene Zahl der Malariaerkrankungen verantwortlich. Auch die Zunahme an Resistenzen gegen Insektenschutzmittel und die höhere Zahl von HIV-Infektionen tragen dazu bei.
(taz 12.11.2010 S.18)

·       Münchener Rückversicherung: 2010 weltweit ungewöhnlich schwere Naturkatastrophen; „Glück gehabt“ war das Motto bei den Hurrikans; zwar richteten sie kaum Schaden an, aber nur, weil sie zufällig nicht auf Land trafen. „Was glimpflich aussah, war gemessen an der Zahl und Intensität der Stürme eine der heftigsten Hurrikan-Saisons der vergangenen hundert Jahre“
(taz 4.1.2011 S.09)

·       Universität von Alaska: die Erderwärmung könnte bis zum Jahr 2100 zwei Drittel aller europäischen Gletscher zum Abschmelzen bringen; weltweiter Rückgang bis zu 27%; Alpen Gletscher-Rückgang um 75%; Neuseeland 72%; Hochgebirge Asiens bis 2100 nur 10%;
durch Schmelzwasser Anstieg des Meeresspiegels um 12 cm
(taz 14.1.2011 S.18)

·       Nationales Klima-Daten-Center der USA: 2010 war weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen; teilt sich Spitzenplatz mit 2005; weiterer Rekord: das niederschlagreichste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen;
gleiche Mitteilung durch Chefklimaforscher der Munich Re
(Freie Presse Chemnitz 13.1.2011 S.10 ; taz 13.12.2010 S.08)

·       der vergangene Winter 2009/2010 war global der zweitwärmste und auf der Nordhalbkugel der viertwärmste Winter seit 1880; in Deutschland vorschnell als Kälte-Rekordwinter eingestuft; nach der Winterstrenge nimmt er nur den Rang 43 seit 1829 ein
(PM Sächsisches Umweltministerium 29.12.2010)

·       Der Weltklimarat IPCC sagt, dass ab einer globalen Erwärmung um 1,9 Grad Celsius im Durchschnitt ein Totalverlust des Grönlandeises nicht mehr zu verhindern ist;
derzeit kalte Winter in Zentraleuropa Gegenargument? – das Fehlen des Eises in der Arktis heizt dort die unteren Luftschichten auf, die wiederum zu Störungen der Luftströmungen und zu einer Abkühlung des nördlichen Kontinents führen, verstärkt Luftmassen aus östlicher Richtung (Sibirien)
(taz 29.11.2010 S.04)

·       NASA: in den vergangenen 25 Jahren Durchschnittstemperatur von großen Seen weltweit um 1,23 Grad Celsius pro Jahrzehnt angestiegen; am deutlichsten Seen in Nordeuropa mit Zunahme um bis zu 3 Grad
(taz 25.11.2010 S.09)

·       Durchschnittstemperatur der Nordsee lag im Jahr 2010 um mehr als ein Grad über dem Wert früherer Jahrzehnte
(taz 11.1.2011 S.08)

·       Vor 60 Millionen Jahren führte eine globale Erwärmung im heutigen Kolumbien zur Explosion der Artenvielfalt;
Innerhalb von 10.000 Jahren verdoppelte sich die CO2-Konz. die globalen Temperaturen stiegen um 3 bis 5 Grad an;
“In den vergangenen 500 Millionen Jahren lag die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre nur zweimal so tief wie heute“;
“Das Klima auf der Erde war noch nie stabil“;
“Die Ökosysteme haben sich immer angepasst“;
“Die Biodiversität nahm bei der damaligen schnellen Erwärmung in einem kaum fassbaren Ausmaß zu“;
Grafiken zu Temperaturveränderungen und CO2-Konz. in den letzten 60 Mill. Jahren:
+ vor 50-60 Mill. Jahren Temperatur mehr als 15 Grad höher als heute;
+ CO2-Konz. vor 500 Mill. Jahren etwa 20 mal höher als heute, vor 60 Millionen Jahren etwa 2-3 mal so hoch wie heute
(Der Spiegel 46-2010 S.136ff.)

·       das Eis auf dem Kilimandscharo in Ostafrika schmilzt; nur noch 15% der Eismassen von 1912 bedecken den Gipfel; Gründe liegen einerseits im (globalen) Klimawandel; Zusätzlich: Schuld ist zu einem erheblichen Teil die (lokale) Abholzung von Bäumen auf dem Gebirgsmassiv in den letzten Jahrzehnten, denn die Bäume gaben tagsüber viel Feuchtigkeit in die Luft ab, die den Berg hinaufströmte
(bild der wissenschaft 1-2011 S.13)

·       Eine Zukunft ohne Nuklearenergie
Nach Einschätzung des WBGU ist anspruchsvoller globaler Klimaschutz auch ohne Kernenergie möglich.;
In einer Reihe von Ländern ist derzeit ein Ausbau der Kernenergie geplant. Davon rät der WBGU dringend ab, insbesondere wegen der nicht vernachlässigbaren Risiken schwerster Schadensfälle, der ungeklärten Endlagerungsproblematik und dem Risiko unkontrollierter Proliferation. Bestehende Kapazitäten sollten so rasch wie möglich durch nachhaltige Energietechnologien ersetzt und bei erkennbaren Sicherheitsmängeln umgehend stillgelegt werden. Der Ausstieg aus der Kernenergie darf aber nicht durch den Wiedereinstieg oder die Verstärkung von Energieerzeugung aus Braun- und Steinkohle kompensiert werden.;
Nachhaltige Entwicklung bedeutet aber mehr als Klimaschutz, denn die Lebensgrundlagen der Menschheit umfassen viele weitere Naturgüter wie fruchtbare Böden und biologische Vielfalt.;

Zehn Maßnahmenbündel
Der Ausstoß von Treibhausgasen erfolgt überwiegend durch die Energiewirtschaft und die Landnutzung, wobei die dramatische globale Urbanisierung eine entscheidende Rolle spielt. Damit sind drei zentrale Transformationsfelder benannt, wo Strategien zur Senkung von Emissionen schnell und umfassend greifen müssen. In diesem Zusammenhang empfiehlt der WBGU detailliert beschriebene Maßnahmenbündel, die besonders für die Beschleunigung und Verbreiterung des Übergangs zur Nachhaltigkeit geeignet sind:
1. Um eine Dekarbonisierung weltweit voranzutreiben, sollte der Staat seine Rolle als Gestalter bewusst wahrnehmen. Dies ist jedoch nur zu legitimieren, wenn gleichzeitig den Bürgerinnen und Bürgern bessere Partizipationsmöglichkeiten eingeräumt werden.
2. Das Treibhausgas CO2 sollte möglichst rasch und global mit einem angemessenen Preis belegt werden.
3. Eine europäische Energiepolitik, die auf eine vollständige Klimaverträglichkeit des Energiesystems bis spätestens 2050 zielt, sollte schleunigst entwickelt und umgesetzt werden. Sie muss Partnerschaften mit Nordafrika gezielt fördern.
4. Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien sollten weltweit eingeführt werden.
5. Entwicklungspolitik sollte insbesondere darauf zielen, dass die 2,5 bis 3 Mrd. Menschen, die heute in Energiearmut leben, Zugang zu nachhaltigen Energien bekommen.
6. Große Anstrengungen sollten unternommen werden, um die sich beschleunigende weltweite Urbanisierung nachhaltig zu gestalten.
7. Die Landnutzung sollte klimaverträglich gestaltet werden, insbesondere die Agrikultur und die Waldwirtschaft.
8. Zur Finanzierung der Transformation und der erforderlichen massiven Investitionen sollten verstärkt neue Geschäftsmodelle herangezogen werden, die helfen, vorhandene Investitionsbarrieren abzubauen.
9. In der internationalen Klimapolitik sollte weiterhin auf ein ambitioniertes globales Abkommen hingearbeitet werden. Zugleich muss die multilaterale Energiepolitik die weltweite Verbreitung klimaverträglicher Technologien fördern.
10.Die Vereinten Nationen sollten in die Lage versetzt werden, wirksame Beiträge zur Transformation zu leisten. Entwicklungsorganisationen sollten zu Transformationsagenturen für Nachhaltigkeit umgebaut werden. Die G 20 sollten einen Fahrplan für wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Grenzen des planetarischen Systems erarbeiten. Die Rio+20-Konferenz im Jahr 2012 bietet eine einmalige Gelegenheit, um weltweit die Weichen in Richtung Klimaverträglichkeit zu stellen.

Hauptschauplätze der Transformation
Speziell beim Aufbau klimaverträglicher Energiesysteme besteht die Herausforderung darin, die Energiearmut in den Entwicklungsländern zu beenden und gleichzeitig die globalen CO2-Emissionen aus der Nutzung fossiler Energieträger rasch und drastisch zu mindern. Damit dies gelingt, darf die globale Endenergienachfrage nur noch unwesentlich steigen – sie liegt heute bei etwa 350 Exajoule (EJ) pro Jahr und sollte 2050 nicht mehr als 400–500 EJ pro Jahr betragen. Effizienzverbesserungen und Lebensstiländerungen sind daher in vielen Alltagsbereichen erforderlich. Aufgrund der großen Energienachfrage in Städten bildet die rasche Urbanisierung einen besonderen Brennpunkt. Für den Aufbau klimaverträglicher Energiesysteme gibt es aus technologischer Sicht verschiedene realistische Möglichkeiten. Der WBGU empfiehlt eine Strategie, die primär auf den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien setzt. Der WBGU rät von einem Ausbau der Kernenergienutzung ab. CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) ist dagegen eine notwendige Klimaschutzoption für Länder, die übergangsweise weiterhin fossile Energien einsetzen. CO2-Sequestrierung könnte später auch eine wichtige Technologie darstellen, der Atmosphäre aktiv CO2 zu entziehen. In der Landnutzung liegt das Hauptaugenmerk auf der raschen Beendigung von Waldrodung und Walddegradation sowie auf der Förderung von klimaverträglicher Landwirtschaft und Ernährung. Der WBGU zeigt, dass die Kosten der Transformation signifikant gesenkt werden können, wenn in Europa gemeinsame Dekarbonisierungsstrategien umgesetzt werden. Auch stellt die Transformation für Europa eine große Chance dar, innovationsgetriebene Beiträge zu einer zukunftsfähigen Globalisierung zu leisten.

(Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltfragen: „Klimaverträgliches Wirtschaften und nachhaltige Entwicklung“, 7.4.2011; http://www.wbgu.de/veroeffentlichungen/hauptgutachten/hauptgutachten-2011-transformation/ )

·       Differenziertere Debatte um CCS
Nach Auffassung von Germanwatch sollten in Deutschland keine neuen Kohlekraftwer­ke – weder mit noch ohne CCS – gebaut wer­den. Bisher ist aber nicht ersichtlich, wie ohne CCS die industriellen Prozessemissionen (etwa in Zement- oder Stahlwerken) in den nächsten Jahrzehnten so stark verringert werden könnten wie notwendig. International zeichnet sich al­lerdings ab, dass wegen des starken Zubaus von Kohlekraftwerken, vor allem in China und Indi­en, ohne CCS die notwendigen Klimaziele nicht erreicht werden können.
Durch den verabschiedeten Gesetzentwurf steigt nun die Chance, dass im Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg eine der avisierten zwölf euro­päischen CCS-Demonstrationsanlagen entsteht. Germanwatch befürwortet, dass noch nicht still­gelegte Kohlekraftwerke mit CCS nachgerüstet werden – im Fall des Kraftwerks Jänschwalde zur Erforschung der Post-Combustion-Abschei­detechnik. Komplizierter ist der Fall beim zur Erprobung der Oxyfuel-Technologie erforderlichen Neubau eines Kraftwerksblocks. Für den Einsatz in Deutschland ist dieser nicht not­wendig. Allerdings lassen sich Kraftwerke mit dieser vielleicht vielversprechendsten CCS-Ab­scheidetechnik nicht nachrüsten. Und sie wird ohne Testanlagen kaum in anderen Ländern, die weiter Kohlekraftwerke bauen, zum Einsatz kommen.
(Germanwatch: Weitblick – Zeitung, 2/2011, Beilage taz, http://www.germanwatch.org/zeitung/2011-2.htm )

·       Schlechte Ernte im globalen Treibhaus
Der Klimawandel hat in den vergangenen 30 Jahren weltweit die Ernten von Mais und Weizen reduziert und die Preise für Getreide nach oben getrieben. Höhere Temperaturen und weniger Verlässlichkeit bei der Wasserversorgung haben im globalen Durchschnitt dazu geführt, dass 5,5 Prozent weniger Weizen und 3,8 Prozent weniger Mais produziert wurde, als dies ohne den Klimawandel möglich gewesen wäre. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern der US-Universitäten Stanford und Columbia, die in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde.
Den Ausfall an Weizen taxieren die Forscher auf 33 Millionen Tonnen, die Jahresproduktion von Frankreich. Beim Mais seien durch den Klimawandel 23 Millionen Tonnen weniger produziert worden, so viel, wie pro Jahr in Mexiko erzeugt wird.;
untersuchten die Temperaturentwicklungen zwischen 1980 und 2008. Fast überall waren die Temperaturen gestiegen. Darauf reagiert Getreide sensibel: Steigt die Temperatur um 1 Grad Celsius, sinkt der Ertrag um 10 Prozent. Und sinkt das Angebot und steigt die Nachfrage bei wachsender Weltbevölkerung, dann steigt der Preis: bis zu 20 Prozent für die Rohstoffe, fand das Forscherteam.;
Das Ergebnis zeigt, dass Verlierer und Gewinner ungleich verteilt sind: Während die Weizenproduktion in Russland um 15 Prozent einbrach, blieb der weltgrößte Getreideproduzent, die USA, fast unberührt, weil sich dort das Klima in diesem Zeitraum kaum erwärmte.;
Insgesamt und auch in Deutschland sei die landwirtschaftliche Produktion massiv gestiegen. Zwischen 1954 und 2004 sei der Weizenertrag pro Hektar von 27 auf 76 Doppelzentner gestiegen. "Pro Jahr steigt der Ertrag durch den technischen Fortschritt um 2 bis 3 Prozent", sagte Lohse.
(taz 10.5.2011 S.09)

·       In diesem Frühjahr ist die Zerstörung der Ozonschicht über der Arktis so groß wie noch nie. Schuld daran seien Schadstoffe und ein sehr kalter Winter in der Stratosphäre, so die Weltwetterorganisation. Messungen hätten ergeben, dass die Ozonschicht über der Arktis von Ende des Winters bis Ende März um etwa 40 Prozent zurückgegangen sei, so die UN-Organisation. Die Ozonschicht schützt die Erde vor ultravioletten Strahlen der Sonne. Über den Winter gesehen sei über der Arktis etwa ein Drittel des Ozons zerstört worden.
(taz 6.4.2011 S.08)

·       die globale Durchschnittstemperatur lag 2010 um 0,53 Grad über dem Mittelwert der Jahre 1991 bis 1990, damit wäre 2010 sogar das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (etwa gleichauf mit 2005 und 1998)
(Freie Presse Chemnitz 21.1.2011 S.1)

·       Klimaschutzziele nicht erreichbar
US-Forscher haben mit neuesten Berechnungen zur weltweiten Eisschmelze bisher gültige Klimaschutzziele in Frage gestellt. Eine von der University of Colorado
veröffentlichte Studie geht davon aus, dass im Jahr 2200 bis zu zwei Drittel der Permafrostböden der Welt geschmolzen sein werden. Durch einen damit zusammenhängenden biologischen Prozess würden zusätzlich zwischen 130 und 250 Milliarden Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 in die Atmosphäre gelangen. Das sei rund ein Fünftel der Menge, die sich heute in der Atmosphäre befinde. Die internationalen Klimaziele müssten an die neuesten Erkenntnisse angepasst werden.
(taz 18.2.2011 S.12)

·       CCS - 408 mögliche Orte für Kohlendioxidspeicher in Deutschland;
mögliche Lagerorte vor allem in Ostfriesland und im schleswig-holsteinischen Wattenmeer konzentriert;
Greenpeace veröffentlicht Karte
(Der Spiegel 7-2011 S.119; taz 14.2.2011 S.08, taz 15.2.2011 S.09)

·       Das arktische Meer war in den letzten 2.000 Jahren nie so warm wie heute, warnen deutsche, norwegische und US-Wissenschaftler in einer gemeinsamen Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science veröffentlicht ist. Aufgeheizt wird der Arktische Ozean durch zunehmend wärmeres Wasser aus dem Atlantik. Das Forscherteam um Robert Spielhagen vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) geht davon aus, dass der beobachtbare "Rückgang der arktischen Meereisbedeckung und die rasche Erwärmung der Arktis mit dieser deutlich verstärkten Wärmezufuhr" im Zusammenhang stehen
(taz 28.1.2011 S.18)

·       Menschheit stellt neuen CO2-Rekord auf
Die Industrienationen befinden sich auf dem falschen Weg. Das legen zumindest Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) nahe, die gestern veröffentlicht wurden. Demnach hat die Energieerzeugung im vergangenen Jahr 30,6 Gigatonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen, so viel wie nie zuvor. Eine Gigatonne, das sind eine Milliarde Tonnen. Nachdem der CO2-Ausstoß durch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 etwas gesunken war, ist er 2010 gegenüber 2008 um 5 Prozent gestiegen. Auch dies ist laut IEA ein Rekord.;
"Dieser deutliche Anstieg gibt unseren Hoffnungen, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, einen argen Dämpfer", kommentierte Fatih Birol, Chefökonom der IEA, die Werte. Erst auf dem jüngsten Klima-Gipfel in Cancún im vergangenen Dezember hatten sich die Staatsführungen auf das Zwei-Grad-Ziel geeinigt. Um es zu erreichen, müsste der CO2-Ausstoß bis 2020 auf 32 Gigatonnen pro Jahr begrenzt werden.;
Nicholas Stern, Autor des einflussreichen Stern-Reports über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels von 2006, warnte anlässlich der Zahlen im britischen Guardian vor "düsteren Folgen". Stiegen die Emissionen weiter so stark, liegt die Wahrscheinlichkeit laut dem UN-Klima-Gremium IPCC bei 50 Prozent, dass die Erde in den nächsten hundert Jahren vier Grad wärmer wird. "Das würde das Leben von hunderten Millionen Menschen zerstören"
(taz 31.5.2011 S.09)

·       Einige Pflanzen und Tiere mögen es wärmer
Der Klimawandel muss für die heimische Tierwelt nicht immer etwas Schlechtes sein. Der Steinkauz gehört nach einer neuen Studie zu den Gewinnern der Erderwärmung. Die Eulenvögel, die vor allem am Niederrhein und im Münsterland vorkommen, müssen seltener mit harten Wintern klarkommen, die Nahrungsmangel und Bestandseinbrüche bedeuten. Das teilte die Universität Münster mit. Auch die Feuerlibelle werde von der Klimaveränderung profitieren, hieß es weiter. "Aufgrund der höheren Temperaturen wird sie sich auch in Nordrhein-Westfalen weiterhin stark ausbreiten und etablieren", sagte Thomas Fartmann vom Institut für Landschaftsökologie.;
1900 Pflanzen- und mehr als 1200 Tierarten untersucht, wie stark sie von Klimaveränderungen betroffen sein werden
(taz 25.3.2011 S.18)

·       deutsche CO2-Emissionen 2010 stark gestiegen (auf 958 Mill. t), 38 Millionen Tonnen CO2 mehr emittiert als 2009, plus 4,8%;
erwartete zusätzliche jährliche CO2-Emissionen:
bei Ersatz der KKW im Moratorium durch Steinkohle: plus 36 Mill. t; Ersatz durch Erdgaskraftwerke: plus 18 Mill. t CO2;
Umweltbundesamt: statt des Ziels der Bundesregierung, die Emissionen um 40% gegenüber 1990 zu mindern, sei „lediglich mit einer Emissionsminderung von 30 bis 33 % zu rechnen“
(Der Spiegel 24-2011 S.46)

·       Sachsen:
In diesem Frühjahr in Sachsen rund ein Drittel weniger Regen als üblich; bereits 2003, 2006 und 2007 Dürreperioden;
gravierende Winter- und Sommer-Hochwasser: 2002, 2003, 2006, 2010;
Sommer 2003, Herbst 2006, Winter 2006/2007, Frühling 2007 (ähnlich 2011, das war der trockenste Frühling) waren die jeweils wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen;
Trogwetterlagen haben deutlich zugenommen (sehr warme Luft aus Süden trifft auf kalte Luft aus dem Norden, Wetterextreme, heftige Niederschläge): 2010 an 96 Tagen; von 1931 bis 1940 nur Summe 180 Tage;
Erwaärmung in Sachsen bis 2100 um 3,5 Grad erwartet, aber auch 6 Grad nicht auszuschließen;
Kompendium mit Daten kann bestellt werden (15 Euro), wird mit Veröffentlichungen im Internet ständig aktualisiert
(Freie Presse Chemnitz 7.6.2011 S.2, S.A4; www.klima.sachsen.de/klimakompendium )

·       eine Hauskatze in Deutschland verursacht pro Jahr 2,2 Tonnen CO2 (Herstellung von Futtermitteln und Verpackung, Entsorgung der Katzenstreu und leerer Dosen); Dackel: 1,8 t/a; Kanarienvogel: 15 kg/a;
ein Mensch in Ägypten verursacht 2,3 Tonnen CO2 im Jahr; ein Mensch in Deutschland rund 10 Tonnen;
in Deutschland mehr als 8 Millionen Katzen und über 5 Millionen Hunde;
(taz 15.6.2011 S.08)

·       Die Auswirkungen des Klimawandels werden erst im Jahr 3000 abklingen – und das auch nur unter günstigsten Bedingungen: Wenn die Verwendung fossiler Brennstoffe sofort gestoppt und kein Kohlendioxid mehr ausgestoßen wird. Eine entsprechende Simulation am Computer haben kanadische Forscher der University of Calgary durchgeführt. Danach würde sich die Nordhalbkugel schneller erholen als die südliche Hemisphäre. Die Forscher vermuten, dass der langsame Wassertransport vom nördlichen zum südlichen Atlantik dafür verantwortlich ist.
(bild der wissenschaft 4-2011 S.13)

·       Durch den Klimawandel schrumpft das Meereis in der Arktis – mit scheinbar paradoxen Folgen: In weiten Teilen der Nordhalbkugel wird es häufiger strenge Winter geben;
Die Kältewelle ließ viele Menschen an Klimawandel und globaler Erwärmung zweifeln. Doch Wissenschaftler widersprechen: Was den Winter 2009/2010 in Mitteleuropa so kalt machte, scheint den globalen Erwärmungstrend sogar zu bestätigen.;
Die Eisbedeckung (der Arktis) im September (
dem Monat mit der geringsten Eisschicht) schrumpft um durchschnittlich 11 Prozent pro Jahrzehnt. Während Anfang der 1980er-Jahre typischerweise noch 7,5 Millionen Quadratkilometer des Nordpolarmeers eisbedeckt waren, lagen die Werte in den letzten Jahren bei nur etwa 5 Millionen Quadratkilometern. 2010 waren es 4,9 Millionen. Das bisherige Rekordminimum wurde im September 2007 erreicht, als das Eis drastisch bis auf 4,3 Millionen Quadratkilometer zurückging.;
Die US-amerikanische Ozeanographie- und Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) beschreibt in ihrem letzten Arktisbericht von Oktober 2010 das „Warme Arktis – Kalte Kontinente“-Muster. In einem normalen Jahr kreist laut NOAA über der Arktis ein riesiges Tiefdruckgebiet, an dessen Rändern starke Westwinde wehen. Diese Winde wirken wie eine Schranke, die die kalten polaren Luftmassen daran hindert, weiter südlichen Gefilden einen Besuch abzustatten. Im Winter 2009/2010 herrschte in der Arktis eine stabile Hochdruckwetterlage, die die Windverhältnisse auf den Kopf stellte. Resultat war das „Warme Arktis – Kalte Kontinente“-Muster: Die Westwindsperre wurde unterbrochen, und kalte Arktisluft konnte ungehindert nach Süden vordringen. Die Folge waren heftige Temperaturanomalien;
In Nordamerika, Europa und Asien war es teilweise um zehn Grad kälter als sonst, während das Thermometer in der Arktis um bis zu zwölf Grad höher kletterte als gewöhnlich. Dieses Muster, so die Experten der NOAA, hat es in den letzten 160 Jahren nur dreimal gegeben. Doch was hat der hohe Luftdruck mit dem Meereis zu tun?;
Auch dafür hat die NOAA eine einfache Erklärung. Das immer stärker schrumpfende Meereis im Sommer legt den dunklen Ozean darunter frei. Dadurch wird das Sonnenlicht nicht wie üblich von der hellen Eisoberfläche reflektiert, sondern vom Ozean absorbiert – das Wasser heizt sich auf. Diese Wärme setzt der Arktische Ozean im Herbst wieder frei: Sie heizt die unteren Luftschichten der Atmosphäre auf. In der Folge verändert sich der Luftdruck, sodass eine Hochdruckwetterlage in der Arktis wahrscheinlicher wird – und damit auch ein „Warme Arktis – Kalte Kontinente“- Muster. Sollte die sommerliche Eisbedeckung in der Arktis weiter abnehmen – und davon gehen die meisten Experten aus –, dann werden laut NOAA kalte Winter in Zukunft deutlich häufiger auftreten.;
Dirk Notz. Der Hamburger Klimaforscher warnt davor, häufigere Kältewellen in Europa als Indiz gegen den globalen Erwärmungstrend zu werten: „Von einem vereisten Fußweg vor der Haustür kann man nicht darauf schließen, dass sich der Klimawandel verlangsamt.“ Denn was in den Wintern 2009/2010 und 2010/2011 geschah, war eine bloße Umverteilung der Luftmassen: Warme Luft aus dem Süden schob sich in die Arktis, die polare Kälte rutschte im Gegenzug zu uns. Tatsächlich war das Jahr 2010 – gemittelt über den gesamten Globus – vermutlich zusammen mit 2005 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren. Die USA und Osteuropa wurden von Rekordhitzewellen geplagt – eine Folge waren die verheerenden Waldbrände in Russland.;
Gegenwärtig steigt der Pegel (des Meeresspiegels) weltweit um etwa 3 Millimeter pro Jahr, wobei der Großteil durch die thermische Ausdehnung des Wassers in einem wärmeren Klima verursacht wird. Von den 3 Millimeter Anstieg gehen rund 0,7 Millimeter auf das Konto des schwindenden Eiskolosses auf Grönland.
(bild der wissenschaft 3-2011 S.58ff.: http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32557836 )

·       Die Sonnenaktivität hat kaum Einfluss auf die Erderwärmung – im Gegensatz zum Kohlendioxid-Ausstoß auf der Erde. Das zeigen Klimamodelle mit verschiedenen künftigen Kohlendioxid-Emissionen. Beim Szenario 1 steigt der Kohlendioxid-Ausstoß bis Mitte des 21. Jahrhunderts ungebremst weiter. In diesem Fall könnte sich die Erde bei normaler Sonnenaktivität um 4,5 Grad erwärmen. Bei einem Sonnenaktivitätsminimum fällt die Erwärmung nur ein oder zwei Zehntel Grad niedriger aus. Beim Szenario 2 nehmen die Kohlendioxid-Emissionen bis Mitte des 21. Jahrhunderts zu und sinken dann wieder. Dabei steigen die Temperaturen bis 2100 um 3,7 Grad Celsius, wenn der Sonnenzyklus normal weitergeht, und um 3,6 Grad,wenn es zu einem neuen Maunder-Minimum kommt. Das ergaben Berechnungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.;
Wie sich das Klima entwickelt, wenn die Sonne erneut in ein großes Minimum fällt, haben Georg Feulner und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ausgerechnet. Ergebnis: Die verminderte Sonnenstrahlung würde die Erwärmung bis zum Jahr 2100 nur unwesentlich bremsen. Setzt sich der Sonnenzyklus wie gewohnt fort, erwärmt sich die Erde im Vergleich zu 1990 je nach Emissionsszenario um 3,7 bis 4,5 Grad Celsius. „Ein neues großes Minimum würde die Temperaturen im Jahr 2100 um höchstens 0,3 Grad Celsius verringern“, sagt Georg Feulner. Das lange Minimum 2008/2009 konnte die globale Erwärmung jedenfalls nicht aufhalten. Messdaten der NASA zufolge war 2009 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
(bild der wissenschaft 2-2011 S.52)

·       In dieser Broschüre aus dem Jahr 2005 (!) wird geschildert, wie die Auswirkungen eines schweren Hurrikans für New Orleans aussehen könnten, einige Monate, bevor diese Katastrophe sich wirklich ereignete (Katrina) !!!;
“Ein kräftiger Hurrikan, der auf der richtigen Route langsam über den Golf von Mexiko zöge, würde eine gewaltige Flutwelle vor sich herschieben. Diese könnte New Orleans sechs bis sieben Meter tief unter Wasser setzen. … rechnen wir mit sehr vielen Toten.“
(Spektrum der Wissenschaft, Dossier, Die Erde im Treibhaus, 2-2005, S.74ff.)

·       Entwicklungspolitische Klimaplattform der Kirchen : http://www.kirchen-fuer-klimagerechtigkeit.de/

·       mit 4,24 Millionen Quadratkilometern unterschritt die Fläche des Meereises in der Arktis am 8.9.2011 die bisherige Negativ-Rekordmarke vom September 2007 (4,27);
seit 1972, als die Forscher mit der regelmäßigen Beobachtung und Vermessung des Eises rund um den Nordpol mit Hilfe von Satelliten begannen, ist die sommerliche Eisfläche um etwa die Hälfte geschrumpft
(bild der wissenschaft 11-2011 S.12)

·       Industrieländer verursachen immer mehr Kohlendioxid-Emissionen in Entwicklungs- und Schwellen-Ländern. Grund dafür ist, dass in den Industrieländern zunehmend Waren konsumiert werden, die aus ärmeren Ländern stammen. Daher sei dort zwischen 1990 und 2008 fünfmal so viel CO2 entstanden, wie von den reichen Nationen durch Klimaschutzprogramme eingespart wurde.
(bild der wissenschaft 7-2011 S.7)

·       UNO hat 2011 zum Jahr der Wälder erklärt;
in Südamerika werden jährlich rund 4
Millionen Hektar Waldfläche abgeholzt, in Afrika etwa 3,4 Mill. ha
(bild der wissenschaft 4-2011 S.10)

·       Die Auswirkungen des Klimawandels werden erst im Jahr 3000 abklingen – und das auch nur unter günstigsten Bedingungen: Wenn die Verwendung fossiler Brennstoffe sofort gestoppt und kein Kohlendioxid mehr ausgestoßen wird. Eine entsprechende Simulation am Computer haben kanadische Forscher der University of Calgary durchgeführt. Danach würde sich die Nordhalbkugel schneller erholen als die südliche Hemisphäre. Die Forscher vermuten, dass der langsame Wassertransport vom nördlichen zum südlichen Atlantik dafür verantwortlich ist
(bild der wissenschaft 4-2011 S.13)

·       Schon der Bericht an US-Präsident Carter aus dem Jahr 1980 „Global 2000“ benennt den Treibhauseffekt (greenhouse effect)
(Die Zeit 8.9.2011 S.26)

·       + Ziele für die Reduktion von Treibhausgasen Deutschland:
1990 = 100%; 2020 = -40%; 2030 = -55%; 2040 = -70%; 2050 = -80 bis -95%;
+ Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch Deutschland:
2010 8,9%; 2020 18%; 2030 30%;
2040 45%; 2050 60%
+ Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch Deutschland:
2010 16%; 2020 35%; 2030 50%; 2040 65%; 2050 80%
(BMU: Zeitschrift „Umwelt“ 10-2011 S.16)

·       Warnung vor den Klima-Klempnern (Geo-Engineering);
+ Reflektoren im Weltall
+ Aufforstung und Biokohle
+ Eisendüngung der Ozeane
+ Pumpen auf hoher See (Tiefenwasser aus 100 – 200 m, das CO2 aufnimmt)
+ Kalkdüngung des Ozeans (Versauerung durch CO2 entgegenwirken)
+ weiße Hausdächer
+ Erhöhung der Sonnenreflexion von Wüsten und Meeren
+ Aerosole (Schwefelhaltige Partikel in 20 km Höhe)
+ künstliche Wolken über dem Meer
+ Luftfilter (CO2 aus der Luft holen)
+ CCS (CO2 nach der Kohleverbrennung abtrennen und „vergraben“);
Gutachten … Auf 180 Seiten hat das (deutsche Forschungs-) Ministerium Dutzende von Wissenschaftlern die umstrittenen Theorien bewerten lassen, mit denen der Klimawandel gebremst werden soll, ohne dabei die Emissionen von Treibhausgasen senken zu müssen. Nicht nur Klimawissenschaftler und Ozeanografen, sondern auch Ökonomen, Juristen und Sozialforscher haben an der weltweit ersten interdisziplinären Studie "Gezielte Eingriffe ins Klima?" den Wissensstand zum "Geo"- oder "Climate-Engineering" (CE) zusammengetragen.
Ihr Fazit: Es gebe "kein risikofreies Climate-Engineering": Die Daten über Wirksamkeit und Nebenwirkungen seien kaum verlässlich, die Technik könne internationale Konflikte auslösen und nationale Alleingänge seien völkerrechtlich verboten. Grundsätzlich würden die langfristigen Kosten unterschätzt und die Klimapolitik könne an Bedeutung verlieren. Schließlich würde bei einem Ausstieg aus manchen Techniken ein "rapider Klimawandel eintreten, der möglicherweise sogar stärker wäre als jener, der ohne vorherigen Einsatz der Technik entstanden wäre" - so würde also der Klima-Teufel mit dem CE-Beelzebub ausgetrieben;
Nach Berechnungen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) befindet sich die Welt auf einem Emissionspfad, der die globale Mitteltemperatur bis 2100 um 6 Grad hochtreiben wird. Angesichts dieses realistischen Horrorszenarios und den festgefahrenen Klimaverhandlungen gilt manchen Klimaschützern, Technikern und Geschäftsleuten die Manipulation der Atmosphäre als Notbremse gegen den Klima-GAU. Der US-Klimaökonom Scott Barrett sieht den großen Vorteil im CE darin, dass es "kostengünstig ist und von einem einzigen Land einseitig durchgeführt werden kann.";
seit Jahren tüfteln Ingenieure an Ideen, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu filtern oder die Wärmestrahlung der Sonne zu reduzieren (siehe Grafik). 2010 beschlossen die Staaten in der UN-Konvention zur Artenvielfalt einen weitgehenden Stopp aller CE-Experimente;
Noch ist nicht erwiesen, dass irgendeine der Techniken funktioniert, bezahlbar ist und unter dem Strich dem Klima nützt. Im Gegenteil: Forscher warnen vor veränderten Wetter- und Niederschlagsmustern durch das CE, vor stärkerer Versauerung von Atmosphäre und Ozeanen, vor dem Verlust an Solarenergie durch Verschattung und vor der Vergeudung von Geld und Energie, die besser in die Verbreitung etwa von erneuerbaren Energien gingen.
(taz 6.10.2011 S.4)

·       in diesem Frühjahr riesiges Ozonloch über der Arktis nachgewiesen; der Ozonverlust übersteigt jeden, der bisher über der Arktis gemessen wurde
(taz 4.10.2011 S8)

·       Das Meereis in der Arktis ist in diesem Sommer so stark geschmolzen wie nie zuvor. Die Negativmarke sei am Donnerstag mit 4,24 Millionen Quadratkilometern erreicht worden, teilte die Universität Bremen am Freitag mit. Damit wurde die bisher geringste Eisausdehnung im Nordpolarmeer aus dem Jahr 2007 (4,267 Millionen Quadratkilometer) unterboten. Seit 1972 ist das sommerliche Eis um die Hälfte zurückgegangen.
(taz 10./11.9.2011 S.6)

·       Die Arktis steht vor einem traurigen Rekord: So weit zurückgezogen wie im Sommer dieses Jahres hat sich das dortige Eis noch nie. Das gab das US-amerikanische National Snow and Ice Data Center bekannt, das Daten der Nasa auswertet. Das arktische Eis erstreckte sich am 17. Juli dieses Monats über 7,56 Millionen Quadratkilometer. Das sind über 2,2 Millionen weniger als im Sommerdurchschnitt der Jahre 1979 bis 2000. Am Nordpol ist es derzeit 6 bis 8 Grad wärmer, als im Juli dort üblich ist.
(taz 21.7.2011 S.8)

·       Der renommierte Klimaforscher Mojib Latif hat vor Dürre und extremer Hitze in Deutschland durch den Klimawandel gewarnt. Bei einer in einem neuen UN-Bericht als möglich vorhergesagten Erwärmung um vier bis fünf Grad bis zum Jahr 2100 seien im Süden und Osten Deutschlands Tagestemperaturen von fast 50 Grad möglich, so der Forscher vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel im Deutschlandradio. Dies sei auch eine "gigantische Herausforderung" für die Infrastruktur.
(taz 15.11.2011 S.6)

·       Der Konsum der Reichen verursacht Emissionen in Entwicklungsländern;
Die einen, die Industrieländer, behaupten, sie hätten immerhin angefangen, ihr Scherflein zur Bekämpfung der Erderwärmung beizutragen. Ohne
unbillige Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen zu müssen, sei mehr leider nicht drin, zumal die größten Klimasünder mittlerweile ohnehin die Schwellenländer seien. Und richtig, tatsächlich offenbart ein Blick in die offizielle Statistik, dass China inzwischen am meisten klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausstößt.
Die anderen, China & Co. behaupten, pro Kopf sorgten sie nach wie vor für deutlich weniger CO
als die Industrieländer. Und obendrein müssten manche der Emissionen, die ihr Klimakonto belasten, in Wirklichkeit auf dem Konto der Industrienationen verbucht werden.;
Jetzt kommt etwas mehr Klarheit in die Debatte, dank einer Studie, an der auch zwei Ökonomen des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung und der TU Berlin beteiligt waren. Die in der Fachzeitschrift der US-Wissenschaftsakademie erschienene Untersuchung versucht zum ersten Mal, die Emissionseffekte der weltweiten Arbeitsteilung umfassend zu ermitteln. Und siehe da: Tatsächlich sind die reichen Länder zunehmend für den Ausstoß von Treibhausgasen in ärmeren Ländern verantwortlich. Durch ihren Konsum haben sie sogar mehr zum Emissionswachstum in Entwicklungsländern beigetragen, als sie zu Hause eingespart haben.
Die amtliche CO2-Statistik gibt das nicht her. Sie folgt dem Territorialprinzip, wonach Emissionen jenem Land zugeschrieben werden, in dem sie entstehen. Wer ein im Ausland produziertes Handy oder Hemd kauft, verursacht aber im Herkunftsland Emissionen, nicht in seinem Heimatland; umgekehrt verringert zum Beispiel der Export von Autos die Klimalast des Landes, in dem die Autofabrik steht.



(Die Zeit 22.6.2011 S.35)

·       Bisher war die Sache eindeutig: Alte Kohlemeiler durch neue Gaskraftwerke zu ersetzen galt als die beste Methode, der Erderwärmung entgegenzuwirken, jedenfalls so lange, wie Strom aus erneuerbaren Quellen nicht ausreichend zur Verfügung steht. So einfach ist es jedoch nicht, lautet das Ergebnis einer Studie …;
Danach reduziert der Wechsel von Kohle zu Gas bei der Stromerzeugung die klimaschädlichen CO2-Emissionen … Zugleich aber vermindert sich der bei der Kohleverstromung erhebliche Ausstoß an Partikeln. Diese wiederum blockieren das auf die Erde fallende Sonnenlicht (Abkühlungseffekt JK) … Zusammen führt das dazu, dass der Umstieg auf Gas „bei der Lösung des Klimaproblems wenig hilft“, sagt der Autor der Studie, der weltweit bekannt australische Klimaforscher Tom Wigley.
(Die Zeit 15.9.2011 S.24)

·       Interview mit Klimaforscher James Hansen, Leiter des Nasa Goddard Institute für Weltraumforschung;
Vorschlag: Klimasteuer als CO2-Steuer:
Die Klimasteuer würde von den
Energieunternehmen eingesammelt werden, und das Geld sollte dann an die Bevölkerung ausgeschüttet werden, um die höheren Energiepreise auszugleichen. Wenn man das den Leuten richtig erklärte, wären sie sicherlich davon zu überzeugen. Leider traut sich kein Politiker, die Wahrheit zu sagen;
China will nicht so abhängig von fossilen Brennstoffen werden, wie es die Vereinigten Staaten heute sind. Außerdem werden China und Indien deutlicher unter dem Klimawandel leiden als etwa Europa. Und anders als hier in den USA leugnet die politische Führung nicht die wissenschaftlichen Erkenntnisse.
ZEIT: In den USA ist der Klimawandel fast schon zur Glaubensfrage geworden.
Hansen: Das ist kein Zufall. Die Leute, die weitermachen wollen wie bisher, fordern, dass man alle Seiten hören müsse. Egal, ob ihre Ansicht wissenschaftlich untermauert werden kann oder nicht. Dadurch entsteht für die breitere Öffentlichkeit der Eindruck, dass es sich auch dann um Meinungen handelt, wenn es sich um objektive wissenschaftliche Erkenntnisse handelt;
ZEIT: Zu Ihren Kritikern gehören aber auch Umweltaktivisten. Etwa weil Sie für Atomkraft eintreten. In Deutschland feiert die Umweltbewegung den Plan, alle Atomkraftwerke abzuschalten.
Hansen: Das ist eine emotionale und irrationale Entscheidung. Das zeigt sich schon daran, dass der Anlass eine Reaktion auf das Unglück in Fukushima war. Neuere Generationen von Kernkraftwerken haben ein Kühlsystem, das ohne Elektrizität auskommt. Die Debatte über die Atomenergie erinnert mich an die Luftfahrt. Flugzeugunglücke machen Schlagzeilen, dabei ist das Flugzeug erwiesenermaßen das sicherste Verkehrsmittel. Für China und Indien wird es ohne Atomenergie nicht möglich sein, auf fossile Brennstoffe zu verzichten.
ZEIT: Also eine Fehlentscheidung aus Sicht des Klimawandels?
Hansen: Es ist eine Chance, zu beweisen, dass alternative Energien ausreichen, um die Nachfrage zu befriedigen. Wenn ein Land das fertigbringt, dann Deutschland mit seinem Ingenieurwesen und seiner Industrie. Aber es ist eine große Herausforderung. Um die anvisierte CO
-Reduktion von 40 Prozent bis 2020 zu schaffen und irgendwann die Emission auf null zu bringen, müsste das Land deutlich Energie einsparen und alternative Energiequellen extrem ausbauen.
ZEIT: Und was passiert, wenn wir es nicht schaffen?
Hansen: Ich fürchte, so wie es jetzt aussieht, besteht die Gefahr, dass Deutschland wieder auf Kohle als Brennstoff zurückgreift. Das wäre sehr problematisch. Deutschland gehört zwar heute nicht mehr zu den großen CO
-Emittenten, aber das Land würde ein schlechtes Signal von Verantwortungslosigkeit senden. Schließlich gehört Deutschland, historisch gesehen, neben Großbritannien und den USA zu den Hauptverursachern. Wenn wir weiter Kohle verbrennen, steht praktisch fest, dass es noch in diesem Jahrhundert zu unumkehrbaren Klimaänderungen kommen wird.
ZEIT: Die da wären?
Hansen: Eine Erwärmung um mehr als zwei Grad Celsius im Schnitt galt bisher als gefährlich. Aber inzwischen gehen ich und andere Forscher davon aus, dass bereits eine Erwärmung um zwei Grad ein Katastrophenszenario zur Folge hätte. Das Eis an den Polkappen würde weitgehend abschmelzen. Das wäre unumkehrbar. Wir hätten das Klima wie im Pliozän, als der Meeresspiegel 25 Meter höher lag. Stellen Sie sich mal vor, was mit all unseren Küstenmetropolen passieren würde. Ein großer Teil der Arten auf unserem Planeten würde aussterben. Die Effekte würden sich bereits zu Lebzeiten unserer Kinder und Enkel bemerkbar machen.
(Die Zeit 27.10.2011 S.38 - http://www.zeit.de/2011/44/GL-Interview-Hansen )

·       Die Klimakrise ist nicht nur wesentlich komplizierter als die Finanzkrise, obendrein erscheint den meisten politischen Akteuren der Handlungsdruck auch geringer. Der Meeresspiegel steigt schließlich langsamer als der Zins für Staatsanleihen. Das nährt den Irrglauben, Klimaschutz sei nicht so dringend;
Der Verdacht, von den Warnern würde mal wieder gnadenlos übertrieben, ist unbegründet. Tatsächlich liefert eine unverdächtige Quelle den akuten Anlass, sich mit dem Katastrophenszenario anzufreunden – eine Quelle, die jedenfalls nicht geschaffen
wurde, um Sand ins Getriebe der globalen Wirtschaftsmaschinerie zu streuen. Es ist die Internationale Energie Agentur (IEA), jener Klub, den die Industrieländer 1973 gründeten, um gemeinsam gegen die Ölkrise vorzugehen. Die gerade präsentierte jüngste Version ihres Weltenergieausblicks, eine Art Bibel für Energiemanager und -politiker, beginnt mit der Feststellung, es gebe wenig Anzeichen dafür, »dass der dringend notwendige Kurswechsel bei den weltweiten Energietrends eingeleitet wurde«.
Das klingt nüchtern, ist aber eine fast apokalyptische Aussage. Tatsächlich sorgt die Menschheit laut IEA ohne Rücksicht auf Verluste dafür, dass die mittlere Temperatur auf der Erde über kurz oder lang ein Plus von 3,5 Grad erreichen könnte, womöglich sogar von 6 Grad oder mehr. Warum? Weil sie ständig mehr Kohle, Öl und Gas verbraucht – und dementsprechend die Menge an Kohlendioxid wächst, die in der Erdatmosphäre landet und dort die Voraussetzungen für die extremen Verhältnisse auf der Erde schafft. Deren Konsequenzen: Schlimmstenfalls ein langfristig um mehrere Meter ansteigender Meeresspiegel – Städte wie Hamburg und Bremen wären dann unbewohnbar.
Dass solche ungemütlichen Zeiten näher rücken, ist schon länger bekannt. Vor knapp 20 Jahren verpflichteten sich praktisch alle Staats- und Regierungschefs der Welt dazu, eine »gefährliche Störung des Klimasystems« zu verhindern. Umso alarmierender ist, dass weiter das Gegenteil geschieht. 2010 erreichte der weltweite CO2-Ausstoß einen neuen Rekord. Gleichzeitig war 2010 das wärmste Jahr seit 1880, gleichauf mit 1998 und 2005.
(Die Zeit 10.11.2011 S.37)

·       die Weltgemeinschaft steht nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) kurz davor, den Kampf gegen den Klimawandel zu verlieren;
jüngst veröffentlichter „Energy Outlook“:
weltweite Durchschnittstemperatur wird durch Treibhauseffekt in diesem Jahrhundert um 3,5 Grad steigen;
IEA rechnet bis 2035 mit einem weltweiten Anstieg des Energieverbrauchs um ein Drittel; 90% des Zuwachses entfallen auf die Entwicklungs- und Schwellenländer;
Anteil der fossilen Energieträger wird von 81 auf 75% sinken (dafür Anstieg der Subventionen von derzeit 64 Milliarden Dollar pro Jahr auf 250 Mrd. Dollar 2035 erforderlich;
Ölverbrauch steigt von 87 Millionen Barrel pro Tag auf 99; dauerhaft hohe Ölpreise
(Freie Presse Chemnitz 12.11.2011 S.7)

·       Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist laut der Meteorologiebehörde der Vereinten Nationen so hoch wie noch nie. Mit 389 Teilchen auf eine Million habe die Konzentration von Kohlendioxid den höchsten Wert seit Beginn der Industrialisierung im Jahr 1750 erreicht, so der Bericht der World Meteorological Organization. Der Anstieg der Emissionen sei größer als von den Experten prognostiziert. Verantwortlich für die hohe Konzentration von Treibhausgasen sei die Verfeuerung fossiler Brennstoffe, Abholzung und die Verwendung von Düngern.
(taz 22.11.2011 S.8)

·       US-Vizepräsident Al Gore (der spätere Nobelpreisträger) hatte in Kioto zwar an der Entstehung des Kioto-Protokolls mitgewirkt, aber nie gewagt, das Papier im US-Kongress vorzustellen
(taz 26./27.11.2011 S.15)

·       CO2-Speichung durch CCS;
Und so stehen etwa 100 Öko-Aktivisten am Samstag vor der Berlin-Wahl mit ihren großen Transparenten und Slogans wie "Kohle nur noch zum Grillen!" und "Kohlestrom hat keine Zukunft - Endlager stoppen!" vor dem Roten Rathaus in Berlin. Ihre T-Shirts und
Plakate leuchten in der Antiatomkraftfarbe Grellgelb, und das ist kein Zufall. Denn BUND und Greenpeace haben mit Bürgerinitiativen aus potenziell betroffenen Gebieten eine Kampagne wie gegen Atomkraft oder Gentech gestartet. Lieblingsgegner: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, der mit Vampirzähnen und Teufelshörnern als "Brunnenvergifter" dargestellt wird.;
Bisher kalkulieren Experten wie der UN-Weltklimarat IPCC damit, dass eine verpresste Tonne CO2 etwa 50 Euro kosten wird. Für ein Viertel dieses Preises bekommt man derzeit eine Tonne im EU-Emissionshandel. Vattenfall hofft auf einen massiven Preisanstieg: "Wir rechnen damit, dass CCS etwa ab 2020 unter den Preisen für die CO2-Zertifikate liegen wird", sagt Bloemer. Die Kosten würden sinken, weil überall auf der Welt an CCS geforscht werde. Allerdings gibt es bisher nirgendwo auf der Welt ein Kohlekraftwerk, das sicher, ökonomisch und ökologisch vernünftig CCS betreibt. In Norwegen, Algerien und Kanada wird teilweise seit Jahren CO2 verpresst, aber unter anderen Rahmenbedingungen.
Nicht erprobt, zu spät, teuer, potenziell gefährlich: Eigentlich gibt es genügend Gründe, um CCS lebendig zu begraben. Aber die Ablehnung ist längst nicht so groß, wie es BUND, Greenpeace und die Bürgerinitiativen glauben machen. Vor allem die Klimaschutzgemeinde hofft auf CCS als Notbremse gegen den Klimawandel. Zur Sicherheitsfrage hat etwa das IPCC angemerkt, "gut ausgewählte, gebaute und gewartete" Lagerstätten könnten das CO2 für "Millionen von Jahren" einschließen. Andere Klimaschützer sehen einen Bedarf für die "Prozessemissionen" der Industrie: Das sind Treibhausgase, die bei der Herstellung von Zement oder Aluminium als chemische Abfallprodukte anfallen. "Das sind etwa 10 Prozent der deutschen Emissionen", sagt Manfred Treber, CCS-Experte der Umweltorganisation Germanwatch. Die Speicherung brauche man auch für die Idee von Biomassekraftwerken mit "negativer CO2-Bilanz", die klimaneutralen Brennstoff einsetzen und per CCS anderes CO2 der Atmosphäre entziehen. "Die Pilotprojekte müssen gebaut werden", sagt auch Martin Jännicke, der als emeritierter Professor für Umweltpolitik nun die chinesische Regierung berät. Der deutsche Kohleausstieg sei wichtig, "aber andere Länder wie China werden nicht von ihrer Kohle abrücken. Die vertrauen darauf, dass auch mit unserer Hilfe CCS ab 2020 bezahlbar wird."
Der Grat ist schmal, auf dem Klimaschützer gleichzeitig gegen die Kohle und für eine Erforschung der CCS-Technik sind. Wie plädiert man für ernsthafte Forschung, ohne sich zum nützlichen Idioten der Kohleindustrie zu machen? Einerseits seien die Anlagen bisher oft nur "Powerpoint-Präsentationen mit dem Businessplan, Steuergelder einzuwerben", heißt es aus dem Umweltbundesamt. Andererseits "können wir diese Fragen nicht auf dem Papier lösen".
Wer nichts sehen, hören oder fühlen kann, der muss vertrauen. Zum Beispiel jemandem wie Axel Liebscher vom GFZ in Ketzin. Er steht vor seiner Anlage und erklärt: "Wir können das CO2 in der Tiefe sehr gut orten und sehen, wie es sich bewegt." In einer Blase von 250 mal 400 Metern breitet es sich planmäßig in einer 10 bis 20 Meter dicken Sandsteinformation aus, abgeschlossen von einer Tondecke. Liebscher trägt kariertes Hemd, Sicherheitsschuhe und einen weißen Sicherheitshelm. Er macht seine drei Botschaften klar: Erstens: Wir haben hier alles im Griff. Zweitens: Für verlässliche Daten brauchen wir eine Versuchsanlage, die zehnmal so groß ist wie Ketzin. Drittens: Ihr könnt uns vertrauen.
In Ketzin selbst hat das schon gefruchtet. Anders als in vielen anderen Orten Brandenburgs gibt es keinen organisierten Widerstand.
(taz 22.9.2011 S.4)

·       Bundesumweltminister Röttgen gibt Gesetz für CCS nicht verloren;
Die Bundesregierung will das Gesetz zur unterirdischen Speicherung des Treibhausgases Kohlendioxid noch retten. Kommende Woche soll das Kabinett beschließen, den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat anzurufen. Das bestätigte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Der Bundesrat hatte das umstrittene Vorhaben im September abgelehnt und selbst kein Interesse gezeigt, über das gemeinsame Gremium einen Kompromiss zu erarbeiten.
Ohne das Gesetz kann die Technologie nicht getestet werden, die landläufig unter CCS bekannt ist - eine Abkürzung des englischen Begriffs Carbon Capture and Storage: Bei dem Verfahren würde Kohlendioxid aus Kraftwerksabgasen abgefangen und unterirdisch eingelagert.;
Ob CCS dem Klimaschutz dient, ist umstritten. Die meisten Umweltverbände lehnen das Verfahren ab, der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, findet das Verfahren nur erwägenswert, um unvermeidliches CO2 aus der Zementproduktion oder anderen Industrieprozessen vom Aufsteigen in die Atmosphäre abzuhalten. Die großen Energiekonzerne setzen aber auf CCS, damit sie auch zukünftig fossile Kraftwerke betreiben und damit die Energiewende verzögern können. An den Standorten, die zur unterirdischen Einlagerung vorgesehen sind, gibt es meist Proteste der Bevölkerung, die Sicherheitsrisiken befürchtet.
Auch in anderen EU-Ländern haben CCS-Projekte Probleme, sich durchzusetzen
(taz 17.10.2011 S.9)

·       Mit dem Atomausstieg riskiert Deutschland seine Klimaschutzziele.;
Offiziell hält die Bundesregierung an ihrem Ziel fest, die Emissionen des Landes bis zum Jahr 2020 um vierzig Prozent zu reduzieren. Die Energiewirtschaft sollte zu diesem Ziel sogar überproportional beitragen. DIE ZEIT hat einmal nachgerechnet. (Diese Rechnung finden Sie ausführlich hier: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-07/energiewende-stromproduktion-rechnung .) Es ist, natürlich, eine Rechnung mit Unbekannten. So viel aber lässt sich schon heute sagen: Das ehrgeizige Klimaschutzziel ist nicht einmal annähernd zu erreichen. Der Strommix des Jahres 2020 aus Sonne und Wind, Kohle und Gas dürfte das Klima ungefähr so stark belasten, wie es die Stromproduktion des Jahres 1990 getan hat, mit der Atomkraft im Westen und den postsozialistischen Kraftwerksfossilen im Osten. Was durch den Ausbau von Wind und Sonnenenergie erreicht wurde, das frisst der Atomausstieg nun wieder auf.;
Inzwischen ist das Umweltbundesamt von seiner Analyse der Energiewende vorsichtig abgerückt. Einige Annahmen, heißt es auf beharrliches Nachfragen, seien »sehr optimistisch und heute wohl nicht mehr aktuell«.
Es gibt im Lager der Atomkraftgegner viele Kalkulationen dieser Art. Mal verschwinden Kohlekraftwerke stillschweigend aus der Statistik, mal werden sie lange vor Ende ihrer Lebensdauer stillgelegt. Die Deutsche Umwelthilfe warf eine Hochrechnung in die Debatte, in der die Emissionen der Stromwirtschaft infolge des Atomausstiegs zwar drastisch ansteigen – dann aber binnen 15 Jahren auf null zurückgehen. Der Autor hat stillschweigend angenommen, dass eine künftige Regierung Deutschlands neue Kohlekraftwerke kurzerhand enteignen und stilllegen werde.;
Und der Klimaschutz? Seine ehrgeizigen Klimaziele kann Deutschland vergessen. Strom sparen, notfalls mit harten Einschnitten, das ist vermutlich das Einzige, was nun noch hilft, wenigstens ein bisschen. Aber um damit rasch zu beginnen, muss sich das neue grüne Deutschland von der Illusion verabschieden, es habe der Welt mit seinem Atomausstieg einen Dienst erwiesen.
(Die Zeit 21.7.2011 S.7)

·       Vattenfall gibt CCS-Kraftwerk auf;
Der schwedische Konzern stoppt Pläne, in großem Stil Klimagase in Brandenburg zu verpressen. Die Landesregierung setzt weiter auf Braunkohle und kippt Klimaziele;
Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat seine Pläne für die CO2-Einlagerung in Deutschland beerdigt. "Das ist ein herber Rückschlag für Innovation, Klimaschutz und die deutsche Wirtschaft", sagte Vattenfalls Deutschland-Chef Tuomo Hatakka. Das
Unternehmen plante, 1,5 Milliarden Euro in das 3.000-Megawatt-Kraftwerk Jänschwalde zu investieren, um ab 2016 ein Teil des Kraftwerkes mit der sogenannten CCS-Technologie auszustatten. CCS steht für "Carbon Capture and Storage", dabei soll CO2 aus den Abgasen gefiltert und unterirdisch gespeichert werden.
Grund sei die "fortwährende Hängepartie um das deutsche CCS-Gesetz", teilte Vattenfall mit. Hintergrund sind jahrelange Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über eine Erprobung der Technik. Kürzlich scheiterte ein Gesetzentwurf im Bundesrat. Zwar liegt es momentan im Vermittlungsausschuss, eine Einigung gilt als unwahrscheinlich. In den betroffenen Regionen gab es heftige Proteste gegen die umstrittene Technik.
Die rot-rote Landesregierung in Brandenburg will trotzdem an der Braunkohle festhalten und dafür die 2007 beschlossenen Klimaschutzziele nicht einhalten.
(taz 6.12.2011 S.8)

·       Etwa zehn Prozent aller Säugetiere werden den Wettlauf mit dem Klimawandel verlieren. Durch die Erwärmung verlagern sich die Lebensräume dieser Tiere schneller, als sie folgen können. In einigen Gebieten könnten sogar bis zu 39 Prozent der Säugetiere auf der Strecke bleiben. Das zeigt eine Studie von US-Forschern. Zu den Verlierern des Klimawandels zählen demnach vor allem die Primaten, kleinere, insektenfressende Säugetiere und Tiere der Tropen. Besser Schritt halten können Raubtiere und die Bewohner gemäßigter und kühlerer Regionen, berichten die Forscher in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)
(taz 18.5.2012 S.18)

·       jede Kuh produziert täglich in ihrem Magen 235 Liter des Treibhausgases Methan;
Saurier gaben etwa 2675 Liter am Tag ab, in der Summe 520 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit; heutige Wiederkäuer erzeugen 50 bis 100 Mill. Tonnen
Methan weltweit im Jahr
(Freie Presse Chemnitz, 8.5.2012 S.1)

·       Denn die Temperaturen zeigen nach wie vor nach oben: Gemessen an den Durchschnittstemperaturen von 1961 bis 1990, war es 2011 mit durchschnittlich 8,2 Grad Celsius hierzulande 1,4 Grad wärmer als normal. Global stagnieren die Temperaturen zwar seit zehn Jahren, aber das entspricht der natürlichen Varianz des Klimas. Verlässlicher zeigt sich die globale Erwärmung in langfristigen Beobachtungsreihen: Von den vergangenen 30 Jahren waren weltweit 28, in Deutschland 24 wärmer als normal. Auch vor den historischen Temperaturaufzeichnungen ab Mitte des 19. Jahrhunderts war es in der Geschichte der Menschheit nie so warm wie heute. Das haben Dutzende von Forschungsgruppen mittlerweile unabhängig voneinander etwa anhand von Eisbohrkernen oder Baumringen rekonstruiert.;
Während es in Deutschland heute im Schnitt 1,2 Grad wärmer ist als in den vergangenen Jahrzehnten, ist der Klimawandel in der Arktis deutlich dramatischer: Hier ist die Temperatur im Schnitt um 4 Grad angestiegen. Der Eisschild ist heute im Sommer nur noch halb so groß wie vor 40 Jahren. Im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Wissenschaftler des Georgia Institutes of Technology, dass damit extreme Wetterlagen auch in Europa wahrscheinlicher werden. Wenn sich die Temperatur zwischen den Polen und niedrigeren Breitengraden angleicht, schwächen sich sogenannte Jetstreams wie ein schwächer gespanntes Gummiband ab. Jetstreams sind Starkwinde, die unter anderem von Kanada über Europa bis nach Nordjapan auftreten. Dadurch entstehen neue Wetterlagen, die kalte und wegen des geringeren Meereises feuchtere Luft weiter südlich transportieren können. Es kommt also häufiger zu heftigen Wintereinbrüchen. So gab es 2009/2010 in den USA, Norwegen und Großbritannien den kältesten Winter seit über 20 Jahren - als Folge der globalen Erwärmung.
(taz 4.5.2012 S.9)

·       Deutschland; Deutscher Wetterdienst; 2011 war ein warmes Jahr, liegt in jedem Fall unter den Top Ten seit Aufzeichnungsbeginn 1881; Platz 7 der wärmsten Jahre, das drittsonnigste nach 2003 und 1989
(Freie Presse Chemnitz 20.12.2011 S.8)

·       Gerstengrabe, Potsdam Institut Klimafolgenforschung;
Wann lässt sich über ein Wetterphänomen sagen, ob es eine Folge des Klimawandels ist?
Bei einem Einzelphänomen muss man
immer vorsichtig sein. Wir sehen sie uns im Ensemble an. Dazu gehört natürlich die Trockenheit in Russland in diesem Sommer, genauso wie die Überschwemmungen in Pakistan im vergangenen Jahr, die in der Stärke vorher nicht aufgetreten waren. Oder die Tornadosaison dieses Jahr in den USA, die so heftig war, wie es noch nie zuvor beobachtet wurde. Diese Häufung ist ein deutlicher und starker Hinweis darauf, dass wir uns mitten im Klimawandel befinden und dass er bereits seine Wirkung zeigt.
(taz 2.1.2012 S.21)

·       CO2-Konzentration in der Atmosphäre, Jahresmittelwerte in ppm
1960: 317; 2010: 390
(Der Spiegel 48-2011 S.24)

·       Meteorologe Alan Robock;
Es ist die Geschwindigkeit der Klimaänderung, an die wir uns nur schwer anpassen können, weniger die absolute
Temperatur.
(ZEIT 15.3.2012 S.41)

·       Die globale Erwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf 2 Grad zu beschränken, sei "nur noch theoretisch möglich". Das ist die übereinstimmende Einschätzung aller Experten auf dem am Dienstag eröffneten viertägigen Extremwetterkongress in Hamburg. Seit der Weltklimakonferenz von Rio de Janeiro 1992 sei der Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid nicht gesunken, sondern um mehr als 40 Prozent gestiegen, rechnete Mojib Latif vom Kieler Forschungszentrum Geomar vor. Es bleibe nur noch "ein kleines Zeitfenster, um die Kehrtwende zu schaffen", mahnte Latif: "Sonst drohen unkalkulierbare Risiken wie eine starke Zunahme von Wetterextremen.";
dass sich die wetterbedingten Naturkatastrophen in Deutschland seit 1970 von 8 auf 44 im Vorjahr erhöht haben. Das belegt die Datenbank der Naturkatastrophen, die die weltgrößte Rückversicherung Munich RE auf dem Kongress vorstellt. Den größten wirtschaftlichen Schaden richtete das Elbehochwasser im August 2002 mit rund 11,6 Milliarden Euro an, berichtete Peter Höppe, Leiter der Georisiko-Forschung bei dem Versicherungskonzern. Das für die Branche teuerste Ereignis war der Winterorkan "Kyrill" im Januar 2007, für den die Versicherungen 2,4 Milliarden Euro Schadensersatz zahlen mussten.
Und auch "die mit Abstand tödlichste Naturkatastrophe" hat Munich Re ermittelt: Der Hitzewelle im Sommer 2003 seien allein in Deutschland bis zu 9.000 Menschen zum Opfer gefallen. Der Trend sei eindeutig, sagt Höppe: "Die Wettermaschine hat einen Gang höher geschaltet."
(taz 21.3.2012 S.8)

·       Bernhard Lorenz: Zwei Energiemanager behaupten, der Klimawandel werde nicht so schlimm. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung scheuen sie.;
Aktueller Anlass ist der Versuch, die sogenannte Klimaskepsis populär zu machen. Der Mensch sei gar nicht hauptverantwortlich für den aktuellen Klimawandel, sondern die Sonne, stellen neuerdings die RWE-Manager Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning die Arbeit Tausender unabhängig voneinander arbeitender Wissenschaftler infrage. Der Klimawandel werde nicht so schlimm ausfallen, und es bleibe reichlich Zeit, auf erneuerbare Energien umzusteigen – und die Kohlekraftwerke ein wenig länger zu betreiben. So weit die Kernaussagen, im Wissenschaftsmagazin Bild bereits zur »CO2-Lüge« zusammengefasst.;
Was geschieht hier? Sozusagen vom Ende her, vom berechtigten Streit darüber, wessen Interessen bei der Energiewende wie berücksichtigt werden sollten, wird der Versuch unternommen, die Ergebnisse der Klimaforschung zur Weltanschauungsfrage zu erklären. Man glaube nicht an den überwiegend menschengemachten Klimawandel, so die Autoren – schließlich gebe es ja viele andere Erklärungsmuster.
Doch der Klimawandel ist höchst real und messbar. Es ist dem Klimasystem der Erde auch gleichgültig, welche Meinung man davon hat – die Fakten sprechen für sich:
+ Dass CO2 ein Treibhausgas ist, das das Klima umso stärker erwärmt, je mehr davon in der Luft ist, gilt bereits seit dem 19. Jahrhundert als wissenschaftlich etabliert.
+ Der CO2-Gehalt der Atmosphäre war seit einer Million Jahren nicht so hoch wie heute. Menschengemachte Emissionen an Treibhausgasen überlagern seit Jahrzehnten deutlich die natürlichen Klimafaktoren – dadurch gerät das Klimasystem aus dem Gleichgewicht.
+ Die zehn wärmsten Jahre seit Beginn exakter Temperaturaufzeichnungen liegen fast alle im 21. Jahrhundert – eine Ausnahme bildet das Jahr 1998, das vom Klimaphänomen El Niño geprägt war.
+ Die Sonnenaktivität hat seit den 1970er Jahren nicht zu-, sondern leicht abgenommen. Damit müsste eine geringe Erkaltung verbunden sein. Seither hat allerdings der größte Teil der globalen Erwärmung stattgefunden. Das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen lag ausgerechnet im tiefsten Sonnenminimum seit Beginn der Messungen.
Wenn also der weltweite wissenschaftliche Konsens so erdrückend ist, wie kommt es, dass einige Sachbuchautoren höchst schlüssig klingende Gegenargumente präsentieren?
Zum einen suchen sich die Autoren bewusst ein Laienpublikum, das sie in die Irre führen, indem sie nur die Studien ausbreiten, die ihre Thesen stützen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung scheuen sie aus gutem Grund: Science, Nature oder andere Fachzeitschriften würden solche methodisch zweifelhaften »Forschungsergebnisse« nie veröffentlichen.
(ZEIT 23.2.2012 S.31)

·       Interview mit Jochem Marotzke, Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie;
ZEIT: Stichwort Präzision: Weltweit gibt es rund zwei Dutzend verschiedener Klimamodelle. Ihre Resultate unterscheiden sich teils stark. Welchem soll man da glauben?
Marotzke: Unter diesen 20 bis 25 Forschergruppen treiben sechs den größten Aufwand und genießen das höchste Ansehen. Dazu gehören auch wir. Alle Modelle zeigen: Es wird im 21. Jahrhundert deutlich wärmer, die Unterschiede liegen eher im Detail.
ZEIT: Wo liegen die größten Unsicherheiten?
Marotzke: Im Einfluss der Wolkenbildung. Sie ist einer der drei wesentlichen Faktoren bei der Erwärmung. Die anderen beiden sind sehr viel besser
verstanden. Einer davon ist die reine Treibhauswirkung von Kohlendioxid, die bei einer hypothetischen Verdoppelung von CO2 eine Erwärmung von etwas über einem Grad erzeugt; das basiert auf ganz schlichter Physik. Der andere Effekt ist die verstärkte Bildung von Wasserdampf bei höheren Temperaturen – der trägt ein weiteres Grad zum Treibhauseffekt bei. Dafür gibt es sehr robuste, übereinstimmende Beobachtungen.
ZEIT: Und was bewirken die Wolken?
Marotzke: Das ist die große offene Frage! Die Vorhersagen schwanken von null Grad zusätzlicher Erwärmung bis zu plus 2,6 Grad. Unsicher ist aber nur, um wie viel die Wolken die Erwärmung verstärken. Kein Modell weist auf Abkühlung durch Wolkeneffekte hin.
ZEIT: Was ist mit der Sonnenstrahlung? Der frühere RWE-Manager Fritz Vahrenholt behauptet ja, eine verminderte Sonnenaktivität dämpfe künftig den Treibhauseffekt.
Marotzke: Es gibt den Einfluss der Sonne, ja. Aber er ist nicht groß. Allenfalls 0,1 Grad zwischen dem solaren Minimum und Maximum. Vahrenholt postuliert deshalb zusätzliche Verstärkungseffekte durch eine komplizierte Kausalkette von kosmischer Strahlung, Kondensationskeimen und Wolkendecke. Nur hat dafür – anders, als von Vahrenholt dargestellt – niemand überzeugende Belege geliefert, das ist einfach eine unbelegte Hypothese. Die Kausalkette der drei Einflussfaktoren Kohlendioxid, Wasserdampf plus Wolkenprozesse ist dagegen sehr gut belegt.;
Denn das Klima schwankt aufgrund natürlicher Ursachen, zum einen wegen äußerer Faktoren – Vulkane, Sonnenaktivität –, aber auch aufgrund interner Zyklen. Dieses natürliche Auf und Ab macht etwa 0,2 Grad in einem Jahrzehnt aus. Das ist ungefähr so viel, wie wir im selben Zeitraum an menschengemachter Erwärmung erwarten. Das heißt, langfristig wird unser Einfluss dominieren, kurzfristig muss ich die natürliche Schwankung mit einbeziehen.
ZEIT: Welche Fragen sind neben dem Einfluss der Wolken noch offen?
Marotzke: Was intensiv diskutiert wird, ist die Freisetzung von Methan, falls die Dauerfrostgebiete auftauen.
ZEIT: Das ist ein starkes Treibhausgas...
Marotzke: Ja. Aber selbst wenn diese Gebiete schmelzen und die Methanhydrate in der Erde zerfallen, dauert es lange, bis das Gas freigesetzt wird. Das bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Größere Überraschungen könnten wir bei den Eisschilden Grönlands erleben. Unter Umständen schmelzen die sehr viel schneller als gedacht. Der Meeresspiegel würde stärker steigen, bislang ist dieser Effekt noch in keinem der Modelle enthalten.
ZEIT: Mit welchem Anstieg müssen wir bis 2100 schlimmstenfalls rechnen?
Marotzke: Das wird lebhaft diskutiert. Manche sagen: maximal um einen Meter, andere sagen: um zwei Meter. Klar ist aber auch: Wir reden nicht von fünf Metern.;
ZEIT: Wird die Modellierung unter dem Einfluss der politischen Debatte zu stark auf CO2 verengt? Im Januar schrieben Forscher in der Zeitschrift Science, man könne auch mit anderen Maßnahmen – Gaspipelines abdichten, mehr Rußfilter etc. – das Klima kühlen.
Marotzke: Das ist sicher alles wichtig und nützlich. Aber alle diese Vorschläge zusammengenommen würden die Erwärmung allenfalls um ein halbes Grad abschwächen. Unser Grundproblem ist und bleibt CO2.
ZEIT: Nun sagt ja Ihr eigenes Modell, das Zwei-Grad-Ziel ist erreichbar. Wie denn?
Marotzke: Uns ging es vor allem um die Betrachtung, welcher CO2-Ausstoß mit diesem Ziel vereinbar wäre. Maßnahmen zur Emissionsminderung vorzuschlagen gehört nicht zu den originären Aufgaben eines Klimaforschers. Aber dieses eine Szenario impliziert einen erheblichen Anteil an Kernenergienutzung und eine starke Abholzung zum Anbau von Biotreibstoffen.
ZEIT: Sie propagieren also die Kernkraft?
Marotzke: Eben nicht! Ich werde als Klimaforscher den Teufel tun, irgendwelche Empfehlungen zur Energiepolitik abzugeben. Ich sage nur: Wir stehen vor einem Zielkonflikt. Beides, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten und aus der Kernkraft auszusteigen, scheint nicht möglich zu sein.
ZEIT: Wie gehen Sie persönlich mit diesem Zielkonflikt um?
Marotzke: Zum Glück bin ich kein Politiker! Ich glaube aber, ich würde akzeptieren, dass wir die Zwei-Grad-Marke doch nicht schaffen. Unter dem Eindruck von Fukushima habe ich mich persönlich von einem sehr widerstrebenden Befürworter eines begrenzten Einsatzes der Atomenergie gewandelt zu jemand, der sagt: Offenbar können wir eine so risikoreiche Technik nicht sicher beherrschen. In solch komplexen technischen Systemen zieht ein blöder Fehler leicht den nächsten nach sich. Natürliche Systeme wie das Klima scheinen da sehr viel robuster zu sein.
ZEIT: Und dennoch sagt die Theorie der tipping points: Ab einer bestimmten Schwelle kann auch dieses System plötzlich kippen...
Marotzke: Tatsächlich gibt es eine intensive Debatte über solche Kipppunkte. Einen davon, die Stabilität der Ozeanzirkulation, habe ich selbst erforscht. Allerdings ist in keinem einzigen Fall klar, ob er wirklich eintritt. Am wahrscheinlichsten ist noch das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds – wenn der erst weg ist, kommt er möglicherweise nicht wieder
(Die ZEIT 23.2.2012 S.35 - http://www.zeit.de/2012/09/Interview-Marotzke )

·       In Norwegen eröffnet die weltgrößte Anlage zum Herausfiltern von Kohlendioxid aus Industrieabgasen. Das soll dem Klima helfen - viele Umweltschützer lehnen die Technik dennoch ab.;
Tore Amundsen ist Direktor des CO² Technology Centre in Mongstad. Das Werk wird aus den Abgasen des benachbarten Gaskraftwerks und der Raffinerie 85 Prozent des klimaschädlichen Kohlendioxids herausfiltern. Anschließend, so ist es geplant, soll das CO² in Gaskavernen endgelagert werden. Carbon Capture and Storage (CCS) heißt das Verfahren, und noch nie wurde es in einem so großen Maßstab ausprobiert.;
"Klimafreundliche Wind- und Solarenergie werden nicht ausreichen", behauptet Mongstad-Manager Amundsen und hat die Statistiken der Internationalen Energieagentur IEA auf seiner Seite: Allein in China hat sich die Menge an Kohlestrom in den vergangenen 20 Jahren versechsfacht.
Gleichzeitig raten Wissenschaftler dringend, bis zum
Jahr 2050 den Gesamtausstoß an Treibhausgasen im Vergleich zum Jahr 1990 zu halbieren. Nur so werde sich die Temperatur auf der Erde bei einem Plus von zwei Grad Celsius stabilisieren lassen. Amundsen glaubt, dass die Technik seiner Anlage aus diesem Dilemma heraushelfen kann.
Dass die Anlage in Norwegen steht, ist kein Zufall. Dort träumt man bereits von einem transkontinentalen Kreislaufsystem: Pipelines könnten dereinst Kohlendioxid aus Mitteleuropa an die Fjorde befördern, wo es hilft, das Erdgas aus den Lagerstätten zu pressen - dieses wiederum würde dann über Rohre zu den Gaskraftwerken in Deutschland geleitet. Der Reiz dieser Vision war es, was den Staat bewog, fast eine Milliarde Euro in die Versuchsanlage von Mongstad zu stecken.;
Die Zusammensetzung des Gases, das Volumen, die Leitfähigkeit: An jeder Stelle des komplizierten Prozesses wird der Reinigungsvorgang überwacht. Auf dem Gelände sind gleich zwei unterschiedliche Verfahren installiert. Die Praxis soll erweisen, welches das effektivere ist.
Beide Prozesse bedienen sich einer Waschflüssigkeit. Die eine enthält Ammoniak, die andere Amine. In dem Turm für das Amin-Verfahren, 60 Meter hoch, strömt das Abgas von unten nach oben. Es wird gepresst durch kleine Löcher in Platten, auf denen die Waschsubstanz entlangfließt. Dabei reagieren die Amine mit dem im Abgas enthaltenen Kohlendioxid und nehmen das Klimagas dabei aus dem Rauch auf.
Anschließend fließt die Brühe in einen weiteren Turm. Dort zischt Dampf durch die Flüssigkeit und trennt das Kohlendioxid ab, damit es verflüssigt und endgelagert werden kann. "Alle diese Vorgänge kosten allerdings eine ganze Menge Energie", gesteht Amundsen.
Kritiker halten dies für die eigentliche Achillesferse der CO²-Abscheidung, und auch Amundsen macht sich nichts vor: "Bei einem Gaskraftwerk verlieren wir rund acht Prozent beim Wirkungsgrad", rechnet er vor, und sein Mund wird dabei noch spitzer, als er ohnehin schon ist. "Das würde den Strompreis derzeit um gut 30 bis 40 Prozent verteuern.";
Rechnet sich CCS dann überhaupt noch für Energiekonzerne? Im Rahmen des Emissionshandels müssen sie für jede Tonne Kohlendioxidausstoß Geld bezahlen, derzeit rund sieben Euro. Das allerdings ist zu wenig, als dass sich CCS auszahlen würde. Entscheidend ist zudem, wie schnell die Herstellungspreise für erneuerbare Energien fallen. Vor allem die Windkraft dürfte heute schon billiger als Kohle- oder Gaskraftwerke mit CCS-Technik sein. Deshalb traue sich in Deutschland kein Stromkonzern an diese neuen Verfahren heran, sagt Felix Matthes vom Öko-Institut in Berlin.
Dennoch kritisiert der Energie-Experte, dass die deutsche Politik die Entwicklung der CCS-Technik in großem Maßstab, so wie in Mongstad, aufgegeben hat. Vor allem für Stahlwerke und Zementfabriken stehe sie ohne Alternative da. "Wie deren Emissionen reduziert werden könnten, dafür haben die Kritiker von CCS keine Ideen", sagt Matthes. Die IEA jedenfalls kalkuliert, dass fast zwanzig Prozent der weltweit notwendigen CO²-Einsparungen durch CCS-Technik erreicht werden müssten, wenn sie einigermaßen kostengünstig realisiert werden sollen.
(Der Spiegel 19-2012 S.140ff. - http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-85586235.html )

·       Hoch erfreut die Führung des Energiekonzerns Vattenfall, wütend die Bürgerinitiativen: Nach jahrelangem Streit gibt es in Deutschland ein CCS-Gesetz. Am gestrigen Donnerstag hat der Bundestag das Gesetz zur Abspaltung und Speicherung von Kohlendioxid verabschiedet. Zuvor hatten sich Bund und Länder im Vermittlungsausschuss geeinigt. Demnach dürfen künftig 1,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid unterirdisch gelagert werden. Die Länder dürfen die Technik auf ihrem Gebiet verbieten.;
Genauso umstritten wie diese Einigung ist der Kompromiss in Sachen Solarförderung. Die Fotovoltaikbranche befürchtet, dass die Kostenentwicklung bei der Produktion mit den künftig jährlich sinkenden Vergütungen auf Dauer nicht Schritt halten kann. Wirtschafts- und
Energiepolitiker der CDU hingegen erklärten: Die Novelle sei "nicht geeignet, den Zubau wirksam zu begrenzen", so Joachim Pfeiffer und Thomas Bareiß. Es seien "weitere Anpassungen" nötig.
Die Einigung von Bundestag und Bundesrat sieht vor, die Einspeisevergütung rückwirkend für alle neu ab dem 1. April 2012 in Betrieb genommenen Anlagen um bis zu 30 Prozent zu kürzen. Zudem soll das sogenannte Marktintegrationsmodell erst für Anlagen ab 10 Kilowatt gelten. Diese Anlagen bekommen künftig nur noch 90 Prozent ihrer Erzeugung vergütet, müssen den Rest also selbst verbrauchen oder vermarkten. Diese Regel greift jedoch erst ab Anfang 2014, dann aber auch für alle Anlagen, die ab April 2012 ans Netz gingen.
Neu ist außerdem ein Deckel von 52.000 Megawatt. Ist diese Grenze in Deutschland erreicht, soll die Förderung der Fotovoltaik neu definiert werden. Bei unverändertem Zubautempo könnte dieser Punkt bereits 2015 erreicht werden. Der Einspeisevorrang für alle Erneuerbaren bleibt aber auch nach Erreichen der Grenze garantiert. Bei derzeit gut 27.000 Megawatt installierter Leistung wird also noch knapp eine Verdoppelung der Leistung gefördert. Solarstrom erreichte dann einen Anteil am Strommix von rund 8 Prozent.
(taz 29.6.2012 S.07)

·       2011 war das Jahr der Extreme
WASHINGTON Mit historischen Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen war 2011 laut einer internationalen Klimastudie das Jahr der extremsten Wetterphänomene seit drei Dekaden. Ein Zusammenhang des Extremwetters mit dem Klimawandel könne zwar nicht bewiesen werden, sagte die Vizechefin der US-Behörde für Wetter- und Meeresforschung (NOAA), Kathryn Sullivan, am Dienstag bei der Vorstellung der Studie. Doch zeigten die Untersuchungen, dass die
Wahrscheinlichkeit extremer Wetterphänomene mit dem Anstieg der Temperaturen immer größer werde. (afp)
(taz 12.7.2012 S.08)

·       Klimawandel hat bereits Spuren im Erbgut von Lachsen hinterlassen; brechen 2 Wochen früher als noch vor 32 Jahren in ihre Laichgebiete auf;
(Freie Presse Chemnitz 3.8.12 S.B5)

·       Die Städte und Gemeinden an der Ostseeküste müssen sich bis zum Ende des Jahrhunderts auf einen Anstieg des Meeresspiegels um 70 bis 80 Zentimeter einstellen. Es bestehe zwar kein Grund zur Panik, wohl aber Handlungsbedarf, um auf die Veränderungen zu reagieren, sagte Marcus Reckermann vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht
(taz 14.9.2012 S.18)

·       NIKLAS HÖHNE ist Direktor für Energie- und Klimapolitik beim Beratungsunternehmen Ecofys. Er schreibt für den Weltklimarat und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen.:
Doch noch ist die Staatengemeinschaft von ihrem Zwei-Grad-Ziel weit entfernt. Selbst im günstigsten Fall lässt sich durch die Zusagen der einzelnen Staaten bis zum Jahr 2020 höchstens die Hälfte der erforderlichen Menge an Treibhausgasen einsparen. Das ist nicht akzeptabel: Wenn das Zwei-Grad-Ziel eingehalten werden soll, wird es nicht genügen, mit dem Klimaschutz erst nach
2020 richtig zu beginnen.
Dennoch war die Einigung der Weltgemeinschaft auf das Zwei-Grad-Ziel bei den Klimaverhandlungen 2010 in Cancun ein Durchbruch. Die Richtung wurde damit vorgegeben: Die Zwei-Grad-Grenze ist realistisch und nötig.;
Wir haben es also noch in der Hand, den Klimawandel auf zwei Grad zu begrenzen. Dazu müssen wir aber all jene in unserer Gesellschaft mobilisieren, die schon zum Handeln bereit sind. Die nächsten Jahre sind die letzte Chance. Nicht mehr als zwei Grad – technisch möglich ist es. Realistisch ist es auch.
(Die Zeit 18.10.12 S.10)

·       Rekord-Eisschmelze in der Arktis;
zugefrorene Fläche der Arktis im Sommer
beträgt nur noch 3,37 Mill. Quadratkilometer (bisheriger Negativrekord 2007: 4,3); Forscher: „allein menschengemacht“
(Freie Presse Chemnitz 20.9.2012 S.8)

·       Mediterranes Deutschland
Der Klimawandel wird für Deutschland "grundsätzlich beherrschbar" sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) im Auftrag der Bundesregierung. Von einer drohenden Klimakatastrophe ist in dem 38-seitigen Report nirgendwo die Rede: "Es werden hierzulande keine klimatischen Randbedingungen
auftreten, die nicht bereits in anderen Regionen der Erde existieren und in der Regel bewältigt werden", urteilen die Experten um Acatech-Präsident Reinhard Hüttl. Die Gutachter betonen sogar "Chancen", die sich aus der globalen Erwärmung ergäben - etwa für die Landwirtschaft durch die Verlängerung der Wachstumsperioden. In Südwestdeutschland werde das Klima mediterran, in den Niederungen trockener, in den Mittelgebirgen feuchter. Zu erwarten sei eine "steigende Wahrscheinlichkeit extremer Trockenheit in einzelnen Jahren", vor allem im Sommer. Dem gegenüber stehen mehr Niederschläge im Winter.
(Spiegel 37-2012 S.121)

·       "Das Zwei-Grad-Ziel ist nicht haltbar";
Die Vorstellung von 2 Grad als Grenze, nach der die Katastrophe kommt, ist aber wissenschaftlich nicht haltbar.;
Sie werfen der Klimaforschung wissenschaftliche Unredlichkeit vor?
Nicht der Klimaforschung, sondern der klimawissenschaftlichen Politikberatung. Die hat das Zwei-Grad-Ziel für sakrosankt erklärt. Und wenn man daran rüttelt, wird man als Klimaskeptiker eingestuft oder beschuldigt, man habe den Kampf gegen den Klimawandel aufgegeben. In der Wissenschaftsgemeinde gibt es auch erhebliche Kritik am Zwei-Grad-Ziel. Aber die
Klimaforscher, die im öffentlichen Diskurs am präsentesten sind …;
also das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das PIK, etwa …
… ich will nicht ganze Forschungsinstitute kritisieren, weil es dort immer eine größere Bandbreite an Positionen gibt, als es von außen wahrgenommen wird. In Deutschland ist nicht das PIK entscheidend, sondern der WBGU, der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, der sich zugutehält, das Zwei-Grad-Ziel erfunden zu haben. Wenn er es aufgäbe, müsste er eine politische Position räumen, die er sich selbst erobert hat.
Sie fordern mehr Pragmatismus …
Ja, der fehlt mir in der jetzigen Debatte. Klimapolitik funktioniert momentan als Entweder-Oder: Entweder wir halten die 2 Grad, oder die Katastrophe geschieht. Mein Ansatz ist: Es gibt auch einen Raum dazwischen - und es ist besser, wir erreichen 2,5 Grad oder 3 als 4, 5 oder 6.;
Und was wäre Ihr Vorschlag?
Dass die Politik gar keine globale Obergrenze festlegt. Nicht weil ich sagen würde, es ist egal, wie die Temperatur steigt, sondern weil man mit einer Obergrenze die Illusion erzeugt, die Weltgemeinschaft könnte und würde dieses Ziel auch tatsächlich umsetzen. Wir müssen weg von der Fixierung auf wohlklingende Ziele, die Staaten sollten sich stattdessen sofort auf konkrete Maßnahmen einigen. Zumindest die deutsche Politik geht mit Bundesumweltminister Peter Altmaier vorsichtig in diese Richtung. Sie will Bündnisse mit fortschrittlichen Staaten schließen, die sich miteinander auch auf zusätzliche Maßnahmen einigen.
(taz 27./28.10.2012 S.11)

·       Aktueller Berichtsentwurf des UN-Klimarats IPCC;
zumindest wahrscheinlich, dass bis 2100 die Erwärmung zwei Grad Celsius übersteigt;; selbst bei extremen Anstrengungen Chance zur Einhaltung des 2-Grad-Zieles 50:50;
mittlere Temperatur weltweit seit 1901 um 0,8 Grad erhöht; Schmelze von Gletschern führt zu Meeresspiegelanstieg von 1,8 mm pro Jahr (40% mehr als bisher geschätzt); + Erwärmung der Weltmeere führt das bis 2100 zu einer Erhöhung des Meeresspiegels um 50-100 cm; im Pleistozän war der CO2-Gehalt der Atmosphäre etwa wie heute, es war 2 Grad wärmer, der Meeresspiegel lag 20-30 Meter höher;
Einfluss des Menschen auf den Klimawandel 50% höher als im letzten Bericht angenommen; kosmische Einflüsse zu schwach, um einen signifikanten Einfluss zu haben;
langfristig könnte ein ungebremster CO2-Ausstoß zu einer Temperaturerhöhung um 8,7 Grad bis 2300 führen;
(taz 19.11.12 S.04)

 

 

Was die Erde heiß macht

·         http://images.zeit.de/wissen/umwelt/2012-12/s28-emissionen.jpg

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·         http://images.zeit.de/wissen/umwelt/2012-12/s28-autobestand.jpg

·       Das ist einer der wenigen Lichtblicke in der Klimadebatte: Weltweit wurde 2011 mehr Geld in Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien investiert als in Kohle-, Öl- oder Gaskraftwerke. Der Vorsprung betrug rund 14 Milliarden Dollar – vorausgesetzt, bei den Fossilen werden die Ersatzinvestitionen nicht gezählt. 44 Prozent der fertiggestellten Kraftwerksleistung waren 2011 bereits erneuerbar; 2010 waren es gerade einmal 34 Prozent, 2004 erst 10 Prozent. China führt das Ranking der Länder an, die am meisten in Wind & Co investiert haben – gefolgt von den USA, Deutschland, Italien und Indien. Weltweit floss das meiste Geld in Solaranlagen. Trotz des spektakulären Vormarschs der Erneuerbaren steuern sie bislang aber nur 6 Prozent zur globalen Stromerzeugung bei.

·         Beschreibung: http://images.zeit.de/wissen/umwelt/2012-12/s28-weltbevoelkerungswachstum.jpg

Tabu Verhütung
Es gibt auf Klimakonferenzen ein tabuisiertes Thema: Bevölkerung. Niemand spricht über ihr rasantes Wachstum, weil man sonst auch über Verhütung reden müsste. Dabei wächst die Welt jedes Jahr um 83 Millionen Menschen – also etwa um ein Deutschland. Bis zum Jahr 2050 werden nach der Prognose der Vereinten Nationen knapp 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Zwar sinkt die Zahl der Geburten in europäischen Ländern wie Deutschland, aber in Entwicklungs- und Schwellenländern in Afrika und Asien wächst sie rasant. Natürlich steigt mit der Bevölkerung auch der Bedarf an Energie, Rohstoffen, Wasser und Nahrung. Dabei darf nicht vergessen werden, dass im Jahr 2011 ein Deutscher im Schnitt 9,90 Tonnen CO
emittiert hat, aber ein Laote nur 0,13 Tonnen.

Rülpsende Kühe
Tiere brauchen Fläche und Nahrung. Sie werden zum Schlachten gefahren. Und schließlich wird ihr Fleisch in Kühlhäusern und -schränken frisch gehalten. Mit dem Fleischkonsum, der in den vergangenen 20 Jahren weltweit um rund zwei Drittel stieg, wuchs auch die Klimabelastung.
In Deutschland sind laut WWF nahezu 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen der Ernährung auf tierische Produkten zurückzuführen. Rindfleisch ist besonders heikel, weil Kühe das klimaschädliche Methan ausscheiden.
Zwar leben in den Industrieländern viele junge Städter vegetarisch, Kantinen bieten »Klimateller« an. Aber es werden auch Unmengen an Nahrung weggeworfen – und das verbraucht am meisten Energie. In Europa und Nordamerika liegt die Pro-Kopf-Verschwendung bei rund 100 Kilogramm, pro Jahr.

·       (Die Zeit 29.11.2012 S.28)

 

·       Die Treibhausgas-Emissionen steigen Jahr für Jahr; bleibt alles, wie es ist, werden 2020 rund 58 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) der klimaschädlichen Gase ausgestoßen;
CO2: 1990 22,7 Gt, 2011 33,9 Gt;
CO2-Konzentration in der Atmosphäre: 1958 316 ppm (parts per million), 2012 391 ppm
(Spiegel 48-2012 S.32)

 

·       (Interview mit Hans Joachim Schellnhuber)
"Kapitulation ist feige"
Vor dem Weltklimagipfel in Doha: Hans Joachim Schellnhuber über die Folgen der ungebremsten Erderwärmung – und darüber, dass der Kampf noch nicht verloren ist.;
ZEIT: Also durchhalten, auch wenn klar ist, dass zwei Grad nicht zu erreichen sind?
Schellnhuber: Das ist eben ganz und gar nicht klar. Wenn der globale CO
-Ausstoß bis 2020 sein Maximum erreicht, danach bis um das Jahr 2070 auf null sinkt und anschließend der Atmosphäre jährlich noch drei bis vier Milliarden Tonnen CO entzogen werden, ist das Zwei-Grad-Ziel zu schaffen. Technisch und ökonomisch spricht im Prinzip nichts dagegen. Es kostete die Menschheit nur wenige Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Was bisher allein fehlt, ist politischer Wille.;
ZEIT: Mag sein. Aber wie wollen Sie dafür sorgen, dass schon bald weniger Klimagas in die Atmosphäre hineingeblasen wird?
Schellnhuber: Durch das Umstellen unserer Energiesysteme auf erneuerbare. Durch den vorübergehenden Einsatz von Gas statt Kohle. Dadurch, dass die nötigen Technologien für das Bunkern des bei der Verbrennung von Kohle und Öl entstehenden CO
anwendungsreif entwickelt werden. Schnelle Erfolge ließen sich bei den kurzlebigen Treibhausgasen erzielen, etwa bei Ruß aus Auspuffen. Überfällig ist auch eine drastische Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich – es gibt Hunderte, Tausende Dinge, die zu tun sind.
ZEIT: Trotzdem ist das Ziel in immer weitere Ferne gerückt.
Schellnhuber: Das sehe ich auch. Viele sagen deswegen jetzt: Seid mal realistisch, wir wissen doch, wie Politik funktioniert. Doch diese Klimakapitulation ist voreilig, vielleicht sogar ein bisschen feige. Immerhin haben die Staaten der Welt auf den viel geschmähten Gipfeltreffen beschlossen, dass es bis 2020 einen Weltklimavertrag geben soll. Solange 2020 nicht durch ist, so lange ist auch das Spiel nicht abgepfiffen. Es lohnt sich, um jeden Tabellenpunkt, um jedes Zehntelgrad zu kämpfen.
(Zeit 22.11.2012 S.32)

·       Zudem ist unsere Erde ein Planet und unterliegt wichtigen extraterrestrischen Einflüssen, und dies gilt in besonderem Maße für das Klima. Wie jeder Planet, so hat auch unsere Erde einen Anfang und ein Ende und befindet sich in  einer kontinuierlichen Entwicklung. Die Erde ist also kein statisches System mit bestimmten dauerhaften Gleichgewichtszuständen, sondern unsere Erde ist ein dynamisches Wirkungsgefüge, das praktisch zu jeder Zeit in einen neuen Zustand, in eine neue Entwicklungsphase übergehen kann. Da das Klima eng an die Entwicklungsdynamik gekoppelt ist, trifft diese Feststellung ebenfalls und besonders für das Klima zu. Das ändert sich auch, wenn der Mensch nicht mitwirkt.;
Gleichwohl gilt, dass der Mensch infolge seiner technisch-kulturellen sowie demografischen Entwicklung – heute leben sieben Milliarden Menschen auf dem Globus, vor 50 Jahren war die Zahl noch nicht einmal halb so groß – inzwischen selbst zum Geofaktor geworden ist und eben auch das Klima beeinflusst. Steuern oder kontrollieren kann der Mensch das Klima den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel minimieren müssen: Wir müssen die anthropogenen Treibhausgas-Emissionen möglichst stark reduzieren. Allerdings steigen diese Treibhausgas-Emissionen trotz der eingeleiteten Minderungsmaßnahmen (Mitigation) global weiter. Dieser Trend wird sich auch in der absehbaren Zukunft fortsetzen, eventuell sogar beschleunigen. Hinzu kommt, dass die CO2-Moleküle in der Atmosphäre länger, und zwar vermutlich bis über 1000 Jahre, stabil sind und sich diese Komponente der Atmosphärenchemie somit als recht träge erweist.;
Über lange Zeiten gab es nur wenig oder vielleicht sogar überhaupt kein Eis auf der Erde. Vor 50 Millionen Jahren lag zum Beispiel die kanadische Ellesmere-Insel genau wie heute weit nördlich des Polarkreises. Trotzdem war es damals dort so mild, dass sich wärmeliebende Krokodile nicht nur wohlfühlten, sondern auch vermehren konnten. Heute dagegen ist die Insel, die gut halb so groß ist wie Deutschland, zu rund 40 Prozent von Gletschern bedeckt. Ellesmere Island illustriert damit deutlich, dass wir zurzeit in einer verhältnismäßig kühlen Epoche der Erdgeschichte leben, mit
Eiskappen an beiden Polen. Während 80 bis 90 Prozent der Erdgeschichte war es wärmer. Nicht zu vergessen ist auch, dass wir seit 11 700 Jahren in einer Warmzeit (Interglazial) innerhalb eines sogenannten Eishausklimas leben.;
Doch Geowissenschaftler weisen auf einen entscheidenden Unterschied zu früheren Zeiten hin: Damals verursachten ausschließlich natürliche Entwicklungen die Klimaänderungen. Soweit wir heute wissen, kam es bei relevanten Phasen der Erderwärmung immer zuerst zu einer Temperaturerhöhung und erst in der Folge davon, mit entsprechender zeitlicher Verzögerung, zum Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre.  ;
Auch vor Jahrmillionen gab es immer Organismen, die mit steigenden Temperaturen, höheren Niederschlägen oder auch mit kälteren Bedingungen und häufigeren Dürren gut zurechtkamen oder sogar davon profitierten. Andere Organismen dagegen gehörten zu den Verlierern. In der Natur bedeutet Verlieren normalerweise nichts anderes als Tod. Diese Arten wurden daher mehr oder minder stark dezimiert, möglicherweise starben sie sogar aus.
DIE ETHIK DES KLIMAWANDELS Der aktuelle Klimawandel wird sich auf die verschiedenen Gesellschaften der Menschen unterschiedlich auswirken, auch hier wird es Gewinner und Verlierer geben. So kann es in bisher für die Landwirtschaft zu trockenen oder zu kalten Regionen zum Beispiel feuchter oder wärmer werden. Solche Gebiete gehören dann zu den Gewinnern. Andere Regionen, in denen häufigere Dürren die Ernten reduzieren, ein steigender Meeresspiegel die Kosten für den Küstenschutz in die Höhe treibt oder stärker und in kürzeren Abständen auftretende Stürme Probleme bereiten, gehören zu den Verlierern. Gegebenenfalls müssen diese Regionen dann vielleicht sogar als Lebens- und Wirtschaftsräume aufgegeben werden, während andere, bisher nicht bewohnbare Regionen hinzukommen.  ;
WOLKENBILDUNG DURCH VULKANE Bessere Kenntnisse besitzen Wissenschaftler bereits über den Einfluss von Vulkanen auf das Klima. Als zum Beispiel zwischen dem 12. und 15. Juni 1991 der Vulkan Pinatubo auf den Philippinen in mehreren gewaltigen Ausbrüchen Schwefelverbindungen bis in 34 Kilometer Höhe in die Stratosphäre katapultierte, sanken die Temperaturen auf der Erde in den folgenden Monaten um durchschnittlich ein halbes Grad. In der Höhe hatten sich Wolken aus Schwefelsäure-Tröpfchen gebildet, die Sonnenstrahlen reflektierten. Dadurch lag die Erde darunter im Schatten und kühlte ab.;
Als vor 75 000 Jahren auf der Insel Sumatra der Toba-Supervulkan ausbrach, war der Einfluss dieses Naturereignisses auf das Klima noch viel stärker. 50 Kilometer hoch wurde damals Material in die Atmosphäre geschleudert. Vermutlich wurde auch den damals lebenden Menschen durch diese massive Abkühlung die Nahrung knapp. Manche Forscher sprechen von einem „genetischen Flaschenhals“ der Menschheit, weil damals schätzungsweise nur noch um die 2000 Menschen auf der gesamten Erde lebten.;
(Methan) Es kommt allerdings auch in erheblich geringeren Mengen von weniger als 2 ppm vor und ist zudem in der Atmosphärenluft nur über kurze Zeit stabil. Geschätzte 70 Prozent dieser Methanmenge haben ihren Ursprung direkt oder indirekt in menschlichen Aktivitäten: So entsteht dieses Gas in den Mägen von Rindern und anderen Wiederkäuern oder wenn unter Reisfeldern der Sauerstoff knapp wird. Es entweicht aus Klärwerken und Mülldeponien, gelangt aber auch bei der Förderung und beim Transport von Erdgas in die Atmosphäre.  Lachgas wirkt als Treibhausgas sogar beinahe 300-mal stärker als Kohlendioxid und entsteht überwiegend in der Landwirtschaft. Die stärksten durch den Menschen produzierten Treibhausgase aber sind Fluorchlorkohlenwasserstoffe. Einige Stoffe aus dieser Substanzgruppe wirken in der Atmosphäre bis zu 15 000-mal stärker als Kohlendioxid;
Damit ist der Mensch am aktuellen Prozess der globalen Erderwärmung, die in den letzten 130 Jahren um etwa 0,8 Grad Celsius zugenommen hat, beteiligt.;
Es ist daher ebenfalls unwidersprochen, dass auch heute natürliche Faktoren an der aktuellen Klimaentwicklung ursächlich beteiligt sind. Aufgrund dieser Konstellation kann auch der Anteil, den der Mensch an dem sich aktuell vollziehenden Klimawandel hat, nicht exakt bestimmt werden.  ;
Gleichwohl wurde die Treibhausgas-Konzentration in der Lufthülle um die Erde durch menschliche Aktivitäten erhöht, und mit diesem anthropogenen
Einfluss sind ganz offensichtlich Risiken und mögliche Gefahren für die Menschen und die Zivilisation verbunden. Im Sinne des Vorsorgeprinzips ist es deshalb Aufgabe der Politik, dieses Risiko oder gar Gefahrenpotenzial so weit wie möglich zu minimieren. Damit sind Maßnahmen zur Reduktion der vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen gut begründet und zwingend notwendig.  Allerdings steht auch fest, dass derartige Maßnahmen nur wirkungsvoll greifen können, wenn sie global zur Umsetzung kommen. Trotz zahlreicher intensiver Bemühungen ist dieser internationale Abstimmungsprozess bislang nicht erfolgreich verlaufen. Ganz im Gegenteil haben seit dem Bezugsjahr 1990 die CO2-Emissionen inzwischen weltweit um etwa 40 Prozent zugenommen.  ;
Da wir des Weiteren nicht davon ausgehen können, dass selbst bei einer kompletten „Sofort-Abschaltung“ aller menschlichen Einflüsse auf das Klima sich dieses zukünftig in einem eng begrenzten Rahmen quasi stabil verhalten würde, sind Anpassungsmaßnahmen an eine auch weiterhin zu erwartende Klimadynamik – gerade auch in Kombination mit anderen global relevanten Entwicklungen wie Demografie, Urbanisierung und Rohstoffknappheit – das Gebot der Stunde.
(bild der wissenschaft – research, „Klimawandel – Was wissen wir wirklich?“ August 2012 http://warpsix.komedia.de/sixcms/media.php/2390/bdw_research.pdf  )

·       Wenn die Menschheit weiterhin so viele Treibhausgase in die Luft pustet wie bisher, so das Ergebnis der Simulationen, wird die globale Mitteltemperatur um zusätzliche zwei Grad Celsius ansteigen. Knapp ein Grad wärmer ist es bereits in den vergangenen hundert Jahren geworden; das macht zusammen drei Grad Celsius, was dem klimatischen Unterschied zwischen Hamburg und Freiburg entspricht.
Voraussichtlich leicht nach oben korrigieren wird der Weltklimarat den Anstieg des Meeresspiegels. Im letzten IPCC-Bericht wurde eine eher konservative Spanne von 18 bis 59 Zentimetern angegeben. Die meisten Ozeanografen und Glaziologen finden diese Schätzung im Nachhinein zu vorsichtig. Nicht ausreichend berücksichtigt sehen sie Messungen, die auf ein schnelleres Abschmelzen der Gebirgsgletscher sowie des grönländischen Inlandeises hindeuten. Im neuen IPCC-Bericht wird daher wohl prophezeit, dass das Wasser an den Küsten auch knapp einen Meter höher als heute stehen könnte - allerdings erst in hundert Jahren.

(Kai Konrad ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen in München. Als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium, dessen Mitglieder auf Lebenszeit berufen werden, berät er die Bundesregierung in ökonomischen Fragen.)
SPIEGEL: Was sollte die Bundesregierung konkret tun?
Konrad: Wir müssen China, den USA und den großen Entwicklungsstaaten klarmachen, dass Deutschland und Europa nicht länger versuchen werden, das Klima im Alleingang zu retten. Statt CO2 um jeden Preis zu vermeiden, sollten wir uns auf die fortschreitende Erderwärmung vorbereiten. Das ist eine glaubwürdige Drohung: Nach allem, was wir wissen, wird Mitteleuropa vergleichsweise wenig unter dem Klimawandel leiden. Wir haben in Berlin dann eben Temperaturen wie heute in Rom. Unser Anpassungsbedarf ist überschaubar. …
Konrad: Ein Kollege hat richtigerweise gesagt: Wir geben viel Geld aus, um die Kinder und Kindeskinder jener Menschen zu schützen, die wir gerade verhungern lassen. Die Summen, mit denen wir versuchen, CO2 einzusparen, wären für Bildung und Gesundheit in den bedrohte Regionen besser investiert. Unser Ziel sollte sein, die wirtschaftliche Lage der Entwicklungsländer zu verbessern, denn das stärkt auch ihre Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel.
(Der Spiegel 49-2012 S.136f.)

·       Die USA haben 2012 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt. Die Temperaturen lagen um 1,83 Grad über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts; 0,55 Grad höher als im bisherigen Rekordjahr 1998
(Freie Presse Chemnitz 10.1.2013 S.8)

·       Der Anstieg der Erderwärmung scheint langsamer zu verlaufen, als die Klimamodelle prognostiziert haben. Wo liegt der Fehler?
Rätsel gibt vor allem das Phänomen des »
Temperaturplateaus« auf: Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat sich der Anstieg der weltweiten Oberflächentemperatur verlangsamt. Zwar war das vergangene Jahrzehnt laut Nasa das wärmste seit Beginn der Messungen, doch die Temperatur scheint auf hohem Niveau zu stagnieren – im Gegensatz zu den Prognosen der Klimamodelle, die sowohl einen kontinuierlichen Anstieg der CO-Konzentration als auch einen ungebrochenen Erwärmungstrend errechnet hatten. …
Dass die Oberflächentemperatur zurzeit stagniere, bedeute jedenfalls nicht, dass die Erderwärmung eine Pause mache, sagt Marotzke. Im Gegenteil: Die Erwärmung finde anderswo statt – im Ozean.
Denn die Weltmeere sind der einzige Teil des Klimasystems, der eine ausreichende Kapazität hat, um viel Wärme aufzunehmen. Rund 90 Prozent aller Energie, die wegen der Treibhausgase in der Atmosphäre nicht wieder ins All zurückstrahlt, wird durch die Ozeane aufgenommen. Wie das theoretisch funktioniert, hat vor zwei Jahren die Modellstudie amerikanischer Klimaforscher um Gerald Meehl gezeigt. Ihre Computersimulationen ergaben, dass das gesamte Klimasystem immer gleich viel Wärme aufnimmt – dabei steigt entweder die Oberflächentemperatur an, oder es heizen sich die tieferen Schichten der Ozeane auf. …
Einige Wissenschaftler haben noch andere Vermutungen für die Entstehung des Plateaus: So könnte dafür etwa ein kühlender Effekt durch die Luftverschmutzung in asiatischen Industrieländern verantwortlich sein. Auch über eine verminderte Wasserdampfkonzentration in der Stratosphäre wird spekuliert, womit ebenfalls weniger Wärme auf die Erdoberfläche reflektiert würde. …
Um 30 bis 50% seien die Gletscher im tropischen Teil der Anden seit den 1970er Jahren geschrumpft …
(Die Zeit 24.1.2013 S.29 - http://www.zeit.de/2013/05/Erderwaermung-Klimakurve-Temperaturplateau)

·       Ein interner Bericht des Weltklimarats IPCC ist pessimistisch: Viele Probleme sind technisch zu lösen, Geld ist auch genug da - allein der politische Wille fehlt …
Das Ziel, den Klimawandel bis 2100 auf 2 Grad Celsius zu begrenzen, heißt es dort, "wird eine rapide Veränderung der Energiesysteme und bei der Nutzung der globalen Landoberfläche erfordern". Ein derart tiefgreifender Wandel sei aber nicht in Sicht. …
"Ohne verstärkte Anstrengungen zur Reduktion von Emissionen wird die Konzentration von Treibhausgasen noch vor 2030 die 450 ppm [die 2-Grad-Grenze, die Red.]überschreiten." Bei den meisten Zukunftsszenarien werde die Schwelle von "1.000 ppm [etwa 4 bis 5 Grad Celsius, die Red.] im Jahr 2100 überschritten, selbst wenn sich das Wirtschaftswachstum abschwächt". …
Noch nie ist die Menge der Treibhausgase weltweit so schnell gestiegen, zuletzt 2010 auf ein Rekordhoch von umgerechnet 50 Milliarden Tonnen CO2: "Alle zwölf Jahre wird so viel CO2 aus fossilen Brennstoffen ausgestoßen wie in der gesamten Geschichte der Menschheit bis 1970." …
Schwellenländer wie China haben die Industriestaaten überholt. Allerdings entsteht in diesen Ländern ein Drittel der schädlichen Abgase bei der Produktion von Gütern, die in Industriestaaten verbraucht werden.
Weltweit, so monieren überdies die Experten, "übersteigt der Zuwachs der Emissionen die Einsparungen aus der verbesserten Energieeffizienz". …
In diesem Entwurf für den 5. IPCC-Bericht, der im Jahr 2014 veröffentlicht wird, betonen die traditionell naturwissenschaftlich geprägten Forscher auch "ethische" Aspekte und "Gerechtigkeitsfragen": Welche Verantwortung trägt die heutige Generation für die Zukunft? Wie werden die Lasten und Kosten (der Bericht spricht von 4 Prozent des globalen Wirtschaftsprodukts, um den Klimawandel zu bremsen) zwischen Staaten und in Gesellschaften gerecht verteilt? …
"Signifikante Reduktionen von Treibhausgasen" verspricht sich der Klimarat IPCC durch diese Verdrängung der Kohle durch hocheffiziente Gaskraftwerke - "bis zu 50 Prozent pro Kilowattstunde Strom". Immerhin ist die Stromerzeugung weltweit für mehr als ein Viertel der Klimagase verantwortlich. Die Klimagefahr aus dem Fracking durch leckende Gasquellen wird in der Kurzfassung des Berichts nicht thematisiert. Die Wissenschaftler blicken vor allem voller Sorge auf den weltweiten Boom der Kohle: Gerade in Indien und China, wo die Wirtschaft und der Energieverbrauch jedes Jahr um bis zu 8 Prozent wachsen, ist die billige Kohle der Energieträger Nummer eins - mit fatalen Folgen für das Klima. …
(taz 3.4.2013 S.4 - http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=sw&dig=2013%2F04%2F03%2Fa0079&cHash=136841f025e19dd9e451674f48661c63)

·       Plakat der „GRÜNEN“ im Wahlkampf 1990:
„Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter: Saurer Regen. Ozonloch. Smog. Klimakatastrophe … Wir wollen ein besseres Klima. Die Grünen.“

·       „Alle reden vom Wetter. Na endlich!“
Eigentlich hatte sich die Welt 1997 mit dem Kioto-Protokoll verpflichtet, den Treibhausgas-Anstieg bis 2013 um 5 Prozent zu senken. Stattdessen liegen wir heute 40 Prozent darüber.
(taz 27.3.2013 S.1)

·       Die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre hat den höchsten Stand seit Millionen von Jahren erreicht. … Messungen auf Hawaii … am 9.5.2013 Werte von mehrt als 400 ppm (Teilchen pro 1 Million) … als die Messungen dort 1958 begannen, lag der Wert bei 317 ppm
(Freie Presse Chemnitz 13.5.2013 S.8)

·       Der Öffentlichkeit ist noch weitgehend unbekannt, worum es sich bei dem laut Bioacid »anderen Kohlendioxid-Problem« überhaupt handelt. Seine Ursache liegt in den riesigen Kohlenstoffmengen, die der Mensch seit der Industrialisierung freigesetzt hat. CO2 bleibt nicht ewig in der Atmosphäre. Von den 440 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, die wir im 19. und 20. Jahrhundert beim Verfeuern von Kohle, Gas und Öl in die Atmosphäre pusteten, haben die Pflanzen einen großen Teil zu Sauerstoff verarbeitet und den Kohlenstoff in ihren Stämmen eingelagert. …
Auch die Weltmeere sind ständige CO2-Abnehmer. Rund die Hälfte des seit der industriellen Revolution freigesetzten Kohlendioxids nahmen die Ozeane auf. Dies hat günstige Folgen für uns: Die Meere verlangsamen die globale Erwärmung. Doch diese Pufferleistung bezahlt die Natur teuer. Das im Meerwasser gelöste CO2 reagiert zu Kohlensäure, was den Säuregrad erhöht. …
Wie groß diese Verschiebung ist, kann man an der pH-Skala ablesen. An ihr lässt sich die Konzentration der Wasserstoffionen im Wasser feststellen, also der Säureteilchen. Und dieser Wert hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahrhunderten um 0,1 bis 0,15 pH-Einheiten verschoben. Dies bedeutet: Ein deutliches Plus an Ionen hat den pH-Wert gesenkt – das Wasser ist saurer geworden. Eine Verschiebung des pH-Werts von gut 8,2 auf knapp 8,1 mag sich im ersten Augenblick unspektakulär anhören. Da es sich allerdings um eine logarithmische Skala handelt, ist der Unterschied immens. Die Säuremenge im Meerwasser hat bis heute (in 150 Jahren) um 30 Prozent zugenommen. …
Was aber hat die engelsgleiche Flügelschnecke damit zu tun, die sich mit sanften Schlägen gemächlich durch das kalte Wasser bewegt, auf der Suche nach ihrer Leibspeise, den Algen? Was empfahl dieses anmutige Wesen für die Rolle, die der Geomar-Forscher Riebesell zu vergeben hatte: Symbol zu sein für die abstrakteste Form der Ozeanzerstörung?
Ganz einfach: Die Flügelschnecke lebt vom Kalk, der im Wasser gelöst ist. Säure und Kalk aber vertragen sich nicht. Die Säure löst Kalk, sie macht so jenen Lebewesen zu schaffen, die in ihren Körpern Kalk einlagern – Algen, Korallen und Weichtieren wie der Flügelschnecke. …
Sollten die weltweiten CO2-Emissionen unverändert steigen, rechnen die Kieler Wissenschaftler damit, dass der pH-Wert der Meere bis zum Ende dieses Jahrhunderts um weitere 0,4 Einheiten sinkt. Damit wäre er niedriger als je zuvor in den vergangenen 20 Millionen Jahren.
(Die ZEIT 13.12.2012 S.39f. - http://www.zeit.de/2012/51/Meere-Versauerung-Fluegelschnecke)

·       Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Meeresspiegel steigt um 60% schneller an, als bisher vom IPPC prognostiziert; Anstieg beträgt 3,2 mm und nicht 2 mm pro Jahr
(bild der wissenschaft 2-2013 S.12)

·       KLIMA US-Behörde schlägt Alarm: 2012 gab es so wenig Eis in der Arktis und so viel CO2-Ausstoß wie noch nie. Antarktis bleibt stabil, Meeresspiegel legt um 3,5 Zentimeter zu. Kein Ende des Erwärmungstrends
WASHINGTON afp/ap | Die Arktis hat im vergangenen Jahr eine Rekordeisschmelze erlebt, während zugleich der Ausstoß des Klimagases CO2 auf einen historischen Höchstwert anstieg - und so viel Kohle und Öl verbrannt wurden wie nie zuvor. 2012 sei auch eines der zehn heißesten Jahre seit Beginn der wissenschaftlichen Temperaturmessung Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen, heißt es in einer am Dienstag von der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) in Washington vorgestellten Studie.;
"Eine Vielzahl von Beobachtungen aus dem Jahr 2012 bestätigen die Langzeittendenzen wie die besorgniserregende Zunahme des Ausstoßes von Treibhausgasen, den Anstieg des Meeresspiegels der Ozeane und die Schmelze des arktischen Eises", fügte Sullivan hinzu. Laut dem jährlich erscheinenden NOAA-Klimabericht verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satellitenbeobachtung. "Die Oberflächentemperatur in der Arktis steigt doppelt so schnell an wie im Rest der Welt"
(taz 8.8.2013 S.8)

·       60 Billionen
So hoch könnten die Schäden in Dollar sein, falls Methan in der Arktis schmilzt
Hamburg, London, Amsterdam, Oslo: zerstört von einem Tsunami, weil sich tief im Meer Methanhydratfelder auflösen, die eigentlich die Kontinentalsockel stützen. Die rutschen nun ab - Riesenwelle.
So geschehen 2004, zum Glück fiktiv, in Frank Schätzings Roman Der Schwarm. Seitdem sind Methanapokalypsen weitgehend aus der Mode. Diese Woche allerdings veröffentlichten Wissenschaftler in der Zeitschrift Nature eine handfeste Zahl dazu: 60 Billionen Dollar. So hoch könnte der globale Schaden sein, sollten Methanhydratfelder im Arktischen Meer schmelzen. Das gilt als nicht unwahrscheinlich, weil das Eis seit Jahren zurückgeht. Darunter sollen sich bis zu 50 Milliarden Tonnen in Wassereis eingeschlossenes Methan befinden. Die Folge einer Schmelze wäre kein Tsunami, sondern ein heftigerer Klimawandel, der sich selbst verstärkt: Methan ist ein Treibhausgas, 25-mal wirksamer als CO2. Die Forscher berechneten die Schäden mit einer verbesserten Version des Modells, mit dem der Ökonom Nicholas Stern 2006 die Folgekosten des Klimawandels kalkulierte.
(taz 27./28.7.2013 S.5)

·       das Ozonloch über der Antarktis wird kleiner; Anzeichen für einen Heilungsprozess schon seit drei Jahren; Winter 2006 noch Fläche von 27 Millionen Quadratkilometern, 2012 nur noch rund 18 Mill. km2;
(Freie Presse Chemnitz 13.6.2013 S.8)

·       ERDERWÄRMUNG
Was genau macht hier Pause?
Auch wenn der Pazifik kühlt: Der Klimawandel hält nicht still ;
Nicht immer bleiben die Details hängen, sondern oft haftet nur ein grober Eindruck. Eine Überschrift im Sinn, ein Halbsatz im Ohr, ein Gefühl von "War da nicht was?". Etwa wenn der Inhalt einer aktuellen Forschungsnachricht so zusammengefasst wird: Der Klimawandel macht Pause.
Das ist nicht nur ziemlich knapp. Es stimmt auch nicht, nicht einmal in der Tendenz. Und das liegt an einer kleinen, feinen Nuance in der Formulierung, die darüber entscheidet, ob das richtige Faktum hängen bleibt oder ein völlig falsches Bild entsteht.;
Worum geht es? In der Wissenschaftszeitschrift Nature haben chinesische und kalifornische Forscher am Donnerstag vergangener Woche das Ergebnis einer Berechnung veröffentlicht. Demnach könnte der Pazifik in den vergangenen Jahren eine deutlich größere Wärmemenge aufgenommen haben als gewöhnlich. Der Grund ist das Wetterphänomen La Niña, das gerade besonders stark ist. Es befördert in Äquatornähe kaltes Tiefenwasser an die Oberfläche. Deswegen kann das Wasser nun mehr Wärme aus der Luft aufnehmen als im langjährigen Durchschnitt. Und das wiederum wäre eine plausible Erklärung für die Stagnation der weltweiten mittleren Lufttemperatur. Deren Anstieg, das ist keine Neuigkeit mehr, pausiert seit Anfang der nuller Jahre.
Also eine Pause des Temperaturanstiegs, nicht des Klimawandels. Das ist nicht spitzfindig, sondern entscheidet über Verständnis oder Unverständnis. Denn der Anstieg der Lufttemperatur ist ja nur ein Faktor neben weiteren wie Ozeanversauerung, Gletscherschmelze oder Meereisschrumpfung, die alle munter weitergehen – insgesamt das Gegenteil von Pausieren.;
Der Ozean wird nicht endlos Wärme schlucken. Auf La Niña folgt irgendwann ein entgegengesetzt wirkender El Niño. Dann dürfte der Pazifik weniger kühlend wirken. Wer weiß, ob nicht gar die verschluckte Wärme wieder einen Weg zurück an die Wasseroberfläche findet? Dann würde die Energie aus dem trägeren System Ozean ins dynamischere System Atmosphäre zurückkehren, könnte den Wandel gar beschleunigen.
Und unser Ausstoß von Klimagasen, die Ursache all dieser Wirkungen, pausiert ja keineswegs. Erst im Sommer vermeldete die Internationale Energieagentur einen globalen Emissionsrekord für das Jahr 2012. Damit läuft das planlose Experiment, das die Menschheit in der Atmosphäre durchführt, ungebremst weiter.
(Die Zeit 5.9.2013 S.35 http://www.zeit.de/2013/37/klimawandel-pazifik)

·       Potsdam-Institut für Klimaforschung: in Zukunft noch extremere Sommer als bislang gedacht; bis 2020 werden sich die Hitzewellen om Sommer verdoppeln, bis 2040 vervierfachen; für 2100 rechnen die Forscher damit, dass während heute auf 5% der globalen Landfläche monatliche Hitze-Extreme im Sommer beobachtet werden, soll das Ende des Jahrhunderts auf 85% vorkommen
(Freie Presse Chemnitz 15.8.2013 S.10)

·       ENERGIE Neue Studie zeigt, dass das 2-Grad-Ziel erreichbar ist. Dafür muss aber Klimaschutz schnell kommen - inklusive CO2-Speicherung;
Das Ziel, die Erwärmung der Erdatmosphäre bis zum Jahr 2100 auf 2 Grad Celsius zu begrenzen, kann nach einer neuen Studie noch erreicht werden - allerdings nur, wenn ein paar kleine klimapolitische Wunder geschehen. Um das weltweit vereinbarte "2-Grad-Ziel" noch zu schaffen, müssten global schnell wirksame Klimaverträge geschlossen und alle verfügbaren Technologien eingesetzt werden, erklärten am Donnerstag Forscher des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth. Zudem müsste mittelfristig der Preis für Kohlendioxid weltweit zwischen 20 und 50 Dollar pro Tonne betragen.
Berechnet haben die Forscher am PIK unter der Leitung des Klimaökonomen Ottmar Edenhofer, wie sich eine weitere Verzögerung der UN-Klimaverhandlungen auswirkt. Das Fazit: Wenn echter Klimaschutz erst nach 2030 beginnt, wird die Temperatur um 0,4 Grad mehr klettern als mit schnellen Maßnahmen - und er wird deutlich teurer werden. "Mit umfassenden Emissionsreduzierungen ab 2015 und voller Verfügbarkeit von Technologien gibt es dagegen eine gute Chance, das 2-Grad-Ziel zu erträglichen ökonomischen Kosten zu erreichen", heißt es in der Studie, die nächste Woche veröffentlicht wird. Diese Kosten belaufen sich nach Schätzungen von Wissenschaftlern auf etwa 1 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts. Kommt Klimaschutz erst nach 2030, steigen demnach allerdings die Kosten rapide an. Diese Methoden kalkulieren die reinen Ausgaben für Klimaschutzmaßnahmen und keine vermiedenen Kosten.
Für UBA-Chef Flasbarth gibt es nach dieser von ihm beauftragten Studie, "überhaupt keinen Grund, in den Anstrengungen zum Klimaschutz nachzulassen, weder aus Sorglosigkeit noch aus Fatalismus". Die Studie bestätige auch eine andere Meinung des UBA: Dass nämlich mittelfristig der Sektor der Stromerzeugung leichter vom Kohlenstoff zu entwöhnen sei als die Bereiche Bauen und Verkehr.
Ob die Atomkraft weltweit ein bisschen mehr oder weniger ausgebaut werde oder in welchem Tempo Wind und Solar wachsen, sei global nicht so entscheidend - im Gegensatz dazu sei es aus ökonomischen Gründen viel wichtiger, die Energieeffizienz zu steigern und auch die umstrittene Verklappung von CO2 im Boden anzuwenden. Ohne diese als CCS (Carbon Capture and Storage) bekannte Technik lägen die erreichbaren Temperaturwerte "um fast 0,5 Grad" höher.
(taz 13.9.2013 S.5 )

·       China drosselt Kohlekraft
Zu viel Kohlendioxid und Ruß: China will den Anteil der Kohle an der Energieproduktion bis 2017 von derzeit etwa 70 auf dann 65 Prozent senken, so ein Aktionsplan des Staatsrats. Dazu soll unter anderem der Bau fossiler Kraftwerke in den Regionen um Peking, Schanghai und Guangzhou verboten werden. Zum Vergleich: In Deutschland hatten Braun- und Steinkohle 2012 einen Anteil von 44,8 Prozent an der Stromerzeugung.
(taz 13.9.2013 S.5)

·         (148) Es besteht kein Zweifel daran, dass die Welt ihre Chance, den globalen Temperaturanstieg unter der international vereinbarten Zielsetzung von plus 2 Grad zu halten, nicht nutzen wird, obwohl es die Technik gibt, um die Emissionen schneller deutlich zu verringern. Dazu gehört die CO2-Abscheidung und –Speicherung (CCS) …; ich gehe davon aus, dass CCS langfristig zum Einsatz kommen wird;
(285) Der globale Temperaturanstieg im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter, der heute bei 0,8 Grad liegt, wird 2052 bei 2,0 liegen und 2080 seinen Höchstwert von 2,8 erreichen;
 (Jorgen Randers: 2052 – Der neue Bericht an den Club of Rome, Oekom München 2012)

 

·       Fünfter Sachstandsbericht des IPCC;
Teilbericht 1 (Wissenschaftliche Grundlagen);

Umfassendere Beobachtungen, erweiterte Modelle und ein tiefergehendes Verständnis der Zusam-menhänge zeigen: Die Aktivitäten des Menschen sind mit großer Sicherheit die Hauptursache des aktuellen Klimawandels. Natürliche Faktoren wie Schwankungen der Sonnenaktivität oder Vulkan-ausbrüche haben auf die langfristige Erwärmung gegenwärtig nur einen geringen Einfluss;
Soll die globale Erwärmung auf einem bestimmten Niveau begrenzt werden, so sind dafür erhebliche Minderungen der Treibhausgasemissionen notwendig. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass bei einem Szenario mit sehr ambitioniertem Klimaschutz - und auf der Basis des aktuellsten Simulationen des Klimasystems - die Möglichkeit besteht, die globale Erwärmung unterhalb von 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen;
Atmosphäre: Die globale Mitteltemperatur in Bodennähe stieg im Zeitraum von 1880 bis 2012 um 0,85 °C. Jedes der drei vergangenen Jahrzehnte war wärmer als alle vorhergehenden seit 1850;
Verlangsamter Temperaturanstieg: In den vergangenen 15 Jahren ist die globale Mitteltemperatur weiterhin gestiegen, jedoch war die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs langsamer als in den vorhergehenden Jahrzehnten. IPCC stellt fest, dass man aus diesem Befund nicht auf eine generelle Abschwächung des globalen Klimawandels schließen kann, da solch kurzfristige Veränderungen vor allem auf natürliche und interne Schwankungen im Klimasystem zurückgehen. Die Untersuchungen der Gründe des verlangsamten Temperaturanstiegs sind noch nicht abgeschlossen. AR5 gibt drei Hauptfaktoren an: 1. Kurzfristige interne Schwankungen des Klimasystems, 2. ein Minimum im 11-jährigen Sonnenzyklus und 3. Verstärkung des kühlenden Effekts durch Aerosole aus mehreren kleineren Vulkanausbrüchen.;
Ozeanerwärmung: Verbesserte und erweiterte Messsysteme zeigen, dass die Ozeane im Zeitraum 1971 bis 2010 mehr als 90 % der Energie, die dem Klimasystem zusätzlich zugeführt wurde, gespeichert haben. Am stärksten erwärmten sich die Schichten nahe der Wasseroberfläche. In den oberen75 Metern stieg die Temperatur von 1971 bis 2010 im Mittel um 0,11°C pro Dekade an. Auch im tie-fen Ozean unterhalb von 3000 m hat sich das Wasser erwärmt.
Meeresspiegel: Infolge der fortgesetzten Tauprozesse von Gletschern und Eisschilden und der Aus-dehnung des erwärmten Ozeanwassers stieg der globale mittlere Meeresspiegel im Zeitraum von 1901 bis 2010 um etwa 19 cm an. Der mittlere Anstieg betrug in dieser Zeit etwa 1,7 mm pro Jahr. In den letzten 20 Jahren war dieser Wert mit ca. 3,2 mm pro Jahr fast doppelt so groß;
Wetterextreme: Bei vielen extremen Wetterereignissen wurden Veränderungen beobachtet. So hat die Zahl der kalten Tage und Nächte abgenommen und die der warmen Tage und Nächte seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts zugenommen. In Europa, Asien und Australien traten häufiger Hitzewellen auf. Die Starkregenereignisse in Nordamerika und Europa sind häufiger und intensiver geworden.;
Es ist extrem wahrscheinlich, dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der Erwärmung seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts ist;
Insgesamt sind von 1750 bis 2011 durch menschliche Aktivitäten (hauptsächlich durch den Einsatz fossiler Brennstoffe und Landnutzungsänderungen) CO2-Mengen in Höhe von 545 Gigatonnen Kohlenstoff freigesetzt worden. Davon blieb weniger als die Hälfte (240 Gigatonnen Kohlenstoff) in der Atmosphäre und trug zum menschengemachten Treibhauseffekt bei. Der Rest wurde etwa jeweils zur Hälfte vom Ozean (155 Gigatonnen Kohlenstoff) und von Böden und Pflanzen (150 Gigatonnen Kohlenstoff) aufgenommen.;
Weitere Erwärmung: Ausgehend von einem Szenario mit sehr ambitionierter Klimapolitik zeigen die Simulationen, dass der mittlere Temperaturanstieg gegen Ende dieses Jahrhunderts gegenüber der vorindustriellen Zeit auf 0,9 bis 2,3 °C begrenzt werden könnte. Dabei gehen die Autoren des IPCC davon aus, dass die Erwärmung wahrscheinlich unter 2 °C bleiben wird. Die Simulationen unter den Voraussetzungen dreier weiterer Szenarien mit weniger oder unwesentlichen Emissionsreduktionen zeigen Temperaturanstiege zwischen 1,7 und 5,4 °C. Dabei ist bei allen drei Szenarien von Erhöhungen von mehr als 1,5 °C auszugehen, bei zwei Szenarien sind es mindestens 2 °C. Bei dem Szenario mit fast ungebremsten Emissionen sind Temperaturanstiege von 5,4 °C gegen Ende dieses Jahrhunderts möglich;
Eis und Schnee: Je nach Szenario könnten die Gletscher bis zum Ende des 21. Jahrhunderts 15 bis 55 % (niedrigstes Emissionsszenario) oder 35 bis 85 % (höchstes Emissionsszenario) ihres derzeitigen Volumens verlieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das arktische Meereis weiter zurückgeht. Unter dem Szenario mit den höchsten Emissionen könnte die Arktis sogar schon vor Mitte des 21. Jahrhunderts im September eisfrei sein. In der Nordhemisphäre geht die Schneebedeckung zurück. Es ist fast sicher, dass sich Gegenden mit oberflächennahem Permafrost in höhere nördliche Breiten verlagern;
Meeresspiegel: Bis Ende des 21. Jahrhunderts sind Anstiege um weitere 26 bis 55 cm zu erwarten, auch wenn beträchtliche Klimaschutzanstrengungen unternommen werden (niedrigstes Emissionsszenario). Ohne Emissionsbeschränkungen wird der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts zwischen 45 und 82 cm ansteigen (höchstes Emissionsszenario). Der IPCC schließt nicht aus, dass der Anstieg des Meeresspiegels auch deutlich höher ausfallen könnte.;
(http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/dokumente/kernbotschaften_des_fuenften_sachstandsberichts_des_ipcc.pdf )

·       Globale Treibhausgasemissionen in Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten 2008

Bereich

Milliarden Tonnen CO2

Unsicherheiten in Prozent

Aufforstung, Brandrodung

6

25-100

Landwirtschaft

5

10->100

Gebäude, Verkehr, Kraftwerke

22,3

<10-25

Abfall

1,4

25->100

Industrieprozesse, Fabriken, Öl-, Gasförderung

13,7

<10-100

·       (ZEIT WISSEN Juni/Juli 2012 S.101)

·       UNO fordert Vollbremsung für Klimaschutz
ERDERWÄRMUNG Laut neuer Studie stößt die Welt 2020 etwa 59 Milliarden Tonnen CO2 aus. Um Klimarisiken zu vermeiden, sind aber 44 Milliarden das Limit.;
Das 2-Grad-Ziel im Klimaschutz ist noch nicht tot - aber für seine Rettung bräuchte es eine schnelle und drastische CO2-Diät.;
2010 hatten die UN-Staaten offiziell beschlossen, den Klimawandel bei 2 Grad zu stoppen, und sich dafür unverbindliche Ziele gesetzt. Die Unep hat diese versprochenen Maßnahmen zusammengezählt: Selbst wenn alle umgesetzt werden, werden 2020 zwischen 8 und 12 Milliarden Tonnen CO2 zu viel ausgestoßen. "Der jetzige Trend bringt uns bis 2100 zu einer Erwärmung von 3 bis 4 Grad", heißt es.
Laut den aktuellsten Zahlen (von 2010) stößt die Menschheit durch die Verbrennung von Kohle und Öl, durch Entwaldung, Landwirtschaft und Industrie etwa 50 Milliarden Tonnen an CO2 und anderen Treibhausgasen aus. Bis 2020 müsste das zur Erreichung des 2-Grad-Ziels bis auf 44 Milliarden verringert werden, aber der Trend geht steil nach oben. Dabei sind die Potenziale laut Unep-Chefwissenschaftler Joseph Alcamo riesig: weniger Schlupflöcher für Klimasünder, ehrgeizigere Klimaverpflichtungen der Staaten, eine veränderte Landwirtschaft, der Ausbau erneuerbarer Energien, Investitionen in Energieeffizienz im Verkehr und im Bausektor oder die Bekämpfung von Ruß und Methan könnten die Emissionen um bis zu 17 Milliarden Tonnen senken. Das muss allerdings schnell gehen: "Das Fenster der Möglichkeiten schließt sich gerade", meinte Achim Steiner
(taz 6.11.2013 S.8 - http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=wu&dig=2013%2F11%2F06%2Fa0082&cHash=9b74064fda97ea65de4b6de1bd791685 )

·       Das Jahr 2013 gehört zu den zehn wärmsten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen. Mehrere Länder, darunter Australien, Teile Äthiopiens, Tansanias und Zentralasiens, erlebten sogar ihr wärmstes Jahr seit Messungsbeginn, so die US-Raumfahrtbehörde Nasa und die US-Klimabehörde NOAA. Laut Nasa war 2013 mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 14,6 Grad Celsius - gemeinsam mit 2009 und 2006 - das siebtwärmste je gemessene Jahr. Die NOAA-Daten weisen es sogar als das viertwärmste Jahr aus. (dpa)
(taz 23.1.2014 S.8)

·       Das Klimaproblem beerdigen
FORDERUNG: Die verpönte Speicherung von Treibhausgas sollte erzwungen werden, denn die Politik der Klimaverhandlungen ist in der Sackgasse;
Aber trotzdem gibt es glühende Befürworter wie eben Myles Allen, welcher der Debatte eine rasante Wende gibt, indem er argumentiert:
1. Die CO2-Emissionen müssen gesenkt werden. Politisch ist das kaum durchsetzbar, solange wir noch große Vorräte billiger fossiler Brennstoffe haben (ca. 3,5 Billionen Tonnen, etwa das Siebenfache der bisher verbrannten Menge). Selbst wenn einige Länder erneuerbare Energien einführen, ändert das nichts daran, dass andere Länder die billigen fossilen Brennstoffe dann an ihrer Stelle verbrennen, solange ein globales Abkommen fehlt, dass einen Deckel auf die Treibhausgasemissionen setzt.
2. Wenn man CCS für jedes Unternehmen, das fossile Brennstoffe fördert, verbindlich macht, wenn man also funktionierendes CCS mit der Existenz der Öl-, Kohle- und Gasbranche verknüpft, wird diese Technik schnell kostengünstig verfügbar sein. Wenn man CCS erzwingt, wird die Technik nicht nur in Laboren erforscht, sondern in großen Mengen produziert und erst das schafft technische und ökonomische Durchbrüche. Diese "Skaleneffekte" konnten wir beobachten, als die erneuerbaren Energien eingeführt wurden.
3. Damit der CCS-Zwang die Unternehmen nicht sofort ruiniert, wäre es angebracht, die zu speichernden Mengen nur langsam zu steigern: Erst muss nur ein Prozent einer bestimmten Fördermenge gespeichert werden - und diese Zahl wächst kontinuierlich und berechenbar.
4. Gefahren mag es durch die neue Technik geben, allerdings sind diese verglichen mit denen des Klimawandels so gering, dass man die Risiken im Vergleich rechtfertigen kann.
5. So etwas politisch umzusetzen, scheint vergleichsweise einfach zu sein: Ein neues Gesetz der nationalen Regierungen, das regelt, wie Förderlizenzen vergeben werden, reicht aus. Internationale Verhandlungen und Konsense, die eh nicht zustande kommen, sind unnötig. Die Konzerne sollten ebenfalls interessiert sein. Das zeigt das Beispiel des Gorgon-Gas-Projekts in Australien. Dort war eine bestimmte CCS-Quote eine Auflage für die Fördergenehmigung und Chevron und andere Konzerne haben das Projekt gleichwohl realisiert. Es rechnete sich also noch.
6. Wird das nicht teuer für die Konsumenten? Nur für die von fossiler Energie. Weshalb weiter viele Kunden auf erneuerbare Energien ausweichen werden. Die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen wird so gesenkt. Ein erwünschter Effekt.
(taz 7./8.12.13 S.12 - http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=hi&dig=2013%2F12%2F07%2Fa0260&cHash=4c695cb2af96ef6d53958b168379082d )

·       Trotz Energiewende die Kosten senken
KONZEPT: Fraunhofer-Studie zeigt: Ökowirtschaft ist billiger als das heutige Energiesystem, das alljährlich dreistellige Milliardenbeträge für Brennstoffe verschlingt
(taz 30.11./1.12.13 S.12 - http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=hi&dig=2013%2F11%2F30%2Fa0166&cHash=99ab756d893860861e55185a00289834 )

·       Die Internationale Energieagentur (IEA) bezweifelt, dass das Ziel, die globale Klimaerwärmung in den kommenden Jahren auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, eingehalten werden kann. Die IEA geht sogar davon aus, dass die Temperatur bis 2100 um bis zu fünf Grad Celsius steigen könnte. Hintergrund ist eine Studie der Organisation, nach der der Ausstoß von Kohlendioxid 2012 ein neues Rekordhoch erreicht hat. IEA-Chefökonom Fatih Birol hat mit seinem Team berechnet, dass die CO2-Emissionen 2012 um 1,4 Prozent auf 31,6 Milliarden Tonnen zugenommen haben. Damit korrigierte die IEA zwar frühere Berechnungen etwas nach unten (bdw 2/13, „China zieht davon"), hält die Entwicklung aber weiter für besorgniserregend. Mit 300 Millionen Tonnen Zuwachs ist China nach wie vor der „Hauptsünder", obwohl der Anstieg dort durch verstärkte Investitionen in erneuerbare Energien moderater ausgefallen ist als in den letzten Jahren.
(bild der wissenschaft 9-2013 S.10 - http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/2022237 )

·       Der Ausstieg aus der Atomkraft reicht nicht. Jetzt muss der Ausstieg aus der Kohle beginnen. So erklärt Klaus Töpfer, einstiger Bundesumweltminister und einstiger Chef der UN-Umweltbehörde Unep: "Einen unkontrollierbaren Klimawandel können wir nur verhindern, wenn der größte Teil der weltweiten Kohlevorräte unter der Erde bleibt. Was Deutschland hier tut oder unterlässt, hat weltweit eine Signalfunktion.";
Jedes Jahr nehmen die CO2-Emissionen um 2,2 Prozent zu. Schuld ist vor allem die Kohle
(taz 14.4.14 S.9)

·       Interview Gewerkschaftschef Vassiliadis;
Die Steinkohle in Deutschland läuft 2018 aus. Wie lange geben Sie der Braunkohle noch?
Deutsche Steinkohle ist teurer als die Konkurrenz vom Weltmarkt. Die Braunkohle wird nicht subventioniert. Wenn man sie nicht politisch beendet, hat sie zumindest wirtschaftlich eine gute Zukunft.
(taz 12./13.4.14 S.4)

·       13 der 14 wärmsten Jahre weltweit seit Aufzeichnungsbeginn 1850 entfallen der WMO zufolge auf das 21. Jahrhundert; das Jahr 2013 auf dem 6 Rang zusammen mit 2007
(Freie Presse Chemnitz 25.3.14 S.8)

·       Geschwindigkeit, mit der Arten umziehen können, in km pro Jahrzehnt: Bäume 15, Kräuter 30, Nagetiere 28; Affen 23;
Die IPCC-Forscher unterfüttern ihre Aussagen mit harten Zahlen. Ob mit oder ohne Anpassung werde der Klimawandel "die mittleren Ernteerträge um 0 bis 2 Prozent pro Dekade reduzieren", heißt es - in einer Zeit, wo die Nachfrage nach Lebensmitteln um 14 Prozent pro Jahrzehnt steigen soll. Ein Temperaturanstieg von 2,5 Grad Celsius (nach vielen Prognosen ohnehin kaum noch zu vermeiden) "könnte zu globalen Einkommensverlusten von 0,2 bis 2 Prozent führen", schreiben die Wissenschaftler mit "mittlerer Gewissheit".
(taz 22./23.3.14 S.6)

·       Klimawandel in Sachsen;
seit 1880 ist die Temperatur in Sachsen um 0,85 Grad auf einen Jahresmittelwert von 8,2 Grad gestiegen;
wird bis Ende des Jahrhunderts noch einmal um 2,2 bis 3,8 Grad zunehmen; im gleichen Zeitraum 5-20% weniger Niederschläge; jeden Tag eine halbe Stunde längere Sonnenscheindauer;
im Frühling deutlich wärmer und trockender;
(Freie Presse Chemnitz 31.1.14 S.1)

·       Wie viel Öl und Kohle können Konzerne verbrennen, bevor das Klima kippt? Die Börsen täuschen sich – eine Gefahr für die Welt.;
Um zu verstehen, was sich da zusammenbraut, muss man sich Leatons Zahlen anschauen. Rund 900 Gigatonnen CO
kann die Menschheit bis 2050 noch in die Atmosphäre blasen, wenn sie das Ziel einer Erderwärmung um maximal zwei Grad noch erreichen will. Zahl Nummer zwei drückt aus, wie viel CO in den nachgewiesenen Kohle-, Öl- und Gasreserven dieser Welt schlummert, was also freigesetzt würde, wenn Unternehmen und Staaten ihre fossilen Rohstoffe wie geplant verbrennen. Das Problem: Zahl Nummer zwei ist mit 2.860 Gigatonnen mehr als dreimal so hoch wie das, was unser Klima maximal noch verträgt.
Was das bedeutet? Leaton erklärt es nüchtern. Doch seine Logik ist scharf. Entweder die Erde heizt sich um deutlich mehr als zwei Grad auf, was einer Katastrophe gleichkäme. Oder große Teile der fossilen Reserven, die sich Unternehmen und Staaten gesichert haben, müssen unter der Erde bleiben. Sie seien dann, wie Leaton sagt, unburnable, nicht zu verbrennen. Also, kurz gesagt, wertlos.
Die HSBC, Großbritanniens größte Bank, hat ausgerechnet, dass Unternehmen wie Shell, BP, Eni, Total oder Statoil 40 bis 60 Prozent ihres Marktwertes verlieren könnten, wenn sie die Rohstoffe, die sie sich gesichert haben, unter der Erde lassen. Die Bank of England sieht eine mögliche Gefahr für die Stabilität des Finanzmarktes. Und der frühere US-Vizepräsident Al Gore ist sich sicher: "Wir haben eine carbon bubble. Und sie wird platzen.";
Eigentlich müssten die Alarmglocken der Konzerne und Investoren längst läuten. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. 2012 haben die 200 größten Energieunternehmen zusammen 674 Milliarden Dollar für das Aufspüren und Explorieren neuer Quellen ausgegeben. Die Blase wird also nicht kleiner, sie pumpt sich weiter auf.;
Die Fondsmanager pumpen das Geld von Sparern, Pensionskassen, Universitäten, Kirchen, Stiftungen und Wohltätigkeitsorganisationen über die Londoner Börse in klimaschädliche Projekte auf der ganzen Welt – und befeuern die Blase so weiter. Die Church of England hatte 2012 mehr als 60 Millionen Pfund in Energiekonzernen investiert, die fossile Brennstoffe fördern. Die britischen Universitäten kommen konservativ geschätzt auf knapp zwei Milliarden. Der größte Batzen stammt von den Pensionskassen. Sie verwalten insgesamt zwei Billionen Pfund. Es ist die Altersvorsorge ganz normaler Briten, die in der Regel keine Ahnung haben, dass mit ihrem Geld schmutzige Energie gefördert wird – und dass ein Teil des Geldes weg sein würde, wenn die Blase platzt.
(Die Zeit 13.2.14 S.28 - http://www.zeit.de/2014/08/carbon-bubble-rohstoff-blase )

·       Das Schmelzen der Eisschilde in Grönland und der Antarktis hat sich nach Satellitenmessungen stark beschleunigt, pro Jahr verlieren die Eisschilde zusammen etwa 500 Kubikkilometer Volumen; seit 2009 habe sich der jährliche Eisverlust in der Westantarktis verdreifacht und in Grönland verdoppelt
(Freie Presse Chemnitz 21.8.14 S.8)

·       Schwedische Forscher machen vor der Eismeerküste Sibiriens eine alarmierende Entdeckung: Offenbar setzt warmes Ozeanwasser verstärkt das Treibhausgift Methan frei;
Die Videobilder zeigen nur harmloses Geblubber im Meer. Dahinter verbirgt sich aber möglicherweise der Beginn einer Klimakatastrophe im arktischen Eis. Eine Expedition von Wissenschaftlern der Stockholmer Universität hat vor der Eismeerküste Russlands überraschend viel Methan im Meerwasser gefunden, das von aufgetauten submarinen Permafrostböden stammt. …
Die größten Methanvorkommen lagern allerdings in Verbindung mit Eis in "Methanhydraten" tief unter dem Meeresboden, wo sie durch hohen Druck stabil gehalten werden. Was die Expedition jetzt offenbar entdeckt hat, ist, dass Permafrostböden unter dem Meeresspiegel tauen. Eine stärker werdende "warme Zunge" des Golfstroms, vermutet Örjan Gustavsson, erstrecke sich inzwischen bis an den russischen Festlandssockel und lasse das Eis schmelzen.
"Dieses Eis am Meeresboden wirkt bisher als Deckel für die Methanhydrate", sagt Hans-Wolfgang Hubberten, Permafrostexperte am Alfred-Wegener-Institut Potsdam. "Wenn es zu tauen begonnen hat, ist der Permafrost nicht mehr zurückholbar." Das Methan aus diesen Lagerstätten drohe dann in die Atmosphäre zu entweichen. Es sei ein relativ langsamer Prozess, erklärt Hubberten. Er könne aber bis zum Ende dieses Jahrhunderts durchaus heftige Auswirkungen auf das Weltklima haben.
(taz 8.8.14 S.9)

·       Hoffnung für den Klimagipfel in Lima: China will den Kohleverbrauch eindämmen und die Luftverschmutzung vermindern.;
Das wandelt sich jetzt. Im November präsentierte der chinesische Staatsrat eine neue Energiestrategie; danach soll der Kohleverbrauch zwar noch etwas steigen, aber im Jahr 2020 seinen Höhepunkt erreichen. Eine Deckelung des Verbrauchs schien bisher undenkbar. Zudem war Präsident Xi Jinping gemeinsam mit seinem Amtskollegen Barack Obama vor die Kameras getreten. Sie kündigten einen gemeinsamen Klimadeal an, Xi erklärte, die chinesischen Emissionen würden um das Jahr 2030 ihr Maximum erreichen. Zwar reicht das alles nicht aus, um die Erderwärmung bei einem Plus von ungefähr zwei Grad zu stoppen. Aber es könnten schon bald weitere Schritte folgen.
Kein Land investiert mehr in grüne Energien als China, im vergangenen Jahr waren es umgerechnet 56 Milliarden US-Dollar, mehr als alle europäischen Länder zusammen dafür ausgaben. 2013 steckte China erstmals mehr Geld in Ökoenergieanlagen als in fossile Kraftwerke. Die Behörden förderten grünen Strom umfassend, sagt Ulf Moslener, ein Experte für Ökoenergieinvestitionen: "mit Ökosteuern, Einspeisetarifen, sogar mit Anreizen für Banken, in grüne Projekte zu investieren".
Ende 2013 standen Windräder mit einer Leistung von 91.000 Megawatt auf chinesischem Boden, deutlich mehr als in jedem anderen Land der Erde. Lange stellte China vor allem Solarzellen für den Rest der Welt her, inzwischen nutzt es diese in großem Umfang selbst. Noch stehen zwar deutlich mehr Solaranlagen in Europa, doch ist im vergangenen Jahr fast jede dritte neue Anlage in China aufgestellt worden. …

KLIMAKARAWANE
Beim Erdgipfel in Rio de Janeiro einigte sich die Völkergemeinschaft 1992 auf die Klimakonvention. Ihr Ziel ist es, eine "gefährliche Störung des Klimasystems" zu verhindern. Doch obwohl sich die diplomatische Klimakarawane seitdem regelmäßig trifft, ist der Ausstoß von Klimagasen nicht gesunken, sondern gestiegen. 2012 emittierte die Menschheit mehr als 34 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, 50 Prozent mehr als 1990. Fast 10 Milliarden Tonnen des Klimagases stammen inzwischen allein aus China.
(Die ZEIT 4.12.14 S.26f.)

·       Schmutziger Irrtum
Deutschland wird seine Klimaziele deutlich verfehlen – trotz vieler neuer Windräder und Solaranlagen. Wie konnte das geschehen?;
kurz gefasst: Wir haben uns geirrt bei der Energiewende. Nicht in ein paar Details, sondern in einem zentralen Punkt. Die vielen neuen Windräder und Solaranlagen, die Deutschland baut, leisten nicht, was wir uns von ihnen versprochen haben. Wir hatten gehofft, dass sie die schmutzigen Kohlekraftwerke ersetzen würden, die schlimmste Quelle von Treibhausgasen. Aber das tun sie nicht.
Und dieser Irrtum erklärt, warum Wirtschaftsminister Gabriel die Industrie gerade heftig drängt, Kohlekraftwerke abzuschalten. Warum sich das Land pünktlich zum Klimagipfel in Lima eine neue Umweltpolitik verordnet. Und warum wir unsere Klimaziele trotz alledem weit verfehlen werden.
Um den Irrtum zu verstehen, muss man sich noch einmal den Grundgedanken der Energiewende vor Augen führen. Der ging ungefähr so: Deutschland steigt aus der Nuklearenergie aus und setzt stattdessen auf erneuerbare Energien, auf Sonne und Wind vor allem. Wenn es mal nicht genug Ökostrom gibt, dann springen emissionsarme Gaskraftwerke ein, bis irgendwann auch diese überflüssig werden. Der böse Atomstrom verschwindet zuerst, als Nächstes der schmutzige Kohlestrom, die Luft wird sauberer, und Deutschland wird zum Vorbild und Vorreiter beim Klimaschutz. …
Aber wer seinen Strom an der Börse anbietet, der muss auch selbst Kosten tragen. Im Fall der traditionellen Kraftwerke, die mit Kohle, Uran oder Gas betrieben werden, sind das vor allem die Brennstoffkosten. Ist der Strompreis so niedrig, dass ein Kraftwerk seine eigenen Brennstoffkosten nicht mehr erwirtschaften kann, dann hat der Betreiber nur eine Möglichkeit: Er muss es abschalten.
Nun sind die unterschiedlichen Brennstoffe unterschiedlich teuer. Uran ist am billigsten, dann kommen Braun- und Steinkohle, am teuersten ist Erdgas. Darum werden die Gaskraftwerke häufig abgeschaltet, wenn der Strompreis fällt, Kohlekraftwerke nur selten und Atomkraftwerke praktisch nie.
Für Solaranlagen und Windräder gelten andere Regeln. Sie erzeugen keine Brennstoffkosten, darum können sie ihren Strom einspeisen, wann immer Wind weht oder die Sonne scheint. Was also geschieht, wenn ein Land immer mehr Solaranlagen und Windräder baut? Immer öfter gibt es genug Ökostrom, manchmal sogar mehr als genug. Und darum sinkt der Strompreis an der Börse immer öfter so tief, dass Kraftwerke abgeschaltet werden müssen.
Nicht die Atomkraftwerke, die verschwinden aus einem anderen Grund: Weil wir es so beschlossen haben. Auch nicht die Kohlekraftwerke, denn Kohle ist billig. Die Kraftwerke, die ständig abgeschaltet werden, sind die Gaskraftwerke. Und irgendwann werden sie nicht mehr nur abgeschaltet, sondern stillgelegt.
"Wo noch ein Gaskraftwerk zu verdrängen war, wurde es verdrängt", sagt Patrick Graichen. Mehr Kohlestrom und weniger Atomkraft, mehr CO
und weniger Strom aus Gas: Das ist die Entwicklung, die Deutschland gerade erlebt.
Warum das schlimm ist? Weil Gas ein vergleichsweise klimafreundlicher Energieträger ist – in der Stromproduktion erzeugt es nur halb so viel Kohlendioxid wie Kohle. Und weil niemand weiß, wie die Energiewende ohne Gaskraftwerke fortgesetzt werden soll. Gerade weil sie schnell herunter- und wieder hochgefahren werden können, ergänzen Gaskraftwerke sich gut mit der wetterwendischen Ökostromproduktion – jedenfalls in der Theorie. Wind und Sonne erzeugen unseren Strom und Gaskraftwerke decken den sinkenden Restbedarf. Das war der Plan. Doch die Energiewende hat auf eine Kombination von Technologien gesetzt, die sich unter Marktbedingungen selbst zerstört: Wind- und Solaranlagen haben die Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt, die sie als Partner dringend brauchen würden.
Ohne Gaskraftwerke und ohne Atomkraft bleiben nur noch Ökostrom und Kohle übrig. Wie schlecht diese Kombination zusammenpasst, zeigte sich in diesem Jahr zum Beispiel am 11. Mai. Es war ein Sonntag, wie immer am Wochenende wurde wenig Strom gebraucht – aber der Wind wehte kräftig, und der Himmel war nahezu wolkenlos. Am frühen Morgen, die Solaranlagen produzierten noch fast nichts, überstieg das Angebot auf dem Strommarkt die Nachfrage bereits so weit, dass Strom im Wortsinn wertlos wurde: Der Preis an der Börse fiel auf null. Wenig später am Vormittag war so viel Ökostrom auf dem Markt, dass die deutschen Produzenten Geld bezahlen mussten, um ihn loszuwerden. Bis zum frühen Nachmittag, als auch der Solarstrom reichlich floss, stieg dieser sogenannte negative Strompreis auf 60 Euro je Megawattstunde.
Und das ist kein Einzelfall, das ist die Zukunft der deutschen Stromproduktion. In der ersten Jahreshälfte 2014 gab es 71 Stunden mit negativen Strompreisen. Aber schon in wenigen Jahren könnten es nach einer Berechnung des Thinktanks Energy Brainpool tausend Stunden im Jahr werden. Ein Viertel der gesamten Ökostromproduktion wäre dann Energiemüll.
Was machen die Kohlekraftwerke, wenn der Strompreis fällt und fällt? Am 11. Mai konnte man es beobachten: Sie produzierten kräftig weiter. Lieber verkaufen die Erzeuger ihren überflüssigen Kohlestrom zehn Stunden lang zu einem "negativen Strompreis", als ihre Braunkohlekraftwerke abzuschalten. Umweltschützer tun gerne so, als seien die Kraftwerksbetreiber an diesem Klimafrevel schuld. In Wirklichkeit bleibt ihnen gar nichts anderes übrig. Kohlekraftwerke sind dafür ausgelegt, fast ununterbrochen zu laufen, sie reagieren träge, und ihre Leistung zu drosseln ist teuer. Muss ein Kohlekraftwerk vom Netz, bezahlt der Betreiber später allein für den Diesel, den er verfeuert, um es wieder auf Betriebstemperatur zu bringen, einen fünf- oder sechsstelligen Betrag. Außerdem vertragen es diese Kraftwerke nicht, häufig an- und wieder abgeschaltet zu werden. Wollte man Kohle nutzen, um die schwankende Produktion von Wind- und Sonnenstrom auszugleichen, wäre die teure Technik der Kraftwerke binnen weniger Jahre ruiniert. …
Wie konnte das geschehen? Wie konnte es zu dieser gewaltigen Fehlsteuerung kommen? Beschäftigt das Land nicht Heerscharen von Experten, hat es nicht die Zukunft der Stromproduktion wieder und wieder durchgerechnet? Wozu leistet sich Deutschland einen "Sachverständigenrat für Umweltfragen", ein Umweltbundesamt, ein Ökoinstitut?
Patrick Graichen sagt: "Es gab eine kollektive Fehleinschätzung der Gutachterbranche, wonach die zusätzlichen erneuerbaren Energien alte Kohlekraftwerke verdrängen würden – und nicht neue Gaskraftwerke." …
Weil sich Strom nicht in großem Umfang speichern lässt, muss der überflüssige deutsche Strom irgendwohin. Und unsere Nachbarn nehmen ihn gern, besonders, wenn sie dafür auch noch bezahlt werden. Strom nicht nur umsonst zu bekommen, sondern mit Prämie obendrauf – das ist ein ziemlich attraktives Angebot. Vor allem für die Niederländer. Der niederländische Strom nämlich stammt zum größten Teil aus Gaskraftwerken. Er ist teuer, aber Gaskraftwerke sind ja flexibel. Wann immer deutscher Strom günstig zur Verfügung steht, drosseln die Niederländer ihre Produktion.
Diese Fähigkeit hat sie im vergangenen Jahr zum größten Importeur von deutschem Strom gemacht. Die gewaltigen Überschüsse an Ökostrom, die in sonnigen oder windreichen Stunden in Deutschland auftreten, werden zu einem großen Teil in den Niederlanden verbraucht. …
Die Energiewende würde nicht funktionieren: Wer es wissen wollte, der konnte es wissen, auch damals schon.
Aber wer wollte es wissen? Rund um die Branche der Erneuerbaren ist in den vergangenen Jahren ein regelrechter politisch-industrieller Komplex herangewachsen. In seinem Einfluss ist er wahrscheinlich nur dem Geflecht zwischen Staat und Atomwirtschaft im vergangenen Jahrhundert vergleichbar. Alle Akteure in diesem Komplex verbindet ein Interesse: Probleme der Energiewende müssen lösbar erscheinen, damit die Wind- und die Sonnenbranche weiter subventioniert werden. Die Begeisterung für den grünen Umbau und die Begeisterung für das Geschäft mit dem grünen Umbau sind längst nicht mehr zu unterscheiden. …
(Die ZEIT 4.12.14 S.4 - http://www.zeit.de/2014/50/schmutziger-irrtum-energiewende-klimawandel/komplettansicht  )

·       Beobachteter Klimawandel
Die Erwärmung des Klimasystems ist eindeutig und es ist äußerst wahrscheinlich1 , dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts war. Die bereits heute eingetreten Klimaänderungen haben weitverbreitete Auswirkungen auf Mensch und Natur. Viele der seit den 1950er Jahren beobachteten Veränderungen sind zum ersten Mal seit Jahrzehnten bis Jahrtausenden aufgetreten. Die Atmosphäre und die Ozeane haben sich erwärmt, die Schneeund Eismengen sind zurückgegangen und der Meeresspiegel ist angestiegen. Die weltweit beobachteten Temperaturen von Land- und Ozean-Oberflächen zeigen einen Anstieg von etwa 0.85 °C zwischen 1880 bis 2012. Jedes der letzten drei Jahrzehnte war an der Erdoberfläche sukzessive wärmer als alle vorangehenden Jahrzehnte seit 1850. Im Zeitraum 1901 bis 2010 ist der mittlere globale Meeresspiegel um etwa 19 cm gestiegen. Die Geschwindigkeit des Meeresspiegelanstiegs seit Mitte des 19. Jahrhunderts war größer als die mittlere Geschwindigkeit in den vorangegangenen zwei Jahrtausenden. Seit ca. 1950 wurden Veränderungen vieler extremer Wetterund Klimaereignisse beobachtet, unter anderem ein Rückgang von kalten Temperaturextremen, die Zunahme von heißen Temperaturextremen, extrem hohen Meeresspiegelständen sowie der Häufigkeit von extremen Niederschlägen in einigen Regionen.
Ursachen des Klimawandels
Der menschliche Einfluss wurde in der Erwärmung der Atmosphäre und des Ozeans, in Veränderungen des globalen Wasserkreislaufs, in der Abnahme von Schnee und Eis und im Anstieg des mittleren globalen Meeresspiegels nachgewiesen. Auch einige Veränderungen von extremen Wetter- und Klimaereignissen wurden auf menschlichen Einfluss zurückgeführt. Der von Menschen verursachte Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen, zusammen mit anderen menschlichen Einflussfaktoren, ist äußerst wahrscheinlich die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Anthropogene Treibhausgasemissionen sind seit der vorindustriellen Zeit angestiegen; sie befinden sich gegenwärtig auf dem absolut höchsten Stand. Dies wurde weitgehend durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum verursacht. Menschliche Aktivitäten haben die atmosphärischen Konzentrationen von Kohlendioxid, Methan und Lachgas auf Werte ansteigen lassen, die in mindestens in den letzten 800 000 Jahren noch nie vorgekommen sind. Dies führte zu einer Aufnahme von Energie in das Klimasystem. Davon wurde in den vergangenen 40 Jahren mehr als 90 % durch die Ozeane gespeichert, so dass diese erwärmt wurden.
(Fünfter Sachstandsbericht des IPCC – Synthesebericht / Der Weltklimarat IPCC veröffentlicht in den Jahren 2013 und 2014 den Fünften Sachstandsbericht. – Download Bundesumweltministerium: http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/ipcc_sachstandsbericht_5_synthese_bf.pdf )

·       Der Ökonom und Regierungsberater Ottmar Edenhofer warnt vor dem Scheitern des Pariser Klimagipfels und dem Bau neuer Kohlekraftwerke in aller Welt. …
Um die Erde vor dem Schlimmsten zu bewahren, dürfen bis zum Ende des Jahrhunderts nicht mehr als 1000 Gigatonnen CO² in die Luft geblasen werden. Unter der Erde lagern aber noch fossile Energieträger im Umfang von 15 000 Gigatonnen CO². Soll das Zwei-Grad-Ziel noch erreicht werden, müssten mindestens 80 Prozent der andernfalls genutzten Kohle, 40 Prozent des Gases und 40 Prozent des Öls im Boden belassen werden. Das macht die Dimension des Problems deutlich: Die Menschheit muss lernen, dass sie diesen Vorrat nicht nutzen darf. …
(Der Spiegel 38-2015 S.42 - http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-138603635.html )

·       Aus Grafik: Ernüchternde Bilanz
CO2-Ausstoß nach Regionen bzw. Ländern in Milliarden Tonnen
Land            1993     2013
China           3          10,5
USA                        5          5
EU-28          4          3,5
Indien          1          2
Russland     2          2
Welt            22,8      35,27
(Der Spiegel 39-2015 S.33)

·       Der Physiker Hans Joachim Schellnhuber erklärt, wie sich die globale Erwärmung abbremsen lässt, fordert Endlager für CO2 und erzählt von kafkaesken Klimakonferenzen. …
Aus all diesen Daten errechnet ein ziemlich cleveres Computermodell dann den jeweils neuesten Wert für die Erderwärmung im Jahr 2100. Bisher zeigte dieses globale Polit-Thermometer stets Temperaturerhöhungen um nahezu 4 Grad an. Doch mit den aktuellen Zusagen kommen wir jetzt auf einen mittleren Wert von 2,7 Grad – das erste Mal sehen wir die 2 vor dem Komma! Vielleicht geht da noch was. …
SPIEGEL: Wäre es sinnvoll, das CO² gleich bei der Verbrennung von Kohle und Gas herauszufiltern und endzulagern?
Schellnhuber: Treibhausgase sind mir im Boden tatsächlich lieber als in der Luft. Neue Fossilkraftwerke dürften deshalb nur noch genehmigt werden, wenn sie das CO² abscheiden und unterirdisch speichern – vergleichbar der Installierung von Schwefelfiltern in Kohlekraftwerken, wodurch der saure Regen erfolgreich bekämpft wurde. Das Problem dabei: Die CO²-Verklappung müsste zunächst in Pilotanlagen sorgfältig ausgetestet werden ...
SPIEGEL: ... was daran scheitert, dass sich Umweltschützer und Anwohner gegen CO²-Endlager wehren.
Schellnhuber: Die Ängste sind irrational. Von einem unterirdischen Kohlendioxidspeicher geht kaum Gefahr aus, das Gas ist weder giftig noch explosiv – wir atmen es ja aus. Dagegen scheint es in Deutschland niemanden zu stören, dass sich unter unseren Füßen rund 50 gigantische Erdgasspeicher mit einem Speichervolumen von mehr als 20 Milliarden Kubikmetern befinden! Das darin gelagerte Methan ist hochgiftig und hochexplosiv. Wenn uns ein solches Lager um die Ohren fliegt, wird es viele Tote geben. …
Leider sieht die Lage eher dramatischer aus, als wir sie noch vor fünf oder zehn Jahren wahrgenommen haben. Nehmen Sie nur die jüngsten Warnungen aus dem ewigen Eis. Bislang waren die meisten Gletscherforscher überzeugt: Die Antarktis insgesamt wird niemals auftauen, nicht einmal wenn es global acht oder zehn Grad wärmer würde. Nun zeigt sich: In der Westantarktis haben bereits erste unumkehrbare Zerfallsprozesse eingesetzt.
SPIEGEL: Eine Art Endzeitstudie Ihres Instituts sagte jüngst sogar ein komplettes Abschmelzen der Antarktis voraus, wodurch der Meeresspiegel um 50 Meter anstiege – das Ende aller irdischen Küstenstädte. Diese Simulation beruhte allerdings auf der gewagten Annahme, dass die Menschheit alle Kohle- , Öl- und Gasressourcen der Erde verbrennen würde. Das glauben Sie doch selber nicht. …
SPIEGEL: Nach der Jahrtausendwende stiegen die Temperaturen zunächst nicht weiter an, erst im vorigen Jahr ging es wieder aufwärts. Warum bestreiten Sie, dass der Klimawandel eine Pause eingelegt hat?
Schellnhuber: Weil ich in den Messdaten keine Erwärmungspause sehe! Hier, schauen Sie sich die Temperaturkurve einmal genau an. Erkennen Sie dort wirklich ein Plateau?
SPIEGEL: Ja, die Kurve flacht ab.
Schellnhuber: Tut sie meines Erachtens nicht, (2014: + 0,95 Grad gegenüber 1880) …
SPIEGEL: Wie würde sich das menschliche Leben auf diesem Planeten verändern, wenn es mit der Erwärmung ungebremst immer so weiterginge?
Schellnhuber: Ab einem Temperaturanstieg um sieben oder acht Grad entstünden auf der Erde erste Hitzeinseln, wo die natürliche Abfuhr von Körperwärme nicht mehr möglich wäre. Menschen könnten dort im Freien nicht überleben. Bei einer regionalen und saisonalen Erwärmung von elf bis zwölf Grad würden diese Todeszonen einen geografisch bedeutsamen Raum umfassen. Erst vor wenigen Tagen ist eine Studie erschienen, nach der vor allem die arabischen Ölstaaten betroffen wären – eine bittere Ironie.
SPIEGEL: Der Planet wäre irgendwann unbewohnbar?
Schellnhuber: Zumindest abseits der Pole. …
(Der Spiegel 45-2015 S.125 - http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-139574568.html )

·       3% Wirtschaftswachstum weltweit 2014, 0% Anstieg des globalen CO2-Asstoßes;
geplante Reduktion der Treibhausgasemissionen in den USA: 26-28% 2025 gegenüber 2005;
weltweite Investitionen in erneuerbare Energien: 2004 45 Mrd. Dollar; 2014 270 Mrd. Dollar;
weltweite CO2-Emissionen 2013: 35,3 Mrd. Tonnen (+56% gegenüber 1990)
(Der Spiegel 49-2015 S.62)

·       Klimawandel - Morgen vielleicht
Hans Pretzsch, geboren 1957, studierte damals, Anfang der achtziger Jahre, Forstwissenschaften in München, er wohnte im Stadtteil Schwabing, in einer WG mit Künstlern und Medizinern, urbanen Menschen, die sich auf einmal für Fichten und Tannen interessierten. Das Waldsterben war als Begriff so allgegenwärtig wie heute der Klimawandel.
Es gab damals einen Satz, der auf Plakaten, Flugblättern und Aufklebern stand: Erst stirbt der Wald, dann stirbt der Mensch.
Jahrzehnte später, ein Tag im Mai 2015: Vögel zwitschern, Laub raschelt, wenn man nach oben schaut, ist es, als spanne sich ein grüner Himmel über die Erde, aus Blättern und Nadeln, hellgrün, dunkelgrün, mittelgrün. Moos hängt an einer Buche, Farne schimmern im Sonnenlicht, drum herum stehen haushohe Fichten, christbaumgroße Tannen, ein junger Ahorn und: zwei Männer …
Der Wald ist nicht tot, er lebt, nur die Menschen sterben immer noch.
Hans Pretzsch sagt, der Wald als Ganzes sei damals, in den Achtzigern, dem Ende nicht so nahe gewesen, wie es die Zeitungen schrieben. Aber schwer krank war er schon, in hohen Lagen, auf kargen Böden, die den Bäumen nicht genug Kraft gaben, um die Schwefelsäure zu ertragen. Die Säure entstand, wenn sich das Schwefeldioxid aus der Verbrennung von Kohle und Öl mit dem Regenwasser mischte.
Wahrscheinlich stünden heute in deutschen Mittelgebirgen also tatsächlich traurig kahle Hügel, hätte die damalige Bundesregierung nicht 1983 zum Beispiel die sogenannte Großfeuerungsanlagenverordnung auf den Weg gebracht, die strenge Emissionsgrenzwerte für Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke vorschrieb. Hätten nicht die Länder der Europäischen Union das bleifreie Benzin und den Katalysator eingeführt, der die Schadstoffe aus den Autoabgasen filtert.
Der Wald erholte sich. Der Mensch hat ihn erst geschädigt, dann gerettet. Die Natur ist dem Menschen nicht egal.
Nicht lange nach dem Waldsterben kam wieder ein neues Wort in die Welt. Es hing mit der Gasschicht zusammen, die sich in einer Höhe von 15 bis 50 Kilometern um die Erde spannt und den Großteil ultravioletter Sonnenstrahlen abhält. Das Gas ist Ozon, das neue Wort war das Ozonloch, eine wachsende Lücke in der Schutzschicht, aufgerissen von Fluorchlorkohlenwasserstoffen, kurz FCKW, die der Mensch als Treibgas in Haar- und Deosprays und als Kühlmittel in Kühlschränken und Klimaanlagen nutzte.
1987 beschlossen die Staaten der Welt im sogenannten Montreal-Protokoll, die Produktion von FCKW schrittweise zu stoppen. Inzwischen melden Forscher: Das Ozonloch ist immer noch da, aber es wächst nicht mehr, die Schutzschicht regeneriert sich. Wieder hat der Mensch einen Kurswechsel vollzogen.
Es war damals ein deutscher Forstwissenschaftler, der als Erster die kranken Bäume beschrieb. Das Ozonloch entdeckte ein japanischer Forscher. Die Fachleute mussten nicht lange warnen, da setzte schon die Veränderung ein.
Mojib Latif aber redet jetzt seit bald 30 Jahren vom Klimawandel. 
Es gibt inzwischen in jedem Industrieland Forscher wie Mojib Latif, die sich mit der Erderwärmung beschäftigen. So wie es vor 30 Jahren überall Forstwissenschaftler gab, die die kranken Bäume untersuchten. Die Forstwissenschaftler waren sich damals keineswegs einig. Auch unter den Klimaforschern bestand lange Uneinigkeit, so ist das oft in der Wissenschaft. Noch im Jahr 2002 diskutierte Latif im Spiegel mit einem Kollegen, der die Meinung vertrat, der Mensch sei womöglich unschuldig an der Erderwärmung. Heute stellt kaum noch ein Experte den Treibhauseffekt in Abrede. Einer Studie zufolge sind sich 97,2 Prozent der Klimawissenschaftler einig, dass der Mensch die Erde erwärmt. Doch bei fast vollständigem Konsens über die Fakten besteht eine maximale Verhaltensstarre beim Handeln. …
Der derzeitige Klimawandel allerdings vollzieht sich rasend schnell – aus der Perspektive der Natur betrachtet. Allein in den beiden Jahrzehnten nach der Konferenz von Rio 1992 ist die globale Durchschnittstemperatur um 0,5 Grad gestiegen, so abrupt wie nie zuvor, seit der Mensch die Erde bewohnt. …
Das CO
verschwindet nicht wieder aus der Atmosphäre. Es sammelt sich zum Teil lange darin an. Die erste Eisenbahnfahrt 1825. Die Eröffnung des ersten Kohlekraftwerks 1882. Der erste Linienflug über den Atlantik 1939. Die Abgase, die bei all diesen Ereignissen in die Luft geblasen wurden, beeinflussen heute, im Juni 2015, unser Klima. Die Erde bekommt die Folgen von 250 Jahren Wachstumsgeschichte präsentiert.
Als in den Wäldern sterbende Bäume standen, zogen die Abgeordneten der Grünen mit einer toten Fichte in den Bundestag ein. Als sich das Ozonloch öffnete, stieg in Australien die Hautkrebsrate auf den höchsten Stand weltweit. Einen kranken Baum kann man anfassen, man kann ihn sehen, das Ozonloch tötet Menschen. Beides erzeugt Angst. …
Der echte Klimawandel aber ist eine Katastrophe in Zeitlupe. Eine Katastrophe also, die kaum wahrzunehmen ist. Diagramme mit Temperaturkurven erschrecken die Leute nicht. So bleibt das Thema Klimawandel ein Scheinthema. Und die Angst vor der Erwärmung eine Angst, die es gar nicht gibt. …
ist der Klimawandel ein Fall für Zahlen und Wahrscheinlichkeiten. Der sterbende Wald war ein neues Phänomen, das Ozonloch auch. Der Klimawandel aber schafft keine neuen Katastrophen, er verstärkt nur die alten. Auch das macht es so schwer, ihn zu veranschaulichen. Und so einfach, seine Existenz zu leugnen.
Als wir unsere Recherche begannen, haben wir bei Experten herumgefragt. Wir baten sie, uns ein Unglück zu nennen, einen Sturm, eine Dürre, irgendein Desaster, das zweifelsfrei vom Klimawandel ausgelöst wurde.
Beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, einer der weltweit wichtigsten Einrichtungen dieser Art, bekommen sie oft solche Anfragen. Nach jedem Sturm, während jeder Hitzewelle rufen Journalisten an und wollen wissen: Ist das der Klimawandel? Die Forscher müssen dann sagen: Wir wissen es nicht. So wie kein Arzt mit Sicherheit sagen kann, dass es wirklich die Zigaretten waren, die genau diesen einen Fall von Lungenkrebs ausgelöst haben.
Was sie aber wissen, ist dies: Früher erlebten die Deutschen, statistisch gesehen, alle 80 Jahre einen so heißen Sommer wie den von 2013. Heute alle sieben. Früher gab es nicht so häufig Dürren wie jene, unter der Kalifornien in diesem Frühjahr leidet. Auch die Wucht pazifischer Zyklone hat zugenommen, ihre Windgeschwindigkeit und die Niederschlagsmenge.
Es steht also nicht fest, ob der Klimawandel schuld daran ist, dass Masau Namani aus seiner Hütte fliehen musste. Es ist nur sehr wahrscheinlich, mehr nicht. …
Lohbeck, 70 Jahre alt, studierter Architekt, kündigte Anfang der achtziger Jahre seinen Beamtenjob im niedersächsischen Wissenschaftsministerium, um Greenpeace mitaufzubauen. Jahrzehntelang war er einer der Männer, die ganz vorne auf der Bühne standen, wenn die Umweltorganisation mal wieder ein Schauspiel aufführte, eine Geschichte von Gut und Böse.
Der Gute, das war das Opfer, ein sterbender Baum zum Beispiel oder ein Kind, das an Hautkrebs erkrankte, wegen des Ozonlochs.
Der Böse war der Täter. Beim Wald waren es die Kraftwerksbetreiber, die ihre Abgase nicht entschwefelten. Beim Ozonloch waren es die Hersteller der FCKW. Die Geschichten von Greenpeace waren auch deshalb Erfolgsgeschichten, weil sie so schön einfach waren.
Aber wer ist der Böse in der Klimageschichte, wer sind die Täter?
"Tja", sagt Lohbeck, "die Täter, das sind wir alle." Wir, die wir Autos fahren und in den Urlaub fliegen. Unsere Wohnung heizen und Strom verbrauchen.
Auch die Klimaforscher sind Täter. Mojib Latif sagt, seine persönliche CO
-Bilanz sei katastrophal. Er ist ja dauernd unterwegs, von einer Konferenz zur nächsten. Die Meeresforscherin Silke Lischka, die sich um das Wohl der Flügelschnecke sorgt, reiste im Flugzeug nach Norwegen. Der Forstwissenschaftler Hans Pretzsch, der an der Technischen Universität in München seit Jahren die Auswirkungen des Klimawandels auf das Wachstum der Bäume erforscht, fuhr mit dem Auto nach Traunstein zu seinem Wald. Der Greenpeace-Veteran Wolfgang Lohbeck wohnt in einem ungedämmten Einfamilienhaus im Norden von Hamburg. Auch wir, die Autoren dieses Artikels, sind für unsere Recherchen ins Flugzeug und ins Auto gestiegen.
Auf wen soll Greenpeace also seine Klima-Kampagne ausrichten? Wenn alle böse sind, bleibt kein Guter übrig. Wenn jeder ein Täter ist, ist keiner ein Täter. "Letztlich ist das Klima nicht kampagnenfähig", sagt Lohbeck. Die Sache sei einfach zu kompliziert. …
Es waren Durchschnittsbürger, die da ihre Fragen stellten. Menschen, die beim Fahrradfahren einen Helm tragen, weil sie kein Risiko eingehen wollen. Die sich mit Sonnencreme einschmieren, um sich nicht zu verbrennen. Die Angst haben vor Acrylamid und den Weichmachern im Plastikspielzeug. Und die doch nicht auf die Idee kommen, im Klimawandel eine Gefahr für sich und ihre Kinder zu sehen, oder für die Menschen auf der anderen Seite der Welt und deren Kinder.
Wir haben mit unserem Chefredakteur geredet. Er fand, unser Thema sei wichtig genug, um es als Titelgeschichte zu bringen. Aber er fragt sich: Warum war bisher jeder Titel der ZEIT zum Thema Klimawandel im Kioskverkauf ein Desaster? …
Der Klimawandel, hatte Lohbeck uns noch gesagt, sei eben ein Thema, das sich dem Herzen, dem Gefühl verschließt. Nur das Gehirn könne ihn begreifen. Aber in Wahrheit tut auch der Verstand sich schwer.
Ein Problem, das man nicht anfassen kann.
Eine Katastrophe, die sich in Zeitlupe vollzieht.
Ein Phänomen, das keine neuen Desaster erzeugt, sondern nur die alten verstärkt.
Eine Geschichte, die keine eindeutigen Opfer und viele Täter hat.
Eine Gefahr, die weit weg zu liegen scheint, irgendwo in der Zukunft. …
(Die Zeit 3.6.15 S.15 - http://www.zeit.de/2015/23/klimawandel-diskussion-co2-emissionen/komplettansicht )

·       2014 war das siebtwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1880. Das heißeste Jahr war 2010.
(Bild der Wissenschaft 4-2015 S.34)

·       KLIMAWANDEL (Sachsen)
Alle vier Jahreszeiten waren 2016 zu warm DRESDEN
Die Temperaturen des vergangenen Jahres gelten sächsischen Wetter- und Klimaexperten als Beleg für den voranschreitenden Klimawandel. Darüber informierten sie gestern in Dresden. In ihren Erhebungen hatten sie die Witterungsverläufe der vergangenen Jahre mit Daten aus den Jahren 1961 bis 1990 verglichen. Demnach war es 2016 genau 1,4 Grad zu warm in Sachsen, was die Klimaexperten veranlasste, das Jahr „als viel zu warm“ einzustufen. Der seit knapp 30 Jahren anhaltende Trend zur Erwärmung wird sich nach ihrer Einschätzung bis Ende des 21. Jahrhunderts fortsetzen. …
Der letzte Winter sei sogar “extrem zu warm“ gewesen, da habe die Abweichung nach oben 3,6 Grad betragen, im Dezember sogar 5,9 Grad.
Niederschläge: Frühjahr minus 22% zu trocken, Leipziger Raum minus 38%;
(Freie Presse Chemnitz 27.1.2017 S.1,2)

·       Was geht uns das an?
Im vergangenen Vierteljahr haben Indonesiens Wälder gebrannt – mit verheerenden Folgen. Trotzdem störte sich bei uns kaum jemand an dem Umweltverbrechen. Wir müssen Naturschutz vollkommen neu denken. Ein Appell …
Die brennenden Wälder von Indonesien waren vielleicht die schlimmste Umweltkatastrophe des jungen Jahrtausends. …
1,8 Millionen Hektar Regenwald sind von September bis November verbrannt (das entspricht rund 16 Prozent der deutschen Waldfläche), Lebensräume von seltenen Arten wie Orang-Utans, Hornvögeln oder Malaienbären wurden vernichtet. 1.500 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid haben die Feuer in die Luft gepumpt, so viel wie Japan in einem Jahr emittiert. In Teilen Sumatras sahen Menschen für Monate die Sonne nicht. In Singapur sangen die Vögel seltener. …
Bleiben wir beim Palmöl. Mehr als 18 Kilogramm verbraucht jeder Deutsche jährlich. Palmöl steckt in Biodiesel, Nutella, Kerzen, Hundefutter, Shampoo und Fertigpizza. Jedes zweite Produkt in unseren Supermärkten enthält das Fett, schätzt die Umweltschutzorganisation WWF. Kein Land der Welt produziert so viel Palmöl wie Indonesien, und selbst das ist der Regierung des Landes noch nicht genug. Bis 2025 sollen rund 26,5 Millionen Hektar mit Ölpalmen bepflanzt werden – das wäre die Fläche Deutschlands ohne Niedersachsen. Es wird also noch deutlich mehr Wald weichen müssen. …
dann zeichnet er zwei Achsen. An die vertikale schreibt er "Waldbedeckung %" , an die Horizontale ein kleines "t " , für die Zeit. Dann malt er die Kurve. Sie startet oben, bei 100 Prozent, fällt dann steil in ein Tal herab, bevor sie langsam wieder ansteigt und sich auf einem niedrigeren Niveau stabilisiert.
Die Kurve zeigt, wie die Länder dieser Welt mit ihrem Wald umgehen. In der Phase der Entwicklung werden die Wälder oft gnadenlos gefällt, denn Entwicklung braucht Platz und billige Rohstoffe. Irgendwann, wenn der größte Teil verschwunden ist, werden Wirtschaftswälder gepflanzt. Fischer glaubt daran, dass Forschung und Forstpolitik helfen können, diese Entwicklung abzumildern. Aufhalten lässt sie sich nicht. "Indonesien ist erst hier", sagt Fischer und zeigt auf einen Punkt im vorderen Drittel der Kurve. Von dort geht es nur in Richtung: steil nach unten. …
Nur bringt das nicht viel. Denn die nähere Zukunft ist längst geplant. Für Indonesien ist der Wald kein natürlicher Schatz, den es zu bewahren gilt. Sondern Wildnis. Und Wildnis ist das Gegenteil von Fortschritt. Das Land will sich entwickeln, …
(Die Zeit 23.12.2015 S.47 http://www.zeit.de/2015/52/indonesien-borneo-umwelt-urwald-waldbrand/komplettansicht )

·       Das Ozonloch schrumpft. Dieser Erfolg der globalen Politik könnte auch beim Kampf gegen den Klimawandel helfen.
Menschen können also die Umwelt doch nicht nur zerstören, wie man bislang immer dachte. Sie können ihre Zerstörungen auch wieder beseitigen, die Dinge wieder in Ordnung bringen. Denn nicht weniger steckt hinter der überraschenden Meldung, das Ozonloch schließe sich wieder. Die Schutzschicht um die Erde erholt sich langsam; bis Mitte dieses Jahrhunderts, vermuten amerikanische Forscher, könnte sie sogar wieder vollkommen intakt sein. Das ist die gute Nachricht dieser Tage, und es ist mehr als nur eine wissenschaftliche Sensation. Es ist ein politisches Signal: Mutige Entscheidungen können doch etwas bewirken. Und das bedeutet auch etwas für die nächste große Reparaturaufgabe, die nun ansteht – die Bekämpfung des Klimawandels. …
Was also lässt sich aus dieser Erfolgsgeschichte für den Kampf gegen den Klimawandel lernen? Die Erwärmung der Erde ist für die Menschen ähnlich lebensbedrohlich wie ein Loch in der Schutzschicht der Atmosphäre. Und wie bei den FCKW gibt es eine plausible Ursache: den weltweiten Ausstoß an CO
. Genau deswegen haben sich 190 Regierungen im vergangenen Dezember in Paris zu gemeinsamem Handeln verpflichtet. …
(Die ZEIT 7.7.2017 S.1)

·       „Die Zeit wird knapp“
Umwelt Die Temperaturen am Nordpol steigen so schnell wie nie. Klimaforscher Anders Levermann fordert mehr Tempo im Kampf gegen die Erderwärmung. …
SPIEGEL: Herr Levermann, Hitzewelle am Nordpol und schmelzendes Eis am Südpol. Was geht da gerade vor?
Levermann: Anfang Dezember lagen die Temperaturen am Nordpol tatsächlich 20 Grad über dem Normalwert für die Jahreszeit. Das macht auch mich sprachlos. Seit Jahrzehnten erwärmt sich die Arktis doppelt so schnell wie der Rest des Planeten -jetzt zusätzlich diese plötzliche Hitzeperiode am Nordpol. Zudem werden die Eismassen auf dem Fels der Antarktis an einigen Stellen instabil. Da gerät in Zeitlupe etwas ins Rutschen. …
Bisher ist die Antarktis ein schlafender Riese, aber sie wacht gerade auf. Und ihr Schmelzwasser kann den Meeresspiegel langfristig um viele Meter erhöhen - nur das Tempo ist noch unklar. …
Das Wetter bleibt immer häufiger stehen.
SPIEGEL: Das klingt erst mal ungefährlich.
Levermann: Im Gegenteil. Dann wird aus etwas Regen eine Flut oder aus etwas Sonnenschein eine Hitzewelle. …
Die Zeit wird knapp. Die Temperatur ist allein seit Anfang des 20. Jahrhunderts um ein Grad gestiegen. Und schon jetzt ist sicher, dass 2016 als weiteres Rekordjahr eingestuft werden wird. Uns muss klar sein: Mit jedem Grad Erderwärmung steigt der Meeresspiegel um letztlich mehr als zwei Meter. Wenn die Zwei-Grad-Grenze nicht eingehalten wird, dann wird es irgendwann die Norddeutsche Tiefebene nicht mehr geben. Hamburg auch nicht. Dieser Prozess erstreckt sich zwar über Jahrhunderte, aber er wird schon viel früher gravierende Auswirkungen haben. Und die Verantwortung tragen wir heute. Wir lösen etwas aus, was dann für kommende Generationen nicht mehr aufzuhalten ist.
SPIEGEL: Das heißt, Hamburg ist ernsthaft bedroht?
Levermann: In Hamburg muss man bei etwa 80 Zentimeter Anstieg damit beginnen, fundamental umzudenken. Dann werden die bisherigen Deiche und Flutschutzmauern nicht mehr reichen.
SPIEGEL: Wann wird es so weit sein?
Levermann: Wenn wir den Treibhausgasausstoß nicht stoppen, noch in diesem Jahrhundert. …
Es sollte tatsächlich jetzt sofort gehandelt werden. In fünf bis zehn Jahren müssen wir weltweit die Kehrtwende beim Ausstoß der Treibhausgase geschafft haben. Danach muss der Ausstoß drastisch sinken bis auf null. Nur Energiesparlampen einzudrehen reicht nicht mehr. …
SPIEGEL: Wir befinden uns seit 10000 Jahren in einer Warmzeit. Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass der Mensch die aktuelle Erwärmung verursacht?
Levermann: Das ist tatsächlich Grundlagenphysik, Thermodynamik und Quantenmechanik, das lernt man im ersten bis dritten Semester. Und Sie haben natürlich völlig recht mit der Warmzeit. Von ihr haben wir sehr profitiert und in dieser Zeit unsere Zivilisation aufgebaut. Gut daran war aber vor allem, dass sich die Temperaturen nicht stark verändert haben. Nur: Dieses bisher sehr stabile Klima destabilisieren wir gerade, und zwar massiv.
SPIEGEL: Wie viel beträgt der Unterschied zur Eiszeit?
Levermann: Fünf Grad. Wenn wir mit der Erwärmung so weitermachen, kriegen wir die gleichen fünf Grad noch einmal oben drauf. Wir sind damit auf dem Weg in eine Heißzeit, nur hundertmal schneller, als es die Natur normalerweise hinbekommen würde. Das gab es in der Menschheitsgeschichte noch nie….
SPIEGEL: Wenn Politiker bei Ihnen um Rat fragen, was sagen Sie denen?
Levermann: Man kann auf der richtigen oder der falschen Seite der Geschichte stehen. Wir kennen das von der Abschaffung der Sklaverei oder der Gleichberechtigung der Frauen. Auch der Umstieg auf erneuerbare Energien geht gegen mächtige Interessen und wird als utopisch verdammt. Doch sie retten das Klima und schaffen damit am Ende mehr Gerechtigkeit für die Menschen. In diesem Sinne kann sich jeder entscheiden, ob er einer mit Rückgrat sein will oder nicht.  
(Der Spiegel 51/2017 S.58)

·       Klimawandel
Die Reparatur der Erde
Trotz aller Abkommen und Beschlüsse – der Kampf gegen den Klimawandel scheint verloren. Um ihn doch noch zu gewinnen, wollen Ingenieure die Ozeane düngen, den Himmel verspiegeln und Kohlendioxid versteinern. Sind sie verrückt?
Man kann den Vertrag von Paris als Anlass zur Zuversicht werten. Die Welt mag daran scheitern, den Krieg in Syrien zu beenden, sie mag streiten über Freihandelsabkommen und Flüchtlingskrisen, aber, immerhin, sie ist sich einig, wenn es darum geht, das einzige wahrhaft globale Problem der Menschheit zu bekämpfen.
Man kann in dem Abkommen aber auch ein Dokument des Zuspätkommens sehen. Ein 32 Seiten knappes Schriftstück, das viel von seiner Kraft verliert, wenn man die Nachricht im Kopf hat, die kürzlich in einigen Zeitungen und Nachrichtenportalen stand, aber nur ganz klein. Sie enthielt ein merkwürdiges Drei-Buchstaben-Kürzel: ppm, es steht für parts per million, Teile pro eine Million Moleküle. In ppm geben die Klimaforscher an, wie viel Kohlendioxid sich über der Erde angesammelt hat, es ist der Wert, an dem sich ablesen lässt, wie dick die Decke in der Atmosphäre ist. Als die Menschheit vor 250 Jahren begann, großflächig Kohle zu verfeuern, lag er bei 280 ppm.
In der Meldung stand, dass der Wert, historisch gesehen, im Jahresverlauf schwankt. Im September ist er am niedrigsten, weil den Sommer über viele Pflanzen wachsen, die Pflanzen holen CO
aus der Luft. In jedem September der vergangenen 800.000 Jahre lag der Wert unter 400 ppm. Außer im September 2016. In diesem Herbst hat die CO-Konzentration in der Atmosphäre zum ersten Mal die 400-ppm-Marke überschritten.
Die Decke ist jetzt ziemlich dick. Sie ist so dick, dass die Menschheit, wenn sie tatsächlich das im Vertrag von Paris festgeschriebene Zwei-Grad-Ziel erreichen will, nur noch etwa 20 Jahre lang Öl, Gas und Kohle auf dem derzeitigen Niveau verbrennen darf. Danach müsste von einem Moment auf den anderen der Verbrauch fossiler Brennstoffe auf null sinken, und zwar für immer. So hat es der IPCC, der Klimarat der Vereinten Nationen, berechnet.
Milliarden Menschen in Asien müssten dann ihren Strom ausschließlich aus Sonnen- und Windenergie beziehen. Hunderte Millionen Amerikaner und Europäer müssten ihre Autos verschrotten. Zehntausende Flugzeuge dürften nicht mehr mit Kerosin fliegen, sondern mit – ja, womit eigentlich? Und Saudi-Arabien mit seinem unermesslichen Ölreichtum wäre pleite….
Kohlendioxid lässt sich in Stein verwandeln. Das wusste die Wissenschaft schon sehr lange. Aber es braucht Zeit, Jahrzehnte, womöglich gar Jahrhunderte. So war der Kenntnisstand, die Vermutung, als die Forscher in Island mit ihrem "CarbFix"-Experiment begannen. Dann zeigte sich: Die Gesetze der Chemie wirken schneller als erwartet.
Auch das CO
, das in deutschen Kohlekraftwerken entsteht, könnte man nach der isländischen Methode loswerden. Natürlich geht das nicht ohne Kosten, für jede versteinerte Tonne CO fallen in Island etwa 25 Euro an. Man hört dies und fängt an zu rechnen: Deutschland hat im vergangenen Jahr 908 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Würde man sie unter die Erde pumpen und versteinern, würde das knapp 23 Milliarden Euro kosten. Nicht billig, aber machbar, im Moment gibt der deutsche Staat im Jahr fast genauso viel für den Bau und Erhalt von Straßen, Wasserwegen, Schienen und Datenleitungen aus. …
Man darf sich Kieselalgen nicht vorstellen wie jene Algen, die man von den Stränden des Mittelmeers oder der Nordsee her kennt, nicht wie Meerespflanzen, die grün und grasartig im Wasser hängen. Kieselalgen sind für das menschliche Auge unsichtbar, es sind winzige, einzellige Lebewesen, die erst unter dem Mikroskop eine zarte, unwirkliche Schönheit entfalten, wie Schneekristalle.
Was Kieselalgen mit Gras und Bäumen gemeinsam haben: Auch sie wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um, sogar besonders viel davon. Wissenschaftler schätzen, dass etwa die Hälfte allen Sauerstoffes auf der Erde von Meerespflanzen wie der Kieselalge gebildet wird, dem sogenannten Phytoplankton. Die grüne Lunge der Erde ist nicht der Regenwald. Es ist die Kieselalge. …
Inzwischen ist die großflächige Düngung der Ozeane im Rahmen eines internationalen Vertrages zum Schutz der Meere sogar völkerrechtlich verboten worden. Naturschützer haben die Entscheidung begrüßt. Sie fürchten, das Ökosystem Ozean könne ins Ungleichgewicht geraten, wenn in den Meereswüsten auf einmal Algen wachsen.
Man kann das so sehen. Allerdings muss man an dieser Stelle eine weitere bedeutsame Erfindung der Menschheitsgeschichte erwähnen: das Haber-Bosch-Verfahren. Die deutschen Chemiker Fritz Haber und Carl Bosch fanden Anfang des 20. Jahrhunderts einen Weg, den in der Luft enthaltenen Stickstoff in Ammoniak umzuwandeln. Das Verfahren, ursprünglich dazu genutzt, Sprengstoff herzustellen, taugt auch für eine friedliche Anwendung: die Produktion von Stickstoffdünger.
Heute bringen die Bauern der Welt jedes Jahr 100 Millionen Tonnen solchen Düngers auf ihren Äckern aus. Auch dies ist ein massiver Eingriff in das Ökosystem. Die kultivierte, gedüngte Erde aber ist eine Realität, an die sich der Mensch längst gewöhnt hat. Warum sollte er nicht auch das Meer düngen? …
Niederschlag per chemischer "Wolkenimpfung"
Autos, Flugzeuge, Schiffe blasen CO
in die Luft – Unternehmen wie Carbon Engineering holen es wieder heraus und verwandeln es in neuen Kraftstoff. Öl braucht niemand mehr. Es wäre eine neue, moderne Form des Kohlendioxidkreislaufs. Zumindest fast. Denn um CO in Kraftstoff zu verwandeln, braucht man Strom, sogar ziemlich viel davon. Aber Strom mithilfe von Wind- und Sonnenenergie klimaneutral herzustellen ist viel einfacher, als Autos, Schiffe oder Flugzeuge CO-frei anzutreiben. …
Es gibt einen englischen Begriff für all die technischen Ansätze, das Klima zu reparieren: Geoengineering. Gemeint ist der Versuch, wie ein Ingenieur in die geochemischen Kreisläufe der Erde einzugreifen, um die Erderwärmung zu stoppen. So komplex und vielschichtig das Klima, so unterschiedlich sind auch die Ansätze der Klima-Ingenieure. …
Ja, jeder dieser Ansätze birgt die Gefahr, als Wir-haben-doch-noch-Zeit-Ausrede zu dienen, als Rechtfertigung für Regierungschefs, den schwierigen Umstieg auf erneuerbare Energien noch ein wenig aufzuschieben. Inzwischen aber gibt es kaum noch Klimaforscher, die der Meinung wären, das Zwei-Grad-Ziel sei allein durch mehr Windräder und weniger Autofahrten zu erreichen.
Jahrzehntelang hat die Umweltbewegung versucht, die Welt aufzurütteln. Sie hat ihr Fotos mit traurigen Eisbären präsentiert und Hilferufe von Menschen, die auf versinkenden Inseln leben. Vergeblich. Die CO
-Emissionen stiegen weiter und weiter. Mit der Folge, dass mittlerweile auch der Weltklimarat IPCC sogenannte negative Emissionen für fast unausweichlich hält – der Fachbegriff dafür, der Atmosphäre auf künstliche Weise Kohlendioxid zu entziehen, ob durch gedüngte Meere, künstliche Bäume oder Versteinerungsmaschinen. Anders sei das Pariser Abkommen gar nicht zu erfüllen. Selbst wenn jedes Land jetzt eine Energiewende beschlösse: Es wäre nicht genug. …
Das ist die Idee des Harvard-Professors David Keith: Er möchte so einen Ballon aufsteigen lassen, der 25 Kilometer über dem Erdboden chemische Substanzen freisetzt, vielleicht Schwefelsäure, vielleicht Kalziumkarbonat, vielleicht etwas ganz anderes. Zunächst nur geringe Mengen, zu Forschungszwecken. Später vielleicht eine Million Tonnen im Jahr, dafür brauchte man dann keinen Ballon, sondern eine Flugzeugflotte. Die Substanzen würden sich in kurzer Zeit um die ganze Erde verteilen. Gleichmäßig über alle Meere und Kontinente, über den Pazifik, den Südpol, das Amazonasbecken, Europa. Sie würden wie Glasscherben einen Teil des Sonnenlichts reflektieren und zurück in den Weltraum schicken. Wie unzählige winzige Spiegel, installiert, um einen überhitzten Planeten zu kühlen. …
Der Pinatubo ist ein Vulkan auf den Philippinen. Jahrhundertelang dachten die Menschen, die an seinen Flanken siedelten, er sei erloschen. Bis zum Frühjahr 1991. Im April erwacht der Pinatubo, Anfang Juni erste Eruptionen, am 15. Juni der große Ausbruch …
1992 sanken die Durchschnittstemperaturen um 0,5 Grad Celsius. Überall auf der Welt. Der Pinatubo zwang den Klimawandel, eine Pause einzulegen. Die Pause dauerte länger als ein Jahr. …
Im Oktober war David Keith in China. Er hat mit Forscherkollegen und Funktionären gesprochen und sein Konzept vorgestellt. Keith weiß um die Risiken, er beschreibt sie in jedem Vortrag: Ein Staat könnte eigenmächtig zur Tat schreiten – die Folgen aber müssten alle Länder der Welt tragen. Vielleicht würde die Natur anders reagieren als in den Computermodellen vorhergesagt, vielleicht würde irgendwo in Asien der Monsunzyklus gestört. Wie beim Original-Klimawandel ließe auch der Gegen-Klimawandel kein Lebewesen auf der Erde unberührt. Und die Masse der reflektierenden Substanzen brauchte jährlich Nachschub. Bräche das Kühlprogramm zusammen, zum Beispiel wegen einer politischen Krise, würde die isolierende Decke mit einem Mal verschwinden. Die Erde würde einen Hitzeschock erleiden.
Deshalb reist David Keith um die Welt: Er will eine Diskussion in Gang bringen. Längst hätte er seinen Versuchsballon in die Stratosphäre senden können, aber er möchte ein internationales Forschungsprojekt, er möchte Einigkeit. So wie die Länder der Welt den Vertrag von Paris beschlossen haben, so sollen sie den Start des Gegen-Klimawandels beschließen.
Keith sagt, auch ihm wäre es am liebsten, man müsste über so etwas wie künstliche Vulkanausbrüche gar nicht erst nachdenken. Aber es existiere eben kein gefahrloser Weg in die Zukunft mehr. Es gebe nur noch die Wahl zwischen einer riskanten Überhitzung und dem ebenfalls riskanten Versuch, sie aufzuhalten. …
(Die ZEIT 27.10.2016 S.13 http://www.zeit.de/2016/45/klimawandel-erderwaermung-ingenieure-methoden-rettung/komplettansicht )

·       Durchschnittliche Jahrestemperaturen Deutschland:
1963: 7,1 Grad Celsius; 2014: 10,3; 2016: 9,6
(Freie Presse Chemnitz 30.12.2016 S.1)

·       Da stockt der Atem
Nie gab es in der Arktis einen Herbst mit so wenig Meereis. Was bedeutet das?
… auch in den vergangenen Jahren bedeckte das Sommereis deutlich weniger Fläche als früher. Seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 hat die Fläche des sommerlichen Meereis-Minimums um durchschnittlich 13 Prozent pro Jahrzehnt abgenommen. Der aktuelle Weltklimabericht warnt, dass die Arktis schon ab den 2040er Jahren im Sommer Meereis-frei sein könnte. …
Wer eine historische Veränderung aus der Nähe erlebt, erkennt sie nicht als solche.
"Kipppunkt" lautet ein geflügeltes Wort unter Naturwissenschaftlern, die vertraut sind mit dem zuweilen chaotischen Verhalten natürlicher Kreisläufe. Diese verlaufen zwar jedes Jahr ein bisschen anders, bewegen sich aber üblicherweise, im langjährigen Mittel betrachtet, stabil um einen Durchschnittswert herum. Darauf kann man sich verlassen. Zumindest bis ein System – etwa durch die fortgesetzte Erderwärmung – so sehr gestört worden ist, dass sein Verhalten "kippt" und es plötzlich ein anderes Muster zeigt. Für die Gletscher des Himalayas, für den indischen Monsun, für das Auftauen der sibirischen Permafrostböden wird ein solches Kippen befürchtet. Auch für das Atmen der Arktis. …
(Die Zeit 8.12.2016 S.37 http://www.zeit.de/2016/51/meereisschmelze-klimawandel-arktis/komplettansicht )

·       Da helfen keine Mauern
Gerade hatten die Amerikaner ernsthaft mit dem Klimaschutz begonnen. Dann kam Donald Trump. Und jetzt?
Überrascht hat der Appell den US-Präsidenten bestimmt nicht: "Wir unterstützen Ihre Bemühungen um sinnvolle und effektive Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels – einer unmittelbaren Herausforderung für die Vereinigten Staaten und die Welt. Bitte schieben Sie die Erde nicht vor sich her!", schrieben mehrere Dutzend Wirtschaftsvertreter in einem offenen Brief, der ganzseitig in der New York Times abgedruckt wurde. Das war im Jahr 2009. Der Adressat hieß Barack Obama. Der UN-Klimagipfel in Kopenhagen stand bevor. Und auf der Unterzeichnerliste stand auch dieser Name: Donald J. Trump.
Das wiederum dürfte jeden überraschen, der Trumps Wahlkampf auch nur oberflächlich verfolgt hat. Da bezeichnete er die globale Erwärmung als "Schwindel", ja als Verschwörung gegen die US-Industrie. Diese Woche gab er sich sanfter: Klimawandel – vielleicht gebe es einen Zusammenhang. Klimavertrag – schaue er sich genau an. Derselbe Mann hatte geschimpft, UN-Bürokraten könnten bald über Amerika bestimmen. …
1. Spitzenposition
Lange pustete kein Land mehr CO
in die Luft als die USA. Erst vor etwa zehn Jahren zogen die Chinesen an den Amerikanern vorbei. Aktuell werden jährlich etwa 37 Gigatonnen Treibhausgase weltweit ausgestoßen, davon stammen rund sechseinhalb aus den USA. Einmal in der Luft, sind die Emissionen aber äußerst langlebig: Kohlendioxid bleibt durchschnittlich 120 Jahre am Himmel, Lachgas 114 Jahre. Der Molekülmix, der heute den Klimawandel verursacht, ist also zu großen Teilen gasförmige Industriegeschichte. An dieser historischen Last in der Erdatmosphäre hat kein Staat einen größeren Anteil als die Vereinigten Staaten. Und aktuell stoßen die US-Amerikaner pro Kopf dreimal so viel aus wie der globale Durchschnitt, mehr als doppelt so viel wie die Europäer. …
5. Flache Kurve …
momentan tut die Welt einfach noch nicht genug für das viel beschworene Zwei-Grad-Ziel. Vielmehr haben Forscher errechnet, die Zusagen von Paris könnten für eine Begrenzung auf plus 2,8 Grad Celsius ausreichen (die bislang umgesetzten Pläne indes nur für plus 3,6 Grad).
Auch nachdem Mitte November beim Klimagipfel von Marrakesch die Pariser Beschlüsse konkretisiert und erweitert worden sind, bleibt dieses Dilemma bestehen. Dort hatten sich die USA, vertreten durch ihren Noch-Außenminister John Kerry, einmal mehr in bester Absicht präsentiert: Senkung der Emissionen auf ein Fünftel des Niveaus von 2005 bis zur Jahrhundertmitte! Fiele nun der zweitgrößte Verschmutzer hinter seine Pläne zurück, müssten andere Industrieländer die Lücke dringend füllen. …
(Die Zeit 24.11.206 S.41 http://www.zeit.de/2016/49/klimaschutz-usa-donald-trump-ausblick/komplettansicht )

·       Nichts zu leugnen
Der Zustand von Arktis und Antarktis zeigt, wie real der Treibhauseffekt ist. Und wie wenig man ihn zur Glaubenssache erklären darf.
Zu den derzeit so viel gescholtenen liberalen und ökologischen Eliten gehört allem Anschein nach auch die Natur selbst. Ohne jede Rücksicht aufs Postfaktische und Klimaskeptische geht sie stur ihren Weg – in eine immer stärkere Klimaerwärmung hinein. Daran erinnern uns zwei Befunde von entgegengesetzten Enden der Welt:
Auf dem Nordmeer schwamm in diesem Herbst weniger Eis, als dort je in einem Herbst gemessen worden war. Anders als es der ewige Rhythmus der Arktis vorgibt, wollte das Weiß zeitweilig gar nicht wachsen, ja es schrumpfte sogar wieder. Denn auch in der Finsternis der anbrechenden Polarnacht war es diesmal um den Nordpol herum bis zu 20 Grad Celsius wärmer als gewöhnlich. Crazy.
Am Rande der Antarktis beobachten Forscher, wie sich ein mittlerweile über 100 Kilometer langer, bis zu 100 Meter breiter Riss durch das westantarktische Eisschelf Larsen C zieht. Wird aus dem Riss ein Bruch, schwimmt ein Eisberg von der zweieinhalbfachen Größe des Saarlands in den Atlantik hinaus. Wird spektakulär aussehen.
Der arktische Norden und die Westantarktis weit im Süden erwärmen sich besonders stark. Doch auch global betrachtet ist 2016 die unrühmliche Rekordmarke des wärmsten Jahres seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen mittlerweile praktisch sicher. Aufgeheizt – das gilt nicht nur für die Weltlage (was schlimm genug wäre), es gilt auch für den Planeten (was noch schlimmer ist).
(Die Zeit 8.12.2016 S.1 http://www.zeit.de/2016/51/klimawandel-treibhauseffekt-erderwaermung-arktis-antarktis)

·       Klimawandel Das Jahr 2016 war das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Erderhitzung beschleunigt sich und bedroht vor allem die Arktis. Das wird globale Folgen haben.  Ein wärmeres Jahr als 2016 hat es seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen vor 136 Jahren nicht gegeben. …
Vor 2016 galt 2015 als das Hitze-Rekordjahr - und davor 2014. Von den 17 bisher heißesten Jahren liegen 16 in diesem jungen Jahrhundert; das 17. war 1998. …
Und in Sibirien taut der Permafrostboden im Sommer mittlerweile rasant. Im Juli gab die Tundra den Kadaver eines Rentiers frei, das sieben Jahrzehnte zuvor an Milzbrand gestorben war. Das Zombie-Bakterium kehrte ins Leben zurück, es tötete Tausende Artgenossen des freigeschmolzenen Tiers und einen zwölfjährigen Jungen. Jetzt grübeln manche Forscher, ob aus alten Massengräbern nicht sogar ein viel gefährlicherer Killer auferstehen könnte: das Pockenvirus, das in der Natur seit 1980 als ausgerottet gilt. …
jetzt in San Francisco vorgestellter Bericht namens „Arctic Report Card“ ist eine düstere Lektüre: „In der Arktis verläuft die Erwärmung mindestens doppelt so schnell wie im Rest der Welt“, resümiert Jeremy Mathis, ein beteiligter Klimaforscher von der US National Oceanic and Atmospheric Administration. … Der Ernst der Lage lässt sich auch ablesen an den Durchschnittstemperaturen ganzer Jahre, den aussagekräftigsten Messwerten der Forscher. Über den Landmassen der Arktis war es laut der „Arctic Report Card“ 2016 im Schnitt ganze 2 Grad wärmer als noch im Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Gegenüber dem Jahr 1900 beträgt das Plus 3,5 Grad Celsius. … In der Erdatmosphäre hat das Treibhausgas CO2 2016 eine Rekorddichte erreicht. In jedem einzelnen Monat dieses Jahres verzeichnete das Mauna Loa Observatorium auf Hawaii eine Konzentration von CO2 jenseits der 400 ppm (parts per million). Zuvor ist diese symbolisch wichtige Schwelle nur vereinzelt gerissen worden, das erste Mal im Mai 2013. Vor der Industrialisierung betrug der CO2-Anteil in der Luft noch knapp 280 ppm. Ab 350 ppm, so glauben die Forscher, wird es kritisch.
Zwar ist am 4. November dieses Jahres das Pariser Klimaschutzabkommen in Kraft getreten. Mit ihm will die Weltgemeinschaft den globalen Temperaturanstieg in diesem Jahrhundert auf weniger als 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzen. Als vorrangiges Ziel haben sich die Staaten sogar ein Limit von 1,5 Grad Celsius gesetzt. Im Rekordjahr 2016 aber beträgt die Erwärmung nach vorläufigen Zahlen der Weltorganisation für Meteorologie schon 1,2 Grad Celsius.
(Der Spiegel 52/2016 S.118)

·       "Das wird schnell richtig teuer" Durch den Klimawandel werden Unwetter heftiger und häufiger – auch in Deutschland, sagt Peter Höppe, Geo-Risikoforscher beim Rückversicherer Munich Re. …
ZEIT: Wirbelsturm Katrina hat damals rund 125 Milliarden US-Dollar gekostet, er galt als einer der schwersten Wirbelstürme der USA. Harvey ist ein Tropensturm mit Folgen historischen Ausmaßes. Häufen sich solche extremen Unwetter in letzter Zeit?
Höppe: Weltweit hat sich die Zahl der Wetterereignisse, die Schäden anrichten, seit Beginn der 1980er Jahre etwa verdreifacht. Bei den Hurrikans gibt es einen natürlichen Zyklus, der seit 1995 zu mehr starken Stürmen führt. Das heißt aber nicht, dass auch die Schäden automatisch steigen. Gegen Flussüberschwemmungen etwa können wir uns heute gut schützen. Dank massiver Investitionen in den Hochwasserschutz haben die Schäden dort weltweit sogar abgenommen, obwohl es mehr starken Regen gibt als früher. Ganz anders sieht es bei Hagel, Starkregen und heftigen Winden aus, die sich aus großen Gewitterzellen entwickeln: Sie richten immer mehr Schaden an – selbst wenn man die normalisierten Schäden betrachtet, wenn man also die Inflation herausrechnet und die Tatsache, dass es heute höhere Werte gibt, die durch ein Unwetter zerstört werden können.
ZEIT: Nehmen solche zerstörerischen Gewitterstürme auch in Deutschland zu?
Höppe: Ja, in Deutschland haben sich von den zehn teuersten Gewittern der letzten 40 Jahre sieben seit dem Jahr 2013 ereignet. Das ist schon eine auffällige Häufung. In den 1980er Jahren betrug die Summe der normalisierten Gewitterschäden jährlich etwa 200 Millionen Euro. Heute sind es 1,5 Milliarden Euro. Die Unwetter werden also häufiger – und heftiger. Allerdings nicht so stark wie in den USA, wo durch die besondere Topografie viel intensivere Gewitterzellen entstehen können. Es gibt dort kein Gebirge, das die kalten arktischen Luftmassen von den feuchtwarmen Luftmassen des Golfes von Mexiko trennt. Sie treffen direkt aufeinander, deshalb sind die Unwetter in den USA so heftig. In Europa haben wir die Alpen, das mäßigt die Sache etwas.
(Die Zeit 31.8.2017 S.34)

·       Der Krieg gegen die Wahrheit
Rechtspopulisten haben Fake-News nicht erfunden. Schon seit Jahrzehnten steuern Energiekonzerne und konservative Medien eine Desinformationskampagne – um Zweifel am Klimawandel zu säen.
Die Klimaleugner haben einen Keil zwischen Wissenschaft und Medien getrieben.
Die eigentlichen Feldherren dieses Krieges sind die global agierenden Öl- und Kohle-Unternehmen. Sie fühlen sich nicht vom Klimawandel bedroht, sondern von den Klimaschutzmaßnahmen zur Reduzierung von CO
-Emissionen. Dabei weiß die Ölindustrie schon seit den siebziger Jahren um den wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen Erderwärmung und CO-Ausstoß. Der Ölriese Exxon betreibt eigene Klimaforschungsprojekte und sagt 1981 in einem "CO-Positionspapier" voraus, dass die erwartete Verdopplung der CO-Konzentration in den nächsten hundert Jahren zu einem globalen Temperaturanstieg von drei Grad Celsius führen wird. Anstatt aber in die Zukunft zu investieren und den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, pumpt das Unternehmen ab Ende der achtziger Jahre zusammen mit anderen Ölfirmen Milliarden von Dollar in politische Kampagnen. Deren Ziel: den in der Bevölkerung herrschenden Konsens über den menschlichen Ursprung des Klimawandels und die Notwendigkeit sofortiger Maßnahmen zu zerstören – mittels gezielter Desinformation. …
Dass diese Strategie erfolgreich ist, hat auch mit der Schwäche der liberalen Öffentlichkeit zu tun. Sie ahnt nichts vom Informationskrieg, der über sie hereingebrochen ist. Während man bei Fox News auf Klimaleugnung geschaltet hat, meint man von der New York Times über die Washington Post bis hin zu CNN, "ausgewogen" berichten zu müssen, und lässt auch die Protagonisten der Desinformationskampagnen ausführlich zu Wort kommen. Das Ergebnis ist eine katastrophale Verzerrung. Für den Zeitraum von 1993 bis 2003 hat die Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes, Autorin des bahnbrechenden Buches Merchants of Doubt (auf Deutsch Die Machiavellis der Wissenschaft), unter 928 Publikationen in Fachzeitschriften zum Schlüsselwort "globale Klimaveränderung" nicht eine einzige Veröffentlichung gefunden, die sich gegen die Erkenntnis von der menschlich verursachten Erderwärmung wandte. In den Zeitungen und im Fernsehen taucht dieser Standpunkt in einem vergleichbaren Zeitraum in jedem zweiten Beitrag auf. …
Die Klimaleugner haben einen Keil zwischen Wissenschaft und Medien getrieben. Das heißt: Sie haben die amerikanische Gesellschaft in der wichtigsten Frage der Gegenwart gespalten. Mit verheerenden Auswirkungen: Die Regierungen von Ronald Reagan und anfangs auch George H. W. Bush versuchten noch, die internationale Führungsrolle in der Bekämpfung des Klimawandels zu übernehmen ("Wir können einfach nicht abwarten – der Preis der Untätigkeit wird zu hoch sein", heißt es 1989 im State Department). Heute hingegen glauben einer aktuellen Studie des Pew Research Center zufolge weniger als 16 Prozent der Wähler der Republikaner, dass es einen starken wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel gibt. Dieser schon in den neunziger Jahren einsetzende Meinungsumschwung trägt entscheidend dazu bei, dass die USA dem 1998 in Kyoto beschlossenen Klimaabkommen nicht beitreten. Auch der folgende Klimagipfel 2009 in Kopenhagen scheitert. Kurz zuvor hat der Informationskrieg mit "Climategate" einen neuen Höhepunkt erreicht. Unbekannte Hacker ergaunern sich Zugang zu den E-Mails führender Klimawissenschaftler der University of East Anglia, rechte Kommunikationsstrategen rufen geballt einen Wissenschaftsskandal aus, es seien Daten manipuliert und abweichende Untersuchungsergebnisse unterdrückt worden. Obwohl unabhängige Untersuchungen der E-Mails keinen Anhaltspunkt für unwissenschaftliches Arbeiten feststellen können, geben nach dem vermeintlichen Skandal in Umfragen über 50 Prozent der befragten Amerikaner an, Climategate habe ihr Vertrauen in die Klimawissenschaft erschüttert.
Besonders beunruhigend ist die ideologische Aufladung des Themas. Nachdem seit 1989 die Systemkonkurrenz mit dem Kommunismus passé ist, erkennt ein Teil der Republikaner den neuen Gegner im Innern. Jetzt heißt es: Green is the new red. Hinter den Klimaschutzforderungen stünden in Wahrheit Öko-Sozialisten, die das Land über die CO
-Verringerung zu Tode regulieren und ihre Umverteilungsfantasien zugunsten des globalen Südens durchsetzen wollten. Das Gegenprogramm dazu lautet: America first! Es ist der Schulterschluss der Ölindustrie mit den marktradikalen und rechtsnationalistischen Kräften, aus denen der ultrakonservative Republikaner-Flügel der Tea Party und Trump hervorgehen werden. …
Neu ist allerdings die Ausweitung, Perfektionierung und Intensivierung des Informationskriegs seit Ende der nuller Jahre. Dafür gibt es zwei Gründe: zum einen die Aktivität Russlands; zum anderen den Aufstieg von Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter zu neuen Massenmedien, die den direkten Zugang zum beeinflussbaren Individuum ermöglichen. Für marktradikale, klimaleugnende, rechtsnationalistische Kräfte ist das ein unverhoffter Segen. Die alte Öffentlichkeit war durch Medien strukturiert, die, wie unvollkommen auch immer, zwischen Informationsquellen und der Öffentlichkeit vermittelten und als eine Säule der Demokratie fungierten. Mit Facebook, Twitter und YouTube, die weitgehend auf redaktionelle Haltung verzichten (mit Ausnahme von Nacktbild-Zensur), entsteht eine neue, unregulierte Öffentlichkeit, in der allein Marktgesetze herrschen. Wer am meisten Kapital einsetzen kann, hat die größten Chancen, den Markt für sich zu nutzen. Die Ölindustrie gibt 100 Millionen Dollar im Jahr für Lobbyarbeit aus. …
Als wäre das nicht genug, ist vor einigen Jahren Russland in den Informationskrieg eingetreten. Die fossile Supermacht verfügt zusammengenommen über die größten Kohle-, Öl- und Gasreserven der Welt. Zurzeit macht fossile Energie zwei Drittel des russischen Exports aus. Nichts würde die Interessen des Landes stärker bedrohen als weitreichende Klimaschutzmaßnahmen und ein damit einhergehender fallender Ölpreis. Tatsächlich zeichnet sich neuerdings eine Konvergenz zwischen amerikanischen und russischen Interessen ab, eine fossile Koalition, die zum gemeinsamen Kampf gegen die liberale Klimabewegung und die Demokratie bläst. …
Laut Mark Warner, dem führenden Demokraten im Geheimdienstausschuss des US-Senats, kämpften nicht weniger als 1.000 bezahlte Internet-Trolle aus russischen Einrichtungen im amerikanischen Wahlkampf und entfachten eine Gegenöffentlichkeit, die es ohne sie nie gegeben hätte. Dabei ist der Vorgang meist simpel: Polarisierende Texte und Bilder werden ins Netz gestellt – zum Beispiel "Stop Islamization of Texas" –, und dann wird mit oft automatisierten Retweets, Views und Likes suggeriert, dass eine breite Masse der Bevölkerung hinter den Inhalten steht.
Auf Twitter veröffentlichten die russischen Propagandisten 1,4 Millionen Tweets mittels 2.752 menschlich gesteuerter Accounts und 36.000 Bots. Auf Facebook und Instagram erreichten ihre Inhalte knapp 150 Millionen Amerikaner. Bei Google wurden Webseiten und Fake-News millionenfach auf Platz eins der Suchergebnisse gedrückt. Auf YouTube veröffentlichten russische Informationskrieger 1108 Propagandavideos mit 43 Stunden Inhalt. Allein das Video How 100% of the 2015 Clintons’ charity went to themselves von RT wurde mehr als neun Millionen Mal geklickt. Und der Geheimdienstausschuss fürchtet, dass dies "nur die Spitze des Eisbergs" ist.
Russland hat seine Tätigkeit nicht auf die USA beschränkt, sondern mit denselben Mitteln auch die europäischen Rechtsnationalisten und Klimaleugner unterstützt und sich in europäische Wahlen eingemischt, vom Brexit bis hin zum Referendum über die katalanische Unabhängigkeit, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Den bislang größten Sieg im Informationskrieg hat das Land natürlich mit dem Hacking der E-Mails von Demokraten im US-Wahlkampf und dem folgenden vermeintlichen Skandal um Hillary Clinton erfochten. Das Muster gaben die 2009 erfolgten Hacks ab, die zu Climategate führten. Die Daten wurden damals zuerst auf einem russischen Server hochgeladen, es war, aller Wahrscheinlichkeit nach, der erste Streich im russischen Informationskrieg.
(Die Zeit 7.12.17 S.58 - http://www.zeit.de/2017/51/fake-news-klimawandel-energiekonzerne-desinformationskampagne )

·       Himmelstechnik soll das Klima retten. Darf man darauf setzen?
Rund 900 verschiedene Zukünfte hat der Weltklimarat für seinen letzten Sachstandsbericht durchgerechnet. Und viele Szenarien, in denen bis 2100 das Zwei-Grad-Ziel irgendwie erreicht wird, setzen Negativemissionen voraus. Das heißt: Das Prinzip Hoffnung ist fest eingeplant. Denn bald wird die Menschheit so viel CO
ausgestoßen haben, wie sie maximal darf. Dann benötigt sie eine Minustechnik – die sie aber erst noch entwickeln muss.
Womit wir mitten im Geoengineering wären, dem ingenieursmäßigen Eingriff ins Erdsystem, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Dazu wird zweierlei gezählt: erstens Maßnahmen für Negativemissionen (siehe oben), zweitens Eingriffe in die Strahlungsbilanz der Erde. Wenn weniger Sonnenstrahlen die Erdoberfläche erreichen, soll das den Treibhauseffekt dämpfen.
Am populärsten ist die Pinatubo-Idee, benannt nach einem philippinischen Vulkan, popularisiert vom Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen: Nach dem Ausbruch des Pinatubo (Vulkan, 1991) reflektierten Schwefelpartikel in der Stratosphäre das Sonnenlicht und führten so zu weltweiter Abkühlung. Da könnte man doch auch künstlich Teilchen in die Stratosphäre bringen ... Aber sollte man das auch tun? Im Fachblatt Science fasst Ulrike Niemeier vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie den Stand der Forschung zusammen. "Ungewisse Effizienz" bei unwägbaren "potenziellen Nebenwirkungen" – das klingt ziemlich ernüchternd.
(Die Zeit 27.7.17 S.31)

·       Die Wetterklempner
Klimawandel Geoingenieure wollen die globale Erwärmung bremsen: mit mutwilligen Eingriffen in die Stratosphäre. Bis vor Kurzem galten sie als Spinner 
(Klimaforscher am MIT trifft den Dalai Lama) Zu Emanuels Überraschung gab es daran für den Geistlichen aus Tibet keinen Zweifel: Wenn es wirklich möglich sei, die vom Menschen aufgewärmten Luftschichten wieder abzukühlen, dann solle man am besten gleich damit beginnen. Erst glaubten Emanuel und die anderen Forscher, der Dalai-Lama habe sie nicht recht verstanden: Das Klimasystem sei höchst komplex, versicherten sie ihm, ein solcher Eingriff berge enorme Risiken. Der Tibeter jedoch beharrte: Das Geoengineering, wie die mutwillige Manipulation des Klimas heißt, sei nicht nur zulässig; erhalte es sogar für ethisch geboten.
dass sie dem Wettergott zum gegenwärtigen Zeitpunkt ins Handwerk würden pfuschen wollen. Doch war beim Treffen in Washington unverkennbar, dass sich das Stimmungsbild in der Forschergemeinde gewandelt hat. Was einst als Schnapsidee belächelt wurde, ist zur ernsthaft diskutierten Option der Klimapolitik geworden. Nach wie vor überwiegen zwar die Kritiker des Geoengineerings. Doch müssen sie sich nun einer Reihe von verblüffenden Fakten stellen, über die in der Wissenschaft inzwischen weitgehend Einigkeit herrscht:
+ Kühlende Eingriffe ins Klima sind technisch möglich. Denkbar ist zum Beispiel, feinen Dunst sogenannter Aerosole in / der oberen Atmosphäre zu versprühen und so die Strahlkraft der Sonne zu schwächen. Dass diese Methode funktioniert, beweist das Studium von Vulkanausbrüchen. Der philippinische Pinatubo etwa injizierte bei seiner Eruption im Jahr 1991 rund 17 Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Stratosphäre. Die Folge: Auf der Erde wurde es um 0,4 Grad kühler.
+ Solche Eingriffe wirken schnell, und sie sind vergleichsweise billig. Während sich die Aufheizung der Atmosphäre durch Treibhausgase schleichend über viele * Jahrzehnte hinzieht, kühlen Aerosole binnen Monaten. Die Kosten, um einen merklichen Kühleffekt zu erzielen, lägen Schätzungen zufolge bei nicht mehr als einigen Milliarden Dollar pro Jahr. Gemessen an den Folgekosten des Klimawandels ist das schwindelerregend wenig.
+ Aerosol-Injektionen haben Simulationen zufolge erstaunlich wenig negative Nebenwirkungen. Zwar lassen sich mit ihrer Hilfe nicht alle Folgen des Klimawandels rückgängig machen. Die Versauerung der Ozeane etwa würde durch eine Spritzkur in der Stratosphäre kaum gelindert; auch würde durch sie der Wasserkreislauf des Planeten beeinträchtigt. Unter dem Strich jedoch wäre die Wirkung vermutlich vorteilhaft: | „Mir ist kein Szenario bekannt, bei dem | die Welt mit Geoengineering am Ende schlechter dastünde als eine Welt ohne einen solchen Eingriff“, resümiert Klimaforscher Daniel Schrag von der Harvard-Universität.
Angesichts solcher Fakten mehren sich die Stimmen, die eine sorgfältige Prüfung des Geoengineerings fordern. 2013 tauchte der Begriff erstmals in den Empfehlungen auf, die der Weltklimarat IPCC Politikern mit auf den Weg gibt. Zwei Jahre später plädierte auch die amerikanische Akademie der Wissenschaften für mehr Forschung auf diesem Feld. Zu einem ähnlichen Schluss kamen Anfang dieses Jahres Experten, die das Weiße Haus beraten. „Eines Tages könnte die mutwillige Intervention ins Klimageschehen durchaus Teil des Portfolios von Maßnahmen sein, mit denen wir dem Klimawandel begegnen“, heißt es in ihrem Bericht. Alle Möglichkeiten auszuloten sei umso dringlicher, als „sich andere Länder oder private Unternehmen unabhängig von der US-Regierung dafür entscheiden könnten, Interventionsexperimente durchzuführen.
Die Berater des US-Präsidenten Werfen damit Fragen auf, die viele Geoingenieure als besonders drängend empfinden: Wer eigentlich darf entscheiden, ob Eingriffe ins Klima zulässig oder notwendig sind? Was, wenn einzelne Länder auf eigene Rechnung versuchen, am Thermostat des Planeten zu schrauben? Und Wer kommt dafür auf, wenn eine Aerosol-Injektion zu Klimakapriolen führt, die keine Simulation vorhergesehen hat?
(Spiegel 14-2017 S.100ff)

·       Der Klimawandel ist im (deutschen) Wahlkampf kaum ein Thema. Warum eigentlich? …
Deutschland wird seine Klimaziele für das Jahr 2020 krachend verfehlen. Statt der zugesagten Treibhausgasminderung von 40 Prozent gegenüber 1990 werden mit den bisher beschlossenen Maßnahmen nur etwa 30 Prozent zu erreichen sein, hat die Denkfabrik Agora Energiewende errechnet. International gibt sich die Bundesregierung als Klimaschützerin, im eigenen Land hat sie den CO2-Ausstoß seit acht Jahren nicht bedeutend gesenkt. Die Abschaltung der Kohlekraftwerke ist über- - fällig, der Verbrennungsmotor ein Auslaufmodell. Wer das den Wählern vorenthält, handelt fahrlässig. Allein der FDP unter Christian Lindner gebührt Lob für deutliche Worte: Im Wahlprogramm stellt sie sich gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz, feste Emissionsziele und einen staatlich gelenkten Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor. Nachhaltiger kann man die Welt nicht ruinieren. Wer den Klimawandel will, muss Gelb wählen.
(Spiegel 38-2017 S.115)

·       CO2-Ausstoß pro Kopf in Tonnen pro Einwohner und Jahr:
Katar 36,7
Australien 18,6
USA 16,1
Russland 12,3
Deutschland 9,5
China 7,7
Frankreich 5,1
Weltdurchschnitt 5,0
Schweiz 4,9
Brasilien 2,4
Emission, die Klimaforscher für akzeptabel halten 2,0
Indien 1,9
Bangladesh 0,4
(Spiegel 27-2017 S.19)

·       Lachgas schlimmer als CO2
Bauern sind Opfer und Täter des Klimawandels. Zugleich tragen Forst und Wiesen zum Klimaschutz bei …
Doch die Bauern sind nicht nur Opfer des Klimawandels, sondern auch Täter: Die Landwirtschaft ist für 7,4 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. …
Methan und Lachgas Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Emissionen stammt aus der Tierhaltung - vor allem von Kühen: In deren Mägen entsteht bei der Verdauung das besonders klimaschädliche Gas Methan. Es gelangt zum Großteil direkt in die Umwelt, zum kleineren Teil wird es freigesetzt, wenn Gülle und Mist aus der Rinderhaltung als Dünger auf die Felder gebracht werden. In geringem Maße sind auch Schweine über ihre Ausscheidungen an den Methan-Emissionen beteiligt, andere Tiere spielen laut UBA keine Rolle.
Die zweite wichtige Quelle von Treibhausgasen aus der Landwirtschaft ist Kunstdünger. Mineralische Stickstoffdünger und Harnstoffdünger sollen das Wachstum der Pflanzen fördern. Doch weil die auf den Feldern ausgebrachte Menge meist sehr viel größer ist als der tatsächliche Bedarf der Pflanzen, wird der überflüssige Stickstoff als Lachgas freigesetzt. Dieses Gas beeinflusst das Klima 300 Mal so stark wie Kohlendioxid.
Dritte wichtige Quelle sind so genannte Landnutzungsänderungen: Etwa wenn Grünland umgebrochen wird, indem Wiesen in Ackerland umgewandelt werden. Das CO2, das zuvor im Humusboden gespeichert war, wird dann freigesetzt. Ebenso setzt die Trockenlegung von Mooren große Mengen an Treibhausgasen frei. …
Biokraftstoffe Auch die Landwirtschaft nimmt für sich in Anspruch, durch den Anbau von Energiepflanzen, etwa Mais oder Raps, zum Kampf gegen den Klimawandel beizutragen. "Ohne Biokraftstoffe hätten die Emissionen durch den Verkehr im Jahr 2016 um 7,3 Millionen Tonnen CO2 höher gelegen", sagte Bauernverbands-Generalsekretär Krüsken.
Hier kommt allerdings Widerspruch vom Umweltbundesamt: "Aufgrund des enormen Flächenbedarfs kann die Anbaubiomasse auch künftig rein rechnerisch nur sehr gering zur Energieversorgung beitragen", schreibt das UBA. Pro Flächeneinheit sei die Stromerzeugung aus Wind und Sonne zudem sehr viel effizienter als der Anbau von Energiepflanzen. Für sinnvoll halten die UBA-Experten hingegen die energetische Nutzung von Abfallstoffen aus der Land- und Forstwirtschaft. …
(Das Parlament 46-47 13.11.2017 S.10)

·       Umweltforscher heizen Trump ein …
Zwar hat er in jüngster Zeit den Klimawandel öffentlich nicht mehr komplett bestritten. Doch vor seiner Wahlbehauptete er, der „Mythos“ des Klimawandels sei von „den Chinesen“ in die Welt gesetzt worden, „um die amerikanische Industrie aus dem Wettbewerb zu drängen“: „Die Erderwärmung ist ein kompletter und teurer Schwindel.“
Die Studie der (US-amerikanischen) regierungsamtlichen Experten belegt das Gegenteil: Weltweit sind die Temperaturen demnach von 1951 bis 2010 um 0,7 Grad Celsius gestiegen. Davon seien 0,65 Grad durch Menschen verursacht. Im gesamten 20. Jahrhundert kletterten die Durchschnittstemperaturen in den USA demnach um 0,8 Grad. „Selbst bei einer signifikanten Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen“ werde sich das Land in den nächsten Jahrzehnten um 1,4 Grad weiter erwärmen. Die Folgen wären längere Hitzewellen, ein weiteres Abschmelzen des Eises in Alaska und massive Unwetter. Nach Ansicht der Wissenschaftler lassen sich einzelne, aber nicht alle extremen Wettersituationen direkt auf den Klimawandel zurückführen. So seien für die Hitzewellen in Europa 2003 und Australien 2013 die Belege eindeutig. Hingegen könne man die jüngsten Dürren in den USA nicht eindeutig alleine auf den Klimawandel zurückführen. Eine mittlere Wahrscheinlichkeit spricht nach Auffassung der Autoren dafür, dass die steigenden Temperaturen im Westen und Norden der USA auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Gerade in den vergangenen Tagen litten die Bundesstaaten Washington und Oregon, die unter hitzegeplagten Amerikanern im Sommer gemeinhin als Oasen für einen erfrischenden Urlaub gelten, unter Extrem-Temperaturen knapp über der magischen Marke von 100 Grad Fahrenheit (knapp. 38 Grad Celsius).
(Freie Presse Chemnitz9.8.2017 S.4)

·       2017 teuerstes Jahr für Versicherer / Schadensrekord vor allem durch Naturkatastrophen …
MÜNCHEN – Für die Versicherungen war 2017 das teuerste Jahr der Geschichte: Hurrikans und andere Naturkatastrophen kosteten die Branche weltweit rund 135 Milliarden Dollar, mehr als je zuvor. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die die Munich Re. gestern in München veröffentlichte. Hauptursache war die Serie schwerer Wirbelstürme. die im vergangenen Herbst die Karibik und die US-Ostküste traf. Die Klima-Fachleute des weltgrößten Rückversicherers sehen in den Naturkatastrophen-Daten der vergangenen Jahrzehnte zwar keinen Beweis, aber doch starke Indizien für die Auswirkungen des Klimawandels. Ungewöhnlich hohe Naturkatastrophenschäden häufen sich. In den historischen Daten der Münchner Rück gibt es nur drei Jahre, in denen die versicherten Schäden mit über 100 Milliarden Dollar zu Bucheschlugen - und diese sämtlich innerhalb der vergangenen 13 Jahre. Das Münchner Unternehmen betreibt eine eigene Naturkatastrophen-Datenbank. Einschließlich der nicht von Versicherungen abgedeckten Schäden schlugen Naturkatastrophen 2017 sogar mit 330 Milliarden Dollar zu Buche. In dieser Hinsicht war 2011 sogar noch teurer, als ein Seebeben und der folgende Tsunami in Japan die Gesamtschäden auf 354 Milliarden Dollar hochtrieb und die Atomkatastrophe Von Fukushima verursachte.
(Freie Presse Chemnitz 5.1.2018 S.7)

·       Trump, Schulz und der Negerkuss
Worte bergen eine enorme politische Sprengkraft in sich, sagt die Linguistin Elisabeth Wehling. Sie erklärt, wie Sprache unser Denken und Handeln prägt und Warum sie im Konflikt mit Rechtspopulisten besonders wichtig ist …
Und der Klimawandel ... ein Wandel ist nichts Negatives, es wandelt sich ja alles. Die moralische Dringlichkeit wird so nicht begreifbar gemacht. Ähnlich verhält es sich mit »Erderwärmung«. Wärme wird von den meisten als positiv empfunden. Und »Erwärmung« ist in der Alltagssprache ein emotionales Konzept: Ich erwärme mich für einen Menschen, eine Idee. Wer der Meinung ist, dass die Umwelt und damit auch wir Menschen wirklich in Gefahr sind, der sollte lieber von Erdüberhitzung reden. …
(Publik Forum 3-2017 S.20)

·       Treibhausgasemissionen Deutschland (in Millionen Tonnen CO2-Äquivalente):
1990 – 1251; 2016 – 906; Klimaschutzziel 2020 – 740 (= -40% gegenüber 1990);
Emissionen 2016 einzelne Bereiche (in Klammern Veränderung gegenüber 1990 in Prozent):
Energiewirtschaft - 343 Millionen Tonnen (-27%); Industrie – 188 (-34%); Verkehr – 166 (+2%); Gebäude – 127 (-40%); Landwirtschaft – 71 (-21%); sonstige – 11 (-72%)
(Spiegel 43-2017 S.40)

·       Von den 17 global heißesten Jahren seit 1880 (dem Beginn der Aufzeichnungen) lagen 16 Jahre im 21. Jahrhundert. Die drei vergangenen bilden das Top-Trio, mit 2016 an der Spitze. …
Aktuell ist der Anteil von Kohlendioxid in der Luft so hoch wie wahrscheinlich zuletzt Mitte des Pliozäns, das war vor etwa 3,5 Millionen Jahren. Natürlich spross auch damals das Leben. Bloß erscheinen die damaligen Bedingungen aus Menschensicht wenig erstrebenswert, schon weil der Meeresspiegel bis zu 25 Meter höher lag. Damals wandelte sich das Klima langsam, der aktuelle Anstieg von 280 auf 400 Teile Kohlendioxid pro Million Teile Luftgemisch hingegen wurde in kaum mehr als 150 Jahren erreicht. …
(Die Zeit 14.9.2017 S.38 - http://www.zeit.de/2017/38/erde-oekologie-abholzung-artensterben-erwaermung-menschheit/komplettansicht )

·    

ENERGIE ALLGEMEIN

 

 

·       BMU 4/1998: Nachhaltige Entwicklung in Deutschland, Entwurf eines umweltpolitischen Schwerpunktprogramms
S.44 Schätzungen der Mineralölwirtschaft, die für die kommenden Jahre erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien plant, :   ... im Jahre 2060 70% des Weltenergiebedarfs aus erneuerbaren EQ

·       BMU: Umweltbericht 1998, Zusammenfassung S. XIX:
Subventionierung heimische Steinkohle 1997: 8,9 Mrd DM für Verstromungs- und Kokskohlebeihilfe

·       Deutschland Aktuell:
Anteil Ökostrom 11 %; Anteil Biokrafstoffe 5,4 %; Anteil Wärme 6,2 % Bioenergie, Solar- und Geothermie;
2006 im gesamten Bereich erneuerbarer Energien 99 Millionen Tonnen CO2 eingespart;
(taz 5.1.07)

·       Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung soll bis zum Jahr 2010 auf mindestens 12,5% und bis 2020 auf mindestens 20% erhöht werden (§1 EEG 1.8.04)

·       EON und SHELL planen mit britisch-dänischer Firma Core Offshore-Windfeld vor England mit 270 Windturbinen und 1000 MW (energiedepesche 3/05 S. 7)

·       Holzpellets: 1 kWh kostet derzeit 3-4 Cent; entspricht einem Heizölpreis von 35 Cent/Liter (derzeit 50);
Kessel kostet 5-8.000 Euro (doppelt so viel wie Öl oder Gaskessel)
einmalige Mehrkosten 3-4.000 Euro
taz 13.10..05

·       Kosten EEG-Umlage für Haushalte: 0,54 Cent/kWh (1,59 Euro/Monat pro Haushalt 3.500 kWh)
(BMU Broschüre 2005)

·       Japan 2004: durch Tragen sommerlicher Kleidung in Büros Energie gespart:  240.000 Haushalte 1 Monat lang mit Strom versorgen
(FP 10./11.9.05

·       Wer auf erneuerbare Energien eindrischt, hat nicht alle Tassen im Schrank (Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank) (taz 13,/14.8.05)

·       mit der für die Herstellung eines Blattes Papier A4 benötigten Energie brennt eine 40-Watt-Glühbirne 30 Minuten lang
(energiedepesche 1/2000 S. 11)

·       Fusionsreaktor 100 Mill. Grad; radioaktive Abfälle (Behälter-Austausch aller 5 a)
taz 7.4./16.6.97)

·       Angela Merkel (Umwelt BMU 12/95):
Anteil reg. Energiequellen bis 2005 unter größten Anstrengungen auf 7%
bis 2050: Steigerung auf 50% denkbar

·       im Schnitt wird in Deutschland etwa die Hälfte der Endenergie in Nutzenergie umgewandelt;
Energiedienstleistungen: Prozesswärme, Raumwärme, mechanische Energie, Beleuchtung, Information/Kommunikation;
Umwandlungsverluste z.B. 1997
Industrie 39, Verkehr 81, Haushalte 33, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen 42, gesamt 49%
(3. Bericht Klima BRD 2002 S. 20ff)

·       1990: Primärenergie Dritte Welt: Öl 23%, Kohle 28%, Gas 7%, Wasserkraft 5%, Kernenergie 1%, sonstige 1%, Biomasse 35%!
(Energietrends 9/94)

·       Sparpotenziale Deutschland: Industrie 20%, Verkehr 20%, Gewerbe usw. 20%, Haushalte 35%
Sparchancen bei Elektromotoren (2/3 des industriellen Stromverbrauchs!): wäre jeder dritte Motor, statt nur jeder zwanzigste, mit einer elektrischen Drehzahlregelung ausgerüstet, würden die Betriebe 16 Mrd kWh einsparen (1 Mrd Euro, 2 KKW)
(Die Zeit 6.2.03 S.19)

·       „Rückkehr zur Sonne“, hat schon mal 100.000 Jahre ganz gut funktioniert (Sonnenwärme, Wind, Wasserkraft und nachwachsende Rohstoffe)
in 1 Jahr verheizt die Menschheit so viel Brennstoff, wie die Natur in Laufe von 1 Mill Jahren angespart hat;
(Der Spiegel 23/2000 S. 134ff)

·       S.25: Uran-Reserven 1,57 Mill t; derzeit verbrauchen KKW weltweit (354 GWe) 64.400 t Uran pro Jahr
(BMWi:  Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen 2002)

·       eine Firma macht aus altem Frittenfett (McDonalds & Co) 60 Mill Liter Diesel pro Jahr
selbst das gesamte alte Speiseöl Deutschlands würde nicht ausreichen, um 1% des in D. getankten Diesels zu ersetzen
von 114 Mill t Mineralölprodukten, die hiesige Raffinerien herstellten, floss fast die Hälfte in Fahrzeugtanks; der nächstgrößte Posten leichtes Heizöl zur Wohnraumheizung
Biosprit ersetzt derzeit nicht mehr als 2% der Nachfrage an Benzin und Diesel
Rapsproduktion könnte 3,7% des gesamten Kraftstoffbedarfs befriedigen
zweiter Weg: „Biomasse zu Flüssigtreibstoffen“; Vergasung ganzer Pflanzen, Choren Industries in Sachsen macht SUNDIESEL; SHELL ist an Choren beteiligt
Sparpotenzial Autos: ein Mittelklassefahrzeug müsste nicht mehr als 4-5 Liter Benzin verbrauchen

·       Wasserstoff wirtschaft:
Wind, Sonne, Wasserkraft oder Kernspaltung liefern Strom
für die Elektrolyse
Transport in Leitungen oder Behältern zum Verbraucher
Nutzung durch Verbrennung oder zur Stromerzeugung (Brennstoffzelle)
(Die Zeit 24.11.05 S. 25ff)

·       Energieversorgung:
bedarfsgerecht und
sicher
wirtschaftlich (möglichst geringe Kosten)
umweltverträglich

·       (Energieprogramm Sachsen 2004)
Bereitstellung von
Energie
langfristig sicher, preiswert und umweltverträglich

·       Nutzung energetischer Ressourcen unter Berücksichtigung
wirtschaftlicher,
ökologischer und
sozialer Aspekte

·       Importabhängigkeit (D: ¾)
leitungsgebundene Energieträger Gefahr von Monopolen
nicht-leitungsgebundene Energieträger (Brenn- und Treibstoffe)
besondere Bedeutung der Bereitstellung von Wärme
Speicherung

·       einzeln durchgehen
Braunkohle (reichlich vorhanden, CO2, Tagebaue)
Steinkohle (reichlich vorhanden, CO2, CH4)
Öl (Import, Vorräte noch 100 a)
Gas (Import, CH4, Leckagen)
Kernenergie (als Leichtwasserreaktor Uran: Rohstoffe noch wenige Jahrzehnte, Risiken Krieg + Terrorismus, Risiken Betrieb, Atommüll)
Kernenergie Optionen (sicherer Reaktor, Schneller Brutreaktor, Hochtemperaturreaktor)
Kernfusion
Sonne (PV, Thermie, Parabolrinnen)
Wind (Rotoren, offshore, Windtürme)
Erdwärme
Biomasse (Abfälle, Plantagen)
Gezeitenenergie

·       nachwachsende Rohstoffe aus der regionalen Landwirtschaft –
Ersatz für fossile Energieträger ?
Schonung der Ressourcen
nicht-erneuerbarer Energieträger
CO2-Neutralität
Schließung von Stoffkreisläufen
Verringerung des Transportaufwandes
verringertes Risiko bei Transporten, Verarbeitung und Nutzung
Lagerfähigkeit

·       Strategiepapier des weltgrößten Technologiekonzerns General Electric (GE):
„Wir verpflichten uns, bis 2010 doppelt so viel in Forschung und Entwicklung umweltfreundlicher Produkte zu investieren, und stocken das Budget von 700 Millionen Dollar auf 1,5 Milliarden Dollar auf“;
Shell-Prognose: bis 2050 werden erneuerbare Energien weltweit zu einem Drittel zum Energiemix beitragen, und auch dann wolle man noch zu den führenden Energieanbietern gehören;
ähnliche Strategie British Petrol (BP); Slogan „Beyond Petroleum“ (Jenseits des Erdöls); die weltweit zweitgrößte Ölgesellschaft mauserte sich auf diese Weise bereits zum drittgrößten Solarunternehmen der Welt; Umsatz mit Solaranlagen stieg 2004 um fast ein Drittel auf 330 Millionen Euro, in den nächsten 10 Jahren soll der Umsatz mit Alternativenergien rund 5 Milliarden Euro betragen – Umsatz mit Öl und Gas belief sich 2004 auf 21 Milliarden Euro;
(ZEIT 1.12.05 S.34)

·       bis vor 6 Jahren kostete die Kilowattstunde Strom im Großhandel kaum 2 Cent, heute wird Strom aus denselben Kraftwerken für 5,5 bis 6 Cent gehandelt;
Uran vor 6 Jahren 7 Dollar je Pfund, aktuell 52 Dollar
(taz 18.9.06)

·       Fritz Vahrenholt (Chef des Windradbauers REPOWER):
Ich bin durchaus optimistisch, dass wir bis zum
Jahr 2050 die Hälfte unserer Energieversorgung mit erneuerbaren Energieträgern bewältigen können. Aber selbst dann bleibt die Frage: Was machen wir mit den anderen 50 %? Ohne Kernenergie und Kohle wird das nicht gehen.
(taz 7./8.10.06)

·       (11) wenn der letzte Atomreaktor in Deutschland um 2020 vom Netz geht, werden nach einer aktuellen Studie pro Jahr gut 150 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden, mehr als die 140 TWh pro Jahr, die deutsche Atomkraftwerke heute produzieren;
(12) das EEG trägt derzeit etwa um 3 % zum Preis von Haushaltsstrom bei (dreiköpfiger Haushalt 1,60 Euro/Monat);
(BMU: Broschüre „Energieversorgung – umweltfreundlich zu stabilen Preisen“ 2006)

·       Shell Prognose weltweiter Energieverbrauch (Werte aus Grafik abgeschätzt)
(17,3 mm = 100 EJ)

Jahr

2000
mm

2000
Exajoule

Anteil
Prozent

2050
mm

2050
Exajoule

Anteil
Prozent

Energieträger

 

 

 

 

 

 

Kohle

16,2

94

 

20,8

120

 

Kohlenwasserstoffe

0

0

 

3,3

19

 

Erdöl

27,9

161

 

42,3

245

 

Erdgas

16,1

93

 

29,7

172

 

Kernkraft

5,0

29

 

4,7

27

 

Summe konventionell

 

377

82

 

583

64

Biomasse traditionell

9,0

52

 

6,2

36

 

Wasserkraft

5,2

30

 

7,8

45

 

Wellen- und Gezeiten-
Kraftwerke

0

0

 

1,3

8

 

Wind

0

0

 

7,0

40

 

Biomasse Kraftstoffe

0

0

 

9,6

55

 

Biomasse elektrisch

0

0

 

3,3

19

 

Solarthermie

0

0

 

8,4

49

 

Geothermie

0

0

 

3,7

21

 

Solarstrom

0

0

 

10,8

62

 

Summe erneuerbare E.

 

82

18

 

335

36

gesamt

79,2

458

100

158,8

918

100

(Spiegel 13/06 S.86)

·       Solarstrom kostet 50 Cent/kWh? Falsch, das ist die gezahlte Vergütung;
Rechnung: Anlagekosten 22.000 Euro
für Spitzenleistung 5,4 kW; Jahresertrag 4600 kWh, in 20 Jahren 92.000 kWh; das ergibt 24 Cent je kWh
(bdw 3/06 S.21)

·       Anteil erneuerbarer Energien weltweit an der Primärenergie:
traditionelle Biomasse: 9,0 %
große Wasserkraft 5,7 %
andere EE 2,0 %
(BMU Umwelt 2/06 S.80)

·         BUND Freiburg analysiert: "Wie lange reichen die weltweiten Energievorräte?"

Am kommenden Montag findet der Energiegipfel der Bundesregierung statt.

Schon im Vorfeld des Energiegipfels zeigt sich, dass die Frage der

Energieressourcen bei diesem Gipfel eine wichtige Rolle spielen werden. In

der Berichterstattung im Vorfeld des Gipfels zeigt sich bisher sehr stark

die Dominanz der Werbeabteilungen der Energiekonzerne. Die absehbare

Endlichkeit der Uranreserven spielt in der bisherigen Diskussion

beispielsweise fast keine Rolle. Auch aus diesem Grund senden wir Ihnen noch

einmal unsere Hintergrundinformation aus dem Frühjahr 2006 zum Thema

weltweite Energievorräte.

 

Im Internet und den Medien finden sich zum Thema weltweite Energievorräte

(Uran, Erdöl, Erdgas, Kohle, Sonne, Wind, Biomasse, Geothermie) die

unterschiedlichsten, häufig stark interessengeleiteten Angaben. Wir

versuchen hier einige Infos zum Thema weltweite Energievorräte

zusammenzutragen. Die aufgeführten, häufig widersprüchlichen Studien über

die Endlichkeit von Uran, Erdöl, Erdgas und Kohle zeigen bei allen

Widersprüchen die Dimension der kommenden Energiekrise. Sie berücksichtigen

häufig nicht ausreichend, dass bei Ressourcenverknappung auf andere

Technologien umgestiegen wird, weil die Verknappung zu einem massiven

Preisanstieg führt. Dies kann dazu führen, dass einige der alten

Energieträger, bei massiv erhöhten Preisen einige Jahre länger vorhanden

sind als in den Prognosen erwartet wird. Das ändert aber nichts am

Grundproblem einer in Kürze drohenden weltweiten, massiven Energiekrise.

Steigende Preise für Öl und Uran und Kriege um Öl und Ressourcen sind die

ersten Hinweise auf kommende Kriege und Konflikte.

 

Die Atomlobby, u.a. organisiert im Verband Schweizerischer

Elektrizitätsunternehmen, fasst auf ihrer Homepage (am 7. Sept.2005) die

heutigen Erkenntnisse zusammen, allerdings ohne die Steigerungsraten des

Verbrauchs einzubeziehen.

 

"Wie lange reichen die Energievorräte der Welt? Teilt man die aus heutiger

Sicht technisch und wirtschaftlich abbaubaren Reserven durch den jetzigen

Verbrauch, erhält man die so genannte statische Reichweite. Diese beträgt

für Erdöl rund 41, für Erdgas 67, für Kohle 192 und für Uran (ohne

Brutreaktoren) rund 50 Jahre." Zitatende

 

Nach den realen Zahlen fließen dann die Zukunftshoffnungen der Atomlobby in

den Text der Homepage ein: "Die statische Reichweite ist aber nur bedingt

aussagekräftig, da sich einerseits der Verbrauch ständig ändert und

andererseits immer noch neue Vorkommen entdeckt werden. Bei steigenden

Energiepreisen lohnt sich auch der heute noch nicht wirtschaftliche Abbau

von Vorräten." Zitatende

 

Die Umweltorganisation Greenpeace hat im Jahr 2006 eine Studie über die

Reichweite der Uranvorräte der Welt erstellt. Nach dieser Studie können die

heute bekannten Uranvorräte einen steigenden Bedarf nicht decken. "Unter

Berücksichtigung verschiedener Szenarien zur weltweiten Entwicklung des

Kraftwerkbestandes, scheinen die Uranvorräte etwa zwischen 2026 und 2070

erschöpft. Geht man davon aus, dass Atomkraft tendenziell rückläufig ist,

mit Ausbaubemühungen nur weniger Länder, werden die Vorräte nach

realistischen Schätzungen bis circa 2050 reichen."

 

Die Fachzeitschrift Politische Ökologie schreibt in ihrer Ausgabe vom März

2004: Bei den Steigerungsraten des Verbrauchs, welche die Internationale

Agentur des OECD (International Energy Agency, IEA) berechnete, ergibt sich:

 

- ein Ende des Erdöls um 2035,

 

- von Erdgas vermutlich vor 2040,

 

- Kohle reicht bis maximal 2100. Dabei ist jedoch nicht berücksichtigt, dass

sie die anderen Energieträger ersetzen muss und gleichzeitig zu einem

gesteigerten CO2- Ausstoß führt.

 

- Uran reicht bei der heutigen Förderung nur bis 2040.

 

- Schon 2010 produzieren die OPEC des Nahen Ostens 50 Prozent des Öls. Das

verschafft diesen, teilweise politisch instabilen Ländern eine bedeutende

Machtposition - nicht nur über die Preise. Ähnlich sieht es beim Erdgas aus,

das Deutschland im Jahr 2010 vermutlich zu 90 Prozent aus Russland

importieren wird. Quelle: Zeitschrift "Politische Ökologie 87 - 88" / März

2004

 

Die teilweise sehr unterschiedlichen, häufig stark interessengeleiteten

Zahlen zu den Energievorräten der Welt zeigen dennoch deutlich die

Endlichkeit dieser Ressourcen an. Ein plötzliches, abruptes Ende der

Förderung von Gas, Öl, Uran und Kohle ist dennoch nicht zu erwarten, eher

ein langsames Auslaufen, begleitet von einer massiven Preiserhöhung und

sozialen Folgeproblemen. Doch das unlösbare Grundproblem der nicht

regenerativen Energiequellen wie Uran, Gas, Öl und Kohle sind nach Ansicht

von BUND Geschäftsführer Axel Mayer die Probleme eines unbegrenzten

Wachstums und der damit verbunden ständig steigenden Nachfrage nach Energie:

 

Bei einem anhaltenden Wachstum des Energieverbrauchs von 3% verdoppelt sich

dieser alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge,

die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen

Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum des Energieverbrauchs

ist nicht möglich, auch wenn die Kohle, Öl- und Atomlobby anderes verkünden.

 

Unser Wirtschaftswachstum ist immer noch nicht abgekoppelt von einem

überhöhten Energie- und Rohstoffverbrauch. Das Ende des Öl- und

Uranzeitalters ist absehbar und rückt durch den Export unseres

Verschwendungssystems nach China und Indien noch näher. Ein Teil des bisher

"unterentwickelten" Rests der Welt (insbesondere China und Indien) ist

gerade gerade dabei, unser zerstörerisches Modell einer Raubbauwirtschaft

nachzuahmen und ähnlich Energie zu verschwenden wir wir. Der beginnende

Autoboom in diesen Ländern wird in unseren Medien häufig noch unkritisch

bejubelt. Die Folgen dieses Booms für Energievorräte, Ökologie und Weltklima

sind nur selten ein Thema. In China und Indien läuft zur Zeit das

"spannendste ökologische Belastungsexperiment" der Menschheitsgeschichte.

Und ist es den Menschen in Asien zu verdenken, dass sie unserem schlechten

Beispiel nacheifern?

 

Das weltweit knapper werdende Öl löst beim abhängigen Patienten Mensch

klassische Suchtsymptome aus. Statt Energie einzusparen und Alternativen zu

fördern, rufen wachstumsgläubige Politiker, gerade auch vor dem Energiegipfel,

nach einer intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren und

gefährlicheren Energiedroge Atomenergie. Die Abhängigkeit vieler Politiker

und Parteien von der Energielobby gefährdet die Demokratie. Nur einen,

zugegeben etwas makaberen, positiven Effekt könnte das beginnende Auslaufen

der fossilen Energievorräte haben. Die Klimaveränderungen könnten

langfristig weniger verheerend ausfallen als bisher angenommen, wenn Erdöl

und Gas nicht durch Kohle ersetzt werden.

 

Das Wachstum im Bereich der Alternativen Energien, gehört zu den wenigen

hoffnungsvollen Zeichen der Zeit. Von 1995 bis 2005 haben sich die Preise

für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für

erneuerbare Energien halbiert haben. Windstrom ist global die am schnellsten

expandierende Energienutzung. In der EU gingen im Jahr 2005 alle zwei Monate

1000 MW neue Windenergie ans Netz. In Kilowatt (Leistung) entspricht dies

einem neuen AKW Gösgen (CH), in Kilowattstunden (Produktion) wird damit ein

Atomreaktor der Größe Beznau (CH) ersetzt - und dies alle 60 Tage. Der

globale Wachstumskurs für Photovoltaik-Anlagen setzt sich auch 2006 fort.

Rund eine Million Solaranlagen sind in Deutschland installiert. Damit nutzen

über drei Millionen Menschen Solarenergie zur Erzeugung von Wärme und Strom.

Allein im Jahr 2005 wurden gut 175.000 Anlagen neu errichtet. Biomasse,

Windenergie und Photovoltaik schaffen Strom und Arbeitsplätze. Und genau

dieses positive Wachstum der zukunftsfähigen Energien wird von den Anhängern

der atomar-fossilen Energiegewinnung massiv bekämpft, denn jede neue

Photovoltaikanlage und jedes neu gebaute, privat finanzierte Windrad nimmt

den AKW - Betreibern und Atomkonzernen Anteile an der Stromproduktion weg.

Widerstand gegen Windräder wegen Vögeln, Fledermäusen und Landschaftsschutz?

It´s the economy - stupid!

 

Die erneuerbare Energien sind Energiequellen, die sich durch natürliche

Prozesse laufend erneuern. Sie stehen nach menschlichen Zeitmaßstäben

unendlich lange zur Verfügung. Erneuerbare Energien haben drei originäre

Quellen: Strahlung der Sonne, Kraft der Gezeiten, Wärme des Erdinneren

(Geothermie). Sonne, Mond und Erde stellen diese unerschöpflichen Energien

umweltverträglich zur Verfügung. Die Sonne strahlt jährlich in Deutschland

auf jeden Quadratmeter so viel Energie, wie in 100 Litern Öl enthalten ist.

In der Sahara ist es sogar doppelt so viel. Ein Windrad hat sich nach einem

halben Jahr (4- 7 Monate) Betrieb energetisch armortisiert, d.h. nach diesem

halben Jahr erzeugt es "netto" Strom. 130.000 Arbeitsplätze waren im Jahr

2004 in Deutschland direkt oder indirekt auf die Nutzung der regenerativen

Energien zurückzuführen.

 

Der derzeitige Weltenergiebedarf liegt bei etwa 400 Exajoule (400 Milliarden

Milliarden Joule) pro Jahr. Ein Exajoule entspricht der energetischen Menge,

welche die Erde in 6 Sekunden von der Sonne empfängt und den Weltverbrauch

an Primärenergie im Jahr 2000 innerhalb von 21 Stunden deckt. In einer

Studie aus dem Jahr 2003 mit dem Titel "Energiewandel zur Nachhaltigkeit"

prognostiziert der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung zu globalen

Umweltveränderungen (WGBU) die Potenziale der erneuerbaren Energien für das

Jahr 2100 folgendermaßen:

 

- weltweite Wasserkraft: Der Wert des Potenzials für Wasserkraft könnte sich

bis 2100 auf ca. 15 EJ pro Jahr steigern lassen.

 

- weltweite Bioenergie / nachwachsende Rohstoffe: "Der Beirat schätzt das

globale moderne Bioenergiepotenzial auf etwa 100 EJ pro Jahr, die sich zu

20% aus der Nutzung landwirtschaftlicher Reststoffe sowie zu jeweils etwa

40% aus forstwirtschaftlichen Reststoffen und Energiepflanzen ergeben. Ein

derartiger Ausbau ist aber nur innerhalb von Jahrzehnten erreichbar."

 

- weltweite Windkraft: "Bei der Windenergie kann nur ein gewisser Anteil des

berechneten globalen technischen Potenzials als nachhaltig nutzbar angesehen

werden. Der Beirat empfiehlt daher global etwa 140 EJ pro Jahr als

langfristig erreichbaren Beitrag der Windenergie zu einer nachhaltigen

Energieversorgung." Andere Experten sehen hier noch mehr Potentiale.

 

- weltweite Solarenergie: "Im Gegensatz zu allen anderen Formen erneuerbarer

Energien sind die technischen und auch die nachhaltig nutzbaren Potenziale

der Sonnenenergie vor dem Hintergrund aller Zukunftsprojektionen